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(c) Audible Studios

Deutscher Titel: Farbenblind, erschienen im Karl Blessing Verlag

Sprecher: Trevor Noah

Dauer: 8 h 50 min

Trevor Noah wird 1984 in Johannesburg geboren. Seine Geburt und seine bloße Existenz sind ein Verbrechen, denn im Südafrika unter der Apartheid sind sexuelle Beziehungen zwischen Weißen und Schwarzen natürlich verboten. Trevors Mutter setzt sich bewusst darüber hinweg, wie sie auch das Verbot für Schwarze, in Johannesburg zu leben, ignoriert. Trevors Vater ist Schweizer und schert sich überhaupt nicht um Unterschiede zwischen Schwarz und Weiß. Trevors Leben und seine Persönlichkeit wird geprägt davon sein, dass er nirgends wirklich dazugehörte: Er sah aus wie ein Farbiger („Coloureds“ mit weißen und schwarzen Vorfahren, die in Südafrika einen Zwischenstatus haben), gehörte dieser Gruppe aber nicht an, war natürlich auch kein Weißer, aber auch mit seinem Aussehen kein Schwarzer. Entschieden hat er sich für die Gruppe der Schwarzen. Doch Trevors Besonderheit barg nicht nur Gefahren, sondern auch Möglichkeiten und Ideen, vor allem nach dem Ende der Apartheid. Noah spricht beispielsweise verschiedene Sprachen, sodass er sich überall durchschlagen konnte.

Trevor Noah ist inzwischen ein bekannter Comedian in den USA und moderiert die „Daily Show“. Er hat sich nach oben gekämpft, woran seine Mutter mit ihrer ebenfalls kämpferischen Natur einen großen Anteil hat. Deshalb ist Noahs Autobiografie auch eine Hommage an diese großartige Frau. Noah erzählt episodenhaft von seiner Kindheit, die er teilweise bei seiner Großmutter in Soweto verbrachte, und seiner Jugend sowie seinen ersten Schritten in Richtung Erfolg. Es sind haarsträubende Geschichten dabei, etwa, als seine Mutter ihn aus einem fahrenden Auto stieß, weil der Fahrer sich als Angehöriger eines anderen Stammes entpuppte und Mordabsichten gegenüber Trevor und seiner Mutter zu haben schien. Manche Geschichten sind aber auch wirklich sehr komisch, ich habe sehr viel gelacht beim Hören des Buchs. Noah schafft es, selbst die erwähnten haarsträubenden Geschichten mit einem humorvollen Unterton zu versehen. Er ist ja nicht umsonst ein Comedian. Nichtsdestotrotz spürt man an manchen Stellen, an denen die Gefährlichkeit der puren Existenz, die Gewalt und die Ungerechtigkeit im damaligen Südafrika besonders deutlich wird, einen Kloß im Hals.

Die meisten Anekdoten fand ich absolut interessant. Ich gehöre zu einer Generation, die sich noch an die Apartheid in Südafrika, die Entlassung Nelson Mandelas aus der Haft und das Ende der Apartheid erinnern kann, doch Noahs Geschichten hielten mir vor Augen, wie wenig ich doch über die Apartheid, die Townships und das Leben unter dem Regime wusste. Sehr frustrierend auch zu hören, wie ineffektiv in den rein schwarzen Schulen unterrichtet wurde und wie wenig auch heute die Apartheid in den Schulen aufgearbeitet wird. Noah verweist hier unter anderem auf die Vergangenheitsbewältigung in Deutschland, wobei es da meiner Meinung nach langsam auch einiges zu bemängeln gibt. Vergangenheitsbewältigung findet in Südafrika jedenfalls offenbar nicht statt oder nur sehr eingeschränkt.

Die einzigen Passagen des Buchs, die ich nicht mochte, waren die um die Haustiere der Familie. Ich bin ja bekanntermaßen sehr empfindlich, wenn es um Tiere geht.

Trevor Noahs Buch ist gleichzeitig eine wunderbare Quelle, um mehr über das vergangene und auch das heutige Südafrika zu erfahren, gleichzeitig bietet Noah beste Unterhaltung und eine große Portion Humor, sodass ich das Buch unbedingt weiterempfehle. Das englische Hörbuch liest Noah sehr gekonnt selbst, wer des Englischen mächtig ist, sollte unbedingt zu dieser Version greifen. Viele mit Enthusiasmus gelesene Passagen kommen in Printform sicher weniger mitreißend rüber.

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