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Ich will gar nicht groß Worte darüber verlieren, dass unmöglich schon wieder ein Jahr vorbei sein kann, es ist nun mal, wie es ist. Wie immer lasse ich das Jahr lesend ausklingen, da ich an der Silvesterfeierei nicht groß was finden kann und ich sowieso bei Bilbo bleiben muss, der bei der Ballerei große Angst hat. Ich bin also ein Silvestermuffel 🙂 Worüber ich mich freue, sind typische Nerddinge: einen neuen Kalender anfangen, eine neue Goodreads-Challenge beginnen (ich setze die wieder auf 52, das macht praktisch keinen Druck, ist aber ein Mindestrichtwert) und zum ersten Mal eine erweiterte Statistik führen, soweit die in meiner abgespeckten Excel-Version funktioniert (toi toi toi). Wovon ich rede? Die wunderbare Sophie vom Booktube-Kanal „Portal in the Pages“ hat eine geniale Mappe erstellt, die herrliche Dinge mit den Zahlen anstellt. Das zugehörige Video findet ihr hier und in der Infobox auch den Link zur Datei. Sophies Kanal kann ich euch ganz allgemein empfehlen.

Diese Woche (aus-)gelesen: 1

  • Félix J. Palma: Die Landkarte der Zeit. Ein chaotisches Buch, aber auch irgendwie genial.

Ich lese gerade:

  • Philip Pullman: The Book of Dust, Vol. 1 – La Belle Sauvage. Hab ich mir extra für Silvester aufgehoben 🙂

Neuzugänge: 3

  • Emily St. John Mandel: Station Eleven (Geschenk)
  • Philip K. Dick: The Man in the High Castle (Geschenk)
  • Ruth Goodman: How to Be a Victorian

Diese Woche ausgehört: 0

Ich höre gerade:

  • Josh Malerman: Bird Box. Hab noch 50 Minuten, will ich heute noch beenden.

Hörbuchneuzugänge: 0

Geguckte Filme/DVDs:

  • Star Wars Episode VIII: Mir persönlich hat Teil 7 besser gefallen. Hier waren es mir zu viele sich wiederholende Motive aus den Teilen 4-6. Obwohl Luke Skywalker zum Schluss schon extrem cool war. Und tolle Optik.

Gerichte der Woche:

Grünkohl-Pasta mit Thymian-Ziegenfrischkäse. Aus der aktuellen Köstlich vegetarisch. Das war so lecker! Ups, a bisserl unscharf.

Schupfnudeln mit Wirsing-Lauch-Gemüse

Das war es dann wohl für dieses Jahr. Ich danke allen Leserinnen und Lesern, die mir auch in diesem Jahr treu geblieben oder neu hinzugekommen sind. Kommt alle gut rüber, wir lesen uns 2018!

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(c) Argon Hörbuch

Sprecher: Ranga Yogeshwar

Dauer: 12 h 17 min

Ranga Yogeshwar ist uns allen als Wissenschaftsjournalist und  -moderator bekannt, der Jung und Alt die Welt erklärt. Als Diplom-Physiker hat er den entsprechenden Hintergrund. Doch nicht nur seine Ausbildung macht ihn zu einem qualifizierten Autor: Als Sohn eines indischen Ingenieurs und einer luxemburgischen Kunsthistorikern ist er in zwei Welten aufgewachsen und bringt eine gehörige Portion Lebenserfahrung und Sachverstand mit. Seine Arbeit fürs Fernsehen und sein Ansehen sorgten dafür, dass er mit seinem Filmteam Zugang zu zahlreichen Einrichtungen erhält, so durfte sein Team als Erstes nach dem Reaktorunglück in Fukushima drehen. Die notwendige Ausrüstung für das Verfassen eines Buchs über die Zukunft bringt er also mit. Darüber hinaus hat Yogeshwar auch einen künstlerlischen Hintergrund: Er selbst und seine Töchter sind am Klavier ausgebildet, seine Frau ist Sopranistin.

In insgesamt elf Kapiteln mit jeweils drei oder vier Unterkapiteln befasst sich Ranga Yogeshwar mit zukunftsrelevanten Themen, etwa der Digitalisierung und gefährlichen Entwicklungen hinsichtlich des Datenschutzes, des Umweltschutzes, der Schulbildung, Energieversorgung, Frauenrechten, der Terrorangst oder der künstlichen Intelligenz. Die Kapitel sind episodenhaft erzählt, häufig beginnen sie mit Erfahrungen Yogeshwars in der Vergangenheit und schließen mit den Schlussfolgerungen und den Konsequenzen für die Zukunft. Manchmal dauert es ein bisschen, bis er zur Relevanz für die Zukunft kommt, dies bleibt jedoch nie aus. Dabei bietet er konkrete Vorschläge zur Verbesserung an, warnt vor Fehlentwicklungen und deren Auswirkungen. Die anekdotenhafte Gestaltung der Kapitel machen das Buch sehr gut lesbar und absolut zugänglich für ein breites Publikum. Ich fand alle angesprochenen Themen wirklich interessant, sehr aufschlussreich unter anderem das Kapitel über die Terrorangst oder das über (Schul-)bildung. Gut gefallen hat mir auch Yogeshwars Ausblick auf die Zukunft des Homo Sapiens. Hier hatte ich den Eindruck, dass seine Ausführungen teilweise auch eine Antwort auf das Buch „Homo Deus“ von Yuval Noah Harari sind. Dieses habe ich zwar noch nicht gelesen, aber bereits am Ende von „Sapiens“ deutet sich an, wie Harari die Zukunft des Menschen sieht, er prognostiziert eine Verschmelzung von Mensch und Technik, die Entstehung des gottgleichen, unsterblichen Menschen. Yogeshwar relativiert diese Prognose, verweist auf negative Seiten der Unsterblichkeit. Ich muss sagen, dass seine Prognose mich ein wenig beruhigt hat, aber ich muss erst einmal Hararis Werk lesen, bevor ich mir eine umfassende Meinung bilden kann. Insgesamt bin ich sehr einverstanden mit so ziemlich allen Aussagen, die Yogeshwar macht, ganz besonders wichtig sind mir hierbei der Umweltschutz und die gefährliche Entwicklung der Weltwirtschaft. Ich kenne Herrn Yogeshwar natürlich nicht persönlich, aber die Lektüre des Buches hat ihn mir umso sympathischer gemacht. Dazu trägt natürlich auch bei, dass er das Hörbuch selbst liest, was er als Medienprofi hervorragend macht. Das Hörbuch ist also absolut empfehlenswert, wobei ich die Anschaffung eines Printexemplars erwäge, um Verschiedenes nachlesen zu können, denn dies ist ein Buch, das lange nachhallt und Augen öffnet. Für mich das Sachbuch des Jahres.

Tempus Fugit #309

Schon irgendwie blöd, wenn der Heilige Abend auf den 4. Advent fällt und man kaum noch Gelegenheit hat, 4 Kerzen brennen zu lassen. Und sonst? Hier läuft alles gemach ab. Heute Abend gibt es Käsefondue und keine Geschenke. Das macht die Vorweihnachtszeit wesentlich entspannter (und auch den 24.) Morgen bin ich bei einer lieben Freundin eingeladen, am 2. Feiertag kann ich machen was ich will, auch die Sau rauslassen (=bei mir: den ganzen Tag Booktube schauen und lesen und dabei Wein und Gin Tonic saufen).

Diese Woche (aus-)gelesen: 0

Es haben mir zwei Leseabende gefehlt diese Woche, muss aber auch mal sein 🙂

Ich lese gerade:

  • Félix J. Palma: Die Landkarte der Zeit. Ich weiß noch nicht so recht, was ich davon halte, obwohl ich über die Hälfte hinweg bin. Interessant und unterhaltsam ist das Buch auf jeden Fall.

Neuzugänge: 0

Diese Woche ausgehört: 0

Ich höre gerade:

  • Josh Malerman: Bird Box. Auf ganz andere Weise wirklich gruselig.

Hörbuchneuzugänge:

Geguckte Filme/DVDs:

  • Folge 6 und 7 der 7. Staffel von Game of Thrones. Nur 7 Folgen! Sauerei! Aber gut war’s 🙂

Gerichte der Woche:

Gerösteter Rosenkohl mit Zwiebeln auf Naturreis. Sieht eher aus wie ein Rosenkohlgemetzel, aber diese Zubereitungsart ist für Rosenkohl echt empfehlenswert.

Maronen-Linsen-Ragout mit Farfalle. War lecker und das Kochen hat bei diesem Gericht richtig Spaß gemacht!

Bleibt mir nur noch, euch wunderbare Feiertage zu wünschen! Macht es euch gemütlich!

Weihnachtsbilbo

 

(c) Faber & Faber

Deutscher Titel: Damals in Nagasaki

Großbritannien in den Achtzigern. Seitdem die Japanerin Etsuko Japan mit ihrem inzwischen verstorbenen britischen Ehemann verlassen hat, lebt sie in England. Sie bekommt Besuch von ihrer gemeinsamen jüngeren Tochter Niki. Die ältere Tochter Keiko, die aus einer früheren Beziehung mit einem Japaner stammt, hat sich kürzlich das Leben genommen. Vor dem Eindruck ihres Todes und des Besuchs ihrer Schwester beginnt Etsuko, sich an ihre Zeit in Japan zu erinnern.

Damals kam das von der Atombombe erschütterte Nachkriegs-Nagasaki wieder auf die Beine, Etsuko war schwanger, ihr japanischer Mann versuchte, seine Karriere voranzutreiben und ihr Schwiegervater war zu einem längeren Besuch da, als in ein Häuschen gegenüber die rätselhafte Sachiko mit ihrer Tochter Mariko einzieht. Sachiko ist keine Mutter aus dem Bilderbuch, sie lässt Mariko häufig unbeaufsichtigt, um in der Stadt mit ihrem Freund, einem amerikanischen Soldaten, um die Häuser zu ziehen. Etsuko freundet sich mit Sachiko an und achtet auch ein wenig auf Mariko.

Von den drei Büchern, die ich bisher von Kazuo Ishiguro gelesen habe, beeindruckte mich dieses – sein Debütroman – am meisten. Das liegt einmal daran, dass es um ein bevorzugtes Thema von mir geht, die Unzuverlässigkeit von Erinnerungen, andererseits an der meisterhaften Komposition des Romans. Für mich schreibt so ein echter Könner. Es ist sehr schwierig, dieses Buch ohne Spoiler zu besprechen, deshalb folgt unten ein Spoiler-Abschnitt. Der Plot-Twist verbirgt sich tatsächlich hinter einem einzigen Wort, weshalb ich empfehle, das Buch vor allem in der zweiten Hälfte sehr aufmerksam zu lesen. Deshalb muss aber niemand das Buch scheuen, denn es ist, wie es sich für Ishiguro gehört, sehr gut lesbar und angenehm geschrieben. Lasst euch diesen kleinen Geniestreich von Ishiguro nicht entgehen! So bin ich kurz vor Jahresende noch auf ein weiteres Highlight in meinem Lesejahr gestoßen 🙂

 

SPOILER!!!

 

 

Es geht also um die Unzuverlässigkeit von Erinnerungen. Diese machen Etsuko zu einer unzuverlässigen Erzählerin, die ihre eigenen Erinnerungen daran, wie schlecht sie sich selbst als Mutter ihrer älteren Tochter verhalten hat, verdrängt und auf andere Personen überträgt. Denn Mariko ist niemand anderes als Keiko und Sachiko ist eine Figur, auf die Etsuko sich selbst und ihr Verhalten projiziert. Dies erschließt sich in der letzten in der Vergangenheit in Nagasaki spielenden Szene, als Etsuko Mariko nachläuft und sie besänftigen will:

„In any case,“ I went on, „if you don’t like it over there, we’ll come straight back. But we have to try it and see if we like it there. I’m sure we will.“ (Seite 173)

Die plötzliche Verwendung des Pronomens „we“ statt „you“ ist ein entscheidender Hinweis. Ein so feinsinniger und raffinierter Plottwist ist mir noch nicht untergekommen und hat in mir große Begeisterung für das Buch ausgelöst. Ich muss darauf hinweisen, dass es noch eine andere Interpretation gibt, nämlich dass Etsuko eine Kindsmörderin ist, die Mädchen erhängt, was Marikos Entsetzen über das in Etsukos Sandale verfangene Seil erklären würde. Meine erste und bevorzugte Theorie ist die gängigere und ich habe mich entschieden, dabei zu bleiben, es spricht mehr dafür. Aber vielleicht bietet uns Ishiguro, der sich wohl nicht über die richtige Interpretation geäußert hat, seinen Lesern auch beide Interpretationen ermöglichen? In jedem Fall handelt es sich um einen meisterhaft gestalteten Roman.

Tempus Fugit #308

Gestern habe ich zum ersten Mal seit langer Zeit keinen Stratz gelesen, obwohl ich zu Hause war. Schuld daran ist die siebte Staffel von Game of Thrones, die diese Woche auf DVD herauskam. Ich weiß nicht, wie lange ich an der ersten Staffel von The Man in the High Castle geguckt habe. Mindestens 2 Monate, an jedem 2. Sonntag eine Folge oder so. Obwohl ich die Serie gut fand. Gestern Abend habe ich 3 Folgen von Game of Thrones hintereinander geschaut. Ich konnte nicht aufhören. Unglaublich gut, die Serie, trotz aller Gewalt und einiger Ekelfaktoren. Ehrlich gesagt, hier ist so ein Fall, wo ich nicht sicher bin, ob ich die noch nicht erschienenen Bücher überhaupt noch lesen will. Denn die Handlung muss ja einfach gewaltig von der Serie abweichen und mir gefallen die Entwicklungen in der Serie mehrheitlich besser als das, was sich im letzten erschienenen Band andeutete. Wie seht ihr das? Bitte keine Spoiler für Staffel 7, hab noch ein paar Folgen 🙂

Diese Woche (aus-)gelesen: 2

  • Kazuo Ishiguro: A Pale View of Hills. Auf den letzten Drücker noch ein weiteres Lieblingsbuch für 2017. Ich fand das Buch schlicht genial.
  • Jen Campbell: The Beginning of the World in the Middle in the Night. Nicht ganz mein bevorzugter Stil, ich hab’s ja auch nicht so mit dem magischen Realismus. Aber zweifellos wunderschön geschrieben und voller tollen Ideen.

Abgebrochen: 1. Ja, schon wieder!

  • Ellen Jacobi: Frau Schlick macht blau

Hab ich mir irgendwann mal aus Jux und Dollerei im Buchladen gekauft. Ehrlich gesagt, ich glaube, so etwas kann ich absolut nicht mehr lesen. Bin zu sehr anderes gewohnt. Gähnende Langeweile von der ersten Seite an, so etwas interessiert mich einfach nicht. Hab auf Seite 35 aufgegeben. Bin ich jetzt ein Büchersnob?

Ich lese gerade:

  • Félix J. Palma: Die Landkarte der Zeit. Nach dem Fehlgriff mit dem Jacobi-Buch war es eine richtige Erleichterung, wieder was zu lesen, was mir liegt. Ja, auch Unterhaltungsliteratur, aber doch auf einem ganz anderen Level. Außerdem: Jack the Ripper!

Neuzugänge: 0

Diese Woche ausgehört:

  • Ranga Yogeshwar: Nächste Ausfahrt Zukunft. Ich habe 5 Sterne vergeben. Dazu muss ich mich in der Rezension äußern. Ein kleiner Zweifel nagt im Hinblick auf ein anderes Buch, das ich noch nicht gelesen habe.

Ich höre gerade:

  • Josh Malerman: Bird Box

Hörbuchneuzugänge: 1

  • Josh Malerman: Bird Box

Geguckte Filme/DVDs:

  • Letzte Folge der 1. Staffel von The Man in the High Castle und die ersten 5 Folgen der 7. Staffel von Game of Thrones

Gerichte der Woche:

(c) One-Pot-Erdnusspasta

Erbsen und Kartoffeln mit Tandoori Masala auf Basmatireis

Außerdem war ich am Montag zu Gast bei der lieben Katja, schaut euch mal an, was sie uns tolles aufgetischt hat:

Antipasti!

Canneloni mit Maronen, Ricotta und Kürbis!

Crumble mit Vanilleeis!

Das Essen war wirklich fantastisch!

Ich muss jetzt gleich noch ein paar Weihnachtsgeschenke bestellen (Bücher natürlich), dann werde ich Booktube schauen und heute Abend lecker Rosenkohl rösten. Ich wünsche euch einen kerzigen 3. Advent!

(c) Free Press

Deutscher Titel: Feuer im Kopf – Meine Zeit des Wahnsinns

Susannah Cahalan ist mit erst 23 eine vielversprechende Reporterin bei der New York Post, als sie beginnt, merkwürdige Verhaltensweisen an den Tag zu legen. Sie ist geradezu besessen von der Vorstellung, ihre Wohnung sei von Bettwanzen befallen, wühlt in den Schubladen ihres Freundes, um Hinweise auf einen Betrug zu finden, erscheint unvorbereitet zu Besprechungen mit dem Chef. In Händen und Füßen hat sie Taubheitsgefühle. Verschiedene Theorien entstehen, Hormonstörung durch die Empfängnisverhütung, Pfeiffer’sches Drüsenfieber usw., doch nichts davon bestätigt sich. Als Susannah schließlich einen heftigen epileptischen Anfall erleidet, ist klar: Sie muss zunächst einmal im Krankenhaus bleiben. Der Beginn eines Martyriums für die junge Frau, ihren Freund und ihre Eltern.

Denn auch die zahlreichen möglichen Diagnosen, auf die die Symptome und Befunde hinweisen, erweisen sich als falsch und Susannahs Zustand verschlimmert sich dramatisch. Sie ist inzwischen völlig paranoid, schlägt um sich. Man erwägt eine biopolare Störung oder dissoziative Identitätsstörung (früher als „multiple Persönlichkeitsstörung“ bekannt). Sie ist offenbar geisteskrank. Erst nach Wochen voller Angst und dem Tod nahe erkennt ein Neurologe, was wirklich mit Susannah los ist: Sie leidet an einer sehr seltenen Krankheit, einer Anti-NMDA-Rezeptor-Enzephalitis.

Dass Susannah Cahalan Journalistin ist, merkt man recht schnell. Sie schildert ihren Krankheitsverlauf so gekonnt und spannend, dass ich das Buch wie selten ein Sachbuch verschlungen habe. Normalerweise gehört Medizin gar nicht zu meinen Interessensgebieten, aber gut geschriebene Tatsachenberichte wie dieser machen einen medizinischen Fall spannend wie einen Thriller.

Ich habe wenig auszusetzen an dem Buch. Die Verweise auf die Popkultur waren für mich eher uninteressant, da Cahalan einiges jünger ist als ich und ganz andere Musik hört.

Ein Gedanke, der bei mir recht früh aufkam, bezieht sich auf die privilegierte Stellung der jungen Frau aus wohlhabendem, gut vernetztem New Yorker Haus: Wie wäre es einem Mitglied einer niedrigeren sozialen Schicht ergangen, gerade in den USA, wo eine ordentliche Krankenversicherung ja wie wir wissen keine Selbstverständlichkeit ist. Susannah Cahalan wirft diese Frage selbst auf:

„If it took so long for one of the best hospitals in the world to get tot this step, how many other people were going untreated, diagnosed with a mental illness or condemned to a life in a nursing home or a psychiatric ward?“ (Seite 151)

Eine dramatische Vorstellung. Auch sind die Symptome von solcher Natur, dass man an Fälle von Exorzismen denken muss, wie etwa der der Anneliese Michel. So schildert Cahalan folgende Verhaltensweisen:

„Afflicted sons and daughters suddenly became posessed, demonic, like creatures out of our most appalling nightmares. Imagine a young girl who, after several days of full-bodied convulsions that sent her flying into the air and off her bed – and after speaking in a strange, deep baritone – contorted her body and crab-walked down the stair-case, hissing like a snake and spewing blood.“ (Seite 222)

Mit ihrem Buch hilft Susannah Cahalan hoffentlich vielen Menschen mit Anti-NMDA-Rezeptor-Enzephalitis. Allein sein Bekanntheitsgrad sollte dazu beitragen, dass die Krankheit in Zukunft schneller (oder überhaupt!) diagnostiziert werden kann, und zwar nicht nur bei Wohlhabenden.

Ein spannendes, lesenswertes Sachbuch.

Tempus Fugit #307

Ich hatte ja schon gedacht, wir würden dieses Wochenende mal so richtig eingeschneit, aber Pustekuchen. Es hat heute morgen zwar heftig geschneit, aber der Schnee ist schon in Regen übergegangen. Bäh! Schneematsch will keiner.

Diese Woche (aus-)gelesen: 1

  • Paul Devereux: Der heilige Ort, Vom Naturtempel zum Sakralbau: Wie die Menschen das Heilige in der Natur entdecken

Abgebrochen: 1

  • Norman Spinrad: Der stählerne Traum. Auf Twitter habe ich den Abbruch folgendermaßen kommentiert: „Ich hab gestern Abend dieses Stählerner-Traum-Buch abgebrochen. Satire schön und gut, aber ein ganzes Buch voller martialischer Reine-Gene-Kacke, Phallussymbolik und Lederuniformfetischismus? Nö, muss echt nicht sein. Hab noch das fiktive Nachwort gelesen und gut“. Mehr gibt es dazu auch nicht mehr zu sagen.

Wie haltet ihr es mit abgebrochenen Büchern? Nachdem mir 2 Freundinnen gesagt hatten, dass sie die mit zu den gelesenen Büchern zählen, hab ich mal eine Umfrage auf Twitter gestartet und das Ergebnis war recht ausgeglichen: Es wurden 23 Stimmen abgegeben, 55 % waren dafür, die Bücher nicht zu zählen, 45 % dafür, sie zu zählen. Ich habe sie bisher nicht gezählt und werde wohl dabei bleiben. Ist auch eigentlich nicht so wichtig, aber wir Bücherblogger sind halt ein bisschen bekloppt.

Ich lese gerade:

  • Kazuo Ishiguro: A Pale View of Hills. Ishiguros Debütroman, der in Nagasaki, seiner Geburtsstadt, spielt. Laut meiner Mitleserin liefert das Ende viel Diskussionsstoff, bin gespannt. Hab noch 60 Seiten.

Neuzugänge: 1

  • Siddhartha Mukherjee: The Emperor of All Maladies. A Biography of Cancer. Ein echtes Angstthema, aber bestimmt interessant. Gab es vor ein paar Tagen als Kindle-E-Book für 1,99, da hab ich zugeschlagen.

Ich höre gerade:

  • Ranga Yogeshwar: Nächste Ausfahrt Zukunft

Hörbuchneuzugänge: 0

Geguckte Filme/DVDs:

  • nix

Gerichte der Woche:

Schwarzkohl-Linsen-Curry-Suppe. Die war sooo lecker!

Kräftige Pilzbrühe mit Orecchiette. Bei mir sind offenbar grad Suppenwochen. Auch lecker!

So. Jetzt werd ich mal schauen, ob ich trotz Regen noch mal schippen muss. Ansonsten mach ich heut gemütlich, bin morgen den ganzen Tag unterwegs. Ah, ich hätte noch ein süßes Bilbo-Bild. Wir wünschen euch einen gemütlichen 2. Advent!