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Tempus Fugit #301

Es geht doch nichts über einen schönen Sturm an einem Samstagabend, wenn man seine Introvertiertenparty allein mit Kater und Büchern auf der Couch feiert! Solange der Sturm nicht zu heftig wird. Ich hoffe, keiner von euch wurde weggepustet. Ähnlich wie das Wetter in anderen Teilen Deutschlands bin ich diese Woche etwas bei Medimops eskaliert. <ausrede>Hatte noch einen Gutschein</ausrede>

Diese Woche (aus-)gelesen: 1

  • Kai Meyer: Drache und Diamant

Ich lese gerade:

  • Diane Setterfield: The Thirteenth Tale. Passend stimmungsvoll zur Jahreszeit. Gefällt mir gut bisher.

Neuzugänge: 12…

  • Kazuo Ishiguro: Never Let Me Go
  • Tana French: Broken Harbour
  • Volker Weidermann: Ostende: 1936, Sommer der Freundschaft
  • Daniel Kehlmann: Du hättest gehen sollen
  • Britta Böhler: Der Brief des Zauberers
  • Stefan Bollmann: Frauen und Bücher: Eine Leidenschaft mit Folgen
  • Esther Kinsky: Am Fluss
  • David Mitchell: Slade House
  • Jane Harris: The Observations
  • Ken Follett: World Without End
  • Uwe Timm: Die Entdeckung der Currywurst
  • Jennifer Worth: Shadows Of The Workhouse: The Drama Of Life In Postwar London

Diese Woche (aus-)gehört: 0

Ich höre gerade:

  • Philip Pullman: The Amber Spyglass. Ich bin gerade mit Mary bei den Mulefa! Dieser Teil bzw. diese Welt hat mich schon beim ersten Lesen so sehr fasziniert 🙂

Hörbuchneuzugänge: 0

Geguckte Filme/DVDs:

  • nix

Gerichte der Woche:

Deftiger Pilztopf mit Hirse

Ich bin mir noch nicht sicher, ob ich mich raus in dieses Wetter wagen soll. Momentan scheint tatsächlich mal die Sonne. Aber sobald ich da  rausgehe, platscht es sicher in Strömen. Ich wünsche euch einen nicht ganz so stürmischen Lesesonntag und eine schöne Woche!

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Mit etwas Verspätung möchte ich euch von meinem Messesamstag berichten. Es war ein wunderbar goldener Oktobertag und ich war schon früh da, weil ich schon um 9:30 das Interview auf der ARD-Bühne mit Ranga Yogeshwar sehen wollte. Zu meiner Überraschung war es schon voll und handelte es sich bei der Veranstaltung um eine Aufzeichnung für HR1 mit Marco Schreyl als Moderator. Dieser äußerte sich ebenso wie der Diplom-Physiker überrascht über die Anzahl der Zuschauer. Er habe nur mit ein paar Leuten mit seniler Bettflucht gerechnet. Nun, ich hatte zumindest einen guten Stehplatz und konnte das Interview so gut verfolgen. Ich war noch nie bei einer Radioaufzeichnung und musste mich erst mal an die ständigen Klatsch-Prompts gewöhnen, war aber ganz lustig. In Ranga Yogeshwars neuem Buch „Nächste Ausfahrt Zukunft“ dreht sich alles um die rasante Entwicklung von Wissenschaft und Technik, das digitale Zeitalter sowie Vor- und Nachteile neuer Technologien. Versteht sich von selbst, dass ich das Buch jetzt auch lesen will. Er nannte auch einige spannende Beispiele, nur muss ich gestehen, dass ich diese inzwischen vergessen habe. Auch auf den privaten Ranga Yogeshwar, seine indisch-luxemburgische Herkunft, sein Familienleben mit seiner Frau, die Sopranistin ist, und seinen ebenfalls musikalisch talentierten Kindern, die wie er selbst Klavier spielen. Alles in allem ein sehr sympathisches Interview mit einem sehr interessanten und für seine 58 Jahre hervorragend aussehenden Mann.

Ranga Yogeshwar im Gespräch mit Marco Schreyl

 

(c) Kiepenheuer & Witsch

Nach diesem Interview begab ich mich frühzeitig in den Ehrengast-Pavillon und konnte so einen guten Sitzplatz ergattern, um mir das Gespräch zwischen Denis Scheck und den Asterix-Autoren Jean-Yves Ferri und Didier Conrad anzuschauen. (Der neue Band „Asterix in Italien“ erschien am vergangenen Donnerstag.) Es war ein vergnügliches Interview, es wurde gescherzt und gelacht. Didier Conrad erzählte unter anderem von seinem Austausch mit Uderzo, der immer noch beratend an den neuen Bänden mitwirkt. Etwa die Anzahl der Streifen auf Obelix‘ Hose würde er kontrollieren, so Conrad. Ich habe den neuen Asterix gleich gelesen und fand ihn amüsant und süß, der Biss des vorigen Bandes fehlt aber ein wenig. Die Wortspiele sind mir auch bei diesem Band wie bei seinem Vorgänger größtenteils ein wenig zu kalauerartig.

Denis Scheck im Gespräch mit den Asterix-Autoren

(c) Ehapa

 

Die Hallen waren inzwischen so gefüllt, dass es unangenehm wurde. Zu meinem Erstaunen war die ARD-Bühne, als ich nach dem Asterix-Interview wieder herunterkam, proppenvoll umringt mit Zuschauern, die alle Gregor Gysi sehen wollten. Mit einem solchen Andrang hatte ich nicht gerechnet. Ich betrachte den Linken als interessante Persönlichkeit, der viel erzählen kann, was er dann auch tat. Etwa von seinem ersten Flug mit ihm als Pilot, auf dem er Lothar Bisky mitnahm. Dieser sah wohl sein letztes Stündlich geschlagen und hinterher gab es von anderen Parteivertretern auch Schelte, dass Gysi so ein Risiko eingegangen war. Nun, es ist ja alles gutgegangen. Ob ich Gysis Autobiografie, „Ein Leben ist zu wenig“ lesen werde, habe ich noch nicht entschieden.

Gregor Gysi im Gespräch, über eine Riesen-Menschenmenge hinweg fotografiert

 

(c) Aufbau Verlag

Ich hatte gehofft, dass sich die Reihen nach dem Auftritt Gregor Gysis etwas lichten würden, aber Pustekuchen. Der Kampf um einen Sitzplatz wurde fast handgreiflich. Auch ich habe mich hinterher ein wenig über mich selbst erschreckt und meine Sitzplatzgier hinterfragt. Manchmal muss man auch in den Spiegel schauen, wenn man sich beschwert. Ich bin mir nicht sicher, ob ich mir den Messesamstag in Zukunft noch antun werde. Dann lieber den Mittwoch mitnehmen. Die Cosplayer waren an diesem Samstag wirklich das geringste Problem.

Zurück zu dem, was sich auf der Bühne tat. Dort trat nun Denis Scheck im Rahmen seiner Sendung „druckfrisch“ auf, um aktuelle Bücher zu besprechen. Auch hier ist mein Erinnerungsvermögen etwas eingeschränkt. Ich muss meine Messenbeiträge in Zukunft schneller schreiben.

druckfrisch mit Denis Scheck

Ich hatte nach dieser Veranstaltung die Nase voll von den Menschenmassen und ging lieber auf die Agora einen Apfelwein trinken. Die Schlange vor dem entsprechenden Stand war nicht ganz so lange wie an den anderen Ständen.

Ich genoss also auf der Agora ein wenig die Sonne und schaute mir die Kostüme der Cosplayer an. Bald reifte in mir dann auch die Entscheidung, den früheren Zug zu nehmen und mich von der Messe zu verabschieden.

Erst im Zug nach Hause erfuhr ich von den Ereignissen in Halle 4.2., die ich in diesem Jahr aus Zeitmangel gar nicht besucht hatte. Ich habe es irgendwie geschafft, im Vorfeld überhaupt nichts von der Diskussion um die Teilnahme rechter Verlage mitbekommen zu haben. Ich hatte im Programm gesehen, dass ein gewisser Katzenkrimi-Autor einen Termin an einem Stand hatte. Ich fragte mich zwar, wer um Himmels Willen den DEN einlädt, muss aber gestehen, dass ich es versäumt habe, näher nachzuforschen.

Rechte Randale auf meiner geliebten Buchmesse, das geht überhaupt nicht. Das offizielle Statement der Messeleitung enttäuschte mich zutiefst, es war für mein Daführhalten regelrecht trumpesk. Das Argument, eine demokratische Veranstaltung müsse dies nach dem Prinzip der Meinungsfreiheit aushalten, ist in meinen Augen nichtig. Denn was die neue Rechte verbreitet, ist Hass, und wie Renate Künast es in ihrem neuesten Buchtitel treffend ausdrückt: „Hass ist keine Meinung“! Auch, dass auch sogenannte Linke (man muss nicht links sein, um gegen Nazis zu sein!) aktiv an den Tumulten beteiligt waren, ist keine Ausrede für die Duldung rechter Parolen und der Promotion rechten Gedankenguts. Ich fordere die Leiter der Frankfurter Buchmesse eindringlich auf, Nazis, jawoll, das sind sie, künftig kein Podium mehr zu bieten. Was es bringt, gegenüber dem Hass untätig und tolerant zu bleiben, haben wir im letzten Jahrhundert erlebt. Es mag ausgeleiert klingen, aber der Satz „Wehret den Anfängen“ ist angebracht.

Es tut mir leid, dass ich meinen Buchmessebericht mit einer solchen unschönen Note beenden muss. Nächstes Jahr möchte ich das nicht müssen.

Tempus Fugit #300

Aufgrund familiärer Verpflichtungen bin ich gerade etwas eingespannt, deshalb bleibe ich auch in dieser Woche beim Wesentlichen.

Man Booker Prize 2017: Wie ihr sicher gehört habt, ging der Preis an George Saunders für sein Romandebüt „Lincoln in the Bardo“. Mit dieser Entscheidung bin ich einverstanden, wenn das Buch mich auch nicht hundertprozentig begeistert hat. Unter den Büchern auf der Shortlist, die ich gelesen habe, befand sich kein besseres.

Diese Woche (aus-)gelesen: 2

  • Carson McCullers: The Heart is a Lonely Hunter. Sehr stark in der zweiten Hälfte.
  • Jean-Yves Ferri, Didier Conrad: Asterix in Italien

Ich lese gerade:

  •  Kai Meyer: Drache und Diamant

Neuzugänge: 3

  • Patrick Rothfuss: Der Name des Windes (Geschenk, hab ich letzte Woche ganz vergessen)
  • Walter Benjamin: Berliner Kindheit um 1900. Ich habe eben beim Recherchieren für eine medimops-Bestellung festgestellt, dass die Kindle-Ausgabe hiervon nur 0,49 € kostet. Wer sich also noch dafür interessiert, sollte zuschlagen 🙂
  • Jean-Yves Ferri, Didier Conrad: Asterix in Italien

Diese Woche (aus-)gehört: 1

  • Marc-Uwe Kling: Qualityland. Grandios. Das nenne ich eine gelungene Satire!

Ich höre gerade:

  • Philip Pullman: The Amber Spyglass. Muss mich noch daran gewöhnen, dass Will eine andere, erwachsenere Stimme hat.

Hörbuchneuzugänge: 0

Geguckte Filme/DVDs:

  • nix

Gerichte der Woche:

Muss diese Woche leider ausfallen. Aus Gründen.

Die letzten ca. 100 Seiten von The Heart is a Lonely Hunter zu lesen, war ein solcher Genuss, dass ich gerade besonders an meinen Büchern hänge. Leider ist meine Lesezeit auf den Abend begrenzt. Ich hab regelrechtes Bücherweh. Kennt ihr das? Gerade habe ich auch sehr Lust auf Sachbücher, was passt, da ja bald Non-fiction November ist. Wobei ich im November nicht NUR Sachbücher lesen möchte.

Ich wünsche euch eine bücherreiche Woche!

Aufgrund des Riesenandrangs an der Garderobe dachte ich am Freitagmorgen, ich würde es nicht mehr rechtzeitig zum Interview mit Marion Poschmann am Spiegel-Stand schaffen, doch siehe da: die Hallen waren weit weniger voll als erwartet und am Spiegelstand war noch Platz in der ersten Reihe. Marion Poschmanns Roman „Die Kieferninseln“ stand auf der diesjährigen Shortlist des Deutschen Buchpreises. Ich hatte zunächst gar nicht vor, das Buch zu lesen, da die Prämisse mir etwas unglaubwürdig erschien: Mann träumt, seine Frau habe eine Affäre, und hat daraufhin nach Japan ab. Hm. Die eigentliche Reise durch Japan klingt allerdings gut, Poschmanns Beschreibung der Kieferninseln und die Themen, um die es geht, wirkten sehr einladend auf mich, zumal es auch um das geht, was mich an Japan am meisten interessiert: das ländliche, alte Japan, der uralte Shintoismus, die Traditionen. Auch interessant klangen die Ideen und möglichen Interpretationen des Romans, etwa die Spiegelung des Protagonisten in seinem jüngeren Begleiter, einem japanischen Studenten, der die beste Möglichkeit sucht, Suizid zu begehen. Am liebsten hätte ich mir das Buch gleich gekauft und signieren lassen, doch eine Signierstunde war leider nicht vorgesehen. Im Übrigen kam die Autorin sehr sympathisch rüber.

Marion Poschmann am Spiegel-Stand

(c) Suhrkamp

 

Eigentlich wollte ich nun in Halle 4.2., um mir bei einem Sachbuchverlag eine Veranstaltung über Gravitationswellen anzuschauen. Doch, wie es auf der Buchmesse halt so geht, blieb ich am FAZ-Stand hängen, wo gerade Uwe Timm interviewt wurde. Ich muss gestehen, dass mir der Name bekannt war und ich wusste, dass es sich um einen renommierten Autor handelt, aber auch nicht mehr. Gute Gelegenheit, das zu ändern. Er stellte sein neues Buch „Ikarien“ vor, das sich um den Fall eines Nazi-Wissenschaftlers in der unmittelbaren Nachkriegszeit handelt. Ich weiß, viele denken dabei „nicht noch ein Kriegs-/Nachkriegsroman“, aber ich persönlich halte die Verarbeitung der Nazizeit in Büchern immer noch für sehr wichtig und interessant – insbesondere angesichts aktueller politischer Entwicklungen und des unglaublichen Unwissens vieler Schüler, von dem mir die Lehrer unter meinen Freunden berichten. So landete also wieder ganz unerwartet ein weiteres Buch auf der Wunschliste. Für solche Entdeckungen liebe ich die Buchmesse besonders.

Uwe Timm bei der FAZ

 

(c) Kiepenheuer & Witsch

 

Den Vortrag über Gravitationswellen hatte ich nun leider verpasst, aber ich werde mir das Buch mal in der Vorschau ansehen, es hat gute Chancen, auf meiner Sachbuch-Wunschliste zu landen.

(c) Springer

Nach einer Fritten-und-Bier-Stärkung, die leider auch eine Ermüdung bewirkte, begab ich mich mal wieder zum Blauen Sofa, wo John Burnside interviewt werden sollte. Ich war etwas zu früh und so fand ich dort noch Ranga Yogeshwar beim Signieren vor. Natürlich gab es von seinem neuen Buch „Nächste Ausfahrt Zukunft“ (mehr dazu im Samstagsbericht) auch keine Kaufexemplare mehr, sodass ich nichts zum Signieren hatte *heul* Könnt ihr glauben, dass der Mann 58 ist?!

Ranga Yogeshwar beim Signieren

Aufgrund der Erfahrungen mit ausverkauften Büchern kaufte ich mir gleich vorab schon ein Exemplar von John Burnsides „Ashland & Vine“. Normalerweise würde ich es lieber im Original lesen, aber ich wollte natürlich ein signiertes Exemplar 🙂

John Burnsides Roman dreht sich um eine Familie in den Südstaaten der USA – ungewöhnlich für einen schottischen Autor. Da geht es um vieles von der Rassentrennung über die Bürgerrechtsbewegung bis zum Kalten Krieg.

Und jetzt kommt mein Geständnis: Ich hatte zu diesem Zeitpunkt mein Mittagstief und war so müde, dass ich nicht sehr viel vom Interview mit John Burnside mitbekommen habe. Lag auch etwas daran, dass ich versuchte, ihn selbst zu hören, und gleichzeitig der Synchronisation, die natürlich viel lauter war, zu folgen. John Burnside spricht leider auch etwas leise, sodass ich auch beim Signieren Probleme hatte ihn zu verstehen, was mir unendlich peinlich war, da ich schließlich mal 6 Monate in Schottland gewohnt habe. Ich habe aber dummerweise große Probleme, Gesprächen bei starken Nebengeräuschen zu folgen, daher mein Versagen. Ihr könnt euch das Interview aber unter https://www.zdf.de/kultur/das-blaue-sofa/videos/burnside-blaues-sofa-13-10-2017-100.html selbst ansehen.

John Burnside (jetzt mit Bart) beim Signieren

 

(c) Knaus

Ein fester Bestandteil meiner Messebesuche sind die Interviews mit Tanja Kinkel am Droemer Knaur-Stand. Dieses Jahr ging es um ihr neues Buch „Grimms Morde“. Ich muss zugeben, dass ich zum ersten Mal ein wenig skeptisch war, die Gebrüder Grimm gehen gemeinsam mit den Droste-Hülshoff-Schwestern auf Verbrecherjagd? Das schien mir eher unwahrscheinlich. Doch mit ihren Ausführungen zu dem Thema konnte sie mich wieder überzeugen, die beiden Geschwisterpaare waren tatsächlich gut bekannt (die Droste-Hülshoffs hatten Märchen zur Sammlung der Gebrüder Grimm beigetragen) und auch einen der beiden Mordfälle gab es wirklich, sodass es durchaus nahelag, für einen fiktiven Roman einen Zusammenhang herzustellen. Tanja Kinkel sprach noch eine Reihe weiterer interessanter Aspekte aus der Zeit an, was erneut belegt, wie gut und gewissenhaft sie ihre Bücher recherchiert. Und so habe ich auch dieses Mal natürlich ein signiertes Exemplar mitgenommen 🙂

Tanja Kinkel liest aus „Grimms Morde“

 

(c) Droemer Knaur

Nach dem Signieren rannte ich rüber zur ARD-Bühne, wo ich leider schon einen Teil des Interviews mit Peter Wohlleben verpasst hatte. Ich hatte schon „Das Seelenleben der Tiere“ als Hörbuch gehört und sehr gemocht. Wohllebens neues Buch „Das geheime Netzwerk der Natur“ klingt richtig spannend und wird sicher auf meinem SuB landen.

Peter Wohlleben auf der ARD-Bühne

(c) Ludwig Verlag

Immer noch sehr müde wechselte ich zurück in Halle 3.0 wo wieder ein Sitzplatz in der 1. Reihe (die Hallen waren am Freitag erstaunlich leer) beim Spiegel-Stand und ein Interview mit Volker Weidermann über dessen neues Buch „Träumer“ lockte. Darin berichtet Volker Weidermann über ein Phänomen, über das ich bisher nur sehr wenig weiß: die Münchner Räterepublik, laut Wikipedia „im April 1919 der Versuch, im fünf Monate zuvor ausgerufenen Freistaat Bayern eine sozialistische Republik nach rätedemokratischem Muster durchzusetzen“. An der Spitze dieser Bewegung standen Dichter bzw. Schriftsteller. Das Buch soll keine trockene Geschichtsstunde sein, sondern spannend und gut lesbar wie ein Krimi. Das heißt: ein weiterer ungeplanter Neuzugang auf meiner Wunschliste 😉

 

Mal andersherum: Volker Weidermann ist nicht der Interviewer sondern der Interviewte.

 

(c) Kiepenheuer & Witsch

 

Als letzten Autorentermin des Tages hatte ich mir das Interview mit Renate Künast am selben Stand ausgesucht, sodass ich gleich sitzenbleiben konnte. Ich hatte schon Künasts Buch „Die Dickmacher“ gelesen, das ich überzeugend fand. In ihrem neuen Buch geht es um ein ganz anderes, topaktuelles Thema: die unglaublich hasserfüllten und menschenverachtenden Kommentare, die Menschen wie Politiker oder auch Flüchtlingshelfer in den sozialen Netzwerken erhalten. Bekannterweise bietet die Anonymität des Internets hierfür eine regelrechte Spielwiese und beseitigt offenbar jegliche Hemmschwelle. Künasts Reaktion auf solche Kommentare finde ich unheimlich mutig: Sie besuchte die Absender von Hasskommentaren in ihrem Zuhause. Künasts Analyse der Ursachen für diesen Hass und die Wut der Wutbürger ist sicher ein lesenswerter und wichtiger Beitrag.

Renate Künast über „Hass ist keine Meinung“

(c) Heyne

 

Nun wollte ich den Messetag auf der traditionellen Happy Hour des Ehrengastes ausklingen lassen. Nur leider fand diese nicht statt. Eine halbe Stunde, nachdem sie hätte beginnen sollen, gab ich es auf und verließ den Ehrengast-Pavillon, um mir draußen Udo Lindenberg live anzuschauen. Leider habe ich noch von anderer Seite gehört, dass der Ehrengast Frankreich auch in anderer Hinsicht enttäuschte. Ich persönlich fand etwa die Gestaltung des Restaurants beim Ehrengast nicht gelungen. Sonst handelt es sich hierbei um ein Selbstbedienungsrestaurant, was angesichts vieler Termine für die Besucher auch am besten ist, und wo es bisher auch immer eine vegetarische Alternative gab. Dieses Jahr war das Restaurant eines mit Bedienung und, wenn ich nichts übersehen habe, ausschließlich mit Fleischgerichten. Zu aufwendig für viele Messebesucher. Kein Wunder, dass das Restaurant im Gegensatz zu anderen Jahren immer leer war, wenn ich vorbeiging… Was die Gestaltung des Ehrengastpavillons angeht, bin ich etwas zwiegespalten. Die Halle war vollgestellt mit Regalen und Büchern von französischen Autoren. Einerseits sicher informativ, andererseits etwas einfalls- und lieblos, außerdem war meine Aufnahmefähigkeit inzwischen begrenzt, sodass ich einfach nur durchlief. Kein Vergleich zu den wirklich schönen Ausstellungen von Indonesien oder Finnland in vergangenen Jahren. Schade.

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Ehrengastpavillon

Wie schon erwähnt, schaute ich mir das Live-Konzert von Udo Lindenberg und seinem Panik-Orchester anlässlich des Erscheinens des Bildbandes „Stärker als die Zeit -Die Stadiontour“ auf der Agora an. Ich war wirklich begeistert, der Sound war klasse und die Stimmung super. Vor allem habe ich mich gefreut, dass Udo mein Lieblingslied von ihm (Cello) spielte. So war der Abschluss dieses Messetages für mich doch noch sehr gelungen.

Udo live auf der Open Stage

 

Morgens um 9 setzte ich mich voller Vorfreude in den Zug nach Frankfurt – alles lief super und um 11:30 Uhr war ich bereits auf der Messe und ganz in meinem Element. Erst mal zu Halle 3.0, klar. Und sofort hatte ich meine erste Station gefunden: Am Stand des SPD-Blattes „vorwärts“ war ein Menschenauflauf, was insbesondere an einem Donnerstag nur bedeuten kann: hochrangiger Polititker im Interview. Dieser entpuppte sich als Martin Schulz, der gemeinsam mit dem Autor Nils Minkmar zu dessen Buch „Nils Minkmar: Das geheime Frankreich. Geschichten aus einem freien Land“ interviewt wurde. Ich hatte den Anfang verpasst, in dem Teil des Interviews, den ich verfolgen konnte, ging es um die zentrale Bedeutung der deutsch-französischen Zusammenarbeit für die EU. Dem kann ich nur beipflichten. Ich hatte das Buch zunächst nicht auf meine Wunschliste gesetzt, aber bei der Recherche für diesen Artikel nicht nur festgestellt, dass der Autor Saarländer ist und an meiner Uni AStA-Präsident war, sondern auch, dass das Buch mich doch ziemlich interessiert 😉

Nils Minkmar und Martin Schulz im Interview

(c) S. Fischer

Als Nächstes ging es quer über die Agora zum Blauen Sofa, der Interview-Bühne des ZDF. Dort fand gerade ein Gespräch mit Alain Mabanckou statt, der mir bisher kein Begriff war. Der aus dem Kongo stammende Autor reiste nach 23 Jahren erstmals wieder in sein Heimatland und sich damit auf eine Reise in die Vergangenheit begab. In seinem Buch „Die Lichter von Pointe-Noire“ verarbeitet er seine Erfahrungen. Da ich mich etwas intensiver mit afrikanischen Autoren beschäftigen möchte, landete das Buch natürlich auf meiner Wunschliste.

Alain Mabanckou auf dem blauen Sofa (Instagram-Bild)

„Die Lichter von Pointe-Noire“ beim Liebeskind Verlag

Das Interview könnt ihr in der ZDF-Mediathek ansehen: https://www.zdf.de/kultur/das-blaue-sofa/videos/mabanckou-blaues-sofa-12-10-2017-100.html

Im Anschluss fand das Interview statt, dessentwegen ich eigentlich zum Blauen Sofa gekommen war, nämlich das mit der Autorin Mariana Leky über ihren Bestseller „Was man von hier aus sehen kann“. Auch ein Buch, das ich zunächst nicht auf meine Wunschliste gesetzt hatte, doch die Autorin war so sympathisch und das Buch über ein Dorf im Westerwald hörte sich im Gespräch doch so gut an, dass ich es kaufte und auch signieren ließ.

 

Mariana Leky auf dem Blauen Sofa

 

(c) Dumont

ZDF-Mediathek: https://www.zdf.de/kultur/das-blaue-sofa/videos/leky-blaues-sofa-12-10-2017-100.html

Nun ging es direkt zurück in Halle 3 zum Stand des Spiegel, wo der diesjährige Buchpreis-Gewinner Robert Menasse mit Volker Weidermann sprach. Allerdings kaum über das Buch, „Die Hauptstadt“. In dem Buch geht es um die EU – Robert Menasse ließ Weidermann kaum zu Wort kommen und hielt stattdessen ein flammendes Plädoyer für die EU. Ich kann nicht allem zustimmen, was er sagte, aber das Interview war auf jeden Fall mitreißend und sympathisch. Zum Schluss las Menasse auch noch das Anfangskapitel des prämierten Romans vor, in dem ja bekanntermaßen ein Schwein durch Brüssel rennt.

Ich habe vor, das Buch zu lesen.

 

 

Robert Menasse im Gespräch mit Volker Weidermann

 

(c) Suhrkamp

Viel Rumgerenne an meinem ersten Messetag, es ging zurück zum Blauen Sofa, denn dort sollte nun ein internationaler Star-Autor, Salman Rushdie, auftreten. Sein neues Buch „Golden House“ ist thematisch top-aktuell, denn es geht darin um einen Immobilienzar, der sich mit seinen drei Söhnen in New York niederlässt und wohl in gewisser Weise an einen gewissen amerikanischen Präsidenten erinnert. So interessant das Interview war, kommt das Buch erst einmal nicht auf meine Wunschliste, da ich zunächst einmal andere Bücher von Rushdie lesen möchte. Obwohl, diese gewisse Ähnlichkeit mit dem US-Präsidenten würde mich schon reizen… mal sehen 😉

Salman Rushdie auf dem Blauen Sofa

 

C. Bertelsmann

ZDF-Mediathek: https://www.zdf.de/kultur/das-blaue-sofa/videos/rushdie-blaues-sofa-12-10-2017-100.html

Nach diesem Interview blieb ich in der Nähe und genehmigte mir auf der Agora eine Portion Pommes und ein Bier. Denn anschließend sollte es noch einmal zurückgehen zum Blauen Sofa, das Interview mit Daniel Kehlmann wollte ich nicht verpassen, obwohl ich gestehen muss, noch gar nichts von ihm gelesen zu haben. Sein neuer Roman „Tyll“ ist jedoch ein historischer und interessiert mich daher besonders. Es geht um keinen geringeren als Till Eulenspiegel, den wir hierzulande in der Regel mindestens einmal in der Schule kennenlernen. Das heißt, eigentlich geht es um den Dreißigjährigen Krieg mit Till Eulenspiegel als Ankerfigur. Auf dieses Buch freue ich mich sehr, zuvor möchte ich aber angesichts der Jahreszeit „Du hättest gehen sollen“ von dem österreichisch-deutschen Autor lesen (soll gruselig sein). Ich wollte das Buch auch gleich kaufen und signieren lassen, doch wie es einem so ergeht, war der vor mir in der Schlange, der letzte, der ein Exemplar bekam, dann gab es keine mehr…

Daniel Kehlmann auf dem blauen Sofa

Rowohlt

ZDF-Mediathek: https://www.zdf.de/kultur/das-blaue-sofa/videos/kehlmann-blaues-sofa-12-10-2017-100.html

Nun wollte ich zurück in Halle 3 zur Beltz-Party, doch zufällig sah ich, das am Stand der Süddeutschen Zeitung gerade Richard David Precht interviewt wurde. Ich war neugierig und schaute mir das restliche Interview an. Und, wie das bei mir meistens läuft, fand ich das Gespräch über Philosophie und unter anderem über Luther so spannend, dass ich jetzt unbedingt Prechts Trilogie über die Geschichte der Philosophie lesen will, deren 2. Teil, „Erkenne dich selbst“ am 23. Oktober bei Goldmann erscheint (1. Teil: „Erkenne die Welt).

Richard David Precht bei der Süddeutschen

 

(c) Goldmann

Nun war es aber wirklich Zeit für die Party beim Beltz-Verlag, wo ich Anette und Ina von Katze mit Buch, Julia von Tealicious Books und Jeanette von Büchertraum traf. Bei leckeren Teilchen, Bowle und Bier und toller Musik der Band „Black & White“ (ich hab leider keinen Link gefunden – es gibt so viele Bands dieses Namens…) ließen wir dort den Messedonnerstag gemütlich ausklingen.

Auf der Beltz-Party

Black & White

Wie ihr seht, mein erster Messetag war anstrengend, hektisch und einfach nur genial! 🙂

Tempus Fugit #299

Als ich gestern von der Buchmesse nach Hause kam, erwartete mich dort leider eine „Situation“, die mich fordert und meine Blogzeit etwas einschränkt, deshalb fasse ich mich an dieser Stelle kurz. Ich versuche trotzdem, diese Woche von meinen drei Messetagen zu berichten. Ab morgen lese ich auch wieder eure Blogartikel, ich hoffe, ich komme immer nach.

Diese Woche (aus-)gelesen: 0

Ich lese gerade:

  •  Kai Meyer: Drache und Diamant (unterbrochen)
  • Carson McCullers: The Heart is a Lonely Hunter

Neuzugänge: 3

  • Tanja Kinkel: Grimms Morde (signiert)
  • John Burnside: Ashland & Vine (signiert)
  • Mariana Leky: Was man von hier aus sehen kann (signiert)

Diese Woche (aus-)gehört: 0

Ich höre gerade:

  • Marc-Uwe Kling: Qualityland

Hörbuchneuzugänge: 1

  • Philip Pullman: The Amber Spyglass

Geguckte Filme/DVDs:

  • nix

Gerichte der Woche:

Lauch-Dinkel-Gratin mit Feta-Sonnenblumenkern-Kruste

Der goldene Oktober beehrt uns ja jetzt doch noch, genießt es und habt eine schöne Woche!

Tempus Fugit #298

Nun steht also die Buchmesse an und ich habe mich noch kaum mit dem Veranstaltungskalender auseinandergesetzt. Erste Enttäuschung: Es sind weder für Ken Follett noch für Margaret Atwood Publikumstermine angesetzt. Na ja. Viel Interessantes ergibt sich eh immer vor Ort. Ich muss für meinen Vater noch einen detaillierten Versorgungsplan für Bilbo aufstellen. Hoffentlich geht alles gut.

Diese Woche (aus-)gelesen: 2

  • Roger Clarke: A Natural History of Ghosts – 500 Years of Hunting for Proof
  • The Queen (of Twitter): Gin o‘ Clock

Ich lese gerade:

  •  Kai Meyer: Drache und Diamant (unterbrochen)
  • Carson McCullers: The Heart is a Lonely Hunter (Lesebeginn heute Abend)

Neuzugänge: 4

  • John Boyne: Haus der Geister (Geschenk)
  • Stefan Bachmann: Palast der Finsternis (Geschenk)
  • Anna Romer: Beyond the Orchard (Geschenk)
  • Yuval Noah Harari: A Brief History of Humankind

Diese Woche (aus-)gehört: 0

Ich höre gerade:

  • Marc-Uwe Kling: Qualityland. Es ist schlicht genial.

Hörbuchneuzugänge: 0

Geguckte Filme/DVDs:

  • nix

Gerichte der Woche:

Kartoffel-Auberginen-Curry

Geschmorte Salbei-Zwiebeln mit Linsen-Hirse und Parmesan

Rote-Bete-Nudelgratin

Wenn alles wie geplant läuft, fahre ich am Donnerstagmorgen zur Messe und Samstagabend zurück. Ich hoffe, ich werde dort einige von euch treffen! Bitte seht es mir nach, wenn ich eure Blogbeiträge an diesen Tagen nicht lesen kann. Ich wünsche allen, die hinfahren, eine schöne Messe und allen anderen eine gute Woche!