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Archive for the ‘Mystery’ Category

(c) Serpent's Tail

(c) Serpent’s Tail

Eine deutsche Übersetzung liegt zum Zeitpunkt der Veröffentlichung dieses Artikels nicht vor.

London in den 1890ern. Cora Seaborne ist seit Kurzem verwitwet. Da sie von ihrem Mann unterdrückt wurde, hält sich die Trauer in Grenzen, vielmehr genießt Cora ihre wiedererlangte Freiheit. Als sie von einem Untier hört, das in der Nähe von Colchester sein Unwesen treiben soll, der sogenannten „Essex Serpent“, reist sie mit ihrem elfjährigen Sohn nach Essex, um der  Sache nachzugehen. Im Dorf Aldwinter, das von der Schlange heimgesucht werden soll, freundet sie sich mit der Pfarrersfamilie Ransome an.

Ich ging mit höchsten Erwartungen an dieses Buch heran, denn es ist inhaltlich genau mein Ding und zwei meiner Lieblings-Booktuber kürten den Roman zu ihrem Buch des Jahres 2016. Was mir nicht klar war, ist, wie stark das Buch von seinen Charakteren geprägt ist, die Handlung tritt hinter die Charakterentwicklung zurück. Da mir Bücher, die „plot-driven“ sind, eher liegen, war das Buch schließlich doch kein 5-Sterne-Buch für mich, hat mir aber gut genug gefallen, um 4 Sterne von mir zu erhalten.

Was mir sehr gut gefallen hat, war der das Buch durchziehende Symbolismus, am deutlichsten natürlich verkörpert durch die Essex Serpent, die Essex-Schlange, selbst. Das mysteriöse Wesen scheint das Unglück ins Dorf zu bringen, es steht für den Aberglauben, den dessen Pfarrer Will bekämpft, aber auch Cora Seaborne ist im übertragenen Sinne die Essex-Schlange, denn sie bringt ebenfalls Unruhe in das Dorf und stellt eine Versuchung für Will dar, der seine Frau doch eigentlich liebt, aber in Cora seinen intellektuellen Gegenpart findet.

Auch die Farbe Blau spielt eine wichtige Rolle, Sarah Perry weist im Nachwort darauf hin, dass ihr hierfür das Buch Bluets von Maggie Nelson als Inspiration diente (das werde ich dann wohl auch noch lesen).

Die Auflösung gefällt mir gut, sie ist relativ klar, lässt aber dennoch Raum für eigene Interpretationen.

Insofern handelt es sich um sehr gutes Buch, die Lektüre macht Spaß und wer Bücher liebt, die den Schwerpunkt auf die Charakterzeichnung legen, wird es großartig finden.

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(c) Penguin

Deutscher Titel: Spuk in Hill House

Irgendwo in einer einsamen Region in den USA, in den fünfziger Jahren des vergangenen Jahrhunderts. Ein altes, unheimliches Herrenhaus, in dem offenbar niemand wohnen mag, ein Gelehrter, der paranormale Ereignisse erforscht und drei Personen, die auf Einladung des Gelehrten zugestimmt haben, eine Zeit lang mit ihm in dem Haus zu verbringen, um herauszufinden, ob dort Übersinnliches vor sich geht. Es handelt sich um Dr. Montague, Luke, der Erbe der Besitzerin des Hauses, Eleanor, eine junge Frau, in deren Jugend es poltergeistartige Phänomene gab, und Theodora, die ein erstaunliches hellseherisches Talent unter Beweis gestellt hat, jedoch selbst gar nicht so beeindruckt davon ist. Was werden die vier in Hill House erleben?

Ich habe vor Jahren die alte (und gelungene) Schwarzweiß-Verfilmung dieses Werkes von Shirley Jackson gesehen und wollte das Buch seitdem lesen. Schon öfter habe ich erwähnt, dass ich mit blutigem Horror nichts anfangen kann, die subtilen, wirklich gruseligen Geistergeschichten sind die, die mir einen Schauer über den Rücken jagen. Der Film hat dies geschafft – ebenso wie die literarische Vorlage. Schon relativ früh im Buch wird klar, dass Eleanor die wichtigste Figur ist, sie ist der Charakter, der am besten und intensivsten ausgearbeitet ist, bei den anderen Charakteren ist dies weniger der Fall, was aber in Ordnung ist, denn der Fokus liegt auf Eleanor und das ist auch wichtig. Shirley Jackson schwört gekonnt eine bedrohliche Atmosphäre herauf, die Poltergeistszenen selbst sind für meine Begriffe sehr gruselig, es gab einen Schockmoment, der mich wirklich hat erschaudern lassen. Doch Shirley Jacksons Roman ist viel mehr als eine oberflächliche Geistergeschichte, die einfach nur Grusel erzeugen will. Es geht um die Ursache der Erscheinungen, um Eleanors Seelenleben und um die Natur des Poltergeists an sich. Hier habe ich Parallelen zu „The Little Stranger“ von Sarah Waters festgestellt, das mir äußerst gut gefallen hat. Die Auflösung ist nicht ganz offensichtlich, mit ein wenig Überlegung jedoch gut zu erschließen – und sie ist schlicht umwerfend. Wer wie ich eine Ausgabe mit Vorwort besitzt, in meinem Fall von Laura Miller – bitte erst nach der Lektüre des Romans lesen! Wie so oft ist das Vorwort nämlich voller Spoiler, ich lese, insbesondere bei Klassikern, inzwischen grundsätzlich das Vorwort, wenn überhaupt, zuletzt. Soll nicht heißen, dass das Vorwort schlecht ist, wer am Ende unsicher bezüglich der Auflösung ist, wird sie hier finden.

Ein wirklicher Klassiker der Gruselliteratur mit Tiefgang.

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(c) Atom

Deutscher Titel: The Diviners – Aller Anfang ist böse

New York in den 20er Jahren des letzten Jahrhunderts. Die siebzehnjährige Evie O’Neill wird zu ihrem Onkel Will ins Exil geschickt, da sie in ihrer Heimatstadt für einen gesellschaftlichen Eklat gesorgt hat. Dieser Eklat hat mit einer besonderen Fähigkeit Evies zu tun: ein Gegenstand aus dem Besitz einer Person und etwas Konzentration reichen ihr, um in die Gedanken und Erinnerungen der Person einzudringen. Onkel Will wiederum betreibt passenderweise ein Museum für übernatürliche Phänomene und als ein mysteriöser Mord geschieht, soll er die Polizei bei den Ermittlungen unterstützen. Natürlich ist Evie zu neugierig, um die Finger davon zu lassen. Dabei trifft sie im Laufe des Buchs auf weitere Siebzehnjährige mit merkwürdigen Gaben…

Libba Bray legt mit ihrem Jugendroman eine wirklich packende, komplexe Geschichte nicht nur für Teenager vor. Am besten gefallen an dem Buch hat mir die authentische 20er-Jahre-Atmosphäre, die heraufbeschworen wird, unter anderem durch Begriffe, die zur damaligen, von der Prohibition gekennzeichneten Zeit gängig waren. Ich musste das eine oder andere Mal die englische Wikipedia zurate ziehen. Die Untergrundkneipen mit illegalem Ausschank wurden etwa „Speakeasies“ genannt, die Schwarzhändler „Bootlegger“. Libba Bray hat offensichtlich einen enormen Rechercheaufwand betrieben, um die 20er Jahre möglichst glaubhaft darzustellen. Aufgefallen ist mir der trotz der Prohibition doch enorme Alkoholkonsum, insbesondere von Evie, da könnte man fast meinen, es wurde jetzt erst recht gesoffen 😉

Die Charaktere sind in ihrer Tiefe nicht unbedingt das, was den Roman ausmacht, originell und gefällig sind sie aber allemal. Evie als Hauptperson ist mitunter nervig, sie ist ein richtiges Partygirl, aber auch sehr aufgeweckt und mutig.

Das übersinnliche Element wird direkt im ersten Kapitel eingeführt, der Leser weiß im Gegensatz zu den Charakteren direkt Bescheid, wer bzw. was der Mörder ist. Um diese gruselige Gestalt wird jedoch ein regelrechter Mythos aufgezogen, der mich absolut gefesselt hat.

Sprachlich ist der Roman trotz der Spezialbegriffe aus der Prohibitionszeit gut lesbar. Sehr genervt hat mich allerdings Evies ständiger Gebrauch der Verballhornung „pos-i-tutely“.

Gegen Ende des Buchs werden ein Element und eine Entwicklung eingeführt, die mir nicht gefallen haben. Einmal handelt es sich dabei um ein regelrechtes Steampunk-Element, das für meine Begriffe nicht in das Buch passt. Ich hatte bis zu diesem Zeitpunkt die Welt von „The Diviners“ als reale Welt empfunden, in der es eben nur Übersinnliches gibt. Das Steampunk-Element entrückt die Welt noch etwas mehr von der unseren, was für mich nicht stimmig ist. Außerdem entwickelt sich da etwas, das auf eine Dreifach-, eventuell sogar Vierfachbeziehung in der Fortsetzung hindeutet, und das muss ich jetzt wirklich nicht schon wieder in einem Jugendbuch haben.

Ich vergebe dementsprechend vier von fünf Sternen und bin gespannt auf den zweiten Teil.

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(c) Andersen Press

Deutscher Titel: Grave Mercy: Die Novizin des Todes

Bretagne 1485. Die junge Ismae ist seit ihrer Geburt durch eine schreckliche Narbe auf ihrem Rücken als Tochter des Todes selbst gezeichnet. Das führt dazu, dass sie keine Akezptanz findet, weder durch ihren weltlichen Vater, noch durch den Mann, mit dem sie verheiratet werden soll. Doch die Anhänger des alten Todesgottes Mortain, der sich mit mit der Gestalt eines katholischen Heiligen vermischt hat, verhelfen ihr zur Flucht in ein Kloster. Ein ganz besonderes Kloster, denn die Frauen dort sind alle Mortains Töchter und – Attentäterinnen. Gemeinsam mit Teilen des bretonischen Adels kämpfen sie für den Erhalt der Unabhängigkeit des Herzogtums Bretagne. Ismae erhält einen brisanten Auftrag – sie soll zusammen mit dem jungen Adligen Duval an den Hof reisen und dort die töten, die sich als Verräter herausstellen. Doch Duval selbst ist nicht frei von Verdacht…

Ich hatte zugegebenermaßen ein wenig Zweifel ob der Konstellation, die dieses Buch laut dem Klappentext bietet. Eine Kloster mit mordenden Nonnen? Doch gleich zu Beginn an fühlte ich mich nicht nur bestens unterhalten, die Geschichte wirkt überraschend authentisch und kann wirklich fesseln. Ja, es gibt eine Liebesgeschichte, die steht jedoch lange nicht so im Vordergrund, wie ich erwartet hatte, und entwickelt sich eher beiläufig, sodass sogar ich sie romantisch finden konnte. Die Ränke am bretonischen Hof machen wirklich Spaß, das Buch ist erstaunlich politisch. Ich muss zugeben, ich wusste nicht, dass die Bretagne so lange relativ eigenständig war. Das ist ein weiteres Plus des Romans: mal ein ganz anderer Schauplatz, dessen Geschichte allgemein nicht so bekannt ist, was ihn umso spannender macht.

Es gibt einige Mystery-Elemente, die sind jedoch nicht sehr stark ausgeprägt, sodass das Buch definitiv nicht nur etwas für Mystery- oder Fantasy-Fans ist.

Die Charaktere sind nicht herausragend, aber vor allem mit Duval konnte ich mich richtig gut anfreunden.

Es handelt sich zwar um den ersten Teil einer Trilogie, doch in den Folgebänden geht es wohl um andere Novizinnen aus dem Kloster. Nachdem mir dieser erste Band also wirklich gut gefallen hat, freue ich mich schon auf die Nachfolger.

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(c) Corvus

(Deutscher Titel: Die Nacht der Jägerin)

Ich habe mich lange davor gedrückt, die Rezension zu diesem Buch zu schreiben – weil mir klar war, dass das verdammt schwierig werden würde. Normalerweise beschreibe ich ja kurz den Inhalt eines Buchs, bevor ich meine Meinung dazu schreibe, aber bei diesem Buch ist das … nicht ganz einfach, denn es ist wahnsinnig vielschichtig und man weiß nicht recht, wo man anfangen soll. In jedem Fall ist es – anders als ich zunächst gedacht hatte – kein klassischer Krimi um eine Ermittlerin. Bis ein (aktueller) Mord geschieht, ist man über die Hälfte des Buchs hinweg. Es ist mehr Mystery mit etwas Krimi, sehr stimmungsvoll, aber auch sehr ausführlich. Der Besitzer eines kleinen Hotels an der Grenze zu Wales veranstaltet Krimiwochenenden mit selbstausgedachten neuen Fällen für Sherlock Holmes. Das Ganze hat den Hintergrund, dass der Hotelbesitzer, der ursprünglich aus dem TV-Business kommt, die Theorie hat, dass eines der berühmtesten Bücher von Arthur Conan Doyle, „Der Hund von Baskerville“, seinen Ursprung nicht in Dartmoor, sondern hier in Herefordshire hat. Lokale Legenden berichten von einem Hund, der eine bestimmte Familie verfolgte und ein Todesbote für denjenigen war, der ihn sah. Dazu kommt, dass Conan Doyle ein überzeugter Anhänger des Spiritismus war, was eine große Rolle in dem Buch spielt. Zufälligerweise arbeitet Jane, die Tochter der Pfarrerin Merrily Watkins, am Wochenende in dem Hotel – und das Ganze weckt natürlich ihr Interesse. Dann ist da noch Natalie, die vor Kurzem mit ihrer Tochter in einem Wohnmobil in der Gegend angekommen und bei dem Farmer Jeremy geblieben ist. Auch sie arbeitet im Hotel, und das Rätsel ihrer Identität ist ein weiterer Aspekt des Buchs. Aber es kommt noch mehr dazu. Das Buch ist wie gesagt sehr vielschichtig, aber alles hängt irgendwie zusammen.

Es hat mir Spaß gemacht, das Buch zu lesen, auch wenn es etwas langatmig ist. Die ein bisschen gruselige Atmosphäre ist toll. Und mir hat es gerade deswegen gefallen, weil es kein klassischer Krimi ist. Und ich denke, ich werde nun die übrigen Bände der Reihe auch auf meine Wunschliste setzen. Sorry für die chaotische „Rezension“, aber bei diesem Buch ist das Rezensieren echt nicht leicht.

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