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Archive for the ‘Psychologie’ Category

Da das Buch leider nur noch antiquarisch erhältlich ist, habe ich leider keine Coverabbildung für euch. Eine deutsche Übersetzung liegt nicht vor.

„INSANE ASYLUM“. A place where insanity is made.“ (S. 123) So lakonisch umschreibt eine der Patientinnen, die in diesem Sachbuch zu Worte kommen, die Einrichtungen in den USA, in denen sie Monate, manchmal auch viele Jahre, verbringen mussten, häufig ohne echte medizinische Diagnose. Um ein ausgewogenes Bild zu bieten, enthält das Buch auch Berichte von Frauen, denen tatsächlich geholfen wurde. Doch die überwältigende Mehrheit der Patientinnen wurde in der jeweiligen Einrichtung der Willkür der Aufsichtspersonen ausgesetzt, sie wurden menschenunwürdig behandelt, mitunter gequält. Häufig reichten nichtige Gründe, etwa eine unliebsame Meinung, die sich nach der Meinung des Vaters oder des Ehemannes der Frau nicht für eine solche gehörte, um sie für verrückt zu erklären, manchmal wollte der Mann die Frau auch einfach nur loswerden. Es ist schier unerträglich zu lesen, wie ausgeliefert Frauen Männern in vergangenen Zeiten waren. Entsprechend wütend und aufgebracht war ich bei der Lektüre über weite Strecken dieses Buches.

Das Buch beginnt mit einem sehr interessanten Vorwort der amerikanischen Psychologin Phyllis Chesler gefolgt von einer nicht minder interessanten Einführung der Autoren in das Thema. Daraufhin folgen die Augenzeugenberichte der betroffenen Frauen, die zeitlich in vier Abschnitte gegliedert wurden, um das sich in Laufe der Zeit verändernden Frauenbild widerzuspiegeln. Den Berichten aus den verschiedenen Zeitabschnitten sind Erläuterungen eben dieses Frauenbildes sowie Beschreibungen der allgemeinen Zustände in Einrichtungen für Geisteskranke und der jeweilige Stand der Psychologie vorangestellt.

Die Augenzeugenbericht stammen von vielen verschiedenen Frauen, entsprechend unterschiedlich lesen sie sich auch. Die meisten von ihnen stimmen jedoch darin überein, dass der Aufenthalt eine Qual war und es im Grunde ein Wunder ist, dass die Frauen ihren ja häufig völlig gesunden Geisteszustand über lange Zeiträume hinweg bewahren konnten. Die Frauen wurden nach Aussage einer Patientin schlimmer behandelt als Verbrecher:

„Most criminals have some sort of a trial before they are punished; but here, all that is required, is the misrepresentation of an angry attendant, who thus secures to her helpless victim the punishment, which her own conduct justly merits upon herself…“ (Seite 62)

Die Beschreibungen der teilweise gänzlich unwissenschaftlichen Behandlungsmethoden sind kaum zu ertragen:

„Based on the unfounded assumptions that psychiatric illness resulted from gynecological disease, these treatments were directed at women’s reproductive organs… Other women were subject to electrical charges applied to the uterus…“ (Seite 100-101)

Es wird noch schlimmer, aber das möchte ich euch an dieser Stelle ersparen.

Das aufschlussreiche Buch endet mit einem Epilog, in dem die Autoren feststellen, dass die Zustände in psychiatrischen Kliniken heute keineswegs bestens sind und geben entsprechende Beispiele. So schließen die Autoren mit einem Appell an die Gesellschaft, die Stimmen der Betroffenen stärker wahrzunehmen.

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