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Archive for the ‘Schauer-/Gruselroman’ Category

(c) Penguin

Deutscher Titel: Spuk in Hill House

Irgendwo in einer einsamen Region in den USA, in den fünfziger Jahren des vergangenen Jahrhunderts. Ein altes, unheimliches Herrenhaus, in dem offenbar niemand wohnen mag, ein Gelehrter, der paranormale Ereignisse erforscht und drei Personen, die auf Einladung des Gelehrten zugestimmt haben, eine Zeit lang mit ihm in dem Haus zu verbringen, um herauszufinden, ob dort Übersinnliches vor sich geht. Es handelt sich um Dr. Montague, Luke, der Erbe der Besitzerin des Hauses, Eleanor, eine junge Frau, in deren Jugend es poltergeistartige Phänomene gab, und Theodora, die ein erstaunliches hellseherisches Talent unter Beweis gestellt hat, jedoch selbst gar nicht so beeindruckt davon ist. Was werden die vier in Hill House erleben?

Ich habe vor Jahren die alte (und gelungene) Schwarzweiß-Verfilmung dieses Werkes von Shirley Jackson gesehen und wollte das Buch seitdem lesen. Schon öfter habe ich erwähnt, dass ich mit blutigem Horror nichts anfangen kann, die subtilen, wirklich gruseligen Geistergeschichten sind die, die mir einen Schauer über den Rücken jagen. Der Film hat dies geschafft – ebenso wie die literarische Vorlage. Schon relativ früh im Buch wird klar, dass Eleanor die wichtigste Figur ist, sie ist der Charakter, der am besten und intensivsten ausgearbeitet ist, bei den anderen Charakteren ist dies weniger der Fall, was aber in Ordnung ist, denn der Fokus liegt auf Eleanor und das ist auch wichtig. Shirley Jackson schwört gekonnt eine bedrohliche Atmosphäre herauf, die Poltergeistszenen selbst sind für meine Begriffe sehr gruselig, es gab einen Schockmoment, der mich wirklich hat erschaudern lassen. Doch Shirley Jacksons Roman ist viel mehr als eine oberflächliche Geistergeschichte, die einfach nur Grusel erzeugen will. Es geht um die Ursache der Erscheinungen, um Eleanors Seelenleben und um die Natur des Poltergeists an sich. Hier habe ich Parallelen zu „The Little Stranger“ von Sarah Waters festgestellt, das mir äußerst gut gefallen hat. Die Auflösung ist nicht ganz offensichtlich, mit ein wenig Überlegung jedoch gut zu erschließen – und sie ist schlicht umwerfend. Wer wie ich eine Ausgabe mit Vorwort besitzt, in meinem Fall von Laura Miller – bitte erst nach der Lektüre des Romans lesen! Wie so oft ist das Vorwort nämlich voller Spoiler, ich lese, insbesondere bei Klassikern, inzwischen grundsätzlich das Vorwort, wenn überhaupt, zuletzt. Soll nicht heißen, dass das Vorwort schlecht ist, wer am Ende unsicher bezüglich der Auflösung ist, wird sie hier finden.

Ein wirklicher Klassiker der Gruselliteratur mit Tiefgang.

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(c) Audible Studios

Sprecherin: Emma Thompson

Sprecher Introduction: Richard Armitage

Dauer: 4 h 40 min (ungekürzt)

Deutscher Titel: Das Durchdrehen der Schraube

England im 19. Jahrhundert. Eine junge Frau tritt ihre erste Stelle als Gouvernante für ein Geschwisterpaar an. Bedingung ihres Arbeitgebers war, dass sie sich um alles, wirklich alles, selbst kümmern und ihn nicht damit belangen darf. Die beiden Kinder sind geradezu überirdisch schön und brav und die junge Frau verliebt sich regelrecht in ihre beiden Schützlinge. Doch eines ist merkwürdig: Warum darf der kleine Miles nach den Ferien nicht in seine Schule zurückkehren? Der Rektor gibt keine Gründe an. Sind die Kinder nicht so durch und durch gut, wie sie es zu sein scheinen?

Ich hatte irgendwo gelesen, dass Henry James‘ Gothic Novel besonders gruselig sein soll und mir das E-Book heruntergeladen, es bisher aber nicht gelesen. Als nun diese Audible Studios-Produktion mit Emma Thompson erschien, konnte ich nicht widerstehen. (Danke für den Hinweis, Herba!)

Das Setting schien mir auch gleich vielversprechend und auch die von Richard Armitage gelesene Rahmenhandlung gefiel mir recht gut. Dieses war mein erstes Buch von Henry James, das heißt, ich kannte seinen Stil noch nicht. Vielleicht wäre es auch besser gewesen, nicht zuerst eines seiner Bücher als Hörbuch zu hören, denn er verwendet ausführliche, bildreiche Beschreibungen, vor allem des Gemütszustands der Protagonistin. Ich muss gestehen, dass ich mich manchmal dabei ertappte, diese nicht mit voller Konzentration anzuhören. Dass Henry James versiert mit der Sprache umgeht, ist indes nicht zu leugnen. Emma Thompson setzt ihre volle Erfahrung als Schauspielerin ein und liest wirklich sehr ausdrucksvoll, stellenweise wirkte es sogar leicht übertrieben für mich. Die wenigen Sprechrollen interpretiert sie mühelos, im Falle der Haushälterin Mrs Grose auch mit einem wunderbaren lokalen Akzent.

Meine Erwartungen an den Inhalt des Buchs wurden jedoch leider nicht ganz erfüllt. Ich habe es als weit weniger gruselig empfunden als erwartet, die bedrohliche Situation durch den Spuk in dem Haus wurde für mich nicht recht heraufbeschworen. In meinen Augen konzentriert sich das Werk eher auf das Seelenleben der Protagonistin und die Frage, ob, das, was sie wahrnimmt, echt ist oder ob sie langsam verrückt wird. Unheimlicher als die Geistergestalten selbst fand ich die beiden Kinder und ihr Verhältnis zu den Geistern, doch richtige Schauder ließt das bei mir nicht entstehen.

Eine gute Geschichte in schöner Sprache, die jedoch inhaltlich etwas hinter meinen Erwartungen zurückblieb.

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(c) Quirk

Deutscher Titel: Die Insel der besonderen Kinder

Florida, Jetztzeit. Der siebzehnjährige Jacob hatte immer schon ein besseres Verhältnis zu seinem Großvater als sein Vater. Darum kümmert er sich auch mehr um Großvater Abe, der in letzter Zeit einige Altersmacken entwickelt hat. Schon immer hat er Jacob Schwarzweißfotos von seltsamen Kindern gezeigt, und zwar aus der Zeit, als Abe als jüdischer Flüchtling im Teenageralter während des zweiten Weltkrieges in einem Kinderheim auf einer Insel in Wales lebte. Als Kind hielt Jacob diese Fotos für echt, mittlerweile ist er sich sicher, dass es sich um Fälschungen handelt. Doch dann wird der Großvater überfallen, spricht von einem Monster – und Jacob sieht dieses Monster nach dem Überfall im Garten seines Großvaters mit eigenen Augen. Vor seinem Tod gibt der Großvater Jacob noch scheinbar verschlüsselte Aufgaben – und er soll sich auf die Insel der besonderen Kinder begeben, dort sei er sicher.

Ransom Riggs‘ Romandebüt macht schon rein optisch was her, mit der merkwürdigen Schwarzweißfotografie eines schwebenden Mädchens auf dem Cover. Dies setzt sich im Buch selber mit zahlreichen stimmungsvollen Fotografien fort, die tatsächlich auch die Grundlage des Romans bildeten: Ransom Riggs hat seine Geschichte anhand dieser Bilder entwickelt.

Auch die Idee ist originell: Kinder mit besonderen Begabungen, die fernab der Gesellschaft leben und die auch besonderen Gefahren ausgesetzt sind. In Kombination mit Zeitreisen und düsteren Gestalten ein vielversprechendes Rezept für einen Jugendroman. Die Geschichte liest sich flüssig – trotz der vielen Fotos, die keineswegs stören, sondern für die richtige Atmosphäre sorgen. Auch für genügend Spannung ist gesorgt, sodass das Buch zu einem echten Pageturner wird. Erzählerisch offenbart Ransom Riggs jedoch ein paar Schwächen, mir sind während der Lektüre einige Logiklücken aufgefallen, die auch im weitere Verlauf des Buchs nicht erklärt werden. Schon allein, dass Jacob weder vor seiner Reise zur Insel noch nach der Ankunft dort nach den Bewohnern des gesuchten Hauses fragt, sondern nur nach dem Haus selbst, scheint unglaubwürdig. Und alle Häuser dort haben Satellitenschüsseln, aber kein Telefon, obwohl eine Leitung existiert (zum Pub), ernsthaft? Das sind zwei Beispiele, mehrere möchte ich aufgrund von Spoilergefahr nicht nennen.

Eine kleine Romanze ist natürlich unvermeidlich, wobei ich wirklich der Meinung bin, man hätte in diesem Buch darauf verzichten können.

Schön ist auch noch, dass Riggs einige interessante Motive einbringt, etwa das Konzept des „vererbten Kriegstraumas“ und den Meteoritenabsturz von Tunguska.

Der ganze Showdown zum Ende hin ist mir etwas zu sehr auf die Fortsetzung ausgelegt und vermittelt ein leichtes Gefühl von „Unfertigkeit“, damit hätte Ransom Riggs besser umgehen können.

Alles in allem ein schöner, spannender, aber nicht großartiger Jugendroman.

Auf die Verfilmung durch Tim Burton dürfen wir gespannt sein.

Halt, noch weiterlesen!

Aufgrund eines Missverständnis habe ich dieses Buch doppelt, einmal in der Originalausgabe, die mir meine liebe Instagram-Freundin Barbara geschenkt hat, und einmal in der deutschen Ausgabe, die als Rezensionsexemplar gedacht war. Aus diesem Grund möchte ich die deutsche Ausgabe gerne an eine(n) von euch verlosen. Kommentiert dazu einfach bis nächsten Sonntag, 24 Uhr, unter diesem Beitrag. Es entscheidet dann random.org. Es gelten die üblichen Bedingungen, ihr müsst über 18 sein oder die Erlaubnis eurer Eltern zur Teilnahme haben.  Viele haben das Buch bestimmt schon, ich hoffe, es finden sich trotzdem noch Interessenten 🙂

Ich danke Frau Koch von Droemer Knaur ganz herzlich für die Zurverfügungstellung des Verlosungsexemplars.

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(c) Harper Collins

Deutscher Titel: Die Verfluchten

Princeton, New Jersey, 1905: Während Woodrow Wilson, der Rektor der Elite-Uni, sich mit seinem Stellvertreter bekriegt, geschehen in dem Ort eigenartige Dinge. Es gibt einen Lynchmord, dann wird ein Kind ermordet und ein seltsamer Südstaatler dringt in die gesellschaftliche Elite des Ortes ein. Mit der Hochzeit von Annabel Slade, der Enkeltochter des betagten und angesehenen ehemaligen Universitätsrektors Winslow Slade, mit einem Sprössling einer weiteren angesehenen Familie, steht außerdem ein gesellschaftliches Großereignis an. Und spätestens am Tag dieser Hochzeit steht fest: Princeton wird von einem Fluch heimgesucht.

Was soll ich zu diesem Buch sagen. Zunächst einmal ist das Buch etwas ganz anderes, als die Inhaltsbeschreibung erwarten lässt. Ich hatte es ursprünglich als Gruselbuch für Halloween besorgt, aber gruselig ist das Buch kaum. Ja, es ist eine Gothic Novel, aber die übersinnlichen Elemente sind eher grotesk als gruselig, sie haben etwas Expressionistisches. Außerdem stehen sie in dem Roman eher an untergeordneter Stelle, sie dienen vielmehr als Rahmen für die Diskussion mehrerer gesellschaftlicher Themen, und zwar Rassismus, Feminismus und Sozialismus. Mehrere herausragende Persönlichkeiten der damaligen Zeit treten in dem Buch auf – Woodrow Wilson, Upton Sinclair, Grover Cleveland, Jack London, Mark Twain – und keiner von ihnen kommt dabei gut weg, am ehesten noch der aufrichtige Sozialist Upton Sinclair. Ich weiß nicht, mit welchen Quellen Joyce Carol Oates gearbeitet hat, aber zumindest die äußerst negative Darstellung von Jack London scheint mir nach etwas Internetrecherche überzogen. Aber um hierzu mehr sagen zu können, bedürfte es weiterer Recherche.

Vor allem die Scheinheiligkeit der gesellschaftlichen Elite gegenüber Themen wie Rassismus und Frauenrechten stellt Joyce Carol Oates heraus. Ein Beispiel hierfür sind die Gedankengänge Woodrow Wilsons in dem Buch: „So long as Negroes – darkies, as they were more fondly called, in Woodrow’s childhood – knew their place, and were not derelict as servants and workers, Dr. Wilson had very little prejudice against them, in most respects.“ (Seite 18/19).

Sicherlich ist dies es ein interessanter Ansatz, Gesellschaftskritik mit einer Gothic Novel zu verknüpfen, doch was Joyce Carol Oates daraus macht, ist leider weniger spannend als nervtötend. Denn es gibt keine gute Kohäsion zwischen den Kapiteln des Buchs, Oates erzählt mal hier, mal da, und verliert sich dabei in ellenlangen Abschweifungen, die von der grundlegenden Geschichte unabhängig sind und den Leser in zunehmendem Maße irritieren. Geschuldet ist dies teilweise natürlich auch der gewählten Erzählperspektive, denn Oates‘ Erzähler ist ein Historiker, der die Geschichte des „Fluchs“ von Princeton anhand seiner verschiedenen Quellen schildert und dabei häufig Kapitel als Zwischenbemerkungen einfügt. Diese „Abschweifungen“ mögen der Charakterisierung der jeweiligen Person dienen, beeinträchtigen jedoch den Lesefluss und stellen die Geduld des Lesers auf die Probe.

Sprachlich habe ich an dem Buch nichts auszusetzen, dass Joyce Carol Oates schreiben kann, ist offensichtlich.

Der Schluss des Buchs ist erneut expressionistischer, grotesker Natur und die sich ergebende Schlussfolgerung eine eindeutige Religionskritik.

Ich muss abschließend feststellen, dass ich die Motivation hinter dem Buch anerkenne, jedoch möchte ich ein Buch nicht nur lesen, um es hinterher analysieren zu können oder zu müssen. Ein Buch muss mir schon auch einen gewissen Genuss bieten, und der ist mir aufgrund er oben geschilderten Aspekte mit zunehmendem Lesefortschritt gänzlich abhanden gekommen.

Das Buch ist vieles, ein Lesevergnügen war es für mich nicht.

 

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(c) Atom

Deutscher Titel: The Diviners – Aller Anfang ist böse

New York in den 20er Jahren des letzten Jahrhunderts. Die siebzehnjährige Evie O’Neill wird zu ihrem Onkel Will ins Exil geschickt, da sie in ihrer Heimatstadt für einen gesellschaftlichen Eklat gesorgt hat. Dieser Eklat hat mit einer besonderen Fähigkeit Evies zu tun: ein Gegenstand aus dem Besitz einer Person und etwas Konzentration reichen ihr, um in die Gedanken und Erinnerungen der Person einzudringen. Onkel Will wiederum betreibt passenderweise ein Museum für übernatürliche Phänomene und als ein mysteriöser Mord geschieht, soll er die Polizei bei den Ermittlungen unterstützen. Natürlich ist Evie zu neugierig, um die Finger davon zu lassen. Dabei trifft sie im Laufe des Buchs auf weitere Siebzehnjährige mit merkwürdigen Gaben…

Libba Bray legt mit ihrem Jugendroman eine wirklich packende, komplexe Geschichte nicht nur für Teenager vor. Am besten gefallen an dem Buch hat mir die authentische 20er-Jahre-Atmosphäre, die heraufbeschworen wird, unter anderem durch Begriffe, die zur damaligen, von der Prohibition gekennzeichneten Zeit gängig waren. Ich musste das eine oder andere Mal die englische Wikipedia zurate ziehen. Die Untergrundkneipen mit illegalem Ausschank wurden etwa „Speakeasies“ genannt, die Schwarzhändler „Bootlegger“. Libba Bray hat offensichtlich einen enormen Rechercheaufwand betrieben, um die 20er Jahre möglichst glaubhaft darzustellen. Aufgefallen ist mir der trotz der Prohibition doch enorme Alkoholkonsum, insbesondere von Evie, da könnte man fast meinen, es wurde jetzt erst recht gesoffen 😉

Die Charaktere sind in ihrer Tiefe nicht unbedingt das, was den Roman ausmacht, originell und gefällig sind sie aber allemal. Evie als Hauptperson ist mitunter nervig, sie ist ein richtiges Partygirl, aber auch sehr aufgeweckt und mutig.

Das übersinnliche Element wird direkt im ersten Kapitel eingeführt, der Leser weiß im Gegensatz zu den Charakteren direkt Bescheid, wer bzw. was der Mörder ist. Um diese gruselige Gestalt wird jedoch ein regelrechter Mythos aufgezogen, der mich absolut gefesselt hat.

Sprachlich ist der Roman trotz der Spezialbegriffe aus der Prohibitionszeit gut lesbar. Sehr genervt hat mich allerdings Evies ständiger Gebrauch der Verballhornung „pos-i-tutely“.

Gegen Ende des Buchs werden ein Element und eine Entwicklung eingeführt, die mir nicht gefallen haben. Einmal handelt es sich dabei um ein regelrechtes Steampunk-Element, das für meine Begriffe nicht in das Buch passt. Ich hatte bis zu diesem Zeitpunkt die Welt von „The Diviners“ als reale Welt empfunden, in der es eben nur Übersinnliches gibt. Das Steampunk-Element entrückt die Welt noch etwas mehr von der unseren, was für mich nicht stimmig ist. Außerdem entwickelt sich da etwas, das auf eine Dreifach-, eventuell sogar Vierfachbeziehung in der Fortsetzung hindeutet, und das muss ich jetzt wirklich nicht schon wieder in einem Jugendbuch haben.

Ich vergebe dementsprechend vier von fünf Sternen und bin gespannt auf den zweiten Teil.

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(c) Vintage Classics

Deutscher Titel: Der Magier

Paris zu Beginn des 20. Jahrhunderts. Der junge Chirurg Arthur Burdon besucht sein Mündel Margaret, die gleichzeitig seine Verlobte ist. Sie wohnt mit ihrer ca. 10 Jahre älteren Freundin Susie Boyd zusammen, die wie sie selbst in Paris Kunst studiert. Es herrscht heile Welt, das Paar ist glücklich, die alleinstehende Susie durch ein Erbe gut versorgt. Auftritt Oliver Haddo, ein weitgereister, arroganter Zeitgenosse, der angeblich magische Kräfte besitzt. Doch inwiefern stellt er eine Bedrohung für das junge Glück dar?

Dieses ist das erste Buch, das ich zusammen mit einer Lesegruppe gelesen habe, und ich habe mich aus diesem Grund, aber auch wegen der spannend klingenden Inhaltsangabe, sehr auf die Lektüre gefreut. Und mir hat das Buch auch am Anfang recht gut gefallen: das Setting in der Bohème-Szene, die Aussicht auf eine unheimlichen Weitergang der Geschichte und eine Identifikationsfigur für mich in Susie Boyd. Auch sprachlich war ich angetan, Maughams Stil ist anspruchsvoll, aber gut lesbar, mit häufig markierter Satzstellung.

Im weiteren Verlauf des Buchs musste ich jedoch häufiger die Stirn runzeln. Über eine in den Augen vieler Leser völlig misslungene Magieszene mit schwülstigen Beschreibungen von Halluzinationen konnte ich hinwegsehen, aber die Entwicklung der Geschichte selbst nimmt nun einen unglücklichen Weg. Zunächst schafft Maugham es zwar, Spannung aufzubauen, doch der folgende Showdown wirkte auf mich eher leicht komisch und das Ende des Romans schlicht und ergreifend banal. Zudem entwickelt Maugham seine Charaktere nicht weiter, sie bleiben sämtlichst flach und auch die zunächst so interessante Susie Boyd verblasst.

Die Plagiatsvorwürfe von Aleister Crowley, auf den Somerset Maugham die Figur des Oliver Haddo basiert, habe ich in dieser Rezension außen vor gelassen. Maugham weist in seinem Vorwort darauf hin, dass Crowley nie so düster und bösartig war wie Haddo in dem Roman, was den Vorwurf einer Abrechnung mit dem Vorbild abmildert.

So lässt dieses Frühwerk von Maugham mich enttäuscht zurück, es konnte meine Erwartungen nicht erfüllen. 2,5 Sterne.

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(c) Orion Books

Deutscher Titel: Wintergeister

Frankreich, 1928. Freddie Watson ist nie über den Tod seines Bruders im 1. Weltkrieg hinweggekommen. Er ist zur Erholung im Pyrenäengebiet unterwegs, als er von einem plötzlichen Wintereinbruch überrascht wird und sein Auto von der Straße abkommt. Auf dem Weg zu Fuß in das nahegelegene Dorf meint er, eine Stimme zu hören. Im Dorf schließlich findet er schnell eine Unterkunft, deren Besitzerin ihn zu einer Feier einladet, die an diesem Abend im Dorf stattfindet. Dort trifft auf er die schöne, faszinierende Fabrissa, mit der er lange redet, auch über seinen Verlust. Dann geschehen plötzlich merkwürdige Dinge.

Kate Mosse ist mit ihrem Roman „Das verlorene Labyrinth“ bekannt geworden, der auch verfilmt wurde. Wie in diesem Werk spielen auch in diesem Buch die letzten Katharergemeinden eine wichtige Rolle. Ein weiteres Thema ist das des 1. Weltkrieges, der so viele Leben zerstört hat, nicht nur die der Gefallen, und die Bewältung des persönlichen Verlusts. Das Buch beginnt gemächlich, ruhig, doch wenn Freddie erst einmal das Dorf Nulle erreicht, ahnt der Leser bald, was da vor sich geht und wer Fabrissa ist. Das ist aber nicht schlimm, denn der Spannungsbogen beruht eher auf Freddies (sehr langsamer) Realisierung dessen, was um ihn herum vor sich geht, damit, ob er die ganze Wahrheit herausfinden wird, und ob es ihn persönlich weiterbringt.

Der Roman ist nicht wirklich gruselig, der leichte Schauer angenehmer Natur, es handelt sich eher um eine poetisch-schöne, aber traurige Geistergeschichte, die das Interesse am Schicksal der letzten Katharergemeinden im Süden Frankreichs weckt. Gleich nach Beendigung der Lektüre bin ich daher bei Wikipedia gelandet, was für mich immer ein eindeutiges Zeichen ist, dass dieses Buch einen Daumen hoch bekommen sollte.

Sehr gefallen haben mir das wunderschöne okzitanische Lied, das eine Rolle in dem Buch spielt, und die Zusatzinformationen (Karte, Hintergrund, Literaturempfehlungen), die Kate Mosse ihren Lesern gibt.

Auch hat es in mir die Lust geweckt, das besagte „verlorene Labyrinth“ endlich einmal zu lesen.

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