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(c) Simon & Schuster

Weihnachten 1539. Nach dem Kindbetttod seiner dritten Frau Jane Seymour soll Henry VIII. erneut heiraten. Sein Berater Thomas Cromwell schlägt aus politischen Gründen die protestantische Anna von Kleve vor. Henry erhält ein von Hans Holbein angefertigtes Porträt und ist angetan. Anne, die nur zu gern den heimischen Hof und dem dominanten Bruder entkommt, freut sich darauf, Königin von England zu werden. Doch das erste Aufeinandertreffen geht gewaltig schief. Unterdessen hofft Jane Rochford, die Witwe des Bruders von Henrys zweiter Frau Anne Boleyn, auf eine Rückkehr an den Hof, den sie nach dem Skandal um ihren Mann und seine Schwester verlassen musste. Und noch eine weitere Person, die blutjunge Katherine Howard, hofft auf eine Position am Hof.

Philippa Gregory dürfte die bekannteste der Autorinnen sein, die reihenweise Bücher über den Tudor-Hof verfassen. (Hilary Mantel rechne ich an dieser Stelle nicht zu diesen Autorinnen, sie spielt für mich in einer eigenen Liga.) Sprachlich geben ihre Bücher nicht viel her, auch „The Boleyn Inheritance“ nicht, doch es ist gut geschrieben, trotz des wohl bekannten Ausgangs spannend und liest sich hervorragend. Ein sehr guter Schachzug war es meiner Meinung nach, die Zeit am Hof von 1539 bis 1542 abwechselnd aus der Sicht der drei Frauen zu erzählen, die diese Zeit geprägt haben. Jane Rochford wird für gewöhnlich nicht sehr sympathisch dargestellt. Bei Philippa Gregory kommt sie besser weg, muss aber letzten Endes ihre eigenen Charakterschwächen erkennen. Katherine Howard wird wie gewohnt als völlig naiv-ignorantes Kindchen dargestellt, sehr selbstbezogen, aber im Grunde durchaus gutmütig. Ihre Laszivität kam mir etwas übertrieben vor. Anne von Kleve hingegen ist die klare Lichtgestalt unter den drei Protagonistinnen, intelligent und offen, kommt sie beim Volk gut an. Sie durchschaut die übrigen Charaktere und macht eine erstaunliche Entwicklung durch, sie agiert mit wenigen Ausnahmen besonnen und soll Henry überleben. Interessant ist Gregorys Interpretation für Henrys Abneigung gegen Anne, sie erscheint angesichts dessen, dass Anne keineswegs hässlich gewesen sein muss, plausibel.

Philippa Gregory kennt sich sicher sehr gut am Tudor-Hof aus, umso überraschter war ich, einen eindeutigen Fehler zu finden. Wiederholt wird auf Anne Boleyns Tod auf dem Richtblock verwiesen, tatsächlich wurde Anne jedoch mit dem Schwert gerichtet, musste ihren Kopf also keinesfalls auf den Block legen, sondern wurde aufrecht enthauptet. Ganz am Ende des Buches ergab sich mit Bezug auf den Titel des Buchs ein Grund für diese zugegebenermaßen geringfügige Änderung der Tatsachen, den ich nachvollziehen konnte, und ich gehe davon aus, dass Gregory die Änderung bewusst vorgenommen hat.

Ein Unterhaltungsroman über die wohl interessanteste englische Dynastie, den man gut lesen kann.

 

Selten hat mich ein Unglück so beschäftigt, wie der Brand im Grenfell Tower in London diese Woche. Das liegt womöglich an meiner Verbundenheit mit Großbritannien, an der Tatsache, dass es einmal wieder die soziale Unterschicht getroffen hat, und an der Tatsache, dass Wohnhausbrände seit meiner Kindheit mein schlimmster Alptraum sind. Ich hoffe inständig, dass Lily Allen mit ihrer Vermutung, dass das wahre Ausmaß der Katastrophe vor der Öffentlichkeit verheimlicht wird, nicht recht behalten wird, sie wird jedoch von vielen Augenzeugen bestätigt. Die Hinterbliebenen und die Nachbarn, die in ähnlichen Tower Blocks leben, sind in jedem Fall zu Recht aufgebracht, und nicht nur, weil ihre zahlreichen Beschwerden wegen der mangelnden Feuersicherheit des Hauses ignoriert wurden. Ich bin in Gedanken bei ihnen und hoffe, dass ihnen und den Opfern Gerechtigkeit widerfahren wird und dass die Öffentlichkeit über die tatsächlichen Opferzahlen informiert wird. Wer mehr erfahren möchte, kann auf die Twitter die Hashtags #GrenfellTower und #Justice4Grenfell verwenden.

Das Lesen und der Blog sind diese Woche etwas zu kurz gekommen bei mir, da mir die langen Abende vom Freitag und Samstag fehlten, an denen ich tatsächlich mal unterwegs war 😉

Diese Woche (aus-)gelesen: 1

  • Philippa Gregory: The Boleyn Inheritance

Ich lese gerade:

  • Kai Meyer: Lanze und Licht. Der zweite Teil der Wolkenvolk-Trilogie.

Neuzugänge: 0

Diese Woche (aus-)gehört: 0

Ich höre gerade:

  • Ayobami Adebayo: Stay With Me

Hörbuchneuzugänge: 0

Geguckte Filme/DVDs:

  • nix

Gerichte der Woche:

Heißgeliebter griechischer Salat

Leibgericht: Kartoffeln und Zucchini aus dem Backofen

Ich weiß noch nicht, wie die kommende Woche verlaufen wird, aber ich hoffe, dass es wenigstens eine Rezension geben. Euch wünsche ich eine schöne Sommerwoche!

Ach jo. Habe zu Mittag im Ausflugslokal einen Flammkuchen gegessen, der offenbar akute Gehirnlähmung verursacht hat. Ist aber auch warm.

Diese Woche (aus-)gelesen: 0

Ich lese gerade:

  • Philippa Gregory: The Boleyn Inheritance

Neuzugänge: 1

  • Naomi Alderman: The Power. Wie wir seit dieser Woche wissen, ist dies der diesjährige Gewinner des Bailey’s Women’s Prize for Fiction. Ich habe die Preisverleihung per Livestream verfolgt und habe mich gefreut, dass ein Sci-Fi- bzw. ein dystopischer Roman den Preis gewinnen konnte. Bin sehr gespannt auf das Buch!

Diese Woche (aus-)gehört: 1

  • Heinz Strunk: Jürgen

Ich höre gerade:

  • Ayobami Adebayo: Stay With Me

Hörbuchneuzugänge: 1

  • Ayobami Adebayo: Stay With Me. Auch dieser Roman stand auf der Shortlist des Bailey’s Prize. Es geht um ein Paar im Nigeria der 80er Jahre. Als nach mehreren Jahren Ehe noch kein Nachwuchs zu verzeichnen ist, nimmt der Mann eine Zweitfrau – das Paar war sich zuvor jedoch einig, das Polygamie nicht infrage kommt.

Geguckte Filme/DVDs:

  • nix

Gerichte der Woche:

Aubergineneintopf mit Linsenbulgur. Aus der aktuellen Köstlich vegetarisch.

Mangold-Kokos-Risotto mit Zitronen-Chili-Bröseln. Ebenfalls aus der aktuellen Köstlich vegetarisch.

Ich werde gleich noch Duschen und Wäsche aufhängen, dann passiert heute nicht mehr viel. „Abendessen am Mittag“ macht mich immer träge. Ich wünsche euch einen schönen Restsonntag!

(c) Roof Music

Dauer: 5 h 48 min

Sprecher: Heinz Strunk

Jürgen Dose ist Anfang 40, wohnt mit seiner pflegebedürftigen Mutter zusammen und verdingt sich als Parkhauswächter. Er ist ganz und gar durchschnittlich, anständig, aber unattraktiv, weiß alles über Frauen und wie man sie für sich gewinnt, findet aber trotzdem keine. Und das, obwohl er doch so viel unternimmt und zum Speed Dating geht. Außer mit seiner Mutter und deren Pflegerinnen setzt er sich nur mit seinem besten Freund Bernd auseinander, mit dem er gerne in sein Stammlokal, den Kamin 21, geht. Bernd sitzt im Rollstuhl, ist übergewichtig und findet genau wie Jürgen nicht die Frau fürs Leben. Da tut sich eine neue Möglichkeit auf: polnische Frauen, vermittelt über die Agentur „Eurolove“, die Fahrten nach Breslau organisiert.

Im Gegensatz zu dem aus Strunks letztem Buch ist der Protagonist seines neuesten Werkes ein Normalo. Seine Ausbildung konnte er aus gesundheitlichen Gründen nicht beenden, er arbeitet im Parkhaus und ist zufrieden. Nur eine Frau möchte er schon gerne haben, er ist umfassend informiert, steckt trotzdem eine Ablehnung nach der anderen weg und denkt sich auch nicht viel dabei, er kann sich stets seinen Optimismus bewahren. Er bemitleidet seine Mitstreiter auf der Suche nach einer Frau als „arme Willis“ und erkennt dabei gar nicht, dass er selbst so ein armer Willi ist.

Strunks Roman karikiert diesen scheiternden Normalbürger, seine Schilderungen sind bis ins Detail gut beobachtet (Strunk merkte in einem Interview mit der „Zeit“ an, dass er sich durchaus auch schon zu den „armen Willis“ gezählt habe), bilden jedoch keine ganze Milieustudie wie “ Der Goldene Handschuh“. Dies bringt mit sich, dass das Buch auch sprachlich kein Extremstück darstellt wie sein Vorgänger.

Strunks „Jürgen“ ist durchaus gelungen und lesenswert aber kein großer Wurf, der den zwangsläufigen Vergleich mit seinem Vorgänger standhalten kann.

Als Hörbuchleser brilliert Strunk erneut, kein anderer könnte Strunks Charaktere so genial interpretieren wie er selbst, die Hörbuchfassung sei daher dringend empfohlen!

Wenn ich an dieser Stelle begänne, die Geschehnisse dieser Woche zu kommentieren, würde dieser zu einem politischen Beitrag und nicht zu einem über Bücher. Dennoch sind meine Gedanken in diesen Tagen viel in Kabul und in London. Meine Meinung zum Weltgeschehen wird in meinem Twitter-Account (@Idril1) deutlich.

Diese Woche (aus-)gelesen: 1

  • N. K. Jemisin: Die Erbin der Welt. Das Buch war nix für mich, hat mich gelangweilt. Wollte die Reihe abbrechen, aber nachdem ich gelesen habe, dass der zweite Band besser ist, will ich ihm eine Chance geben. 2,5 Sterne.

Ich lese gerade:

  • Philippa Gregory: The Boleyn Inheritance. Nach der Langeweile mit dem letzten Buch brauchte ich etwas, von dem ich weiß, dass es mich zumindest gut unterhält 🙂

Neuzugänge: 0

Diese Woche (aus-)gehört: 1

  • J. K. Rowling: Harry Potter and the Deathly Hallows

Ich höre gerade:

  • Heinz Strunk: Jürgen. Ist allein wegen Strunks Art, zu lesen, schon das Anhören wert.

Hörbuchneuzugänge: 1

  • Heinz Strunk: Jürgen

Geguckte Filme/DVDs:

  • Die letzte Folge der sechsten Staffel von Call the Midwife. Sehr schön, aber nicht ohne Trauriges 🙂

Gerichte der Woche:

 

Buntes Gemüse in Kokossosse mit Vollkorn-Basmatireis. Aus der aktuellen Köstlich vegetarisch

Auberginen-Kartoffel-Curry auf Basmatireis

Vegetarische Gagh, aka Mie-Nudeln mit Sprossen und Sellerie

Ich habe vor, mich heute nur noch dem Stricken, Booktube und dem Lesen zu widmen. Passt ja, da dies der erste kühle Tag seit Langem ist. Ich erwäge gar eine Benutzung der Badewanne. Ziehe in Betracht, mich beim Lesen ein wenig auf Twitter herumzutreiben. Mal schauen. Ich bin so froh, dass morgen Feiertag ist. Schöne Pfingsten, allerseits!

Ich hatte mir fest vorgenommen, mein aktuelles Buch noch im Mai auszulesen, aber das hat leider nicht funktioniert. Ich muss gestehen, ich finde es sehr zäh. Nun denn.

Gelesen: 4

  • Vladimir Nabokov: Lolita – Rezension
  • Han Kang: Die Vegetarierin – Rezension
  • Sarah Andersen: Big Mushy Happy Lump
  • Anne Moody: Coming of Age in Mississippi – Rezension

Gehört: 1

  • J. K. Rowling: Harry Potter and the Deathly Hallows

Neuzugänge: 2

  • Sarah Andersen: Big Mushy Happy Lump
  • Han Kang: Die Vegetarierin – ausgeliehen aus der Bücherei

Hörbuchneuzugänge: 0

Stand Roman-SuB: 100 (-1)

Stand Sachbuch-SuB: 47 (-1)

SuB-Abbau: -2

Gelesene Seiten: 1723

Seiten pro Tag: 56

Ach du Schreck, das ist aber mager. Dabei hatte ich mir für den Mai so viel vorgenommen. Nun, im Juni werde ich zeitig mein erstes Buch beenden, denn ich hab nur noch 30 Seiten.

Ich wünsche euch einen wunderbaren Lesesommer!

(c) Random House

Deutscher Titel: Erwachen in Mississippi (antiquarisch erhältlich)

Anne Moody wird 1940 als Essie May Moody in Centreville, Mississippi geboren. Ihre Kindheit ist geprägt von tiefer Armut und der langsamen Erkenntnis, was es heißt, Mitte des vergangenen Jahrhunderts eine Schwarzafrikanerin im Süden der USA zu sein. Wie viele Schwarze muss Moody früh Geld verdienen, um überhaupt zur Schule gehen zu können, was die meisten Weißen gnadenlos ausnutzen, die die Schwarzen für wenig Geld hart arbeiten lassen. Die Ausnahmen lässt Moody jedoch keineswegs unerwähnt, sie soll während ihrer Ausbildungszeit auch viel Unterstützung durch wohlwollende Weiße erfahren.

Moodys Autobiografie ist in vier Teile gegliedert, „Kindheit“, „High-School“, „College“ und „Die Bewegung“. Im ersten Teil erzählt Moody von prägenden Ereignissen, der Erkenntnis, dass Weiße anders sind, anders essen können als die Schwarzen, oder die Begegnung mit zwei Onkeln im Kindesalter, die eine weiße Hautfarbe und einen weißen Vater haben, aber dennoch niemals als Weiße „anerkannt“ werden können, und die Absurdität des Rassismus verdeutlicht:

„Now I was more confused than before. If it wasn’t the straight hair and the white skin that made you white, then what was it?“ (Seite 35)

Besonders bitter ist die Erfahrung, die Essie May bzw. Anne mit der Familie des neuen Freundes ihrer Mutter machen muss, mit dem Rassismus unter Farbigen:

„Then I began to think about Miss Pearl and Raymond’s people and how they hated Mama and for no reason at all than the fact that she was a couple of shades darker than the other members of their family. Yet they were Negroes and we were also Negroes. I just didn’t see Negroes hating each other so much“. (S. 59)

Vor allem dieser erste Teil des Buchs liest sich flüssig wie ein Roman.

Anne Moody erweist sich als begabte Schülerin und geht nach der Grundschule zur High-School, wo sie weiterhin große schulische Erfolg erzielt, auch im Sport. Mit ihrem Eintritt in die High-School und ihrer zunehmenden Erfahrung mit weißen Arbeitgebern beginnt sie, sich für die Bürgerrechtsbewegung zu interessieren. Harte Arbeit bringt sie aufs College, und nun beginnt Moody ernsthaft, sich für die Rechte schwarzer Bürger zu engagieren. Dies bleibt in ihrer Heimatstadt nicht unbemerkt, was so weit geht, dass es zu gefährlich für sie wird, ihre Familie zu besuchen, die sie eindringlich bittet, ihre Arbeit für die Bürgerrechtsorganisation einzustellen. Auch wenn ich mich schon ein wenig mit der Bürgerrechtsbewegung beschäftigt habe, war es mir vor der Lektüre dieses Buchs nicht klar, wie gefährlich nicht nur ein solches Engagement für die Rechte schwarzer Bürger, sondern schon die bloße Existenz als Afroamerikaner in den Südstaaten war. Dies führte auch zu Konflikten innerhalb der schwarzen Bevölkerung, was sich in folgender Aussage Moodys spiegelt:

„I think I had a stronger resentment toward Negroes for letting the whites kill them than toward the whites.“ (S. 136)

Anne Moodys Autobiografie ist ein eindrucksvolles und sehr zugängliches Zeugnis über das Leben als Afroamerikaner im Süden der USA. Das Buch ist angesichts der Übergriffe der US-Polizei auf schwarze Bürger, die Schwarze grundsätzlich für verdächtig zu halten scheint, aktueller denn je. Anne Moody ist leider 2015 verstorben, trotz aller Erfolge der Bürgerrechtsbewegung hat sie es nicht mehr erleben dürfen, dass Afroamerikaner nicht mehr diskriminiert werden.