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Archive for the ‘Russische Literatur’ Category

(c) Audible

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Übersetzung aus dem Russischen: Christiane Pöhlmann

Sprecher: Oliver Siebeck

Dauer: 14 h 38 min

Der Elf Lass sieht keinen Sinn in den Kriegen, die das Elfenreich zermürben. Als er diesen Standpunkt auch öffentlich vertritt, muss er mit seinem Aeroplan fliehen, da er wegen Befehlsverweigerung zum Tod verurteilt wird. Als ob dies nicht schon genug wäre, vertraut ihm eine Menschenfrau, die ihrerseits auf der Flucht vor den Zauberern des Echsenvolkes der Margudier ist, ein geheimnisvolles Amulett an, das auf keinen Fall in deren Hände fallen darf. So wird Lass also gleich von zwei Seiten her verfolgt. Dennoch gelingt ihm die Flucht auf die Schildkröteninsel, wo er sich vorerst niederlässt. Zur Ruhe kommen soll er aber auch dort nicht…

Nachdem mein erster Kontakt mit russischer Science-Fiction (Der Schneesturm von Vladimir Sorokin) rundum positiv ausfiel, wollte ich mich auch einmal an russische Fantasy wagen. Mir gefiel gleich von Anfang an die Originalität dieser Geschichte, denn wir haben es zwar mit vielen gängigen Fantasy-Völkern zu tun, etwa Elfen, Orks oder Zwergen, doch Pehov schafft auch (zumindest mir) gänzlich neue Kreaturen mit individuellen Eigenschaften. Darüber hinaus ist erfrischend, dass diese Fantasy-Welt wesentlich moderner anmutet als die meisten, die häufig eher mittelalterlich anmuten. Hier gibt es Flugzeuge – Aeroplane – auch wenn diese von Dämonen betrieben werden. (Terry Pratchett lässt grüßen.) Auch die Gesellschaft scheint um einiges moderner und multikultureller, auch wenn es Kriege gibt, leben in großen Städten viele verschiedene Völker mehr oder weniger friedlich zusammen. Damit habe ich auch gleich die größte Stärke dieses Buches herausgestellt: Das World-Building ist fantastisch! Jeder Fantasy-Fan sollte seine Freude daran haben. Die Hauptcharaktere sind sympathisch, wenn auch nicht restlos einnehmend. Ein Manko sehe ich im Plot, der in der ersten Hälfte etwas zusammenhangslos wirkt. Der Charakter ist hier der eines Abenteuerromans, in dem der Protagonist nacheinander verschiedene Herausforderungen meistern muss. Mit fortdauernder Länge gewinnt der rote Faden etwas an Stärke, das Geschehen hat nun etwas von einem spannenden Kriminalstück mit kleinen Plot-Twists. Auch bei der Auflösung setzt Pehov seine unglaubliche Fantasie sehr wirkungsvoll ein. Dennoch hatte das Buch für mich einige Längen, zwischenzeitlich ließ mein Interesse an der Geschichte stark nach, wuchs gegen Ende jedoch wieder an. Mit anderen Worten: Der Plot ist ausbaufähig. Da das Ende sich durchaus für eine Fortsetzung eignet, kann ich mir gut vorstellen, dass es auch eine geben wird. Und vor allem das World-Building hat mir so gut gefallen, dass ich eine eventuelle Reihe sicher weiter verfolgen werde. 3,5 Sterne.

Der Sprecher Oliver Siebick macht seinen Job gut, ich werde mir gerne mehr von ihm gelesene Hörbücher anhören.

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(c) argon hörbuch

(c) argon hörbuch

Sprecher: Stefan Kaminski

Dauer: 5h 44 min, ungekürzt

Der Arzt Garin strandet auf dem Weg in das Dorf Dolgoje in einer Kutschenstation, denn dort gibt es angesichts des wütenden Schneesturms keine Pferde zum Wechseln. Garin reagiert wütend, wird er doch dringend in Dolgoje erwartet, wo eine seltsame „Pest“ ausgebrochen ist und der Impfstoff, den er mit sich führt, dringend benötigt wird. In seiner Not wendet er sich an den Brotkutscher Kosma, genannt „der Krächz“. Dieser willigt ein, ihn mit seinem von 50 Kleinpferden gezogenes Schneemobil in das Dorf zu bringen.

Während der ersten Lese- bzw. Hörminuten wähnt sich der Leser bzw. Hörer in einer Szenerie aus dem Russland des 19. Jahrhunderts. Spätestens, als von winzigen Pferden die Rede ist, die ein Schneemobil ziehen, und von weiteren seltsamen Kreaturen und Technologien, wird jedoch klar: Wir befinden uns in einer Dystopie. Welchen Zeitraum wir uns vorzustellen haben und wie es zu dem offensichtlichen Rückschritt der Menschheit kam, wird nicht erklärt, doch der Autor wartet im Verlauf des Buchs immer wieder mit wirklich originellen Ideen für die Entwicklung alternativer Technologien auf, die für mich angesichts der erzeugten Atmosphäre gleichzeitig den größten Unterhaltungswert und die größte Stärke des Romans darstellen. Das Buch liest bzw. hört sich kurzweilig, die Sprache ist gehoben, sehr angenehm. Spannung wird durch die ganze Situation erzeugt: Wird es dem Doktor und dem Krächz gelingen, nach Dolgoje zu gelangen? Welchen Seltsamheiten werden die unterwegs noch begegnen? Und was ist das für eine geheimnisvolle Krankheit, die etwas Merkwürdiges mit den Menschen zu machen scheint?

Die Hauptprotagonisten sind sehr unterschiedliche Typen, der Doktor pflichtbewusst, aber leicht auffahrend, Kosma aka Krächz bemüht, bescheiden und vor allem auf das Wohlergehen seiner Pferdchen bedacht, was ihn zu der sympathischeren der beiden Figuren macht. Wir erfahren über beide verschiedene Einzelheiten aus ihrer Vergangenheit, ohne dabei über ihren gesamten Lebensweg informiert zu werden.

Das Ende empfand ich als etwas unbefriedigend, ich hätte gerne noch mehr erfahren, mehr Auflösungen für Aspekte der Geschichte erhalten, es ist jedoch absolut stimmig.

Ich habe russische Literatur bisher sträflich vernachlässigt in meinem Leseleben, dieses originelle Buch mit seiner schönen Sprache hat mir sehr viel Lust auf mehr gemacht.

Ich brauche kaum zu erwähnen, dass Stefan Kaminski seinen Job großartig macht, er ist der talentierteste Hörbuchsprecher, den ich kenne.

 

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