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Archive for the ‘Deutschsprachige Literatur’ Category

(c) Hörbuch Hamburg

Sprecher: Marc-Uwe Kling

Dauer: 8 h 26 min

In einer nahen Zukunft in einem Land, das in Qualityland umbenannt wurde, fristet Peter Arbeitsloser (die bisherigen Nachnamen wurden durch die Berufe der Eltern zum Zeitpunkt der Zeugung geändert) sein Leben als nicht erfolgreicher Maschinenverschrotter. Er hat gerade so Level 10 von 200 möglichen und droht damit, in die Kategorisierung als „Nutzloser“ abzurutschen. Dann ist auch noch Schluss mit seiner Freundin, der die Partnervermittlung Qualitypartner eine bessere Partie zugeteilt hat. Als ihm TheShop, der weltweit größte Versandhändler, bei dem man gar nicht mehr erst bestellen muss, sondern anhand des allmächtigen Algorithmus automatisch alles zugesandt bekommt, was man haben möchte, ihm einen pinken Delfinvibrator schickt, läuft das Fass über. Den will er überhaupt nicht! Doch das gute Stück zurückzugeben, erweist sich als schwieriger denn angenommen…

Die Frage „was kommt von Marc-Uwe Kling nach dem Känguru“ hing bis zum Erscheinen seines ersten tatsächlich als Roman angelegtem Buch einigermaßen groß im Raum. Die Angst vor Enttäuschung war bei vielen Fans sicher groß. „Qualityland“, das in einer hellen und einer dunklen Version erschienen ist (der Unterschied sind die immer am Kapitelanfang stehenden Nachrichtenmeldungen, Werbetexte etc.; die jeweils andere Version dieser kann im Internet nachgeschaut werden) kommt jedoch keineswegs als schwächelndes Stiefkind des Kängurus daher: Marc Uwe-Kling legt mit einer realitätsnahen, gleichzeitig beängstigenden und irre komischen Dystopie noch einen drauf. Man muss das Buch gar nicht mit der Känguru-Trilogie vergleichen, es kann prima alleine stehen (wobei für Känguru-Liebhaber da schon ein paar Stellen eingebaut wurden ;-)). Beim Lesen lacht man über die absurden gesellschaftlichen Entwicklungen, bis einem klar wird: Das ist alles andere als abwegig. Genau so oder so ähnlich kann es kommen. Das Leben eines jeden wird bestimmt von seinem Profil, das gleichzeitig für alles gilt in einem allumfassenden sozialen Netzwerk. Selbst, welche Partei man wählt, wird vorgeschlagen, und wenn man sich anders entscheidet, wird nachgefragt „möchtest du wirklich…“

Auch wenn das Werk völlig eigenständig ist, setzt Kling unter anderem auch auf bewährte Stilmittel: Hier sind es nicht die falsch zugeordneten Zitate, sondern wie oben bereits erwähnt Nachrichtenmeldungen und Werbebotschaften, die den Kapiteln vorausgehen, und auch der ein oder andere Running Gag kommt vor, was wir Fans natürlich lieben. Der Loser Peter Arbeitsloser wird von einer Reihe von defekten Robotern unterstützt, darunter ein Kampfroboter und ein Sexroboter sowie eine Drohne mit Flugangst.

Bei allem Humor – und dieses Buch ist wirklich, wirklich sehr komisch und hat mich oft laut lachen lassen – hier hält Marc-Uwe Kling unserer Gesellschaft einen Spiegel vor und fragt uns: Wollen wir das wirklich? Denn das ist, worauf es hinausläuft in unserer vernetzten, personalisierten und eben auch zunehmend gläsernen Welt. Das ist Satire, und zwar vom Feinsten. Eine hundertprozentige Empfehlung für alle, nicht nur Känguru-Fans! 10 Sterne!

Wie auch beim Känguru gilt: Marc-Uwe Kling ist live am besten zu genießen. Daher sei das Hörbuch, ein Live-Mitschnitt, unbedingt empfohlen. Wobei ich mir wahrscheinlich die dunkle Edition als Printexemplar gönnen werde. 😉

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(c) Bastei Lübbe

England im Jahre 1360: Der zwölfjährige Robin von Waringham wird in einem Kloster erzogen. Die Nachricht vom Tod seines Vaters trifft ihn besonders hart, da dieser Verrat begangen und sich danach selbst gerichtet haben soll. Der Verrat geht mit dem Verlust des Adelstitels und des Besitzes der Familie einher. Obwohl Robins Mutter schon lange verstorben ist und seine Schwester in einem Kloster an der Grenze zu Wales lebt, kehrt Robin nach Waringham zurück, um sich als Stallbursche zu verdingen. Der neue Earl of Waringham ist ihm gegenüber freundlich gesinnt, ganz anders als sein Sohn Mortimer…

Rebecca Gablés erster Roman in der Waringham-Saga ist inzwischen 20 Jahre alt, ich bin also ziemlich spät auf den Zug aufgesprungen. Das Setting des ersten Bandes interessiert mich sehr: England unter der Herrschaft der Plantagenets, während des Hundertjährigen Krieges. Auch wie das Buch angelegt ist, ist genau mein Ding: fiktive Figuren in Interaktion mit historischen. Dementsprechend war ich zuversichtlich, dass mir das Buch gefallen wird. Und tatsächlich gefielen mir sowohl die fiktiven Charaktere, besonders Robins Schwester Agnes, als auch die Darstellung der historischen Persönlichkeiten, von denen John of Gaunt, der Sohn des Königs Edward III. und Duke of Lancaster, der wichtigste ist. Er wird häufig negativ dargestellt, in Gablés Roman ist er in eingeschränkter Form ein Sympathieträger. Mortimer, der Bösewicht des Romans, ist eine dieser Figuren, die man mit Vergnügen hasst, ich musste des Öfteren an Joffrey aus The Song of Ice and Fire aka Game of Thrones denken. Doch Gablés Charaktere sind erfreulicherweise nicht eindimensional, wir lernen auch Mortimers verletzliche Seite kennen.

Wie bereits erwähnt, gefällt mir die lebendige Darstellung der historischen Charaktere und Ereignisse sehr gut, der Leser erfährt viel über englisch-europäische Geschichte und Politik, Gablés Recherche ist tadellos.

Was mich dazu veranlasst, dem Buch nur 3 von 5 Sternen zu geben, ist der Plot, der vor allem auf Spannung und die Feindschaft zwischen Robin und Mortimer angelegt ist. Hierdurch wird leider vieles auch sehr vorhersehbar und klischeehaft, was vor allem für die wichtigste Liebesgeschichte gilt. Als sich diese andeutete, dachte ich nur: „stöhn, bitte nicht“. Da ich nicht spoilern will, äußere ich mich hier nicht näher dazu, aber es handelt sich um ein gängiges Plot-Device, das mich wirklich sehr genervt hat. Auch die Feindschaft zwischen Robin und Mortimer ist so ein Plot-Device, ein Klischee, das in dem Buch etwas zu stark strapaziert wird. Und leider auch etliche Längen in dem 1300-Seiten-Wälzer erzeugt.

Nichtsdestotrotz werde ich auch den zweiten Teil der Saga lesen, denn Gablés Werke sind wegen ihrer guten historischen Darstellung definitiv lesenswert. Vielleicht gelingt es Rebecca Gablé im nächsten Band besser, mich zu überraschen.

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(c) Roof Music

Dauer: 5 h 48 min

Sprecher: Heinz Strunk

Jürgen Dose ist Anfang 40, wohnt mit seiner pflegebedürftigen Mutter zusammen und verdingt sich als Parkhauswächter. Er ist ganz und gar durchschnittlich, anständig, aber unattraktiv, weiß alles über Frauen und wie man sie für sich gewinnt, findet aber trotzdem keine. Und das, obwohl er doch so viel unternimmt und zum Speed Dating geht. Außer mit seiner Mutter und deren Pflegerinnen setzt er sich nur mit seinem besten Freund Bernd auseinander, mit dem er gerne in sein Stammlokal, den Kamin 21, geht. Bernd sitzt im Rollstuhl, ist übergewichtig und findet genau wie Jürgen nicht die Frau fürs Leben. Da tut sich eine neue Möglichkeit auf: polnische Frauen, vermittelt über die Agentur „Eurolove“, die Fahrten nach Breslau organisiert.

Im Gegensatz zu dem aus Strunks letztem Buch ist der Protagonist seines neuesten Werkes ein Normalo. Seine Ausbildung konnte er aus gesundheitlichen Gründen nicht beenden, er arbeitet im Parkhaus und ist zufrieden. Nur eine Frau möchte er schon gerne haben, er ist umfassend informiert, steckt trotzdem eine Ablehnung nach der anderen weg und denkt sich auch nicht viel dabei, er kann sich stets seinen Optimismus bewahren. Er bemitleidet seine Mitstreiter auf der Suche nach einer Frau als „arme Willis“ und erkennt dabei gar nicht, dass er selbst so ein armer Willi ist.

Strunks Roman karikiert diesen scheiternden Normalbürger, seine Schilderungen sind bis ins Detail gut beobachtet (Strunk merkte in einem Interview mit der „Zeit“ an, dass er sich durchaus auch schon zu den „armen Willis“ gezählt habe), bilden jedoch keine ganze Milieustudie wie “ Der Goldene Handschuh“. Dies bringt mit sich, dass das Buch auch sprachlich kein Extremstück darstellt wie sein Vorgänger.

Strunks „Jürgen“ ist durchaus gelungen und lesenswert aber kein großer Wurf, der den zwangsläufigen Vergleich mit seinem Vorgänger standhalten kann.

Als Hörbuchleser brilliert Strunk erneut, kein anderer könnte Strunks Charaktere so genial interpretieren wie er selbst, die Hörbuchfassung sei daher dringend empfohlen!

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(c) Carlsen

China im 18. Jahrhundert, und zwar ein China, in dem Drachen real sind. Das Mädchen Nugua sollte als Baby den Drachen geopfert werden, stattdessen zogen sie sie groß. Nugua kennt keine Menschen, sieht sich selbst als Drache. Doch dann verschwinden die Drachen über Nacht spurlos. Nugua macht sich auf die Suche nach ihnen. Ein paar Kilometer weiter oben lebt der vierzehnjährige Niccolo am Rand einer gigantischen Wolke. Ja, einer Wolke. Das aus Italien stammende Wolkenvolk kannte einst eine vom großen Leonardo entwickelte Technologie, die Wolken verfestigt und bewohnbar macht. Seitdem ist viel Zeit vergangen und beim Wolkenvolk sind Wissen und Bücher verpönt. Was sich als fatal herausstellt, als die Aetherpumpen, die die Wolke stabil halten, plötzlich versagen und die Wolke abzustürzen droht. Niccolo macht sich seinerseits auf der festen Erde auf die Suche nach den Drachen, denn deren Atem ist nichts anderes als der kostbare Aether.

Ich wollte schon länger einmal ein Buch von Kai Meyer lesen und der erste Band der Wolkenvolk-Trilogie war nun mein erstes Werk von ihm. Ich hatte eine ganze Weile keine klassische Fantasy gelesen und fühlte mich in dem Buch gleich wohl. Das World Building ist nicht das plausibelste, aber wirklich innovativ und schön gemacht. Das Kopfkino hat bei diesem Buch bestens funktioniert. Alternative Welten zu unserer finde ich immer besonders reizvoll und die Situierung in China ist mal etwas anderes. Die Figuren sind nicht sehr tiefgängig, aber liebevoll gezeichnet, Nukua steht durch ihre Kindheit bei den Drachen hervor, der „Kostümmensch“ Feiquing sorgt für Comic Relief.

Auch sprachlich ist Kai Meyers Buch schön gemacht, wobei man im Hinterkopf behalten sollte, dass es sich um ein Jugendbuch handelt.

„Seide und Schwert“ ist kein Meisterwerk, aber schöne, kurzweilige und originelle Fantasy, die beiden Fortsetzungen werde ich gerne zur Hand nehmen.

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(c) Audiobuch

Sprecherin: Nicole Jäger

Dauer: 7 h 56 min

Als Nicole Jäger meint, einen Herzinfarkt zu haben, hat sie keine Ahnung, wie viel sie wiegt. Beim letzten Wiegen vor Ewigkeiten waren es 140 Kilo. Und jetzt bekommt sie offenbar die Quittung. Nicole verspricht ihrem Körper, dass jetzt alles anders wird, wenn er nur jetzt nicht aufgibt. Als sie mithilfe zweiter Waagen ihr tatsächliches Gewicht ermittelt, kann sie es nicht fassen: über 340 Kilo…

Ernährungs- und Abnehmcoach Nicole Jäger erzählt in ihrem ersten Buch von ihrem eigenen langen und steinigen Weg zur Halbierung ihres Gewichts. Sie bringt immer noch ca. 160 kg auf die Waage, aber 170 Kilo Gewichtsverlust? Ohne Magen-OP, sei vermerkt. Davor habe ich auf jeden Fall Respekt.

Einige zweifeln Jägers hohes Ausgangsgewicht und ihre Fachkenntnisse bzw. Wissenschaftlichkeit an. Ich habe selbst zu wenig Ahnung, um dies beurteilen zu können, und will mir daher auch nicht anmaßen, darüber zu urteilen. Was eine Empfehlung des Buches angeht, möchte ich schon mal vorwegnehmen: Das Buch ist unterhaltsam, sympathisch und lustig geschrieben und ganz sicher auch sehr interessant. Ich würde jedoch davon abraten, allein auf der Grundlage dieses Buches abnehmen zu wollen und stattdessen auch andere Ratgeber zur Hand zu nehmen. In einigen Dingen unterscheiden sich Jägers Aussagen stark von denen der anderen Autorin, die zurzeit von sich reden macht und deren Buch „Fettlogik überwinden“ ich ebenfalls kürzlich gelesen und rezensiert habe, nämlich Dr. Nadja Hermann. Beispiel „Hungerstoffwechsel“. Dr. Hermann legt in ihrem Buch plausibel dar, dass es so etwas schlicht nicht gibt. Jäger hingegen warnt ausdrücklich und ausführlich davor. In diesem und anderen Punkten, in denen die Meinungen abweichen, tendiere ich dann doch dazu, Dr. Hermann zu folgen.

In anderen Punkten sind die beiden sich hingegen einig, etwa bei der einfachen Tatsache, dass Diäten wie die „Ananasdiät“ totaler Quatsch sind und dass abnimmt, wer weniger zu sich nimmt, als er verbraucht. Das Kalorienzählen lehnt Jäger jedoch im Unterschied zu Dr. Hermann ab, was ich nicht ganz verstehe. Ich kann mir zumindest für mich selbst nicht vorstellen, ohne Kalorienzählen erfolgreich zu sein.

Nicole Jäger klärt in ihrem Buch auch einige Mythen bezüglich Fettleibigkeit auf und stellt frappierende Vergleiche an. Dicke Frauen freuen sich beispielsweise keineswegs, wenn Männer ihre Vorliebe für Übergewichtige bekunden. Stellen Sie sich vor, ein Mann würde zu einer schlanken Frau sagen: „Ich finde dich ja so schön dünn, da steh ich voll drauf!“ Wie hört sich das an? Genau.

Gefallen hat mir auch Jägers Verteidigung der Kohlenhydrate, ich bin nämlich selbst auch gar kein Fan strenger Kohlehydratdiäten. Klar, Nudelportionen verkleinern und zu Vollkorn greifen, aber gänzlich  verteufeln und darauf verzichten? Nö, nicht für mich, denn der Körper braucht Kohlehydrate.

Gestört hat mich die Repetitivität in dem Buch: Einige Dinge bekommen wir immer wieder zu lesen bzw. zu hören, die 170 Kilo und einige Ratschläge werden mehrfach erwähnt, mit der Zeit erscheinen die Ratschläge auch ein wenig gönnerhaft.

Mein Fazit lautet: Wenn es euch interessiert, dann lest das Buch, oder besser, hört es euch an, denn Nicole Jäger liest genauso sympathisch, wie sie schreibt. Sicher macht das Buch Übergewichtigen auch Mut und motiviert sie (auch wenn Jäger das Wort nicht leiden kann ;-)), abzunehmen und auch bei Rückschlägen am Ball zu bleiben. Wenn ihr selbst abnehmen wollt, greift aber unbedingt auch zu Nadja Hermanns Buch „Fettlogik überwinden„, das überzeugender und seriöser ist.

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(c) Ullstein

Dr. Nadja Hermann hat selbst eine lange Diät- und Abnehm- und Zunehmkarriere hinter sich, als sie schließlich 150 auf die Waage bringt – morbide Adipositas – und beginnt, all die Theorien hinter den verschiedensten Diäten und deren Scheitern auf den Prüfstand zu stellen. Das Ergebnis überrascht sie: Praktisch alle dieser Theorien können widerlegt werden.

Ob Stoffwechselunterschiede, Schilddrüsenerkrankungen, Hungermodus und Jojo-Effekt – letztlich kann keiner dieser vermeintlichen Hinderungsgründe aufrecht erhalten werden, wenn konsequent eine Vorgehensweise gewählt wird: Es muss einfach weniger verzehrt werden, als verbraucht wird.

Das ist Dr. Nadja Hermanns Schlussfolgerung aus ihrer jahrelangen intensiven Beschäftigung mit dem Thema und ihrer eigenen Abnahme, von 150 auf unglaubliche 63 kg bei einer Größe von 1,75 m. Hermann räumt in ihrem Buch mit diesen „Fettlogiken“ auf, jede dieser Logiken entspricht einem Kapitel. Sie erklärt, wo der Denkfehler in der jeweiligen Logik liegt, teilweise untermalt mit Comics, die den Unsinn der entsprechenden Theorie auf frappierende Weise deutlich machen und den Leser zum Schmunzeln bringen.

Der Erfolg des Buches kommt nicht von ungefähr: Ich kenne persönlich mehrere Personen, die nach seiner Lektüre abgenommen haben, und zwar viel!

Hermann setzt sich aber auch mit den Kritikern ihrer starken Abnahme auseinander, zeigt, dass keineswegs heute ein viel schlankeres Schönheitsideal herrscht als beispielsweise in den 50er und 60er Jahren. Ein wenig erschreckend sind die Kapitel, in denen Hermann die ganzen Gesundheitsrisiken bespricht, die Übergewicht mit sich bringt und die teilweise bereits bei einem etwas höher liegenden Normalgewicht beginnen. Da musste ich das ein oder andere Mal schlucken. Für die eigene Motivation sind das besonders lohnende Passagen!

Hermann kritisiert außerdem die Fat-Acceptance-Bewegung, betont, dass Übergewichtige selbstverständlich nicht beleidigt oder diskriminiert werden dürfen, dass es aber aufgrund der Gesundheitsrisiken nicht vertretbar ist, anderen das Abnehmen zu verleiden oder sie daran hindern zu wollen.

Viel zu kritisieren habe ich an dem Buch nicht, man könnte höchstens überlegen, ob Hermanns radikale Vorgehensweise bei der eigenen Abnahme (sie aß über Monate nur 500 Kalorien täglich) 1:1 auf eine weniger drastische Kalorienreduzierung übertragbar ist, aber Praxisbeispiele und pure Logik deuten darauf hin, dass es auch dann funktioniert, nur eben nicht ganz so schnell. Auch das umfangreiche Literaturverzeichnis ist ein Hinweis auf die Validität von Hermanns Aussagen.

Nicht so gelungen fand ich die Bilder, anhand deren Hermann ihre eigene Abnahme dokumentiert, ihre Qualität ist nicht sehr gut, worunter die Aussagekraft ein wenig leidet, aber Hermanns Abnahme steht wohl außer Frage, sodass sie ihren Zweck durchaus erfüllen.

„Fettlogik überwinden“ hat mir in mancherlei Hinsicht die Augen geöffnet und mich gründlich motiviert, mein eigenes Gewicht zu reduzieren. Seit Beginn der Lektüre des Buchs habe ich schon einmal 2 Kilo abgenommen. Ich empfehle es unbedingt allen, die abnehmen und fitter und gesünder werden wollen.

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(c) Roof Music

Sprecher: Thomas Melle

Dauer: 9 h 36 min

Der Schriftsteller Thomas Melle dokumentiert in seiner Autobiografie die Erkrankung, an der er seit vielen Jahren leidet: Er ist bipolar. Früher nannte man das „manisch-depressiv“, und das ist, so Melle, der besser passende Ausdruck, auch wenn er den Versuch, die Krankheit mithilfe des neuen Begriffes zu entstigmatisieren, anerkennt. Bipolar, manisch depressiv, wie vielen anderen sicher auch war mir die Krankheit ein Begriff, ich wusste auch ungefähr, wie das Krankheitsbild aussieht, manische und depressive Phasen wechseln sich ab. Ich wusste, Carrie Fisher war bipolar und Stephen Fry ist es auch. Doch was die Manie wirklich bedeutet, das war mir nicht klar. Ich dachte, es handelt sich um eine Art euphorischen Zustand, doch tatsächlich sieht die Manie ganz anders aus, ist geprägt von Wahn, Paranoidität und einer Wesensveränderung der betroffenen Person.

Thomas Melle leidet an einer besonders schweren Form der Bipolarität, die mit einem stark erhöhten Suizidrisiko verbunden ist. Seine Schilderungen seiner manischen Phasen machen betroffen, schockieren angesichts des Ausmaßes, in dem die Krankheit sein Leben zerstörte. Melles Sprache ist kraftvoll und ausdrucksstark, sehr literarisch und dabei klar, was mir ausgezeichnet gefallen hat. Melle konzentriert sich auf die drei Schübe der Manie, die er bisher durchgemacht hat und die sich in ihrer Schwere und Dauer jeweils steigerten. Er glaubt in diesen Phasen, dass sich die ganze Welt um ihn dreht, dass er jeden kennt und jeder ihn kennt, dass alles, Songtexte, Zeitungsartikel, Kinofilme, sich auf ihn beziehen. Die Krankheit zerstört seine zwischenmenschlichen Beziehungen, bedroht seine schriftstellerische Tätigkeit, lässt ihn in den finanziellen Abgrund stürzen.

Mitleidhascherei ist mit Sicherheit das letzte, was Thomas Melle mit seiner Autobiografie erreichen will. Der empathische Leser kann jedoch nicht anders, als sich in ihn hineinzuversetzen und sich zu wünschen, die Krankheit möge ihn zukünftig in Ruhe lassen. Was Thomas Melle sicher eher beabsichtigte, ist, Aufklärung über die Krankheit zu betreiben und Verständnis für Betroffene allgemein zu generieren. Ich denke, dass er auch persönlich seinen Mitmenschen seine Verhaltensweisen erklären wollte. All dies gelingt ihm überzeugend in besonders lesenswerter Sprache.

Zum Hörbuch: Man merkt Thomas Melle an, dass er kein geübter Sprecher ist, sein Vortrag klingt schon recht vorgelesen, dennoch finde ich es grundsätzlich gut, wenn ein Autor seine Biografie selber liest, es bringt den Text dem Leser automatisch näher. Darum kann ich das Hörbuch definitiv empfehlen.

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