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Archive for the ‘Sachbuch’ Category

Der Oktober ist ja für mich der Büchermonat schlechthin – wegen der Frankfurter Buchmesse und des Beginns der kühlen, gemütlichen Jahreszeit. Meistens schaffe ich es aber gerade wegen der Buchmesse im Oktober nicht, viel zu lesen. Dieser Oktober war aber recht gut.

Gelesen: 6

  • Roger Clarke: A Natural History of Ghosts – 500 Years of Hunting for Proof
  • The Queen (of Twitter): Gin o‘ Clock
  • Carson McCullers: The Heart is a Lonely Hunter
  • Jean-Yves Ferri, Didier Conrad: Asterix in Italien
  • Kai Meyer: Drache und Diamant
  • Diane Setterfield: The Thirteenth Tale. Ich bin am 31. eingeschlafen, bevor ich das Buch beenden konnte, aber es waren nur noch 5 Seiten, die ich am 1. November gelesen habe, von daher…

Außerdem:

  • 40 Seiten von Charles Dickens‘ „Our Mutual Friend“

Neuzugänge: 22

  • John Boyne: Haus der Geister (Geschenk)
  • Stefan Bachmann: Palast der Finsternis (Geschenk)
  • Anna Romer: Beyond the Orchard (Geschenk)
  • Yuval Noah Harari: A Brief History of Humankind
  • Tanja Kinkel: Grimms Morde (signiert)
  • John Burnside: Ashland & Vine (signiert)
  • Mariana Leky: Was man von hier aus sehen kann (signiert)
  • Patrick Rothfuss: Der Name des Windes (Geschenk, hab ich letzte Woche ganz vergessen)
  • Walter Benjamin: Berliner Kindheit um 1900
  • Jean-Yves Ferri, Didier Conrad: Asterix in Italien
  • Kazuo Ishiguro: Never Let Me Go
  • Tana French: Broken Harbour
  • Volker Weidermann: Ostende: 1936, Sommer der Freundschaft
  • Daniel Kehlmann: Du hättest gehen sollen
  • Britta Böhler: Der Brief des Zauberers
  • Stefan Bollmann: Frauen und Bücher: Eine Leidenschaft mit Folgen
  • Esther Kinsky: Am Fluss
  • David Mitchell: Slade House
  • Jane Harris: The Observations
  • Ken Follett: World Without End
  • Uwe Timm: Die Entdeckung der Currywurst
  • Jennifer Worth: Shadows Of The Workhouse: The Drama Of Life In Postwar London

Heidanei!!!

Gehört: 1

  • Marc-Uwe Kling: Qualityland

Hörbuchneuzugänge: 2

  • Marc-Uwe Kling: Qualityland
  • Philip Pullman: The Amber Spyglass

Stand Roman-SuB: 116 (+13)

Stand Sachbuch-SuB: 50 (+3)

SuB-Abbau: +16. Ähm, ja. Manchmal muss das einfach sein.

Gelesene Seiten: 2429

Seiten pro Tag: 78

Hm. Da könnte noch mehr gehen. Hoffe auf den November, hab mit „Du hättest gehen sollen“ von Daniel Kehlmann schon mein erstes Buch beendet, das hatte aber auch nur 96 Seiten. Ich habe im Oktober sieben Titel geschafft, der Asterix war aber natürlich sehr kurz. Im November stehen zwei Buddy-reads an, witzigerweise beide von Kazuo Ishiguro-Büchern, ansonsten beteilige ich mich locker am NonFictionNovember, einem Readathon, den die Booktuberinnen Olive von abookolive und Gemma von Non Fic Books hosten. Macht noch jemand mit bei der großen Sachbuchleserei? Ich bin mit „Sapiens. A Brief History of Humankind“ von Yuval Noah Harari eingestiegen.

Ich wünsche euch einen sachbuchigen Lesemonat November!

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(c) Penguin

Deutscher Titel: Naturgeschichte der Gespenster: Eine Beweisaufnahme (Naturkunden), erschienen im Verlag Matthes & Seitz Berlin

Dass ich diesen Artikel ausgerechnet heute veröffentliche ist tatsächlich Zufall, aber ein schöner 😉

Kaum jemand kann sich Grusel- und Geistergeschichten wirklich entziehen, selbst wer die Existenz des Übernatürlichen konsequent ablehnt, kennt sicher doch diesen angenehmen Schauer, der uns bei gruseligen Geschichten und Berichten über den Rücken läuft. Nicht umsonst ist die britische Reality-TV-Sendung „Most Haunted“ so beliebt, zumal in dem Land, Großbritannien nämlich, das wohl über die meisten Spukorte weltweit verfügt. Roger Clarke geht so weit, den Geisterglauben als eine Art Ersatzreligion im ansonsten immer stärker säkularisierten Westen, speziell Großbritannien, zu betrachten:

„Belief in the paranormal has become a form of decayed religion in secular times: ghosts are the ghosts of religion itself“. (Seite 291)

Dieser Satz lässt schon ahnen: Roger Clarke ist kein total abgehobener Freak, der seine Leser zum Übersinnlichen bekehren möchte. Vielmehr ist der Journalist seit seiner Jugend ein anerkannter Experte auf dem Gebiet der Geistererscheinungen, der uns mit dem vorliegenden Buch einen Überblick über deren Geschichte liefert, in den geschilderten Fällen kann er auch meistens gleich die Auflösung anbieten (was mancher Leser, durchaus auch ich, manchmal ein bisschen schade finden mag).

Gleich zu Beginn des Werks stellt Clarke dar, um was es in dem Buch nicht geht: um die Frage, ob Geister existieren. Es gibt zu viele belegte Fälle von Geistererscheinungen, um ihre Existenz gänzlich leugnen zu können. Clarke will vielmehr erklären, was hinter solchen Phänomenen steckt. Für diese nennt er einige Beispiele, dir mir wirklich haben die Haare zu Berge stehen lassen und mir eine schlaflose Nacht verschafft haben (ich bin da eventuell ein klitzekleines bisschen empfänglich…)

Das zweite Kapitel, „A Taxonomy of Ghosts“, fand ich ganz besonders interessant und hilfreich, liefert es doch eine genaue Klassifizierung der verschiedenen Geistererscheinungen. Es folgt ein Kapitel über verschiedene berühmte Geisterjäger im Verlauf der Geschichte. Die weiteren Kapitel behandeln einzelne berühmte Fälle von Heimsuchungen, beginnend mit einem klassischen Spukhaus im 18. Jahrhundert.

Ich muss sagen, dass ich diese Kapitel nicht mehr ganz so fesselnd fand wie die Eingangskapitel, was aber schlicht daran liegt, dass mich in diesem Fall ausnahmsweise weniger die Geschichte interessiert als heute existierende Spukvorkommnisse und heimgesuchte Plätze. Dennoch habe ich mich gerade aufgrund des sachlichen Vorgehens des Autors kaum getraut, das Buch im Bett zu lesen. Roger Clarke erscheint sowohl kundig als auch glaubhaft.

Wie bereits erwähnt konnten die meisten der besprochenen Fälle tatsächlich aufgelöst werden, was jedoch nicht bedeutet, dass Roger Clarke die Existenz von Geistern widerlegt. Ich interpretiere das Buch eher so, dass es solche Phänomene gibt und dass wir vielleicht einfach in vielen Fällen noch nicht entdeckt haben, was in wissenschaftlicher Hinsicht dahinter steckt. Im Verlauf der Geschichte gab es immer wieder Entdeckungen und Auflösungen für bis dahin Unerklärbares. Man stelle sich vor, wie ein Mensch aus dem Mittelalter oder aus noch früheren Zeiten auf einen Fernseher oder gar Computer reagieren würde. Eine sehr spannende Frage, wie ich finde, auch in psychologischer Hinsicht. Ein empfehlenswertes Buch.

In diesem Sinne wünsche ich euch ein schönes Halloween, oder, wie ich persönlich eher nenne, schönes Samhain!

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(c) Penguin

(Eine deutsche Ausgabe scheint nicht zu existieren)

Bill Bryson hat sich als Autor zahlreicher Sachbücher über ein großes Spektrum hinweg einen Namen gemacht und wird von vielen besonders für sein Talent, die witzigsten Geschichten und Fakten ausfindig zu machen, sowie seinen trockenen Humor geliebt. Ich muss gestehen, dass ich bisher außer Notes From a Small Island nichts von ihm gelesen habe – was aber nicht an mangelndem Interesse liegt, sondern an der überwältigenden Anzahl von Büchern, die ich unbedingt bald lesen muss.

Der Titel des Buchs „Made in America“ kann ein wenig irreführen, ich hatte eigentlich ein Buch darüber erwartet, was es heißt, in Amerika geboren und aufgewachsen zu sein. Tatsächlich handelt es sich aber um die Geschichte der Entwicklung der englischen Sprache in Amerika seit der Besiedlung durch britische Auswanderer. Was mir durchaus recht ist, denn ich bin von Haus aus Sprachwissenschaftlerin und interessiere mich brennend vor allem für Sprachentwicklung. Das gilt insbesondere für die ganz frühe Entwicklung der Sprachen aus dem indoeuropäischen Sprachenkreis.

Und dann haut der Mann mich doch schon in der Einführung um, indem er erwähnt, dass der Aufzählreim „Eenie, meenie, minie, mo“ nicht nur älter ist als die römische Besatzung des alten Britanniens, sondern eventuell sogar aus vorkeltischer Zeit stammt. Damit hatte er mich. Gänsehaut pur. Die ersten Kapitel beschäftigen sich mit der Sprache der ersten Siedler, die natürlich noch britisch war. Hochinteressant daran finde ich, dass das damalige Englisch in der Aussprache eher dem heutigen amerikanischen Englisch ähnelt – das britische Englisch ist dasjenige, das sich weiter von der Ausgangssprache wegentwickelt hat. Bryson erklärt anhand zahlreicher Beispiele den damaligen Zustand der englischen Sprache und bleibt dabei immer unterhaltsam. Auch sein berühmter Humor blitzt immer wieder auf. Viele Fakten finde ich absolut faszinierend, so erklärt Bryson beispielsweise in einer Fußnote, dass „you“ ursprünglich die Pluralform von „ye“ („du“) war und dass dieser Plural in der Deklination mit „you are“ erhalten blieb, während es ja eigentlich „you is“ heißen müsste. Überhaupt hatte ich mehrfach den Eindruck, dass die alten Sprachformen häufig in Dialekten überleben, bei den Aussprachebeispielen dachte ich wiederholt „das hört sich ein bisschen an wie Cockney“. Ihr merkt, dieses Thema finde ich hochgradig spannend.

Bryson beschränkt sich allerdings nicht komplett auf die Linguistik, sondern beschäftigt sich auch mit einigen historischen Mythen und Fakten, etwa über die tatsächliche „Entdeckung“ Amerikas, die ja lange vor Kolumbus stattfand. Im weiteren Verlauf des Buches geht Bryson auf die Weiterentwicklung des amerikanischen Englisch in den folgenden Jahrhunderten ein. Stark geprägt ist die amerikanische Sprache natürlich von der Vielzahl der Herkunftsländer der Emigranten. Vor allem Ortsnamen sind vermehrt auf indianische Sprachen zurückzuführen, wobei der Einfluss der Sprachen der Urbevölkerung eher als gering einzustufen ist. Je mehr wir uns der Moderne nähern, umso mehr beeinflussen nichtlinguistische Entwicklungen und Erfindungen die Sprache. Dementsprechend gibt es Kapitel über die Küche, die Elektrifizierung, Baseball und andere Sportarten oder Werbung. Mich persönlich interessieren diese Themen weniger stark als die geschichtlich weiter zurückliegenden Aspekte, weshalb das Buch mich in seinem Verlauf nicht mehr ganz so stark fesseln konnte. Die Themen fächern sich außerdem immer mehr auf, sodass sie einen Hauch von Aufzählcharakter gewinnen.

Was in dem Buch noch fehlt, ist der Einfluss der Cyberwelt und der hochgradigen Vernetzung durch das Internet. Das kann man dem Buch jedoch nicht vorwerfen, denn es ist von 1994 und konnte diese Entwicklungen daher nicht erfassen. In dieser Hinsicht wäre eine Neuauflage mit einem ergänzenden Kapitel interessant.

Ein weiteres unterhaltsames und kompetent verfasstes Sachbuch von Bill Bryson.

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(c) Random House

Deutscher Titel: Erwachen in Mississippi (antiquarisch erhältlich)

Anne Moody wird 1940 als Essie May Moody in Centreville, Mississippi geboren. Ihre Kindheit ist geprägt von tiefer Armut und der langsamen Erkenntnis, was es heißt, Mitte des vergangenen Jahrhunderts eine Schwarzafrikanerin im Süden der USA zu sein. Wie viele Schwarze muss Moody früh Geld verdienen, um überhaupt zur Schule gehen zu können, was die meisten Weißen gnadenlos ausnutzen, die die Schwarzen für wenig Geld hart arbeiten lassen. Die Ausnahmen lässt Moody jedoch keineswegs unerwähnt, sie soll während ihrer Ausbildungszeit auch viel Unterstützung durch wohlwollende Weiße erfahren.

Moodys Autobiografie ist in vier Teile gegliedert, „Kindheit“, „High-School“, „College“ und „Die Bewegung“. Im ersten Teil erzählt Moody von prägenden Ereignissen, der Erkenntnis, dass Weiße anders sind, anders essen können als die Schwarzen, oder die Begegnung mit zwei Onkeln im Kindesalter, die eine weiße Hautfarbe und einen weißen Vater haben, aber dennoch niemals als Weiße „anerkannt“ werden können, und die Absurdität des Rassismus verdeutlicht:

„Now I was more confused than before. If it wasn’t the straight hair and the white skin that made you white, then what was it?“ (Seite 35)

Besonders bitter ist die Erfahrung, die Essie May bzw. Anne mit der Familie des neuen Freundes ihrer Mutter machen muss, mit dem Rassismus unter Farbigen:

„Then I began to think about Miss Pearl and Raymond’s people and how they hated Mama and for no reason at all than the fact that she was a couple of shades darker than the other members of their family. Yet they were Negroes and we were also Negroes. I just didn’t see Negroes hating each other so much“. (S. 59)

Vor allem dieser erste Teil des Buchs liest sich flüssig wie ein Roman.

Anne Moody erweist sich als begabte Schülerin und geht nach der Grundschule zur High-School, wo sie weiterhin große schulische Erfolg erzielt, auch im Sport. Mit ihrem Eintritt in die High-School und ihrer zunehmenden Erfahrung mit weißen Arbeitgebern beginnt sie, sich für die Bürgerrechtsbewegung zu interessieren. Harte Arbeit bringt sie aufs College, und nun beginnt Moody ernsthaft, sich für die Rechte schwarzer Bürger zu engagieren. Dies bleibt in ihrer Heimatstadt nicht unbemerkt, was so weit geht, dass es zu gefährlich für sie wird, ihre Familie zu besuchen, die sie eindringlich bittet, ihre Arbeit für die Bürgerrechtsorganisation einzustellen. Auch wenn ich mich schon ein wenig mit der Bürgerrechtsbewegung beschäftigt habe, war es mir vor der Lektüre dieses Buchs nicht klar, wie gefährlich nicht nur ein solches Engagement für die Rechte schwarzer Bürger, sondern schon die bloße Existenz als Afroamerikaner in den Südstaaten war. Dies führte auch zu Konflikten innerhalb der schwarzen Bevölkerung, was sich in folgender Aussage Moodys spiegelt:

„I think I had a stronger resentment toward Negroes for letting the whites kill them than toward the whites.“ (S. 136)

Anne Moodys Autobiografie ist ein eindrucksvolles und sehr zugängliches Zeugnis über das Leben als Afroamerikaner im Süden der USA. Das Buch ist angesichts der Übergriffe der US-Polizei auf schwarze Bürger, die Schwarze grundsätzlich für verdächtig zu halten scheint, aktueller denn je. Anne Moody ist leider 2015 verstorben, trotz aller Erfolge der Bürgerrechtsbewegung hat sie es nicht mehr erleben dürfen, dass Afroamerikaner nicht mehr diskriminiert werden.

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(c) Audiobuch

Sprecherin: Nicole Jäger

Dauer: 7 h 56 min

Als Nicole Jäger meint, einen Herzinfarkt zu haben, hat sie keine Ahnung, wie viel sie wiegt. Beim letzten Wiegen vor Ewigkeiten waren es 140 Kilo. Und jetzt bekommt sie offenbar die Quittung. Nicole verspricht ihrem Körper, dass jetzt alles anders wird, wenn er nur jetzt nicht aufgibt. Als sie mithilfe zweiter Waagen ihr tatsächliches Gewicht ermittelt, kann sie es nicht fassen: über 340 Kilo…

Ernährungs- und Abnehmcoach Nicole Jäger erzählt in ihrem ersten Buch von ihrem eigenen langen und steinigen Weg zur Halbierung ihres Gewichts. Sie bringt immer noch ca. 160 kg auf die Waage, aber 170 Kilo Gewichtsverlust? Ohne Magen-OP, sei vermerkt. Davor habe ich auf jeden Fall Respekt.

Einige zweifeln Jägers hohes Ausgangsgewicht und ihre Fachkenntnisse bzw. Wissenschaftlichkeit an. Ich habe selbst zu wenig Ahnung, um dies beurteilen zu können, und will mir daher auch nicht anmaßen, darüber zu urteilen. Was eine Empfehlung des Buches angeht, möchte ich schon mal vorwegnehmen: Das Buch ist unterhaltsam, sympathisch und lustig geschrieben und ganz sicher auch sehr interessant. Ich würde jedoch davon abraten, allein auf der Grundlage dieses Buches abnehmen zu wollen und stattdessen auch andere Ratgeber zur Hand zu nehmen. In einigen Dingen unterscheiden sich Jägers Aussagen stark von denen der anderen Autorin, die zurzeit von sich reden macht und deren Buch „Fettlogik überwinden“ ich ebenfalls kürzlich gelesen und rezensiert habe, nämlich Dr. Nadja Hermann. Beispiel „Hungerstoffwechsel“. Dr. Hermann legt in ihrem Buch plausibel dar, dass es so etwas schlicht nicht gibt. Jäger hingegen warnt ausdrücklich und ausführlich davor. In diesem und anderen Punkten, in denen die Meinungen abweichen, tendiere ich dann doch dazu, Dr. Hermann zu folgen.

In anderen Punkten sind die beiden sich hingegen einig, etwa bei der einfachen Tatsache, dass Diäten wie die „Ananasdiät“ totaler Quatsch sind und dass abnimmt, wer weniger zu sich nimmt, als er verbraucht. Das Kalorienzählen lehnt Jäger jedoch im Unterschied zu Dr. Hermann ab, was ich nicht ganz verstehe. Ich kann mir zumindest für mich selbst nicht vorstellen, ohne Kalorienzählen erfolgreich zu sein.

Nicole Jäger klärt in ihrem Buch auch einige Mythen bezüglich Fettleibigkeit auf und stellt frappierende Vergleiche an. Dicke Frauen freuen sich beispielsweise keineswegs, wenn Männer ihre Vorliebe für Übergewichtige bekunden. Stellen Sie sich vor, ein Mann würde zu einer schlanken Frau sagen: „Ich finde dich ja so schön dünn, da steh ich voll drauf!“ Wie hört sich das an? Genau.

Gefallen hat mir auch Jägers Verteidigung der Kohlenhydrate, ich bin nämlich selbst auch gar kein Fan strenger Kohlehydratdiäten. Klar, Nudelportionen verkleinern und zu Vollkorn greifen, aber gänzlich  verteufeln und darauf verzichten? Nö, nicht für mich, denn der Körper braucht Kohlehydrate.

Gestört hat mich die Repetitivität in dem Buch: Einige Dinge bekommen wir immer wieder zu lesen bzw. zu hören, die 170 Kilo und einige Ratschläge werden mehrfach erwähnt, mit der Zeit erscheinen die Ratschläge auch ein wenig gönnerhaft.

Mein Fazit lautet: Wenn es euch interessiert, dann lest das Buch, oder besser, hört es euch an, denn Nicole Jäger liest genauso sympathisch, wie sie schreibt. Sicher macht das Buch Übergewichtigen auch Mut und motiviert sie (auch wenn Jäger das Wort nicht leiden kann ;-)), abzunehmen und auch bei Rückschlägen am Ball zu bleiben. Wenn ihr selbst abnehmen wollt, greift aber unbedingt auch zu Nadja Hermanns Buch „Fettlogik überwinden„, das überzeugender und seriöser ist.

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(c) Ullstein

Dr. Nadja Hermann hat selbst eine lange Diät- und Abnehm- und Zunehmkarriere hinter sich, als sie schließlich 150 auf die Waage bringt – morbide Adipositas – und beginnt, all die Theorien hinter den verschiedensten Diäten und deren Scheitern auf den Prüfstand zu stellen. Das Ergebnis überrascht sie: Praktisch alle dieser Theorien können widerlegt werden.

Ob Stoffwechselunterschiede, Schilddrüsenerkrankungen, Hungermodus und Jojo-Effekt – letztlich kann keiner dieser vermeintlichen Hinderungsgründe aufrecht erhalten werden, wenn konsequent eine Vorgehensweise gewählt wird: Es muss einfach weniger verzehrt werden, als verbraucht wird.

Das ist Dr. Nadja Hermanns Schlussfolgerung aus ihrer jahrelangen intensiven Beschäftigung mit dem Thema und ihrer eigenen Abnahme, von 150 auf unglaubliche 63 kg bei einer Größe von 1,75 m. Hermann räumt in ihrem Buch mit diesen „Fettlogiken“ auf, jede dieser Logiken entspricht einem Kapitel. Sie erklärt, wo der Denkfehler in der jeweiligen Logik liegt, teilweise untermalt mit Comics, die den Unsinn der entsprechenden Theorie auf frappierende Weise deutlich machen und den Leser zum Schmunzeln bringen.

Der Erfolg des Buches kommt nicht von ungefähr: Ich kenne persönlich mehrere Personen, die nach seiner Lektüre abgenommen haben, und zwar viel!

Hermann setzt sich aber auch mit den Kritikern ihrer starken Abnahme auseinander, zeigt, dass keineswegs heute ein viel schlankeres Schönheitsideal herrscht als beispielsweise in den 50er und 60er Jahren. Ein wenig erschreckend sind die Kapitel, in denen Hermann die ganzen Gesundheitsrisiken bespricht, die Übergewicht mit sich bringt und die teilweise bereits bei einem etwas höher liegenden Normalgewicht beginnen. Da musste ich das ein oder andere Mal schlucken. Für die eigene Motivation sind das besonders lohnende Passagen!

Hermann kritisiert außerdem die Fat-Acceptance-Bewegung, betont, dass Übergewichtige selbstverständlich nicht beleidigt oder diskriminiert werden dürfen, dass es aber aufgrund der Gesundheitsrisiken nicht vertretbar ist, anderen das Abnehmen zu verleiden oder sie daran hindern zu wollen.

Viel zu kritisieren habe ich an dem Buch nicht, man könnte höchstens überlegen, ob Hermanns radikale Vorgehensweise bei der eigenen Abnahme (sie aß über Monate nur 500 Kalorien täglich) 1:1 auf eine weniger drastische Kalorienreduzierung übertragbar ist, aber Praxisbeispiele und pure Logik deuten darauf hin, dass es auch dann funktioniert, nur eben nicht ganz so schnell. Auch das umfangreiche Literaturverzeichnis ist ein Hinweis auf die Validität von Hermanns Aussagen.

Nicht so gelungen fand ich die Bilder, anhand deren Hermann ihre eigene Abnahme dokumentiert, ihre Qualität ist nicht sehr gut, worunter die Aussagekraft ein wenig leidet, aber Hermanns Abnahme steht wohl außer Frage, sodass sie ihren Zweck durchaus erfüllen.

„Fettlogik überwinden“ hat mir in mancherlei Hinsicht die Augen geöffnet und mich gründlich motiviert, mein eigenes Gewicht zu reduzieren. Seit Beginn der Lektüre des Buchs habe ich schon einmal 2 Kilo abgenommen. Ich empfehle es unbedingt allen, die abnehmen und fitter und gesünder werden wollen.

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(c) Penguin Random House

(c) Penguin Random House

 

Dauer: 5 h 10 min

Sprecherinnen: Carrie Fisher, Billie Lourd

Am 27. Dezember des vergangenen Jahres verstarb viel zu früh die Schauspielerin, Autorin und Feministin Carrie Fisher, die viele Millionen Menschen auf der ganzen Welt in erster Linie als Prinzessin Leia aus den ursprünglichen Star Wars-Filmen kannten. Erst 2016 hatte sie das Buch „The Princess Diarist“ (deutsch: Das Tagebuch der Prinzessin Leia, Erscheinungstermin: 3. März 2017) veröffentlicht, in dem sie von ihren ersten Schritten im Show Business und vor allem über die Zeit des Drehs des ersten Star Wars-Films (Episode IV – A New Hope/Eine neue Hoffnung) berichtet. Unter anderem spricht sie in dem Buch erstmalig über ihre Affäre mit Co-Star Harrison Ford während dieses Drehs.

Ich habe dieses Werk als Hörbuch gehört und kann die inhaltliche Rezension nicht von Carrie Fishers Lesung ihres eigenen Buches trennen. Warum? Carrie Fisher liest das Buch, als ob sie dem Hörer persönlich gegenüber säße – voller Humor, voller Emotion und mit vollem Stimmeinsatz. Dies macht Fishers Geschichten aus ihrer Jugend besonders mitreißend. Das Hörbuch sei daher dringend empfohlen.

Wir wissen ja, wie geistreich und humorvoll Carrie Fisher war, herrlich sind vor allem ihre Wortspiele und ihre Selbstironie, die das ganze Buch durchzieht. Sie spricht mit Ausnahme dessen, was wirklich privat bleiben sollte, sehr offen, auch über ihre Affäre mit Harrison Ford. An diesen richtet sie keinerlei Vorwurf, vielmehr war der doch recht verliebten Carrie von Anfang an klar, dass es bei einer zeitlich begrenzten Affäre (Carrison) bleiben würde. Da Fisher selbst ein Scheidungskind war, lag ihr eigentlich nichts ferner, als eine Affäre mit einem verheirateten Mann zu beginnen, doch manchmal nehmen die Dinge einfach ihren Lauf. Fisher ergänzt ihre Erzählung durch Einträge aus einem Tagebuch, das sie zur Zeit des Drehs führte und vor einiger Zeit wiederfand. Diese Tagebucheinträge waren es, die mich ganz besonders beeindruckten (gelesen werden diese übrigens nicht von Fisher, sondern von ihrer Tochter Billie Lourd). Was Carrie Fisher schon im Alter von 19 Jahren zu Papier brachte, ist in höchstem Maße poetisch, philosophisch und melancholisch und lässt durchblicken, was für ein großer Intellekt sich hinter der High-School-Abbrecherin verbarg.

Was mir nicht so gut gefiel, waren die Kapitel, in denen Fisher von den zahlreichen Autogrammstunden berichtet. Sie übernimmt dabei stellenweise die Stimme des Fans und gibt Beispiele dafür wieder, was die Fans ihr so alles erzählten. Diese Abschnitte sind meiner Meinung nach zu lang geraten, sie könnten deutlich gekürzt werden, ohne dass die Pointe verloren ginge.

Nicht zuletzt ist das Buch auch eine Liebeserklärung an Star Wars und Fishers ikonische Rolle als Leia, die nach eigener Aussage nicht mehr wirklich von ihrer eigenen Person zu trennen ist.

Eine Empfehlung für alle, die die unvergessliche Carrie Fisher schätzten.

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