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(c) Berlin Story Verlag

Hinweis: Die folgende Rezension bezieht sich auf eine ältere Ausgabe des Buchs, inzwischen ist eine überarbeitete Auflage verfügbar. (Klick auf das Coverbild führt zur Verlagsseite.)

Berlin in den Zwanzigern, das waren Dada, Bauhaus, Theater und Varieté, Oper und Revue, Cafés und Tanzpaläste – und der Aufstieg der Nazis. Ein widersprüchliches, faszinierendes Jahrzehnt, dessen Spuren, wenn man genauer hinschaut, noch in ganz Berlin präsent sind. Michael Bienert und Elke Linda Buchholz nehmen uns mit auf eine Spurensuche.

Jedes Jahrzehnt des 20. Jahrhunderts hat seine Besonderheiten, seine Geister, seine Schrecken, insbesondere natürlich die Kriegsjahrzehnte. Doch kaum ein Jahrzehnt übt heute noch eine solche Faszination auf uns aus wie die Zwanziger Jahre, als einerseits die Nazis ihre Macht in der schwachen Weimarer Republik ausdehnten und andererseits eine nie gekannte Lebensfreude und Freizügigkeit herrschte – man denkt direkt an Josephine Bakers Auftritte in der Stadt. Auch die Kunst blühte in neuen Formen auf – man denke an die Neue Sachlichkeit.

Dementsprechend geht es im vorliegenden Buch viel um Kunst und Architektur, aber selbstverständlich auch um Politik, Technik und Freizeit. So gibt es etwa Unterkapitel über den Bubikopf, Schulen und Badeanstalten. Bienert und Buchholz erörtern uns ausführlich die Hintergründe und nennen uns – ergänzt durch historische und modern Schwarzweißfotos, die entsprechenden Orte in Berlin, an denen wir die Geschichte der Zwanziger Jahre erfahren können. Auch auf eventuell vorhandene Gedenktafeln wird verwiesen. Alte Städtpläne erleichtern die Orientierung, bei der Lektüre habe ich, die ich mich ein wenig, aber nicht besonders gut in Berlin auskenne, dennoch des Öfteren auf Google Maps zurückgegriffen, um mir einen noch genaueren Eindruck von der Lage eines Ortes zu machen.

Gerade die Hintergrundinformationen fand ich sehr spannend – so wusste ich nicht, dass Berlin damals die flächenmäßig größte Stadt Europas war. Auch sehr interessant sind soziale Aspekte, etwa dass private Vermieter heftigen Widerstand gegen neue Großbauprojekte leisteten, die vor allem den unteren Bevölkerungsschichten in der hoffnungslos überbevölkerten Stadt zugute kamen. Gerade die heute verschmähte Plattenbausiedlung brachte in dieser Hinsicht große Erleichterung.

Besonders interessant ist das Buch für Einwohner oder Besucher Berlins, die Kapitel sind nach Themengebieten gegliedert und der Leser kann je nach Interesse etwa eine Tour durch Berlin mit Blick auf die Geschäftshausarchitektur der Zwanziger oder Künstlerlokale planen. Es werden auch Tipps für solche Touren gegeben.

Es sollte sich jedoch auch niemand abschrecken lassen, der nicht plant, Berlin in näherer Zukunft einen Besuch abzustatten, das Buch eignet sich auch absolut als reines Lesebuch. Für Leser wie mich, die Berlin schon ein wenig kennen, ist das Buch dann umso interessanter.

Ein sehr interessantes, gut lesbares Sachbuch, das darüber hinaus auch die perfekte Vorgängerlektüre für „Berlin 1936“ von Oliver Hilmes ist, das ich zum Zeitpunkt dieser Rezension lese.

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Es ist nun schon mehr als eine Woche her, dass mein Lieblingsschauspieler verstorben ist, und immer noch habe ich das Gefühl, keine Worte finden zu können, die ihm gerecht werden.

Zum ersten Mal sah ich Alan Rickman während einer Klassenfahrt in einem Kino in den britischen Midlands, und zwar in Robin Hood. Ich war knappe 16, aufgrund von „Der mit dem Wolf tanzt“ Kevin Costner-Fan und am nächsten Tag (oder so) fuhren wir nach Nottingham ins Robin Hood-Museum. Ich fand den Film grandios, natürlich auch den Sheriff von Nottingham, der so witzig war. Heute bin ich 40 und finde den Film nicht mehr grandios, sondern nur noch Alan Rickmans genialen Auftritt als Sheriff von Nottingham.

Liebe wurde es dann ein paar Jahre später. Wieder in einem englischen Kino, dieses Mal im südenglischen Salisbury. Es war die Zeit, in der ich zum ersten Mal Jane Austen las, und es lief „Sense & Sensibility“. Den Film finde ich heute noch grandios und Alan Rickman als Colonel Brandon war fortan mein Lieblingsschauspieler. Diese Stimme! Diese Ausstrahlung! Wie wunderbar! Auch wenn Rickman noch viele weitere tolle Rollen spielen sollte, als Colonel Brandon wird er mir in Erinnerung bleiben, denn ich glaube, er war genauso ein warmherziger, liebenswürdiger Mensch wie in dieser Rolle.

Ich bin unendlich traurig, dass Alan uns schon so früh verlassen musste. Wie sehr er geliebt wurde, zeigt der folgende Clip, in dem Rickmans mehrfache Filmpartnerin Kate Winslet ihn würdigt.

Das Video habe ich bei Herba gesehen und es hat mich zu Tränen gerührt. Relevant wird es ab Minute 1:10. Auf Wiedersehen, Alan!

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