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Archive for the ‘Auswandererroman’ Category

(c) Penguin Random House Audio

Deutscher Titel: Exit West

Dauer: 4h 42 min

Sprecher: Mohsin Hamid

In einer nicht benannten Stadt in einem nicht benannten Land des Nahen Ostens begegnen sich Nadia und Saeed in der Abendschule. Die beiden verlieben sich, während die Situation in dem Land in einem schrecklichen Bürgerkrieg mündet. Nadia und Saeed erfahren von sogenannten „Türen“, die plötzlich an beliebigen Orten entstehen und zu verschiedenen wohlhabenden Ländern führen, und beschließen, zu flüchten.

Selten habe ich erlebt, dass ein für einen so wichtigen Preis wie den Man Booker Prize nominiertes Buch so unterschiedliche Reaktionen bei Menschen hervorruft, auf deren Literaturkenntnis ich vertraue. Die Meinungen gehen wirklich von furchtbar bis wunderbar. Ein häufiger Kritikpunkt ist, dass es keinerlei Erklärung hinsichtlich des Entstehens und der Funktionsweise der Türen zu den reichen Ländern gibt. Ich bin selbst nicht der allergrößte Fan von magischem Realismus, aber Hamid hat hier ein in meinen Augen plausibles Argument: Er wollte sich darauf konzentrieren, wie es dem Flüchtlingspaar in ihrem Zielland ergeht, und nicht auf die Fluchtgeschichte, die in der Realität ja ein eigenes Thema ist. Ich hatte keine Probleme, mich darauf einzulassen, dass diese Türen jetzt nun mal einfach existieren, tatsächlich sind sie ein ziemlich geniales Konstrukt, um die Schilderung der Fluchtproblematik zu umgehen.

Der zweite Kritikpunkt liegt bei Hamids Sprache, die einige Rezensenten als sehr schlecht und unbeholfen empfinden. Tatsächlich scheint Hamid den Lesern der Printausgabe schier unendlich lange Sätze zuzumuten. Zudem sind einige Metaphern, die der Autor wählt, meiner Meinung nach wirklich etwas misslungen. „…with the slow serenity of a masticating cow“? Ernsthaft? Da gibt es noch mehr Beispiele, andere Bilder haben mir aber durchaus gefallen. Ich möchte kein endgültiges Urteil über die Sprache abgeben, ich bin keine Muttersprachlerin und andere können das besser beurteilen. Ich muss jedenfalls festhalten, dass das Problem mit den langen Sätzen beim Hörbuch weniger zum Tragen kommt, da der Autor natürlich weiß, wie er seine eigenen Sätze betonen muss. Da fällt es nicht auf, dass im Print ewig lang kein Punkt kommt. Die Sprache ist ansonsten sehr klar und die misslungenen Metaphern wiegen nicht so schwer, dass ich insgesamt zu einem negativen Urteil käme.

Sehr gut gefallen hat mir die sehr realistische Schilderung der Liebesbeziehung zwischen Nadia und Saeed. Das ist keine Insta-Love-Happy-Ever-After-Geschichte. Vor allem die späteren Kapitel fand ich in dieser Beziehung sehr gelungen.

Nicht nur die Liebesgeschichte ist glaubwürdig und realistisch, auch die Szenarien, die Hamid für die Flüchtlingsmassen entwirft, die durch die Türen in die Industrieländer strömen, sind trotz des Elements des magischen Realismus durchaus plausibel und bieten interessante Denkanstöße.

Ergo: Ich zähle zu den Freunden dieses Romanes, wenn ich auch ich nicht restlos begeistert bin.

Dass der Autor sein Buch selber spricht, bringt neben dem oben genannten Aspekt auch den Vorteil, dass er selbst durch seine pakistanische Herkunft mit leichtem Akzent spricht, der gut zum Thema passt.

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(c) Penguin

(c) Penguin

Deutscher Titel: Im Rausch der Freiheit (?, doof, oder?)

Im frühen siebzehnten Jahrhundert gründen niederländische Siedler an der Südspitze der amerikanischen Insel Manna-Hatta eine Siedlung, die sie „Neu-Amsterdam“ nennen. Etwa 50 Jahre später haben sich Kaufleute dort niedergelassen und einen bescheidenen Wohlstand erwirtschaftet. An diesem Punkt setzt Rutherfurds Geschichte mit der ersten einiger fiktiven Familien ein, anhand derer er die Geschichte der späteren Metropole New York von den Anfängen bis zu den schrecklichen Ereignissen des 11. September 2001 erzählt.

Zugegeben, Edward Rutherfurds Bücher sind keine großartige Literatur. Für Geschichtsfreaks wie mich oder Fans der jeweiligen Städte oder Regionen ist sein Konzept jedoch genial – die Geschichte des Ortes wird verpackt in die Erlebnisse mehrerer Familien über zahlreiche Generationen hinweg erzählt. In kaum einen Roman erhält man so geballte Informationen und wird dabei noch bestens unterhalten. So bin ich Edward Rutherfurd seit meiner Jugend treu und lese alle seine Bücher.

„New York“ gehört zu den Werken, die mir besonders gut gefallen haben. Auch wenn ich kein USA-Fan bin, fasziniert mich doch die Geschichte des Landes. Ich war noch nie in New York, aber die Metropole ist aus TV-Bildern, Büchern und anderen Medien doch so vertraut, dass ihre Entstehungsgeschichte richtig spannend für mich war.

Ein Aspekt, der mir sehr gut gefallen hat, war, dass Rutherfurd viele Ereignisse schildert, die weniger bekannt sind und speziell New York betreffen. So wird zwar der Unabhängigkeitskrieg sehr ausführlich behandelt, weil New York hierfür auch ein wichtiger Schauplatz war, aber den Bürgerkrieg erlebt der Leser in dem Buch eher indirekt: Es werden keine der bekannten Schlachten thematisiert, sondern die Draft Riots von 1863, ein Aufstand gegen die Wehrpflicht, bei dem insbesondere Schwarzen nachgestellt wurde, die man für den Krieg verantwortlich machte. Ein weiteres Beispiel ist das verheerende Feuer in der Triangle Shirtwaist Factory, bei dem 146 Arbeiterinnen und Arbeiter ums Leben kam, unter anderem, weil Türen verschlossen waren, um Arbeiter am Müßiggang zu hindern. So bringt Rutherfurd auch viele soziale Themen ein, der Brand war unter anderem der Anlass für eine Verbesserung der Arbeitsbedingungen in den USA. Weitere Themen sind die High Society von New York, der einem Adelsstand gleichkam, sowie Antisemitismus.

Was mich ein wenig gestört hat, war, dass die Geschichte einiger Familien im Verlauf des Buchs abreißt und nicht mehr weiterverfolgt wird. Insbesondere der schwarzen Familie und den indianischen Nachfahren der ersten Hauptperson hätte mehr Raum gegeben werden können. Auch fand ich es schade, dass nicht wie in den anderen Büchern Rutherfurds ein Stammbaum der Familien angegeben war – zumindest nicht in meinem Arrow Books-Paperback.

Nichtsdestotrotz habe ich die Lektüre von „New York“ fast so genossen wie die von „London“ (aber nur fast!) Ich habe ständig in die Karten geschaut und bei Wikipedia vieles nachgelesen, Bücher, die mich auf diese Art und Weise fesseln, machen mir besonders viel Spaß. Und die letzten 120 Seiten musste ich in einem Rutsch lesen.

Nicht zuletzt hat Rutherfurd noch etwas geschafft: Zum ersten Mal sage auch ich: Ja, ich will New York irgendwann mal sehen.

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(c) Penguin

(c) Penguin

Irland in den Fünfzigerjahren des vergangenen Jahrhunderts. Wie viele andere junge Frauen lebt Eilis in relativer Armut, hat kaum Aussichten auf eine Anstellung. Doch da der Vater verstorben ist und sie und ihre Mutter vom Gehalt der älteren Schwester leben, sieht Eilis sich in der Pflicht, als sie die Möglichkeit hat, nach New York, genauer gesagt nach Brooklyn, auszuwandern und dort in einem Kaufhaus zu arbeiten. Eilis nimmt die Bürde auf sich, opfert sich. Doch kann sie in New York glücklich werden, als Verkäuferin und weit weg von ihrer Familie?

Colm Tóibíns Roman, der im Jahr 2009 den renommierten Costa Novel Award gewann, ist im Grunde genommen sehr viel länger als 252 Seiten. Denn ich habe selten ein Buch gelesen, in dem so viel unausgesprochen bleibt, wie dieses. Eilis erfüllt ihre Pflicht, ohne sich zu beschweren, dieses Schema zieht sich durch das gesamte Buch. Dass sie damit ihre Freiheit und ihr Glück aufgibt, es steht zwischen den Zeilen, wird deutlich in Bildern. Tóibín erweist seinen Lesern damit viel Vertrauen, dass sie sein Buch richtig lesen werden. So bleibt manche Szene seltsam unbefriedigend, doch im Nachhinein wird klar – das war beabsichtigt. Denn diese Szenen machen die Unzulänglichkeit von Eilis‘ Situation und ihrer Beziehungen deutlich.

Sprachlich liest sich der Roman sehr schön, am besten gefallen haben mir die Schilderungen der Eindrücke, die in Brooklyn auf Eilis einprasseln:

„For each day, she thought, she needed a whole other day to contemplate what had happened and store it away, get it out of her system so that it did not keep her awake at night or fill her dreams with flashes of what had actually happened and other flashes that had nothing to do with anything familiar, but were full of rushes of colour or crowds of people, everything frenzied and fast.“ (Seite 58)

Auch der Multi-Kulti-Faktor Brooklyns wird wunderbar beschrieben, jeder wird dort, unabhängig von der Herkunft, (angeblich) gleich behandelt. Doch dies endet spätestens bei Schwarzamerikanern, der grassierende Rassismus im Amerika der Rassentrennung wird in nur wenigen leisen, jedoch eindrücklichen Bildern geschildert.

Ein Plot-Twist sorgt dafür, dass Eilis für einen Besuch nach Irland zurückkehren muss – und wieder steht sie vor einer schwierigen Entscheidung, die auf den Leser herzzereißend wirken kann.

Colm Tóibín hat ein schönes, einfühlsames Buch geschrieben, das den Leser die Bitternis der Pflichterfüllung schmecken lässt.

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(c) Diogenes Hörbuch

(c) Diogenes Hörbuch

Dauer: 9 h 42 min

Sprecher: Stefan Kaminski

Prag in den Dreißigerjahren: Der junge Mosche Goldenhirsch, Sohn eines Rabbiners, sieht eine Vorstellung des „Zauberzirkus“ mit dem geheimnisvollen Halbmondmann und seiner ebenso geheimnisvollen und schönen Assistentin. Anschließend weiß er, was er will: ein großer Zauberer werden.

Los Angeles in den 2000ern: Der neunjährige Max Cohn ist verzweifelt, als er erfährt, dass seine Eltern sich scheiden lassen wollen. Beim Auszug seines Vaters fällt ihm eine alte Schallplatte mit Aufnahmen des großen Zauberers Zabbatini in die Hände. Begeistert stellt Max fest, dass es auf der Platte auch einen Liebeszauber gibt. Könnte der nicht helfen, seine Eltern wieder zusammenzuführen? Doch Max muss feststellen, dass die Platte an der entscheidenden Stelle einen Kratzer hat. Also beschließt er, den alten Zauberer zu suchen.

Es ist keine großartige, keine brillante Geschichte, die Emanuel Bergmann dem Leser auf zwei verschiedenen Zeitebenen fällt, doch sie ist gewitzt, amüsant, traurig und berührend. Sie bringt den Leser zum Schmunzeln und macht neugierig darauf, ob Max mit dem Liebeszauber am Ende etwa Erfolg hat. Die Geschichte der Erfahrungen eines Juden im zweiten Weltkrieg, die die Zeitebene in der Vergangenheit schildert, ist sicher keine Neuerfindung des Rads, interessant wird sie im Zusammenspiel mit der zweiten Zeitebene. Dies gilt auch für Mosche als Protagonisten, anders als in vielen anderen Romanen mit zwei Zeitebenen ist seine Charakterisierung auch in der Jetztzeit detailliert, so wird der Vergleich des jungen und des verschrobenen alten Mannes interessant. Der zweite Protagonist Max erscheint mitunter zu naiv für sein Alter. Abgesehen davon durchläuft er die typischen Krisen eines Scheidungskindes und sticht ansonsten nicht sonderlich hervor als Charakter.

Das Ende des Buches ist gleichzeitig überraschend und vorhersehbar, denn das absehbare Ende wird durch einen sehr spät neu eingeführten Aspekt ergänzt.

Großartig wird dieses Hörbuch durch seinen Sprecher Stefan Kaminski. Das war für mich die bisher beste Leistung eines Hörbuchsprechers, die ich gehört habe, vielleicht mit Ausnahme von Stephen Fry als Sprecher der Harry Potter-Reihe. Vor allem der alte Zabbatini mit seinem jiddischen Akzent wurde beim Hören vor meinen Augen lebendig. Ich suche Hörbücher in der Regel nicht nach dem Sprecher aus, aber bei Stefan Kaminski werde ich das in Zukunft erwägen.

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(c) Harper Collins

Deutscher Titel: Der Zug der Waisen

New York, 1929: Die kleine Niamh ist das älteste Kind einer irischen Auswandererfamilie. Nach einem Unglück, bei dem sie ihre Familie verliert, wird sie von einer Hilfsorganisation zusammen mit zahlreichen weiteren Kindern jeden Alters in einen sogenannten Waisenzug gesetzt, der sie zu aufnahmebereiten Familien weiter im Westen des Landes bringen soll. Leider sehen viele potentielle Adoptiveltern die Kinder eher als billige Arbeitskräfte oder gar als Arbeitssklaven. Auch Niamh, deren Name zu unaussprechlich für amerikanische Ohren ist, hat es sehr schwer. Maine 2011: Die sechzehnjährige Molly lebt als Pflegekind bei wenig verständnisvollen Adoptiveltern. Nach einem Vorfall in der Schule wird sie zur Leistung von Sozialstunden verdonnert. Sie soll in einem großen Anwesen einer alten Dame namens Vivian beim Aufräumen des Speichers helfen. Vivian, die einmal Niamh hieß, beginnt Molly ihre Geschichte zu erzählen.

Christina Baker Kline bedient sich in ihrem Roman eines Erzählschemas, das derzeit besonders beliebt ist: dem Wechsel zwischen Vergangenheit und Gegenwart. Gut gemacht, mag ich diese Erzählweise. Die Geschichte der jungen Niamh bzw. Vivian ist spannend erzählt und schockierend angesichts der Ausbeutung der Kinder und der schreienden Ungerechtigkeit. Als Vivian schließlich erwachsen ist, schreitet mir die Handlung jedoch zu schnell voran, was auch daran liegt, dass der interessanteste Teil der Geschichte zu diesem Zeitpunkt bereits erzählt ist. Die Autorin hätte sich hier vielleicht ganz auf Vivians Kindheit konzentrieren sollen, dann hätte allerdings eine kleine Liebesgeschichte gefehlt, die eingeflochten ist und vielen Lesern vielleicht wichtig ist.

Die in der Gegenwart ablaufende Geschichte hat mir ebenfalls gefallen, die junge Molly hat ihre Ecken und Kanten, was sie aber erst recht sympathisch macht. Ihr leiblicher Vater ist Angehöriger eines Stammes der nordamerikanischen Ureinwohner und mir hat gefallen, wie Molly in ihrer Schularbeit Vivians Schicksal mit den Traditionen ihres Volkes in Verbindung bringt.

Das Buch ist in einer angenehmen Sprache geschrieben und liest sich sehr flott.

Solide Unterhaltungsliteratur mit spannendem und bisher selten thematisiertem historischem Hintergrund.

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Coverabbildung

(c) Kiepenheuer & Witsch

Wolf ist sechs Jahre alt, als sein Vater mit ihm 1939 vor den Nazis nach Istanbul flieht. Sie wohnen bei der Familie von Abdullah Bey, einem einflussreichen Bewohner des Siebentürmeviertels, in dem Menschen aus vielen verschiedenen Kulturen leben. Wolf lebt sich schnell ein und obwohl viele ihn „Arier“ oder „Hitlersohn“ nennen, fühlt er sich dem Siebentürmeviertel bald stärker verbunden als seiner deutschen Heimat.

Nein, es war kein Coverkauf, auch wenn ich das Cover für mich persönlich zum schönsten des Jahres 2015 erkoren habe. Eine umgekehrte Migration, Deutsche, die in die Türkei auswandern, im Jahr 1939? Das klingt definitiv spannend. Und tatsächlich ist das Buch sehr interessant. Auf nahezu 800 Seiten entführt uns Feridun Zaimoglu in eine exotische Welt, geprägt von Konflikten bezüglich der Religion und Herkunft der Bewohner, Blutrache und Familienehre. Ich hatte Probleme, mich in diese Denkweise einzufinden, die auch der junge Wolf bald übernimmt. Daher viel mir die Lektüre des Buches nicht ganz leicht, sie war etwas mühsam. Es war auch etwas schwierig, den Überblick über die zahlreichen Nebencharaktere, ihre Eigenschaften,  ihre Herkunft und ihre Familienverhältnisse zu behalten, ohne das Personenverzeichnis am Ende wäre ich verloren gewesen, obwohl ich normalerweise selten Probleme mit einer großen Zahl von Charakteren habe. Die Erzählweise ist eher episodenhaft, es gibt zwar einen roten Faden, der jedoch relativ spät einsetzt und nicht sehr stark ausgeprägt ist. Die Sprache ist sehr variabel, trägt passagenweise Züge eines Prosagedichtes, da des Öfteren aus dem Werk eines fiktiven Dichters zitiert wird.  Dies erschwert die Lektüre insbesondere kombiniert mit dem Fehlen von Anführungszeichen, das es manchmal schwierig macht, den jeweiligen Sprecher zu identifizieren. (Können wir bitte wieder Anführungszeichen in der Hochliteratur einführen? Welchen Sinn soll das Weglassen eigentlich haben, entgeht mir da was?) Auch die ganze Thematik um Ehre und Rache prägt die Sprache des Buches, die Wortwahl der Charaktere. Mehr als einmal fand ich es schwer zu glauben, dass ein Kind sich wirklich so verschnörkelt ausdrücken würde, auch wenn die Sätze sprachlich sicherlich wunderschön sind. („Du bist kalt wie ein Grabstein im Regen“ (Seite 67), „… Soll ich mich in den Brunnenschacht stürzen, in die tiefe Grube, sollst du, Bruder, weil deine Schöne ungeküsst bleibt, sollst du also deshalb die Scherbe ergreifen, soll die Scherbe dich zehn Mal beißen, ich Deutschblut, du Türkenstolz, sind wir die Brut, die das Pack jagt, was fliehen wir vor den Hyänen… (Seite 379))

Trotz dieser Aspekte, die ich als störend empfand, bin ich froh das Buch gelesen zu haben, denn seine Stärke ist es, den Leser in das bunte Treiben im Siebentürmeviertel zu versetzen, dessen besondere Kultur sehr lebendig beschrieben wird.

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(c) Canongate

Deutscher Titel: Sarahs Traum

New South Wales, Australien, im 19. Jahrhundert. Sarah ist die jüngste Tochter des ehemaligen Sträflings William Thornfield und Protagonisten aus „The Secret River„. Die Familie lebt in einem bescheidenen Wohlstand, doch Sarah ahnt nicht, was ihr Vater getan hat, um diesen Wohlstand zu erreichen. Als Jugendliche verliebt sich Sarah in den Halb-Aborigine Jack, doch die junge Liebe steht unter schlechten Zeichen.

Ich hatte sehr befürchtet, dass diese Fortsetzung von „Secret River“, das mir gut gefallen hat, sich als kitschiger und überdramatisierter Liebesroman entpuppen würde. Doch glücklicherweise ist sie das nicht. Ja, es geht zunächst viel um die Liebe, doch der Schwerpunkt des Romans verlagert sich in seinem Verlauf. Mir gefiel nicht so sehr, dass dieser Roman sich sehr auf seine Protagonistin konzentriert, doch auch diesbezüglich ändert sich das Buch etwa ab der Hälfte – nun wird wie in „Secret River“ das Unrecht thematisiert, das den Aborigines angetan wurde. Kate Grenville gelingt dies allerdings weniger überzeugend als im ersten Roman, auch die Auflösung am Ende ließ mich eher kalt. Sarahs Jammereien um ihre frühere Liebe sind etwas nervig.

Am meisten interessiert haben mich an dem Buch die Beschreibungen von Australien im 19. Jahrhundert, die allerdings nicht so viel Platz einnehmen wie in Buch 1.

Das Buch liest sich sehr gut und schnell, die Sprache ist einfach. Sarah fungiert als Ich-Erzählerin, sie kann weder lesen noch schreiben und drückt sich auch sehr einfach aus. Dies ist ein weiterer Kritikpunkt, den ich habe, eine Erzählweise in der dritten Person mit einer etwas ausgefeilteren Sprache hätte dem Buch sicher gut getan. Den Dialekt bzw. die einfache Sprechweise hätte man immer noch in den Dialogen darstellen können.

Eine Fortsetzung, die sich gut liest, aber nicht an ihren Vorgänger heranreicht. Ganz nett, aber nicht mehr.

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