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Archive for the ‘man booker prize’ Category

(c) Bloomsbury

Ich konnte noch keine Informationen zu einer deutschsprachigen Veröffentlichung finden.

Washington im Februar 1862: Willie, der Sohn des Präsidenten der Vereinigten Staaten Abraham Lincoln verstirbt im Alter von 11 Jahren an Typhus. Der Präsident und seine Frau sind untröstlich. Mehrfach begibt Lincoln sich auf den Friedhof, um den kleinen Jungen noch einmal in den Armen zu halten. Doch er ist nicht allein auf dem Friedhof. Die Seelen zahlreicher Verstorbener bewohnen den Friedhof. Sie befinden sich im Bardo, der nach tibetisch-buddhistischer Vorstellung eine Zwischenexistenz zwischen Diesseits und Jenseits darstellt. Sie ahnen im Innersten, dass sie tot sind, weigern sich jedoch, dies anzuerkennen. Als die Seele des kleinen Willie im Bardo eintrifft, beratschlagen sie, was sie für ihn tun können.

Für mich war George Saunders‘ erster Roman auch die erste Lektüre dieses Autors, daher war ich nicht mit seinem experimentellen Stil vertraut. Ich hatte jedoch in einigen Rezensionen gelesen, dass es sich hier um ein höchst ungewöhnliches Werk handelt. Tatsächlich war ich gleich auf der ersten Seite verwirrt: Wer ist denn hier der Erzähler? Irgendwann taucht der Name „hans vollmann“ auf. Die Suchmaschine führte mich zu einem Artikel im New Yorker, in dem das Konzept des Buches erläutert wird. Nach der Lektüre dieses Artikels fand ich mich in dem Buch zurecht. Hans Vollmann ist einer der Verstorbenen, die auf dem Oak Hill Cemetery in Washington im Bardo verweilen. Diese Verstorbenen sind die Erzähler des Romans, ähnlich wie in einem Drama kommen sie abwechselnd zu Wort und wer gerade sprach, wird hinter der jeweiligen Passage angegeben. Diese Kapitel erinnern daher an ein Drama, ja, an ein altgriechisches Drama, denn die Stimmen ergeben zusammen einen Chor. (Von selbst bin ich darauf ehrlich gesagt nicht gekommen, bei diesem Buch lohnt es sich, im Netz ein wenig die Hintergründe zu recherchieren.)  Unterbrochen wird der Chor durch Kapitel, in denen Auszüge aus (fiktiven?) historischen Zeugnissen Lincoln und seine Familie sowie die Krankheit und den Tod des Kindes beschreiben. Erstaunt war ich, auch in diesem Buch wieder auf das Thema der unzuverlässigen Geschichtsschreibung zu stoßen. So wird die Mondphase in der Nacht von Willies Tod einmal als Halbmond, mal als Neumond, mal als Vollmond beschrieben. Auch die Aussagen zum Äußeren von Abraham Lincoln widersprechen sich drastisch, was zeigt, wie stark geschichtliche Zeugnisse von der individuellen Wahrnehmung abhängen.

Die Themen, die Lincolns Leben bestimmten, kommen durch den Chor zur Sprache: die sehr rührend beschriebene Trauer des Präsidenten, der Bürgerkrieg, die Tatsache, dass viele Bürger es Lincoln sehr übel nahmen, dass er ihre Söhne wegen Sklaven in den Tod schickte und natürlich auch die Sklaverei selbst. Interessant ist, dass einer der Schwarzen im Chor die eloquenteste Sprache aufweist.

Die Struktur des Romans macht ihn besonders interessant, die Sprache ist wunderbar und der immer wieder aufblitzende Humor von George Saunders, der sich vor allem in der Weigerung der Seelen äußert, ihren Tod zu akzeptieren, gefiel mir sehr. Nach einer Weile wurde das Lesen jedoch ermüdend für mich, die Begeisterung und der Lesegenuss ließen nach. Obwohl die Seiten nicht eng beschrieben und das Buch daher nicht sehr umfangreich ist, war ich froh, als ich das Ende erreicht hatte. Mein Fazit ist, dass das Buch wahnsinnig interessant gemacht und sprachlich meisterhaft geschrieben ist, jedoch nur begrenzt zugängig.

Aufgrund dieser mangelnden Zugänglichkeit sehe ich das Buch durchaus auf der Shortlist, aber nicht unbedingt als Sieger.

P.S.: Die Hörbuchadaptation des Romans scheint sehr interessant zu sein, da ein ganzes Ensemble von Schauspielern die Rolle des Chors übernimmt.

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(c) Faber & Faber

Deutscher Titel: Ein verborgenes Leben

Irland zu Beginn des 21. Jahrhunderts. Der Psychiater Dr. Grene arbeitet in einer psychiatrischen Klinik, die demnächst abgerissen werden sollen, und kümmert sich um den Verbleib der Patienten. Hierzu sucht er unter anderem die einhundert Jahre alte Roseanne McNulty auf, die schon seit vielen Jahrzehnten in der Klinik lebt. Er vermutet, dass sie gar nicht psychisch krank ist, und erwägt, sie zu entlassen. Gleichzeitig schreibt Mrs McNulty ihre Lebensgeschichte in einem geheimen Tagebuch auf. Langsam kommt ans Licht, wie es damals zu ihrer Einlieferung kam. Wir erfahren dies abwechselnd aus Roseannes Aufzeichnungen und aus Dr. Grenes Sicht.

Sebastian Barry ist zweifellos ein großartiger Autor, seine Formulierungen sind wunderbar, stellenweise poetisch, es macht Spaß, seinen Text zu lesen. Gut gefallen hat mir an dem Buch außerdem die kluge Diskussion der Unzuverlässigkeit von Geschichte und Erinnerung, ein Thema, auf das ich immer häufiger in Büchern stoße und das ich sehr interessant und wichtig finde.

Sätze wie diesen finde ich fabelhaft:

„For history as far as I can see is not the arrangement of what happens, in sequence and in truth, but a fabulous arrangement of surmises and guesses held up as a banner against the assault of withering truth“. (Seite 55)

In diesem Zusammenhang erleben wir Roseanne als unzuverlässige Erzählerin, ihren Erinnerungen ist nicht zu trauen:

„I have to be very careful with these ‚memories‘ because I realise there are a few vivid remembrances from this troubled time that I know in my heart cannot have happened.“ (Seite 242).

Weitere Themen, die Barry in seinem Buch behutsam behandelt, sind Liebe und Tod sowie die Ungerechtigkeiten und rigiden Moralvorstellungen, unter denen im katholischen Irland vor allem Frauen zu leiden hatten. Selbstverständlich spielen in den Rückblicken auf Roseannes Leben auch der irische Bürgerkrieg sowie die Weltkriege eine wichtige Rolle.

Trotz all dieser positiven Aspekte konnte ich nicht mehr als 3 von 5 Sternen für das Buch vergeben. Vielleicht habe ich zu viele „Familiengeheimnis-Romane“ gelesen, jedenfalls konnte ich schon zu einem sehr frühen Zeitpunkt die Auflösung des Geheimnisses vorhersagen. Eine Zeit lang hoffte ich noch, dass es einen Twist geben würde, der mir nicht klar war, aber tatsächlich endete das Buch genau so, wie ich es vermutet hatte. Und ich muss sagen, diese Auflösung war mir zu weit hergeholt und auch zu kitschig. Die Sprache des Romans ist sicherlich von einer Qualität, die das Buch für Buchpreise qualifiziert (Sieger Costa Book Award 2008, Shortlist Man Booker Prize 2008).

Der Plot kann da jedoch meiner Meinung nach nicht mithalten. Ein schön geschriebenes, aber vorhersehbares Buch.

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Ich war noch nie so gespannt auf die Bekanntgabe der Longlist für den Man Booker Prize wie in diesem Jahr. Ich kenne einige der Bücher, die als Kandidaten gehandelt wurden, einige andere habe ich auf meiner Wunschliste.

Heute Morgen war es endlich soweit: Den Kater füttern und Frühstück vorbereiten hatte Vorrang. Dann endlich erlaubte ich mir, die Website zu öffnen und – erst einmal ein kleines bisschen Enttäuschung. Ich hätte so gerne Homegoing von Yaa Gyasi auf der Liste gesehen, es wurde jedoch nicht berücksichtigt. Gleichzeitig aber Freude darüber, das einige Titel von meiner Wunschliste nominiert sind. Hier die komplette Longlist:

4 3 2 1 von Paul Auster
Days Without End von Sebastian Barry
History of Wolves von Emily Fridlund
Exit West von Mohsin Hamid
Solar Bones von Mike McCormack
Reservoir 13 von Jon McGregor

Elmet von Fiona Mozley
The Ministry Of Utmost Happiness von Arundhati Roy
Lincoln in the Bardo von George Saunders
Home Fire von Kamila Shamsie
Autumn von Ali Smith
Swing Time von Zadie Smith
The Underground Railroad von Colson Whitehead

Die fett markierten Titel hatte ich bereits auf meiner Wunschliste. Da wir in der saarländischen goodreads-Gruppe eine Man Booker Challenge gestartet haben, habe ich mir gleich heute Morgen den Rest der Liste angesehen und die markierten Titel um drei ergänzt, sodass ich vorhabe, vor der Bekanntgabe des Siegertitels am 17.10. folgende Bücher zu lesen:

4 3 2 1 von Paul Auster

Days Without End von Sebastian Barry

History of Wolves von Emily Fridlund

Exit West von Mohsin Hamid

Lincoln in the Bardo von George Saunders

Swing Time von Zadie Smith

The Underground Railroad von Colson Whitehead

Die restlichen Kandidaten interessieren mich weniger, wobei ich mir bei Autumn von Ali Smith noch nicht sicher bin.

Lincoln in the Bardo, The Underground Railroad und History of Wolves habe ich mir bereits auf den Kindle geladen. Days Without End habe ich als Printexemplar bestellt, denn dieses ist günstiger als das E-Book und außerdem ganz hübsch anzusehen. Von Barrys „The Secret Scripture“ war ich ja eher enttäuscht, aber dass er wunderschön schreibt, steht fest. Exit West und Swing Time möchte ich als Hörbuch hören. Exit West ist das Buch, das für mich ein bisschen aus der Reihe fällt und sich inhaltlich außerhalb meiner Comfort Zone befindet, aber ich vermute, es ist ein wichtiges Buch und will es daher nicht auslassen. 4 3 2 1 ist dick. Seeehr dick. Daher lass ich das erst mal außen vor. Ob ich es schaffe, das vor Oktober zu lesen, weiß ich nicht. Käme allerdings auch als Hörbuch infrage, Paul Auster liest es selbst. Ich möchte ja aber auch noch vor dem Herbst unbedingt die His Dark Materials-Reihe in Hörbuchform abschließen. Es wird Zeit, den Beruf der Vollzeitleserin einzuführen!

Mir machen die Buchpreise im Moment wirklich sehr viel Spaß, vor allem der Bailey’s und der Booker Prize, da englischsprachige Literatur mein Steckenpferd ist. Auch die Longlist des Bailey’s habe ich nicht aus dem Auge verloren, Barkskins von Annie Proulx liegt auf meinem SuB.

Was haltet ihr von Buchpreisen? Manche orientieren sich ja gar nicht daran, aber ich finde, sie machen einfach Spaß 🙂

Und was haltet ihr von der Longlist? Kennt ihr welche vor den Büchern oder wollt ihr welche davon lesen?

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