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Archive for the ‘Thriller’ Category

(c) Kiepenheuer & Witsch

Es fängt leise und kaum bemerkt an: Vor Peru verschwindet ein Fischer. Einige Zeit darauf beginnen verschiedene Tierarten, sich merkwürdig zu verhalten. Wale scheinen plötzlich aggressiv und attackieren Boote. Vor Norwegen finden Exploratoren eines Ölkonzerns Massen von Würmern, die nicht nur nicht dorthin gehören, sondern auch seltsame Mutationen aufweisen. Doch das alles ist erst der Anfang…

Mit „Der Schwarm“ hat Frank Schätzing wohl das Werk seines Lebens geschrieben. Ich kann gar nicht genug betonen, welchen Respekt ich vor der enormen Rechercheleistung habe, die für dieses Buch nötig gewesen sein muss. Aber der Roman ist nicht nur in dieser Hinsicht bemerkenswert. Auf 1000 Seiten erschafft Schätzing einen Ökothriller, der seinesgleich sucht, eine unglaubliche, originelle Geschichte. Die Länge des Romans mag abschrecken, ist jedoch nötig, um den verschiedenen Charakteren neben der komplexen Hauptstory und den wissenschaftlichen, jedoch absolut laientauglichen Erläuterungen (die den verschiedenen Wissenschaftlern unter den Charakteren geschickt in den Mund gelegt werden)  genug Raum zur Entwicklung zu lassen. Lediglich Leons Trip in seine Heimat Nunavut hatte für mich ein paar Längen. Damit habe ich schon vorweggenommen, dass mir die Ausarbeitung der Charaktere wirklich gut gefallen hat. Dass nicht alle von ihnen das Ende erleben werden, kann man sich angesichts der Entwicklung der Geschichte denken.

Wie sich die ganze Katastrophe im Meer entwickelt, habe ich als ungeheuer spannend empfunden. Da braucht es nicht viel Action, wobei die angesichts von Walattacken auf Schiffe ja durchaus vorhanden ist. Gegen Ende hin wurde es mir sogar eher zu viel Action, aber sie passt dort auch einfach hin. Die ganze Theorie der Intelligenz aus der Tiefsee ist schlicht genial und faszinierend. Die sicherlich vorhandene Kritik an den USA sehe ich nicht als pauschal – schließlich sind ja auch unter den „Guten“ US-Amerikaner zu finden. Vielmehr richtet sie sich gegen Institutionen (CIA) und Einzelpersonen. Viele sehen in der rabiaten Judith Li Ähnlichkeiten zur Ex-Sicherheitsberaterin und -Außenministerin Condoleeza Rice. Hinter dem Präsidenten, mit dem sie eng verbunden scheint, sehe ich durchaus auch George W. Bush.

Schätzings Buch ist jedoch nicht nur ein unterhaltsamer Roman, es steht selbstverständlich auch eine Botschaft dahinter: Wenn die Menschheit die Ozeane und den Planeten allgemein weiterhin so behandelt wie bisher, wird sie untergehen. Mit dem Ende des Buchs war ich einverstanden, obwohl ich es mir auch hätte anders vorstellen können. Um nicht zu spoilern, schreibe ich meine Meinung dazu unten in weißer Schrift, wer es lesen möchte, kann es markieren.

 

Ich finde, das Ende hätte durchaus auch düsterer ausfallen können, obwohl es ja schon nicht gerade rosig ist. Angesichts der ungeheuerlichen Umweltsünden der Menschheit hätte sich meiner Meinung nach ruhig abzeichnen können, dass sie nicht überleben wird. Vielleicht wäre das aber für einen Roman zu negativ und würde zu der Schlussfolgerung „Ist eh zu spät“ führen. Ich bin persönlich nicht sehr optimistisch. Ich bin jetzt nicht so fatalistisch zu sagen, die Menschheit wird auf jeden Fall untergehen, aber ich bin alles andere als sicher, dass sie eine Zukunft hat.

 

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(c) Lübbe Audio/Audible

 

Sprecher: Matthias Koeberlin

Dauer: 20 h, 20 min

Bei Ausgrabungen in Isreal findet der junge amerikanische Unternehmer Stephen Foxx, der als Freiwilliger dort arbeitet, einen seltsamen Beutel mit noch seltsamerem Inhalt: die Bedienungsanleitung einer Videokamera, nach allen Analysen 2000 Jahre alt. Wie kann das sein? Ist eine Zeitreise im Spiel? Und was wird die zugehörige Kamera, falls sie wirklich im Heiligen Land der Zeitenwende verwendet wurde, wohl zeigen? Der Ausgrabungsleiter Dr. Wilford-Smith zieht seinen Finanzier, den Medienmogul John Kaun hinzu, der Himmel und Hölle in Bewegung setzt, um eine mögliche Sensation zu offenbaren. Doch auch Stephen möchte wissen, was es mit seinem Fund auf sich hat und begibt sich gemeinsam mit seiner Kollegin Judith auf die Suche nach der Wahrheit.

Bei aller Begeisterung für Geschichte und Archäologie kann mich nicht recht mit Archäologie-Thrillern anfreunden. Das liegt vorwiegend daran, dass der Schwerpunkt meistens auf „Thriller“ liegt und nicht auf „Archäologie“. Auch bei diesem bekannten Werk von Andreas Eschbach ist das mein größter Kritikpunkt: Die Actionszenen waren mir zu viele und zu lange, sie haben mich stellenweise genervt. Allerdings waren sie nicht ganz so überzogen und unglaubwürdig wie in anderen Werken des Genres, und: Auf den vermeintlichen Schluss folgt erst die eigentliche Auflösung, die völlig ohne Action auskommt und mit der ich mich recht gut anfreunden konnte. Das hat mich dazu bewogen, dem Buch eben doch 4 und nicht nur 3 Sterne zu geben. Gut gefallen haben mir außerdem die Perspektivwechsel, unter anderem die Einführung des Science-Fiction-Autors Peter Eisenhardt, den John Kaun als Ideengeber beschäftigt, war eine für mein Dafürhalten gute Idee. So erlebt der Leser bzw. Hörer die Geschichte aus der Sicht mehrerer Figuren, darunter auch Nebenfiguren.

Ein wenig hanebüchen und unausgegoren ist meiner Meinung nach die „Erklärung“, wie es letztendlich zur Zeitreise gekommen ist. Allerdings fand ich die Darstellung der verschiedenen Theorien bezüglich Zeitreisen gut dargestellt und interessant, Stephen Hawkings Begründung für die Nichtexistenz von Zeitreisen war mir nicht bekannt – und ich muss sagen, die ist schon ziemlich überzeugend.

Zur Hörbuchausgabe: Matthias Koeberlin, der, was ich beim Hören gar nicht wusste, auch in der Verfilmung des Buchs die Hauptrolle gespielt hat, liest das immerhin 20 Stunden lange Buch richtig toll und differenziert, er gibt jedem Charakter eine eigene Sprechweise und liest genau im richtigen Tempo, sodass es wirklich Spaß macht, zuzuhören. 5 Sterne für den Sprecher!

Fazit: Lesenswerte Geschichte, die sich definitiv aus dem ganzen Genre heraushebt. Aufgrund der tollen Interpretation ist die Hörbuchfassung sehr zu empfehlen!

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(c) Arrow Books

Deutscher Titel: Titan

Nach seiner Wahl zum Konsul, die im ersten Teil der Trilogie (Imperium) beschrieben wird, steht nun Ciceros Amtseinführung an. Doch sein Gegenspieler Catilina lässt ihm keine Ruhe – die Anzeichen für eine Verschwörung des Patriziers mehren sich. Kann Cicero mithilfe seines treuen Sekretärs Tiro seinen Feinden trotzen und sein Konsulat nicht nur erfolgreich bestreiten, sondern überhaupt überleben?

Wer nun glaubt „bah, Politik, langweilig!“ könnte sich nicht mehr täuschen. Wie ich schon öfters bemerkt habe, nichts ist spannender als Geschichten, die wirklich passiert sind, keine Intrigen so fies wie die realer Persönlichkeiten. Und wenn es um so einen außergewöhnlichen Mann wie Cicero geht, verspricht dies nicht nur eine Lektion in Geschichte, sondern auch äußerste Spannung. Erzählt wird Ciceros Geschichte erneut aus der Sicht seines Sekretärs Tiro, was dem Leser sicher auch das Herangehen an den Roman erleichert. Der geniale Politiker und Rhetoriker könnte als Erzähler eventuell einschüchternd wirken. Die Ereignisse rund um Ciceros Konsulat und der darauffolgende Austieg Caesars sowie die damit verbundenen Intrigen sind nicht weniger spannend als Ciceros geniale Schachzüge während des Wahlkampfs aus dem ersten Teil. In diesen zweiten Teil kommen jedoch auch die Schwächen des großen Cicero zum Vorschein, was ihn nur menschlicher macht. Bei mir selbst ist bei der Lektüre außerdem auch eine gewisse Melancholie aufgekommen, angesichts des sich abzeichnenden Sterbens der Römischen Republik, die auch Cicero nicht verhindern können wird. (Wie ihr wisst, liebe ich melancholische Stoffe.)

Harris‘ Schreibstil ist erneut sehr gut lesbar, lateinische Ausdrücke wie Namen von Ämtern werden am Ende des Buchs erläutert, außerdem gibt es eine Personenliste, sodass sich niemand vor zu vielen Namen oder schwer verständlichen Ausdrücken fürchten muss.

Das Ende des Buchs stellt einen veritablen Cliffhanger dar, der selbst dann seine Wirkung nicht verfehlt, wenn man schon aus der Geschichte weiß, wie es mit Cicero und seinen Mitstreitern und Widersachern weitergeht.

Der historische Politthriller ist ein Buch genau nach meinem Geschmack, das Highlight meines bisherigen Lesejahres. Ich kann das Erscheinen des abschließenden Teils der Trilogie im Herbst kaum erwarten!

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Ui, Woche 51! Und folgende Aufgabe hat das Fellmonsterchen für uns:

Krimi/Thriller: lieber mit Blut und Gemetzel oder was, was tief in die Psyche geht?

Wie ihr wisst, bin ich eine kleine Krimihasserin. Ich versuche es ab und zu mal mit einem, und ab und zu werde ich auch positiv überrascht, wie von Nele Neuhaus‘ Schneewittchen muss sterben, aber allgemein, nä, nix für mich. Thriller schon etwas eher, aber bitte ohne Blut und Gemetzel, wenn’s geht. Was ich dann wirklich mag, sind Thriller wie die von Dan Brown, die einen geschichtlichen Bezug haben, auch wenn die dort aufgestellten Theorien Historiker wahrscheinlich zum Haareraufen bringen… Den „Da Vinci Code“ (Sakrileg) habe ich wirklich geliebt, weil ich mich seeehr für Leonardo Da Vinci interessiere. Ich weiß, ist alles nicht haltbar, aber ich fand Dan Browns Spekulationen und Auflösung wirklich seeehr cool! 🙂

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(c) mainbook Verlag

Klaus Scholz ist ein gänzlich unauffälliger Mann um die 60. Seine Nachbarn mögen ihn. Doch tatsächlich ist Klaus Scholz ein Serienmörder mit dem Ziel, als solcher berühmt zu werden. Er postet Beschreibungen seiner Opfer im Blog http://frankfurtripper.wordpress.com/ und auch auf Twitter. Martin Olden erzählt in seinem neuen Roman die Hintergründe und die Karriere des Serienkillers.

Die Idee, ein Buch mit einem tatsächlich existierenden Blog in Verbindung zu bringen, finde ich zunächst einmal genial. Das war auch der Grund, warum ich, die ich ja nicht gerade eine begeisterte Krimileserin bin, mich entschieden habe, dieses Buch zu lesen. Dieser Aspekt des Buches zeigt auf erschreckende Art auf, wie stark unsere Gesellschaft vom Internet inzwischen geprägt und ja, verändert, wird. Hinter der Anonymität einer Online-Identität kommen die übelsten Dinge zum Vorschein, Fantasien und Meinungen, die diejenigen wahrscheinlich im direkten Gespräch nie offen äußern würden. Klaus Scholz nutzt das Medium, um sein Ziel zu erreichen, als Serienmörder berühmt zu werden, er möchte es in die Top 10 der Mörder mit den meisten Opfern schaffen und malt sich schon die Interviews aus, die er geben wird, die Bücher, die über ihn geschrieben werden, die Filme, die über ihn gedreht werden. Der Hintergrund von Scholz ist zunächst einmal einer, wie man ihn sich bei einem Mörder vorstellen kann, natürlich liegt die Wurzel des Übels in seiner Kindheit: ein dominanter und herrischer Vater, Mobbing in der Schule, vorzeitige Entlassung aus seinem Job in einer Firma, in der er Jahrzehnte gearbeitet hat, Klaus Scholz fühlt sich abgelehnt, erniedrigt, machtlos, sexuell frustriert und bei seinem ersten, eher zufälligen Mord erlebt er plötzlich ein Gefühl von Macht und Überlegenheit, das er nicht mehr missen will. Ich wollte hier kurz einhaken, denn natürlich wird man wegen Mobbings und dominanter Eltern nicht gleich zum Killer, doch so einfach macht es Olden sich auch nicht, man erfährt weitere Details, so hat Scholz schon als Kind auf eine Hänselei mit ungewöhnlicher Aggressivität reagiert.

Was die Morde angeht: Sie sind grausam und ihre Grausamkeit steigert sich bis ins Maßlose. Die Beschreibung des letzten Mordes fand ich unerträglich, ich musste sehr schnell darüberlesen, weil ich es wirklich kaum ausgehalten habe. Ich kann nachvollziehen, warum Olden die Beschreibungen so drastisch und plastisch gestaltet hat, denn es geht ja auch um die Reaktionen, die er im Internet damit erreichen will. Dennoch: Für mich sind diese Szenen zu heftig und ich kann das Buch auch nur Lesern mit starken Nerven empfehlen. Das Ende dürfte für manche Leser ein wenig frustrierend sein, aber ich fand den Zeitpunkt gut gewählt.

Unmittelbar nach dem Beenden der Lektüre habe ich dem Buch nur 3 Sterne gegeben, vor allem wegen seiner Grausamkeit. Mit etwas Abstand erhöhe ich die Wertung jetzt auf 4 von 5 Sternen, denn das Buch ist gut lesbar geschrieben und wirklich spannend und interessant, da wäre es unfair, gleich 2 Sterne abzuziehen.

Ich bedanke mich noch einmal ganz herzlich bei Gerd Fischer vom mainbook Verlag für das Rezensionsexemplar.

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