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Archive for the ‘Geschichte’ Category

(c) Penguin

Deutscher Titel: Naturgeschichte der Gespenster: Eine Beweisaufnahme (Naturkunden), erschienen im Verlag Matthes & Seitz Berlin

Dass ich diesen Artikel ausgerechnet heute veröffentliche ist tatsächlich Zufall, aber ein schöner 😉

Kaum jemand kann sich Grusel- und Geistergeschichten wirklich entziehen, selbst wer die Existenz des Übernatürlichen konsequent ablehnt, kennt sicher doch diesen angenehmen Schauer, der uns bei gruseligen Geschichten und Berichten über den Rücken läuft. Nicht umsonst ist die britische Reality-TV-Sendung „Most Haunted“ so beliebt, zumal in dem Land, Großbritannien nämlich, das wohl über die meisten Spukorte weltweit verfügt. Roger Clarke geht so weit, den Geisterglauben als eine Art Ersatzreligion im ansonsten immer stärker säkularisierten Westen, speziell Großbritannien, zu betrachten:

„Belief in the paranormal has become a form of decayed religion in secular times: ghosts are the ghosts of religion itself“. (Seite 291)

Dieser Satz lässt schon ahnen: Roger Clarke ist kein total abgehobener Freak, der seine Leser zum Übersinnlichen bekehren möchte. Vielmehr ist der Journalist seit seiner Jugend ein anerkannter Experte auf dem Gebiet der Geistererscheinungen, der uns mit dem vorliegenden Buch einen Überblick über deren Geschichte liefert, in den geschilderten Fällen kann er auch meistens gleich die Auflösung anbieten (was mancher Leser, durchaus auch ich, manchmal ein bisschen schade finden mag).

Gleich zu Beginn des Werks stellt Clarke dar, um was es in dem Buch nicht geht: um die Frage, ob Geister existieren. Es gibt zu viele belegte Fälle von Geistererscheinungen, um ihre Existenz gänzlich leugnen zu können. Clarke will vielmehr erklären, was hinter solchen Phänomenen steckt. Für diese nennt er einige Beispiele, dir mir wirklich haben die Haare zu Berge stehen lassen und mir eine schlaflose Nacht verschafft haben (ich bin da eventuell ein klitzekleines bisschen empfänglich…)

Das zweite Kapitel, „A Taxonomy of Ghosts“, fand ich ganz besonders interessant und hilfreich, liefert es doch eine genaue Klassifizierung der verschiedenen Geistererscheinungen. Es folgt ein Kapitel über verschiedene berühmte Geisterjäger im Verlauf der Geschichte. Die weiteren Kapitel behandeln einzelne berühmte Fälle von Heimsuchungen, beginnend mit einem klassischen Spukhaus im 18. Jahrhundert.

Ich muss sagen, dass ich diese Kapitel nicht mehr ganz so fesselnd fand wie die Eingangskapitel, was aber schlicht daran liegt, dass mich in diesem Fall ausnahmsweise weniger die Geschichte interessiert als heute existierende Spukvorkommnisse und heimgesuchte Plätze. Dennoch habe ich mich gerade aufgrund des sachlichen Vorgehens des Autors kaum getraut, das Buch im Bett zu lesen. Roger Clarke erscheint sowohl kundig als auch glaubhaft.

Wie bereits erwähnt konnten die meisten der besprochenen Fälle tatsächlich aufgelöst werden, was jedoch nicht bedeutet, dass Roger Clarke die Existenz von Geistern widerlegt. Ich interpretiere das Buch eher so, dass es solche Phänomene gibt und dass wir vielleicht einfach in vielen Fällen noch nicht entdeckt haben, was in wissenschaftlicher Hinsicht dahinter steckt. Im Verlauf der Geschichte gab es immer wieder Entdeckungen und Auflösungen für bis dahin Unerklärbares. Man stelle sich vor, wie ein Mensch aus dem Mittelalter oder aus noch früheren Zeiten auf einen Fernseher oder gar Computer reagieren würde. Eine sehr spannende Frage, wie ich finde, auch in psychologischer Hinsicht. Ein empfehlenswertes Buch.

In diesem Sinne wünsche ich euch ein schönes Halloween, oder, wie ich persönlich eher nenne, schönes Samhain!

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(c) Penguin

(Eine deutsche Ausgabe scheint nicht zu existieren)

Bill Bryson hat sich als Autor zahlreicher Sachbücher über ein großes Spektrum hinweg einen Namen gemacht und wird von vielen besonders für sein Talent, die witzigsten Geschichten und Fakten ausfindig zu machen, sowie seinen trockenen Humor geliebt. Ich muss gestehen, dass ich bisher außer Notes From a Small Island nichts von ihm gelesen habe – was aber nicht an mangelndem Interesse liegt, sondern an der überwältigenden Anzahl von Büchern, die ich unbedingt bald lesen muss.

Der Titel des Buchs „Made in America“ kann ein wenig irreführen, ich hatte eigentlich ein Buch darüber erwartet, was es heißt, in Amerika geboren und aufgewachsen zu sein. Tatsächlich handelt es sich aber um die Geschichte der Entwicklung der englischen Sprache in Amerika seit der Besiedlung durch britische Auswanderer. Was mir durchaus recht ist, denn ich bin von Haus aus Sprachwissenschaftlerin und interessiere mich brennend vor allem für Sprachentwicklung. Das gilt insbesondere für die ganz frühe Entwicklung der Sprachen aus dem indoeuropäischen Sprachenkreis.

Und dann haut der Mann mich doch schon in der Einführung um, indem er erwähnt, dass der Aufzählreim „Eenie, meenie, minie, mo“ nicht nur älter ist als die römische Besatzung des alten Britanniens, sondern eventuell sogar aus vorkeltischer Zeit stammt. Damit hatte er mich. Gänsehaut pur. Die ersten Kapitel beschäftigen sich mit der Sprache der ersten Siedler, die natürlich noch britisch war. Hochinteressant daran finde ich, dass das damalige Englisch in der Aussprache eher dem heutigen amerikanischen Englisch ähnelt – das britische Englisch ist dasjenige, das sich weiter von der Ausgangssprache wegentwickelt hat. Bryson erklärt anhand zahlreicher Beispiele den damaligen Zustand der englischen Sprache und bleibt dabei immer unterhaltsam. Auch sein berühmter Humor blitzt immer wieder auf. Viele Fakten finde ich absolut faszinierend, so erklärt Bryson beispielsweise in einer Fußnote, dass „you“ ursprünglich die Pluralform von „ye“ („du“) war und dass dieser Plural in der Deklination mit „you are“ erhalten blieb, während es ja eigentlich „you is“ heißen müsste. Überhaupt hatte ich mehrfach den Eindruck, dass die alten Sprachformen häufig in Dialekten überleben, bei den Aussprachebeispielen dachte ich wiederholt „das hört sich ein bisschen an wie Cockney“. Ihr merkt, dieses Thema finde ich hochgradig spannend.

Bryson beschränkt sich allerdings nicht komplett auf die Linguistik, sondern beschäftigt sich auch mit einigen historischen Mythen und Fakten, etwa über die tatsächliche „Entdeckung“ Amerikas, die ja lange vor Kolumbus stattfand. Im weiteren Verlauf des Buches geht Bryson auf die Weiterentwicklung des amerikanischen Englisch in den folgenden Jahrhunderten ein. Stark geprägt ist die amerikanische Sprache natürlich von der Vielzahl der Herkunftsländer der Emigranten. Vor allem Ortsnamen sind vermehrt auf indianische Sprachen zurückzuführen, wobei der Einfluss der Sprachen der Urbevölkerung eher als gering einzustufen ist. Je mehr wir uns der Moderne nähern, umso mehr beeinflussen nichtlinguistische Entwicklungen und Erfindungen die Sprache. Dementsprechend gibt es Kapitel über die Küche, die Elektrifizierung, Baseball und andere Sportarten oder Werbung. Mich persönlich interessieren diese Themen weniger stark als die geschichtlich weiter zurückliegenden Aspekte, weshalb das Buch mich in seinem Verlauf nicht mehr ganz so stark fesseln konnte. Die Themen fächern sich außerdem immer mehr auf, sodass sie einen Hauch von Aufzählcharakter gewinnen.

Was in dem Buch noch fehlt, ist der Einfluss der Cyberwelt und der hochgradigen Vernetzung durch das Internet. Das kann man dem Buch jedoch nicht vorwerfen, denn es ist von 1994 und konnte diese Entwicklungen daher nicht erfassen. In dieser Hinsicht wäre eine Neuauflage mit einem ergänzenden Kapitel interessant.

Ein weiteres unterhaltsames und kompetent verfasstes Sachbuch von Bill Bryson.

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(c) Simon & Schuster

Weihnachten 1539. Nach dem Kindbetttod seiner dritten Frau Jane Seymour soll Henry VIII. erneut heiraten. Sein Berater Thomas Cromwell schlägt aus politischen Gründen die protestantische Anna von Kleve vor. Henry erhält ein von Hans Holbein angefertigtes Porträt und ist angetan. Anne, die nur zu gern den heimischen Hof und dem dominanten Bruder entkommt, freut sich darauf, Königin von England zu werden. Doch das erste Aufeinandertreffen geht gewaltig schief. Unterdessen hofft Jane Rochford, die Witwe des Bruders von Henrys zweiter Frau Anne Boleyn, auf eine Rückkehr an den Hof, den sie nach dem Skandal um ihren Mann und seine Schwester verlassen musste. Und noch eine weitere Person, die blutjunge Katherine Howard, hofft auf eine Position am Hof.

Philippa Gregory dürfte die bekannteste der Autorinnen sein, die reihenweise Bücher über den Tudor-Hof verfassen. (Hilary Mantel rechne ich an dieser Stelle nicht zu diesen Autorinnen, sie spielt für mich in einer eigenen Liga.) Sprachlich geben ihre Bücher nicht viel her, auch „The Boleyn Inheritance“ nicht, doch es ist gut geschrieben, trotz des wohl bekannten Ausgangs spannend und liest sich hervorragend. Ein sehr guter Schachzug war es meiner Meinung nach, die Zeit am Hof von 1539 bis 1542 abwechselnd aus der Sicht der drei Frauen zu erzählen, die diese Zeit geprägt haben. Jane Rochford wird für gewöhnlich nicht sehr sympathisch dargestellt. Bei Philippa Gregory kommt sie besser weg, muss aber letzten Endes ihre eigenen Charakterschwächen erkennen. Katherine Howard wird wie gewohnt als völlig naiv-ignorantes Kindchen dargestellt, sehr selbstbezogen, aber im Grunde durchaus gutmütig. Ihre Laszivität kam mir etwas übertrieben vor. Anne von Kleve hingegen ist die klare Lichtgestalt unter den drei Protagonistinnen, intelligent und offen, kommt sie beim Volk gut an. Sie durchschaut die übrigen Charaktere und macht eine erstaunliche Entwicklung durch, sie agiert mit wenigen Ausnahmen besonnen und soll Henry überleben. Interessant ist Gregorys Interpretation für Henrys Abneigung gegen Anne, sie erscheint angesichts dessen, dass Anne keineswegs hässlich gewesen sein muss, plausibel.

Philippa Gregory kennt sich sicher sehr gut am Tudor-Hof aus, umso überraschter war ich, einen eindeutigen Fehler zu finden. Wiederholt wird auf Anne Boleyns Tod auf dem Richtblock verwiesen, tatsächlich wurde Anne jedoch mit dem Schwert gerichtet, musste ihren Kopf also keinesfalls auf den Block legen, sondern wurde aufrecht enthauptet. Ganz am Ende des Buches ergab sich mit Bezug auf den Titel des Buchs ein Grund für diese zugegebenermaßen geringfügige Änderung der Tatsachen, den ich nachvollziehen konnte, und ich gehe davon aus, dass Gregory die Änderung bewusst vorgenommen hat.

Ein Unterhaltungsroman über die wohl interessanteste englische Dynastie, den man gut lesen kann.

 

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(c) Random House

Deutscher Titel: Erwachen in Mississippi (antiquarisch erhältlich)

Anne Moody wird 1940 als Essie May Moody in Centreville, Mississippi geboren. Ihre Kindheit ist geprägt von tiefer Armut und der langsamen Erkenntnis, was es heißt, Mitte des vergangenen Jahrhunderts eine Schwarzafrikanerin im Süden der USA zu sein. Wie viele Schwarze muss Moody früh Geld verdienen, um überhaupt zur Schule gehen zu können, was die meisten Weißen gnadenlos ausnutzen, die die Schwarzen für wenig Geld hart arbeiten lassen. Die Ausnahmen lässt Moody jedoch keineswegs unerwähnt, sie soll während ihrer Ausbildungszeit auch viel Unterstützung durch wohlwollende Weiße erfahren.

Moodys Autobiografie ist in vier Teile gegliedert, „Kindheit“, „High-School“, „College“ und „Die Bewegung“. Im ersten Teil erzählt Moody von prägenden Ereignissen, der Erkenntnis, dass Weiße anders sind, anders essen können als die Schwarzen, oder die Begegnung mit zwei Onkeln im Kindesalter, die eine weiße Hautfarbe und einen weißen Vater haben, aber dennoch niemals als Weiße „anerkannt“ werden können, und die Absurdität des Rassismus verdeutlicht:

„Now I was more confused than before. If it wasn’t the straight hair and the white skin that made you white, then what was it?“ (Seite 35)

Besonders bitter ist die Erfahrung, die Essie May bzw. Anne mit der Familie des neuen Freundes ihrer Mutter machen muss, mit dem Rassismus unter Farbigen:

„Then I began to think about Miss Pearl and Raymond’s people and how they hated Mama and for no reason at all than the fact that she was a couple of shades darker than the other members of their family. Yet they were Negroes and we were also Negroes. I just didn’t see Negroes hating each other so much“. (S. 59)

Vor allem dieser erste Teil des Buchs liest sich flüssig wie ein Roman.

Anne Moody erweist sich als begabte Schülerin und geht nach der Grundschule zur High-School, wo sie weiterhin große schulische Erfolg erzielt, auch im Sport. Mit ihrem Eintritt in die High-School und ihrer zunehmenden Erfahrung mit weißen Arbeitgebern beginnt sie, sich für die Bürgerrechtsbewegung zu interessieren. Harte Arbeit bringt sie aufs College, und nun beginnt Moody ernsthaft, sich für die Rechte schwarzer Bürger zu engagieren. Dies bleibt in ihrer Heimatstadt nicht unbemerkt, was so weit geht, dass es zu gefährlich für sie wird, ihre Familie zu besuchen, die sie eindringlich bittet, ihre Arbeit für die Bürgerrechtsorganisation einzustellen. Auch wenn ich mich schon ein wenig mit der Bürgerrechtsbewegung beschäftigt habe, war es mir vor der Lektüre dieses Buchs nicht klar, wie gefährlich nicht nur ein solches Engagement für die Rechte schwarzer Bürger, sondern schon die bloße Existenz als Afroamerikaner in den Südstaaten war. Dies führte auch zu Konflikten innerhalb der schwarzen Bevölkerung, was sich in folgender Aussage Moodys spiegelt:

„I think I had a stronger resentment toward Negroes for letting the whites kill them than toward the whites.“ (S. 136)

Anne Moodys Autobiografie ist ein eindrucksvolles und sehr zugängliches Zeugnis über das Leben als Afroamerikaner im Süden der USA. Das Buch ist angesichts der Übergriffe der US-Polizei auf schwarze Bürger, die Schwarze grundsätzlich für verdächtig zu halten scheint, aktueller denn je. Anne Moody ist leider 2015 verstorben, trotz aller Erfolge der Bürgerrechtsbewegung hat sie es nicht mehr erleben dürfen, dass Afroamerikaner nicht mehr diskriminiert werden.

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(c) Macmillan

(c) Macmillan

„Little Bighorn“ und „Wounded Knee“ sind Begriffe, die die meisten von uns im Zusammenhang mit den nordamerikanischen Ureinwohnern sicherlich schon einmal gehört haben. Wer sich schon einmal ein bisschen näher mit ihnen befasst hat, weiß wahrscheinlich, dass die Schlacht am Little Bighorn die größte Niederlage der US-Armee unter General Custer im Kampf gegen die Indianer war. Und Wounded Knee? Dort haben die amerikanischen Soldaten eines der Massaker gegen die Indianer verübt. Wer den Film „Little Big Man“ mit Dustin Hoffmann gesehen hat, hat vielleicht eine genauere Vorstellung von den Grausamkeiten. Und wer es genau wissen will, liest „Bury My Heart at Wounded Knee“, deutsch „Begrabt mein Herz an der Biegung des Flusses“.

Dee Brown hatte selbst kein indianisches Blut, freundete sich jedoch schon in seiner Jugend mit Indianern an. In diesem seinem bekanntesten Buch schildert er den letzten Widerstand verschiedener Indianerstämme gegen die US-Gewalt aus Sicht der Ureinwohner. Letztlich sollte jeder Widerstand niedergeschlagen und alle überlebenden Indianer in Reservate gesteckt werden – häufig fernab ihres ursprünglichen Stammesgebiets. Die vernichtenden Auswirkungen auf den Geist, das Gemüt der Ureinwohner wird in dem Buch deutlich spürbar.

Was mich wohl an Dee Browns Schilderungen am meisten schockiert hat, war, mit welcher Selbstverständlichkeit die Soldaten Massaker an den Indianern verübten, oft, ohne provoziert worden zu sein. Ein ums andere Mal wurde den Indianern versprochen, dass ihnen nichts geschehen würde, wurden entsprechende Verträge geschlossen, und ein ums andere Mal wurden die Versprechen und die Verträge gebrochen und die Indianer niedergemetzelt. Die Indianer signalisierten häufig umsonst ihre friedvollen Absichten. Beim Sand-Creek-Massaker sandten sie den Soldaten ein kleines Mädchen mit einer weißen Fahne entgegen – niemand glaubte, dass die Soldaten ein kleines Mädchen töten würden. Doch genau das passierte. Die Berichte von den Massakern sind kaum zu ertragen.

Es gab Vorwürfe, Dee Browns Sichtweise sei einseitig indianisch, mit dem Hinweis, die Indianer hätten auch untereinander Grausamkeiten verübt. Dies verschweigt Brown jedoch nicht, stellenweise erwähnt er solche Kämpfe, aber sie sind nicht Thema dieses Buchs. Sie sind wohl kaum eine Rechtfertigung für die verübten Gräueltaten an den Indianern. Sicher töteten die Indianer auch Weiße, aber sie kämpften ums pure Überleben ihrer Kultur. Sie waren größtenteils gewillt, die Weißen in ihrem Land zu akzeptieren, sie wollten nur in ihren Gebieten weiterleben.

Dee Browns Buch ist die Dokumentation dieses Kampfes, den die Indianer nur verlieren konnten. Viele wurden ermordet, obwohl sie sich ergeben hatten. Insofern war die massenhafte Tötung der Indianer nichts anderes als ein Genozid.

Nachbemerkung: Meine eindeutige Stellungnahme für die Seite der Indianer soll selbstverständlich keinen Angriff gegen heutige US-Bürger darstellen!

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Da das Buch leider nur noch antiquarisch erhältlich ist, habe ich leider keine Coverabbildung für euch. Eine deutsche Übersetzung liegt nicht vor.

„INSANE ASYLUM“. A place where insanity is made.“ (S. 123) So lakonisch umschreibt eine der Patientinnen, die in diesem Sachbuch zu Worte kommen, die Einrichtungen in den USA, in denen sie Monate, manchmal auch viele Jahre, verbringen mussten, häufig ohne echte medizinische Diagnose. Um ein ausgewogenes Bild zu bieten, enthält das Buch auch Berichte von Frauen, denen tatsächlich geholfen wurde. Doch die überwältigende Mehrheit der Patientinnen wurde in der jeweiligen Einrichtung der Willkür der Aufsichtspersonen ausgesetzt, sie wurden menschenunwürdig behandelt, mitunter gequält. Häufig reichten nichtige Gründe, etwa eine unliebsame Meinung, die sich nach der Meinung des Vaters oder des Ehemannes der Frau nicht für eine solche gehörte, um sie für verrückt zu erklären, manchmal wollte der Mann die Frau auch einfach nur loswerden. Es ist schier unerträglich zu lesen, wie ausgeliefert Frauen Männern in vergangenen Zeiten waren. Entsprechend wütend und aufgebracht war ich bei der Lektüre über weite Strecken dieses Buches.

Das Buch beginnt mit einem sehr interessanten Vorwort der amerikanischen Psychologin Phyllis Chesler gefolgt von einer nicht minder interessanten Einführung der Autoren in das Thema. Daraufhin folgen die Augenzeugenberichte der betroffenen Frauen, die zeitlich in vier Abschnitte gegliedert wurden, um das sich in Laufe der Zeit verändernden Frauenbild widerzuspiegeln. Den Berichten aus den verschiedenen Zeitabschnitten sind Erläuterungen eben dieses Frauenbildes sowie Beschreibungen der allgemeinen Zustände in Einrichtungen für Geisteskranke und der jeweilige Stand der Psychologie vorangestellt.

Die Augenzeugenbericht stammen von vielen verschiedenen Frauen, entsprechend unterschiedlich lesen sie sich auch. Die meisten von ihnen stimmen jedoch darin überein, dass der Aufenthalt eine Qual war und es im Grunde ein Wunder ist, dass die Frauen ihren ja häufig völlig gesunden Geisteszustand über lange Zeiträume hinweg bewahren konnten. Die Frauen wurden nach Aussage einer Patientin schlimmer behandelt als Verbrecher:

„Most criminals have some sort of a trial before they are punished; but here, all that is required, is the misrepresentation of an angry attendant, who thus secures to her helpless victim the punishment, which her own conduct justly merits upon herself…“ (Seite 62)

Die Beschreibungen der teilweise gänzlich unwissenschaftlichen Behandlungsmethoden sind kaum zu ertragen:

„Based on the unfounded assumptions that psychiatric illness resulted from gynecological disease, these treatments were directed at women’s reproductive organs… Other women were subject to electrical charges applied to the uterus…“ (Seite 100-101)

Es wird noch schlimmer, aber das möchte ich euch an dieser Stelle ersparen.

Das aufschlussreiche Buch endet mit einem Epilog, in dem die Autoren feststellen, dass die Zustände in psychiatrischen Kliniken heute keineswegs bestens sind und geben entsprechende Beispiele. So schließen die Autoren mit einem Appell an die Gesellschaft, die Stimmen der Betroffenen stärker wahrzunehmen.

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(c) Penguin

(c) Penguin

Deutscher Titel: Im Rausch der Freiheit (?, doof, oder?)

Im frühen siebzehnten Jahrhundert gründen niederländische Siedler an der Südspitze der amerikanischen Insel Manna-Hatta eine Siedlung, die sie „Neu-Amsterdam“ nennen. Etwa 50 Jahre später haben sich Kaufleute dort niedergelassen und einen bescheidenen Wohlstand erwirtschaftet. An diesem Punkt setzt Rutherfurds Geschichte mit der ersten einiger fiktiven Familien ein, anhand derer er die Geschichte der späteren Metropole New York von den Anfängen bis zu den schrecklichen Ereignissen des 11. September 2001 erzählt.

Zugegeben, Edward Rutherfurds Bücher sind keine großartige Literatur. Für Geschichtsfreaks wie mich oder Fans der jeweiligen Städte oder Regionen ist sein Konzept jedoch genial – die Geschichte des Ortes wird verpackt in die Erlebnisse mehrerer Familien über zahlreiche Generationen hinweg erzählt. In kaum einen Roman erhält man so geballte Informationen und wird dabei noch bestens unterhalten. So bin ich Edward Rutherfurd seit meiner Jugend treu und lese alle seine Bücher.

„New York“ gehört zu den Werken, die mir besonders gut gefallen haben. Auch wenn ich kein USA-Fan bin, fasziniert mich doch die Geschichte des Landes. Ich war noch nie in New York, aber die Metropole ist aus TV-Bildern, Büchern und anderen Medien doch so vertraut, dass ihre Entstehungsgeschichte richtig spannend für mich war.

Ein Aspekt, der mir sehr gut gefallen hat, war, dass Rutherfurd viele Ereignisse schildert, die weniger bekannt sind und speziell New York betreffen. So wird zwar der Unabhängigkeitskrieg sehr ausführlich behandelt, weil New York hierfür auch ein wichtiger Schauplatz war, aber den Bürgerkrieg erlebt der Leser in dem Buch eher indirekt: Es werden keine der bekannten Schlachten thematisiert, sondern die Draft Riots von 1863, ein Aufstand gegen die Wehrpflicht, bei dem insbesondere Schwarzen nachgestellt wurde, die man für den Krieg verantwortlich machte. Ein weiteres Beispiel ist das verheerende Feuer in der Triangle Shirtwaist Factory, bei dem 146 Arbeiterinnen und Arbeiter ums Leben kam, unter anderem, weil Türen verschlossen waren, um Arbeiter am Müßiggang zu hindern. So bringt Rutherfurd auch viele soziale Themen ein, der Brand war unter anderem der Anlass für eine Verbesserung der Arbeitsbedingungen in den USA. Weitere Themen sind die High Society von New York, der einem Adelsstand gleichkam, sowie Antisemitismus.

Was mich ein wenig gestört hat, war, dass die Geschichte einiger Familien im Verlauf des Buchs abreißt und nicht mehr weiterverfolgt wird. Insbesondere der schwarzen Familie und den indianischen Nachfahren der ersten Hauptperson hätte mehr Raum gegeben werden können. Auch fand ich es schade, dass nicht wie in den anderen Büchern Rutherfurds ein Stammbaum der Familien angegeben war – zumindest nicht in meinem Arrow Books-Paperback.

Nichtsdestotrotz habe ich die Lektüre von „New York“ fast so genossen wie die von „London“ (aber nur fast!) Ich habe ständig in die Karten geschaut und bei Wikipedia vieles nachgelesen, Bücher, die mich auf diese Art und Weise fesseln, machen mir besonders viel Spaß. Und die letzten 120 Seiten musste ich in einem Rutsch lesen.

Nicht zuletzt hat Rutherfurd noch etwas geschafft: Zum ersten Mal sage auch ich: Ja, ich will New York irgendwann mal sehen.

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