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Archive for the ‘Jugend’ Category

(c) Faber & Faber

Deutscher Titel: Herr der Fliegen

Eine Gruppe von Schülern strandet nach einem Flugzeugabsturz auf einer Südseeinsel. Offenbar sollten die Kinder nach einem Atombombenabwurf evakuiert werden. Kein Erwachsener hat den Absturz überlebt und die Jungen müssen sich alleine zurechtfinden. Zunächst etabliert sich Ralph sich als Anführer, Regeln werden aufgestellt, es herrscht Abenteuerstimmung. Doch mit der Zeit entwickelt sich die Gruppe hin zu einer Art Despotismus, angestachelt vom draufgängerischen Jack verrohen die Jungen zunehmend, sie sehen sich als Jäger, entwickeln Rituale. Im Zuge dessen scheint es unvermeidlich, dass Gewalt ausbricht.

William Golding demonstriert in seinem Debütroman, wie unter doch eigentlich zivilisierten Menschenkindern eine monströse Gruppendynamik entstehen kann, die vor nichts zurückschreckt und im Menschen Wahn auslöst.

Was als harmloses Spiel beginnt, steigert sich bis hin zur halluzinatorischen Gewaltorgie. Wie in totalitären Gesellschaften werden die Schwachen – etwa der übergewichtige Brillenträger „Piggy“ und die Jungen, die noch zu jung sind, um zu den Anführern zu gehören, nicht nur unterdrückt, sondern sie geraten letztendlich in Lebensgefahr.

William Golding traf mit seinem Buch einen Nerv, insbesondere angesichts des zum Zeitpunkt des Erscheinens erst wenige Jahre zuückliegenden zweiten Weltkriegs. Besitzt der Mensch grundsätzlich das Potenzial zum Bösen? Zumindest birgt jede Gruppe, die andere aus irgendwelchen ideologischen Gründen ausschließt, die Gefahr, dass es zu einer Eskalation kommt – wie Morton Rhue es auch in seinem Roman „Die Welle“ darlegt. Und sind wir ehrlich, Kinder können grausam sein. Stephen King formuliert es in seiner Einleitung zu meiner Ausgabe des Buches so:

„I thought about it, then asked a question – perhaps by accident, perhaps as a result of divine intervention – that unlocked the rest of my life. ‚Do you have any stories about how kids really are?'“ (Seite vi)

William Goldings Buch ist eine an den Menschen gerichtete Warnung vor sich selbst, zeitlos und erschreckend und faszinierend zugleich.

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(c) Little, Brown Books

(c) Little, Brown Books

Deutscher Titel: Das absolut wahre Tagebuch eines Teilzeit-Indianers

Junior ist 14, wurde mit einem Hydrocephalus geboren, ist dünn, trägt Brille und stottert, daher hat er es im Spokane-Reservat mit seinen rauen Umgangsformen ohnehin schon nicht leicht. Glücklicherweise gibt es seinen besten Freund Rowdy, der ihm immer beisteht und ansonsten seinem Namen alle Ehre macht. Doch als ein Lehrer Junior davon überzeugt, dass er auf eine Schule außerhalb des Reservats gehen soll, ja muss, ist Junior erst recht der Buhmann und selbst Rowdy wendet sich von ihm ab.

Sherman Alexies semibiografischer Jugendroman ist gleichzeitig saukomisch und tieftraurig. Junior zeichnet Comics, dementsprechend ist sein Tagebuch mit witzigen Zeichnungen mit einer guten Portion Selbstironie ausgestattet, die im Buch durch Illustrationen von Ellen Forney wiedergegeben werden. Auch liegt es ihm fern, über die Mobbing-Attacken durch andere Reservatsbewohner zu jammern, er ist die Auge-um-Auge-Mentalität im Reservat gewohnt. Wie krass das Leben im Reservat die Chancen der Menschen verschlechtert, wird Junior so richtig bewusst, als er in die privilegierte „weiße“ Schule im benachbarten Reardan wechselt. Wie Leseratte Junior feststellt:

„I was the only kid, white or Indian, who knew that Charles Dickens wrote A Tale of Two Cities. And let me tell you, we Indians were the worst of times and those Reardan kids were the best of times.“ (Seite 50)

Der Tod ist alltäglich im Reservat und sehr oft mit Alkohol verbunden, die Indianer saufen sich förmlich zu Tode oder sterben bei Unfällen im Zusammenhang mit Alkohol. Auch Junior verzeichnet im Laufe des Buches mehrere Verluste, die den Leser fassungslos zurücklassen:

„But I was crying for my tribe, too. I was crying because I knew five or ten or fifteen more Spokanes would die during the next year, and that most of them would die because of booze. I cried because so many of my fellow tribal members were slowly killing themselves and I wanted them to live.“ (Seite 216)

Die Hoffnungslosigkeit der Reservatsbewohner ist herzzereißend und greifbar, die Indianer haben sich aufgegeben, mit ihrer Situation abgefunden. Mit der offenen Darstellung der Zustände im Reservat, des Alkoholismus und der Gewalt und der Erwähnung von Masturbation haben manche amerikanische Schülereltern wohl ein Problem, das Buch wurde an zahlreichen Schulen in den USA verboten. Dabei halte ich es für gerade besonders gut geeignet für Schüler – wie soll man Jugendliche zu verantwortungsvollen, handlungsbereiten Erwachsenen erziehen, wenn sie nichts über die Missstände und Ungerechtigkeiten in ihrem Land erfahren?

The Absolutely True Diary of a Part-Time Indian ist ein wichtiges Buch mit viel Witz und Charme, das ich unbedingt weiterempfehlen möchte.

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(c) dtv

Der Junge, aus dem einmal der berühmte Kinderbuchautor und Dichter Erich Kästner werden sollte, wurde 1899 in Dresden geboren und ist auch dort aufgewachsen. In diesem schönen Buch erzählt er von seiner Kindheit und frühen Jugend. Besonders liebevoll erinnert er sich dabei an seine Mutter.

Kästner beginnt seine Erinnerungen nicht mit seiner eigenen Geburt, sondern erzählt auch von seinen Großeltern. Natürlich berichtet er dabei auch von den Kästners, das Hauptaugenmerk liegt jedoch auf der Familie seiner Mutter Ida, den Augustins.

Das Buch ist sowohl für Kinder als auch für Erwachsene geeignet, die Sprache ist kindgerecht, Kästner spricht seine jungen Leser direkt an. Auch inhaltlich ist der Band für Kinder angemessen, dabei verzichtet Kästner jedoch keineswegs auf schlimme Aspekte, etwa die suizidalen Tendenzen seiner überarbeiteten Mutter. Er verpackt diese jedoch so gekonnt, dass Kinder gleich verstehen werden: Es war nicht immer alles schön und leicht, aber es wurde alles gut.

Auch auf seine Heimatstadt geht Kästner ein, wobei sein Schmerz angesichts ihrer Zerstörung im zweiten Weltkrieg offenkundig ist.

Die Sprache ist wie bereits gesagt kindgerecht und humorvoll, aber nicht anspruchslos. Es fehlt nicht an schönen Formulierungen und stilistischen Mitteln und es sind viele gut verdauliche Lebensweisheiten eingebaut. Besonders schön ist die Beschreibung des ersten Besuchs am Meer:

„Schillernde Quallen spuckten sie aus, die im Sande zu blassem Aspik wurden. Raunende Muscheln brachten sie mit und goldgelben Bernstein, worin, wie in gläsernen Särgen, zehntausendjahrealte Fliegen und Mücken lagen, winzige Zeugen aus der Urzeit.“ (Seite 197)

Ein schönes Buch über eine Kindheit zu Beginn des 20. Jahrhunderts. Sehr zu empfehlen.

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(c) Loewe

Die sechzehnjähriger Amy lebt mit ihrer Mutter Alexis im Ruhrgebiet. Da beide gerade die Nase gründlich voll haben, Amy wegen eines erniedrigenden Erlebnisses mit sogenannten Freunden, ihre Mutter wegen der Trennung von ihrem Freund, packen die beiden und machen sich für die Sommerferien auf den Weg auf die Shetlands, woher Alexis stammt. Dort wartet mehr als eine Überraschung auf Amy: Nicht nur bewohnt ihre Großmutter ein Herrenhaus, sondern ihre Familie zeichnet sich auch wie die zweite herrschaftliche Familie der Insel durch eine Besonderheit aus: In jungen Jahren können ihre Mitglieder förmlich in Bücher, d. h. in ihre Geschichte „hineinspringen“.

Welchen Bücherfreak spricht dieses Setting nicht an? Wer möchte nicht einmal mit seinen liebsten Romanhelden sprechen und die schönsten Geschichten live miterleben?

Mechthild Gläser hat sich da ein faszinierendes, aber auch dankbares Thema ausgesucht. Vor allem die erste Hälfte des Buches leidet allerdings an gar zu vielen Logikfehlern. Alexis‘ Gepäck geht während der Überfahrt zur Insel über Bord, aber dennoch packt sie in ihrem Badezimmer im Herrenhaus ihre ganze Naturkosmetik aus? Amy spricht natürlich Englisch mit ihrer Großmutter, auch wenn die Dialoge natürlich auf Deutsch wiedergegeben werden, aber woher nimmt sie im Englischen bitte die Unterscheidung zwischen „du“ und „Sie“, die sie an einer Stelle macht? (Es ist wohl kaum anzunehmen, dass sie es mit dem altertümlichen „thou“ probiert hat…)

Auch für ein Jugendbuch war mir die Geschichte stellenweise nicht durchdacht genug. Dies bessert sich allerdings im Verlauf des Buchs etwas und wenn man diese Fehler beiseite lässt, bekommt man ein schönes, fantasievolles Unterhaltungswerk mit Humor. Herrlich etwa, dass es in der Apotheke der Bücherwelt ein Mittel gegen schwache Verben gibt.

Eine Romanfigur wird in der realen Welt getötet und ein Dieb treibt sein Unheil in der Bücherwelt, wogegen Amy und die beiden anderen jugendlichen Buchspringer Will und Betsy (Betsy ist selbstverständlich eine Zicke) vorgehen möchten. So entwickelt sich die Handlung ein wenig Richtung Krimi.

Das Ende ist insbesondere für ein Jugendbuch angenehm offen gehalten, auch wenn es gegen Ende absehbar war, hatte ich da mit mehr Kitsch gerechnet.

Eine schönes, aber nicht großartiges Jugendbuch mit kleinen Schwächen. 3,5 Sterne.

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(c) Fischer

Übersetzung aus dem Indonesischen: Peter Sternagel

Indonesien in den 1970ern. Der kleine Ikal lebt auf der kleinen Insel Belitung. Die Insel ist reich an Bodenschätzen, doch der gesamte Erlös geht an die Bergbaugesellschaft. Kinder von einfachen Fischern oder Arbeitern, wie Ikal, haben kaum eine Chance auf Bildung. Doch eine junge, idealistische Lehrerin kämpft ums Überleben der kleinen Dorfschule, in die Ikal nun eingeschult werden soll. Mit Bangen warten die Lehrerin und ihre Schützlinge am ersten Schultag darauf, dass ein zehnter ABC-Schütze erscheint. Sonst wird die Schule geschlossen. Und siehe da, Nummer 10 findet sich! Die zehn Schüler, neun Jungs und ein Mädchen, werden von ihrer Lehrerin bald die „Regenbogentruppe“ genannt. Sie alle werden auch in den folgenden Jahren für ihre Schulbildung kämpfen müssen.

Bekanntermaßen war Indonesien das Gastland der letztjährigen Frankfurter Buchmesse. Daher wollte ich natürlich auch ein Buch von einem indonesischen Autor mitnehmen. Von den Büchern, die das Gastland vorstellte, interessierte mich Andrea Hiratas autobiografischer Roman über eine Dorfjugend in Indonesien am meisten.

Es ist eine Freude, Hiratas episodenhafte Geschichte zu lesen. Sein Sprachstil ist sehr schön, mitunter fast blumig, gelegentlich aber auch bissig. Die Kinder werden anhand der verschiedenen Episoden alle wunderbar charakterisiert, sodass der Leser eine echte Verbindung zu den Charakteren herstellen kann. Andrea Hirata erzählt eine Geschichte von Freundschaft, Entschlossenheit und Mut und zeigt, was  man mit diesen Eigenschaften erreichen kann. Wir erfahren, wie Kinder in Entwicklungsländern um ein Recht kämpfen müssen, das für reiche Länder eine Selbstverständlichkeit ist: Bildung. Trotz der wirklich bemerkenswerten Leistungen der Lehrer und Schüler bietet der Roman keine reine Wohlfühlgeschichte: Nicht alles gelingt, das Schicksal spielt mit, tragische Ereignisse vernichten manche Zukunftshoffnung. Stark ist Hiratas mutige Kritik an der Politik, die es zulässt, dass eine eigentlich reiche Insel in keiner Weise von ihrem Reichtum profitiert, und die Armut aufrechterhält, während die Mitarbeiter der staatlichen Bergbaugesellschaft in Saus und Braus leben:

„Das Gedong (hier: Siedlung der Bergbaugesellschaft, Anmerkung der Rezensentin) war das Wahrzeichen Belitungs, gebaut, um den kolonialen Albtraum fortzusetzen. Ziel der Regierung war es, einer Handvoll Leuten Macht und Bildung zu verschaffen und eine Mehrheit zu unterdrücken, sie fügsam zu machen, indem man ihnen das Recht auf Bildung verweigerte.“ (Seite 25)

Wir begleiten die Regenbogentruppe während ihrer gesamten Schulzeit und erfahren auch, was aus den Schülern wurde. Gegen Ende des Buchs schildert Hirata schließlich noch seinen eigenen, bemerkenswerten Werdegang nach dem Ende der Schulzeit. Ein sehr lesenswertes, schön geschriebenes Buch, das ich euch sehr empfehle.

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(c) Quirk

Deutscher Titel: Die Insel der besonderen Kinder

Florida, Jetztzeit. Der siebzehnjährige Jacob hatte immer schon ein besseres Verhältnis zu seinem Großvater als sein Vater. Darum kümmert er sich auch mehr um Großvater Abe, der in letzter Zeit einige Altersmacken entwickelt hat. Schon immer hat er Jacob Schwarzweißfotos von seltsamen Kindern gezeigt, und zwar aus der Zeit, als Abe als jüdischer Flüchtling im Teenageralter während des zweiten Weltkrieges in einem Kinderheim auf einer Insel in Wales lebte. Als Kind hielt Jacob diese Fotos für echt, mittlerweile ist er sich sicher, dass es sich um Fälschungen handelt. Doch dann wird der Großvater überfallen, spricht von einem Monster – und Jacob sieht dieses Monster nach dem Überfall im Garten seines Großvaters mit eigenen Augen. Vor seinem Tod gibt der Großvater Jacob noch scheinbar verschlüsselte Aufgaben – und er soll sich auf die Insel der besonderen Kinder begeben, dort sei er sicher.

Ransom Riggs‘ Romandebüt macht schon rein optisch was her, mit der merkwürdigen Schwarzweißfotografie eines schwebenden Mädchens auf dem Cover. Dies setzt sich im Buch selber mit zahlreichen stimmungsvollen Fotografien fort, die tatsächlich auch die Grundlage des Romans bildeten: Ransom Riggs hat seine Geschichte anhand dieser Bilder entwickelt.

Auch die Idee ist originell: Kinder mit besonderen Begabungen, die fernab der Gesellschaft leben und die auch besonderen Gefahren ausgesetzt sind. In Kombination mit Zeitreisen und düsteren Gestalten ein vielversprechendes Rezept für einen Jugendroman. Die Geschichte liest sich flüssig – trotz der vielen Fotos, die keineswegs stören, sondern für die richtige Atmosphäre sorgen. Auch für genügend Spannung ist gesorgt, sodass das Buch zu einem echten Pageturner wird. Erzählerisch offenbart Ransom Riggs jedoch ein paar Schwächen, mir sind während der Lektüre einige Logiklücken aufgefallen, die auch im weitere Verlauf des Buchs nicht erklärt werden. Schon allein, dass Jacob weder vor seiner Reise zur Insel noch nach der Ankunft dort nach den Bewohnern des gesuchten Hauses fragt, sondern nur nach dem Haus selbst, scheint unglaubwürdig. Und alle Häuser dort haben Satellitenschüsseln, aber kein Telefon, obwohl eine Leitung existiert (zum Pub), ernsthaft? Das sind zwei Beispiele, mehrere möchte ich aufgrund von Spoilergefahr nicht nennen.

Eine kleine Romanze ist natürlich unvermeidlich, wobei ich wirklich der Meinung bin, man hätte in diesem Buch darauf verzichten können.

Schön ist auch noch, dass Riggs einige interessante Motive einbringt, etwa das Konzept des „vererbten Kriegstraumas“ und den Meteoritenabsturz von Tunguska.

Der ganze Showdown zum Ende hin ist mir etwas zu sehr auf die Fortsetzung ausgelegt und vermittelt ein leichtes Gefühl von „Unfertigkeit“, damit hätte Ransom Riggs besser umgehen können.

Alles in allem ein schöner, spannender, aber nicht großartiger Jugendroman.

Auf die Verfilmung durch Tim Burton dürfen wir gespannt sein.

Halt, noch weiterlesen!

Aufgrund eines Missverständnis habe ich dieses Buch doppelt, einmal in der Originalausgabe, die mir meine liebe Instagram-Freundin Barbara geschenkt hat, und einmal in der deutschen Ausgabe, die als Rezensionsexemplar gedacht war. Aus diesem Grund möchte ich die deutsche Ausgabe gerne an eine(n) von euch verlosen. Kommentiert dazu einfach bis nächsten Sonntag, 24 Uhr, unter diesem Beitrag. Es entscheidet dann random.org. Es gelten die üblichen Bedingungen, ihr müsst über 18 sein oder die Erlaubnis eurer Eltern zur Teilnahme haben.  Viele haben das Buch bestimmt schon, ich hoffe, es finden sich trotzdem noch Interessenten 🙂

Ich danke Frau Koch von Droemer Knaur ganz herzlich für die Zurverfügungstellung des Verlosungsexemplars.

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(c) Atom

Deutscher Titel: The Diviners – Aller Anfang ist böse

New York in den 20er Jahren des letzten Jahrhunderts. Die siebzehnjährige Evie O’Neill wird zu ihrem Onkel Will ins Exil geschickt, da sie in ihrer Heimatstadt für einen gesellschaftlichen Eklat gesorgt hat. Dieser Eklat hat mit einer besonderen Fähigkeit Evies zu tun: ein Gegenstand aus dem Besitz einer Person und etwas Konzentration reichen ihr, um in die Gedanken und Erinnerungen der Person einzudringen. Onkel Will wiederum betreibt passenderweise ein Museum für übernatürliche Phänomene und als ein mysteriöser Mord geschieht, soll er die Polizei bei den Ermittlungen unterstützen. Natürlich ist Evie zu neugierig, um die Finger davon zu lassen. Dabei trifft sie im Laufe des Buchs auf weitere Siebzehnjährige mit merkwürdigen Gaben…

Libba Bray legt mit ihrem Jugendroman eine wirklich packende, komplexe Geschichte nicht nur für Teenager vor. Am besten gefallen an dem Buch hat mir die authentische 20er-Jahre-Atmosphäre, die heraufbeschworen wird, unter anderem durch Begriffe, die zur damaligen, von der Prohibition gekennzeichneten Zeit gängig waren. Ich musste das eine oder andere Mal die englische Wikipedia zurate ziehen. Die Untergrundkneipen mit illegalem Ausschank wurden etwa „Speakeasies“ genannt, die Schwarzhändler „Bootlegger“. Libba Bray hat offensichtlich einen enormen Rechercheaufwand betrieben, um die 20er Jahre möglichst glaubhaft darzustellen. Aufgefallen ist mir der trotz der Prohibition doch enorme Alkoholkonsum, insbesondere von Evie, da könnte man fast meinen, es wurde jetzt erst recht gesoffen 😉

Die Charaktere sind in ihrer Tiefe nicht unbedingt das, was den Roman ausmacht, originell und gefällig sind sie aber allemal. Evie als Hauptperson ist mitunter nervig, sie ist ein richtiges Partygirl, aber auch sehr aufgeweckt und mutig.

Das übersinnliche Element wird direkt im ersten Kapitel eingeführt, der Leser weiß im Gegensatz zu den Charakteren direkt Bescheid, wer bzw. was der Mörder ist. Um diese gruselige Gestalt wird jedoch ein regelrechter Mythos aufgezogen, der mich absolut gefesselt hat.

Sprachlich ist der Roman trotz der Spezialbegriffe aus der Prohibitionszeit gut lesbar. Sehr genervt hat mich allerdings Evies ständiger Gebrauch der Verballhornung „pos-i-tutely“.

Gegen Ende des Buchs werden ein Element und eine Entwicklung eingeführt, die mir nicht gefallen haben. Einmal handelt es sich dabei um ein regelrechtes Steampunk-Element, das für meine Begriffe nicht in das Buch passt. Ich hatte bis zu diesem Zeitpunkt die Welt von „The Diviners“ als reale Welt empfunden, in der es eben nur Übersinnliches gibt. Das Steampunk-Element entrückt die Welt noch etwas mehr von der unseren, was für mich nicht stimmig ist. Außerdem entwickelt sich da etwas, das auf eine Dreifach-, eventuell sogar Vierfachbeziehung in der Fortsetzung hindeutet, und das muss ich jetzt wirklich nicht schon wieder in einem Jugendbuch haben.

Ich vergebe dementsprechend vier von fünf Sternen und bin gespannt auf den zweiten Teil.

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