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Archive for 20. Oktober 2017

Aufgrund des Riesenandrangs an der Garderobe dachte ich am Freitagmorgen, ich würde es nicht mehr rechtzeitig zum Interview mit Marion Poschmann am Spiegel-Stand schaffen, doch siehe da: die Hallen waren weit weniger voll als erwartet und am Spiegelstand war noch Platz in der ersten Reihe. Marion Poschmanns Roman „Die Kieferninseln“ stand auf der diesjährigen Shortlist des Deutschen Buchpreises. Ich hatte zunächst gar nicht vor, das Buch zu lesen, da die Prämisse mir etwas unglaubwürdig erschien: Mann träumt, seine Frau habe eine Affäre, und hat daraufhin nach Japan ab. Hm. Die eigentliche Reise durch Japan klingt allerdings gut, Poschmanns Beschreibung der Kieferninseln und die Themen, um die es geht, wirkten sehr einladend auf mich, zumal es auch um das geht, was mich an Japan am meisten interessiert: das ländliche, alte Japan, der uralte Shintoismus, die Traditionen. Auch interessant klangen die Ideen und möglichen Interpretationen des Romans, etwa die Spiegelung des Protagonisten in seinem jüngeren Begleiter, einem japanischen Studenten, der die beste Möglichkeit sucht, Suizid zu begehen. Am liebsten hätte ich mir das Buch gleich gekauft und signieren lassen, doch eine Signierstunde war leider nicht vorgesehen. Im Übrigen kam die Autorin sehr sympathisch rüber.

Marion Poschmann am Spiegel-Stand

(c) Suhrkamp

 

Eigentlich wollte ich nun in Halle 4.2., um mir bei einem Sachbuchverlag eine Veranstaltung über Gravitationswellen anzuschauen. Doch, wie es auf der Buchmesse halt so geht, blieb ich am FAZ-Stand hängen, wo gerade Uwe Timm interviewt wurde. Ich muss gestehen, dass mir der Name bekannt war und ich wusste, dass es sich um einen renommierten Autor handelt, aber auch nicht mehr. Gute Gelegenheit, das zu ändern. Er stellte sein neues Buch „Ikarien“ vor, das sich um den Fall eines Nazi-Wissenschaftlers in der unmittelbaren Nachkriegszeit handelt. Ich weiß, viele denken dabei „nicht noch ein Kriegs-/Nachkriegsroman“, aber ich persönlich halte die Verarbeitung der Nazizeit in Büchern immer noch für sehr wichtig und interessant – insbesondere angesichts aktueller politischer Entwicklungen und des unglaublichen Unwissens vieler Schüler, von dem mir die Lehrer unter meinen Freunden berichten. So landete also wieder ganz unerwartet ein weiteres Buch auf der Wunschliste. Für solche Entdeckungen liebe ich die Buchmesse besonders.

Uwe Timm bei der FAZ

 

(c) Kiepenheuer & Witsch

 

Den Vortrag über Gravitationswellen hatte ich nun leider verpasst, aber ich werde mir das Buch mal in der Vorschau ansehen, es hat gute Chancen, auf meiner Sachbuch-Wunschliste zu landen.

(c) Springer

Nach einer Fritten-und-Bier-Stärkung, die leider auch eine Ermüdung bewirkte, begab ich mich mal wieder zum Blauen Sofa, wo John Burnside interviewt werden sollte. Ich war etwas zu früh und so fand ich dort noch Ranga Yogeshwar beim Signieren vor. Natürlich gab es von seinem neuen Buch „Nächste Ausfahrt Zukunft“ (mehr dazu im Samstagsbericht) auch keine Kaufexemplare mehr, sodass ich nichts zum Signieren hatte *heul* Könnt ihr glauben, dass der Mann 58 ist?!

Ranga Yogeshwar beim Signieren

Aufgrund der Erfahrungen mit ausverkauften Büchern kaufte ich mir gleich vorab schon ein Exemplar von John Burnsides „Ashland & Vine“. Normalerweise würde ich es lieber im Original lesen, aber ich wollte natürlich ein signiertes Exemplar 🙂

John Burnsides Roman dreht sich um eine Familie in den Südstaaten der USA – ungewöhnlich für einen schottischen Autor. Da geht es um vieles von der Rassentrennung über die Bürgerrechtsbewegung bis zum Kalten Krieg.

Und jetzt kommt mein Geständnis: Ich hatte zu diesem Zeitpunkt mein Mittagstief und war so müde, dass ich nicht sehr viel vom Interview mit John Burnside mitbekommen habe. Lag auch etwas daran, dass ich versuchte, ihn selbst zu hören, und gleichzeitig der Synchronisation, die natürlich viel lauter war, zu folgen. John Burnside spricht leider auch etwas leise, sodass ich auch beim Signieren Probleme hatte ihn zu verstehen, was mir unendlich peinlich war, da ich schließlich mal 6 Monate in Schottland gewohnt habe. Ich habe aber dummerweise große Probleme, Gesprächen bei starken Nebengeräuschen zu folgen, daher mein Versagen. Ihr könnt euch das Interview aber unter https://www.zdf.de/kultur/das-blaue-sofa/videos/burnside-blaues-sofa-13-10-2017-100.html selbst ansehen.

John Burnside (jetzt mit Bart) beim Signieren

 

(c) Knaus

Ein fester Bestandteil meiner Messebesuche sind die Interviews mit Tanja Kinkel am Droemer Knaur-Stand. Dieses Jahr ging es um ihr neues Buch „Grimms Morde“. Ich muss zugeben, dass ich zum ersten Mal ein wenig skeptisch war, die Gebrüder Grimm gehen gemeinsam mit den Droste-Hülshoff-Schwestern auf Verbrecherjagd? Das schien mir eher unwahrscheinlich. Doch mit ihren Ausführungen zu dem Thema konnte sie mich wieder überzeugen, die beiden Geschwisterpaare waren tatsächlich gut bekannt (die Droste-Hülshoffs hatten Märchen zur Sammlung der Gebrüder Grimm beigetragen) und auch einen der beiden Mordfälle gab es wirklich, sodass es durchaus nahelag, für einen fiktiven Roman einen Zusammenhang herzustellen. Tanja Kinkel sprach noch eine Reihe weiterer interessanter Aspekte aus der Zeit an, was erneut belegt, wie gut und gewissenhaft sie ihre Bücher recherchiert. Und so habe ich auch dieses Mal natürlich ein signiertes Exemplar mitgenommen 🙂

Tanja Kinkel liest aus „Grimms Morde“

 

(c) Droemer Knaur

Nach dem Signieren rannte ich rüber zur ARD-Bühne, wo ich leider schon einen Teil des Interviews mit Peter Wohlleben verpasst hatte. Ich hatte schon „Das Seelenleben der Tiere“ als Hörbuch gehört und sehr gemocht. Wohllebens neues Buch „Das geheime Netzwerk der Natur“ klingt richtig spannend und wird sicher auf meinem SuB landen.

Peter Wohlleben auf der ARD-Bühne

(c) Ludwig Verlag

Immer noch sehr müde wechselte ich zurück in Halle 3.0 wo wieder ein Sitzplatz in der 1. Reihe (die Hallen waren am Freitag erstaunlich leer) beim Spiegel-Stand und ein Interview mit Volker Weidermann über dessen neues Buch „Träumer“ lockte. Darin berichtet Volker Weidermann über ein Phänomen, über das ich bisher nur sehr wenig weiß: die Münchner Räterepublik, laut Wikipedia „im April 1919 der Versuch, im fünf Monate zuvor ausgerufenen Freistaat Bayern eine sozialistische Republik nach rätedemokratischem Muster durchzusetzen“. An der Spitze dieser Bewegung standen Dichter bzw. Schriftsteller. Das Buch soll keine trockene Geschichtsstunde sein, sondern spannend und gut lesbar wie ein Krimi. Das heißt: ein weiterer ungeplanter Neuzugang auf meiner Wunschliste 😉

 

Mal andersherum: Volker Weidermann ist nicht der Interviewer sondern der Interviewte.

 

(c) Kiepenheuer & Witsch

 

Als letzten Autorentermin des Tages hatte ich mir das Interview mit Renate Künast am selben Stand ausgesucht, sodass ich gleich sitzenbleiben konnte. Ich hatte schon Künasts Buch „Die Dickmacher“ gelesen, das ich überzeugend fand. In ihrem neuen Buch geht es um ein ganz anderes, topaktuelles Thema: die unglaublich hasserfüllten und menschenverachtenden Kommentare, die Menschen wie Politiker oder auch Flüchtlingshelfer in den sozialen Netzwerken erhalten. Bekannterweise bietet die Anonymität des Internets hierfür eine regelrechte Spielwiese und beseitigt offenbar jegliche Hemmschwelle. Künasts Reaktion auf solche Kommentare finde ich unheimlich mutig: Sie besuchte die Absender von Hasskommentaren in ihrem Zuhause. Künasts Analyse der Ursachen für diesen Hass und die Wut der Wutbürger ist sicher ein lesenswerter und wichtiger Beitrag.

Renate Künast über „Hass ist keine Meinung“

(c) Heyne

 

Nun wollte ich den Messetag auf der traditionellen Happy Hour des Ehrengastes ausklingen lassen. Nur leider fand diese nicht statt. Eine halbe Stunde, nachdem sie hätte beginnen sollen, gab ich es auf und verließ den Ehrengast-Pavillon, um mir draußen Udo Lindenberg live anzuschauen. Leider habe ich noch von anderer Seite gehört, dass der Ehrengast Frankreich auch in anderer Hinsicht enttäuschte. Ich persönlich fand etwa die Gestaltung des Restaurants beim Ehrengast nicht gelungen. Sonst handelt es sich hierbei um ein Selbstbedienungsrestaurant, was angesichts vieler Termine für die Besucher auch am besten ist, und wo es bisher auch immer eine vegetarische Alternative gab. Dieses Jahr war das Restaurant eines mit Bedienung und, wenn ich nichts übersehen habe, ausschließlich mit Fleischgerichten. Zu aufwendig für viele Messebesucher. Kein Wunder, dass das Restaurant im Gegensatz zu anderen Jahren immer leer war, wenn ich vorbeiging… Was die Gestaltung des Ehrengastpavillons angeht, bin ich etwas zwiegespalten. Die Halle war vollgestellt mit Regalen und Büchern von französischen Autoren. Einerseits sicher informativ, andererseits etwas einfalls- und lieblos, außerdem war meine Aufnahmefähigkeit inzwischen begrenzt, sodass ich einfach nur durchlief. Kein Vergleich zu den wirklich schönen Ausstellungen von Indonesien oder Finnland in vergangenen Jahren. Schade.

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Ehrengastpavillon

Wie schon erwähnt, schaute ich mir das Live-Konzert von Udo Lindenberg und seinem Panik-Orchester anlässlich des Erscheinens des Bildbandes „Stärker als die Zeit -Die Stadiontour“ auf der Agora an. Ich war wirklich begeistert, der Sound war klasse und die Stimmung super. Vor allem habe ich mich gefreut, dass Udo mein Lieblingslied von ihm (Cello) spielte. So war der Abschluss dieses Messetages für mich doch noch sehr gelungen.

Udo live auf der Open Stage

 

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