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Archive for the ‘Humor’ Category

(c) Penguin

Deutscher Titel: Columbus war ein Engländer

Wir kennen Stephen Fry als lustigen, gut gelaunten Allrounder – er ist zugleich Komiker, Schauspieler, Moderator, Autor und Intellektueller. In der ersten seiner Autobiographien erzählt er von seiner Kindheit und Jugend in Englands Internaten. Seine Bipolarität, die sich auch in jungen Jahren schon andeutete, spielt natürlich eine gewisse Rolle. Im Zentrum seiner Erinnerungen an seine 20 ersten Lebensjahre steht jedoch die Identitätsfindung – er erzählt, wie er sich zum ersten Mal verliebte – dass er schwul ist, hatte er zu diesem Zeitpunkt bereits realisiert. Seine erste große Liebe mutet nahezu idealistisch an, es ist eine platonische, zärtliche Liebe zu einem Mitschüler. Stephen Fry gelingt es dabei sehr gut, dem Leser diese Liebe nahezubringen, er stellt auch einige mit Homosexualität verbundene Vorurteile richtig. Ich muss zugeben, dass auch ich hier Wissenslücken aufwies. Stephen Fry ist in diesem Buch vor allem eines: gnadenlos ehrlich und offen (ohne irgendwelche Personen bloßzustellen). Solange Fry von seinen Schulen und seinen Freunden erzählt, liest sich das Buch sehr gut, gelegentlich driftet er allerdings ins Philosophische ab und diese Passagen sind weitaus weniger leicht zu lesen. Er ist eben ein echter Intellektueller – ich habe bei der Lektüre überdurchschnittlich viele Personen, Begriffe und Konzepte bei Wikipedia recherchieren müssen. Die Komplexität des Textes zeigt sich bereits im Titel des Buches: „Moab is My Washpot“, zu Deutsch „Moab ist mein Waschbecken. (Eine Erläuterung der Bedeutung findet sich bei Wikipedia.) Wer Stephen Fry kennt, wird sich außerdem vorstellen können: Der Junge hatte es faustdick hinter den Ohren und sorgte für einigen Aufruhr an seinen Schulen. Gleichzeitig zeigt sich jedoch die verletzliche und die depressive Seite seines Gemüts.

Stephen Fry berichtet außerdem völlig offen von seiner Delinquentenzeit – nachdem er von zwei Internaten geflogen war, wurde er, bereits geprägt durch seine Bipolarität, straffällig und verbrachte eine Zeit in einem Gefängnis, bevor er sein Abitur mit fulminantem Ergebnis wiederholte und in Cambridge erfolgreich Englisch studierte.

Manche Referenzen sind für deutsche Leser nicht einfach zu verstehen, da sie sich auf britische Persönlichkeiten beziehen, die dem deutschen Publikum nicht unbedingt bekannt sind.

Frys Buch ist eine lohnende, sympathische Lektüre, wenn man sich nicht vor den schwierigen Passagen und philosophischen Konzepten fürchtet.

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(c) Hodder

Deutscher Titel: Der Fall Jane Eyre

Wir schreiben das Jahr 1985 in einem etwas anderen London, in dem Literatur eine viel größere Rolle spielt als in unserer Welt und immer noch der Krimkrieg zwischen England und Russland andauert. Das Originalmanuskript von Dickens‘ „Martin Chuzzlewit“ wurde gestohlen. Die Literaturpolizei LiteraTec vermutet niemand anderen hinter dem Diebstahl als den genialen Gauner Acheron Hades. LiteraTec-Detective Thursday Next hat bei dem früheren Professor studiert und wird daher als Expertin für den Fall angeheuert. Als eine Nebenfigur aus „Martin Chuzzlewit“ verschwindet, ahnt sie, was Hades vorhat: Er hat eine Möglichkeit gefunden, in das Skript einzudringen und will den Staat unter Androhung der Ermordung der Hauptfigur erpressen… Nicht auszudenken, was aus dem Roman würde ohne seine Hauptfigur.

Jasper Ffordes Erstling ist vor allem aufgrund seiner Ansiedelung in einer Parallelwelt etwas ganz Besonderes. Jedem literaturaffinen Leser wird allein die Tatsache, dass Literatur und Kunst in dieser Parallelwelt immens wichtig sind, enormes Vergnügen bereiten. Es ist einfach herrlich, dass sich hier nicht Fußball-Hooligans bekriegen, sondern Raphaelisten und Neo-Surrealisten. Und so manches literarische Werk, etwa „Jane Eyre“, das wie der Titel schon sagt eine entscheidende Rolle spielt, oder „Love’s Labour’s Won“ (!) hat ein anderes Ende als bei uns…

Ich verneige mich vor Jasper Fforde. Die Konstruktion dieser Welt ist einfach genial und erlaubt ein Kriminalstück, wie es in einer „normalen“ Welt nicht denkbar wäre. Das auch mich fesseln kann, die herkömmliche Krimis (meistens) langweilig findet. Die ganzen literarischen Anspielungen machen einfach einen Riesenspaß. Auf Seite 286 gibt es beispielsweise einen Detective Inspector Oswald Mandias, was sicherlich auf das berühmte Gedicht „Ozymandias“ von Percy Bysshe Shelley anspielt. Ich muss auch mal im Internet nachforschen, was mir da wohl alles entgangen ist.

Auch Zeitreisen sind in diesem kuriosen Paralleluniversum möglich, was einige sehr komische Folgen hat. Wollt ihr zum Beispiel wissen, woher die Banane kommt? Dann müsst ihr dieses Buch lesen.

Thursday Next ist eine sympathische Heldin, der ich gerne in weitere Bücher folgen werde. Die restlichen Charaktere sind teilweise ein bisschen klischeehaft, etwa der geniale Bösewicht, was aber angesichts der ganzen Literaturbezüge nicht stört, sondern im Gegenteil nur konsequent ist.

Einen kleinen Abzug gibt es von mir für die Liebesgeschichte, die ist schon ein wenig kitschig und für mich stellenweise auch nervig (es geht mal wieder um Vergebung), aber sie drängt sich nicht in den Vordergrund und tut dem Vergnügen, das dieses Buch bereitet, keinen Abbruch.

Herrlich!

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argoncover

(c) Argon Hörbuch

Sprecher: Christoph Maria Herbst

Dauer: 5 h 16 min

Lord und Lady MacIntosh besitzen ein schönes Anwesen in den schottischen Highlands, auf dem sie auch mehrere Cottages als Ferienhäuschen vermieten. Wie es sich für so ein Anwesen gehört, gibt es dort auch Tiere, Hunde, eine Gans – und eine Kolonie von Pfauen. Nur dass einer dieser Pfauen offenbar verrückt geworden ist und plötzlich alles attackiert, was von blauer Farbe ist. Wie dumm, dass der Wagen der Chefin der Bankertruppe, die sich zu einer Team-Building-Maßnahme im Westflügel des Herrenhauses einquartiert, auch blau ist…

Die bisher vornehmlich als Übersetzerin bekannte Isabel Bogdan legt mit “Der Pfau” einen fulminanten Debütroman vor, der genau das hält, was er verspricht: beste Unterhaltung. In herrlicher Manier nimmt Bogdan typische Ausprägungen der heutigen Gesellschaft aufs Korn, was sich am schönsten an den wunderbar charakterisierten Bankern zeigt, die auf dem Anwesen ihren Arbeitsurlaub machen. Rund um den Pfau und sein Schicksal entstehen schier unglaubliche Irrungen und Verwirrungen, jeder weiß etwas, was der andere nicht weiß, und jeder stellt Theorien über das Verbleiben des wunderlichen Pfaus auf. Auch die Hunde, die nicht begreifen können, warum ihre Menschen sich so merkwürdig verhalten, kommen zu Wort. Das alles ist so komisch, dass der Leser keinen Satz verpassen möchte, denn überall steckt Witz drin. Isabel Bogdan bedient sich dabei einer wunderbar leichten Sprache, die der begnadete Hörbuchsprecher Christoph Maria Herbst genau richtig zu betonen weiß.

Ein rundum gelungenes Hörvergnügen!

 

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(c) Hörbuch Hamburg

(c) Hörbuch Hamburg

(c) Hörbuch Hamburg

Vor der Wohnungstür des Kleinkünstlers Marc-Uwe Kling steht eines Tages ein sprechendes Känguru und möchte sich ein paar Dinge leihen, um Pfannkuchen machen zu können. Da sich schnell herausstellt, dass es dafür alles von Marc-Uwe braucht, inklusive Küche, zieht es gleich ganz mit ein. Das Känguru entpuppt sich als Kommunist, Schnorrer, Schnapspralinenliebhaber und Bud Spencer-Fan. Wie passend, dass Marc-Uwe Terence Hill-Fan ist! Das Zusammenleben der beiden ist chaotisch und haarsträubende Situationen sind vorprogrammiert.

Ich habe bisher bei noch keinem Hörbuch so viel gelacht wie bei Marc-Uwe Klings Känguru-Trilogie. Das Känguru ist so herrlich unverschämt, anarchistisch, bekloppt, dass der Hörer seine wahre Freude hat. Kling bedient sich neben der Situationskomik vor allem des absurden Humors – was ich ganz besonders liebe. Während es im ersten Teil noch hauptsächlich um das Zusammenleben der beiden ungewöhnlichen Wohnungsgenossen geht, treten im zweiten Teil auch weitere Personen auf, insbesondere die Mitglieder des vom Känguru gegründeten asozialen Netzwerks und der Pinguin – Nachbar von Marc-Uwe und dem Känguru und dessen Antagonist! Im dritten Teil schließlich bereisen Marc-Uwe und das Känguru auf die Welt auf der Suche nach dem Pinguin und seinen Machenschaften.

Die Meinungen darüber, welcher Teil denn nun der beste ist und welche Teile schwächer sind, sind geteilt. Mir persönlich haben der zweite und dritte Teil sogar noch besser gefallen als der schon geniale erste. Ich würde ganz unbedingt die Hörbücher empfehlen, es handelt sich um Live-Mitschnitte von Lesungen des Autors, dessen Interpretation wesentlich zur Humorwirkung der Bücher beiträgt. Einige Mittel der Humorerzeugung setzt Kling wiederholt an den passenden Stellen ein, es entstehen viele Running Gags, die das Ganze umso komischer machen, etwa die den falschen Urhebern zugeschriebenen Zitate. Auch Unstimmigkeiten im ersten oder zweiten Teil werden in den Folgebänden konsequent humoristisch verpackt.

Ein rundum gelungenes Hörvergnügen!

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Wie angekündigt gibt es zu den folgenden drei Büchern nur eine Kurzmeinung. Es sind Bücher, die nicht unbedingt einer ausführlichen Rezension bedürfen und ich muss einfach den Rezensionsstau überwinden 🙂

– Daniel Glattauer: Mama, jetzt nicht!: Kolumnen aus dem Alltag

(c) Deuticke

Eine Sammlung der Kolumnen des Autors in der österreichischen Tageszeitung „Der Standard“.  Am Anfang war ich noch durch eine negative Besprechung beeinflusst und dachte: „Mann, diese Probleme müsste man haben“, aber das gab sich schnell und ich fand die Mehrheit der Kolumnen sehr amüsant und unterlegt mit dem wienerischen Schmäh. 4 von 5 Sternen.

Will Adams: Das Gottesgrab

(c) rororo

Ganz netter Archäologiethriller, allerdings nach gängigem Strickmuster und einer Theorie, die das Geniale der Bücher von Dan Brown vermissen lässt. Spannend, aber für meinen Geschmack mit zu viel Gewalt und unnötigen Toten. 3 von 5 Sternen.

Martina Goernemann: Heute zieht das Glück ein

(c) Südwest Verlag

Ein sogenanntes „myBook“, das heißt, es enthält Platz für Notizen, Listen und Kopiervorlagen. Das Buch war nicht ganz das, was ich erwartet hatte, da es nicht durchgängig um Einrichtung geht, sondern auch um Haushalts- und Wellness-Tipps für das Zuhause, aber es enthält definitiv gute Anregungen, die ich beim Renovieren und im Haushalt sicher berücksichtigen werde. 4 von 5 Sternen.

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(c) Corgi

Deutscher Titel: Die Insel

Wir befunden uns auf der Erde, aber nicht in unserer Welt, sondern in einer Art Paralleluniversum – es ist alles ein bisschen anders. Und wir befinden uns nicht in der Gegenwart, sondern schätzungsweise im späten 19. Jahrhundert. Im großen südpelargischen Ozean will der Junge Mau seine Initiation bestehen und damit zum Mann werden. Dazu muss er eine Aufgabe auf einer Nachbarinsel erledigen. Doch dann kommt der Tsunami, den Mau auf seinem Kanu übersteht – und Maus Insel, einfach „Nation“ genannt, ist menschenleer, als er zurückkehrt. Angesichts der Katastrophe beginnt Mau, an den Traditionen und dem Glauben seiner Insel zu zweifeln. Zur gleichen Zeit stirbt in England die gesamte Königsfamilie an einer Seuche. Der verbleibende Thronfolger ist Gouverneur einer weiteren Insel im südpelargischen Ozean, und seine Tochter ist auf einem Schiff zu ihm unterwegs. Doch auch das Schiff wird vom Tsunami erwischt. Wo es wohl stranden wird?

Ich spare mir Terry Pratchetts Bücher immer eine Weile auf, da ich Angst habe, dass sie mir ausgehen, bevor er Nachschub liefert 😉 Anlässlich meines Urlaubs hab ich mir nun eines gegönnt, und zwar eines, das nicht zur Scheibenwelt-Reihe gehört. Dennoch ist Pratchetts unverwechselbarer Schreibstil so vertraut, dass ich mich sofort in dem Buch „zu  Hause gefühlt“ habe. Trotz der im Grunde traurigen Vorgeschichte durchzieht Pratchetts Humor das gesamte Buch. Das, was sich bezüglich der Geschichte der Insel gegen Ende herausstellt, ist schlicht genial, sehr Terry Pratchett eben! Ja, das Buch enthält ein gewisses Maß an Religionskritik, doch finde ich diese nicht drastisch, sondern respektvoll, sodass aufgeklärte religiöse Menschen das Buch eigentlich lesen können sollten, ohne zu sehr vor den Kopf gestoßen zu werden – meiner Meinung nach jedenfalls. Ich empfinde das Buch wie so viele Werke von Terry Pratchett als hochintelligenten Aufruf zur Toleranz.

Die Geschichte des Südseejungen Mau und der unverhofft zur Prinzessin gewordenen Daphne hat mir sehr gut gefallen, ich bin rundum glücklich mit diesem Buch!

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(c) Rowohlt

Es ist Samstagabend und Cora Hübsch ist 33, Single und unglücklich. Der Mann, den Sie vor Kurzem kennengelernt hat und mit dem Sie Tage zuvor eine Nacht verbracht hat, hat sie noch nicht angerufen. Das ungeschriebene Gesetz verbietet ihr, ihn selbst anzurufen, das wäre schwach. Gut, dass Coras Freunde Jo und Big Jim ihr beratend zur Seite stehen. Wird er noch anrufen?

Ich lese schon seit vielen Jahren mit Vergnügen Ildikó von Kürthys Kolumne in der Brigitte und wollte daher auch einmal eines ihrer Bücher lesen, auch wenn die normalerweise inhaltlich nun wirklich nicht in mein Beuteschema fallen. Reine Chick Lit, die in der Gegenwart spielt, nö, eigentlich nicht mein Ding. Doch das Buch ist nicht dick und ich wusste, dass ich die Autorin sympathisch finde, also habe ich mich rangewagt. Das Buch war dann auch genauso, wie ich es erwartet hatte: nichts Weltbewegendes, aber lustig, und eine nette, entspannende Lektüre für zwischendurch, insbesondere, wenn man wie ich vorher ein anstrengendes Sachbuch gelesen hat. Cora erzählt aus der Ich-Perspektive abwechselnd von der aktuellen Lage und in Rückblicken von bisherigen Episoden und wie sie den Traummann Daniel kennengelernt hat. Stellenweise habe ich schon laut gelacht, etwa bei Coras Steinzeitvergleich auf S. 43. Jo findet nämlich nicht den Richtigen, weil sie ihre Mammuts selber jagen will, womit die Männer nicht klarkommen. Oder wenn Cora erzählt, dass sie bei Besuch, um Eindruck zu schinden, immer die Schlagzeile: „Bonn in Sorge – Kohl denkt nach“ an den Kühlschrank klebt, die sie mal ausgeschnitten hat.

Wie bereits erwähnt, das Genre interessiert mich nicht, aber ich wurde gut unterhalten und kann das Buch durchaus allen empfehlen, die nach einem lustigen Frauenroman auf recht gutem Niveau suchen.

 

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