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Posts Tagged ‘18. Jahrhundert’

(c) dtv

England im 18. Jahrhundert. Mary Linley ist die Tochter des Arztes und Botanikers Francis Linley, der am Kap Hoorn verschollen ist. Er hat Mary von frühester Kindheit an die Grundlagen der Wissenschaft beigebracht und Mary will nicht einsehen, dass sie diese aufgeben und sich gemäß dem Wunsch ihrer Tante vermählen und die brave Hausfrau spielen muss. Als ihre Tante sie zunehmend unter Druck setzt, sieht sie nur noch einen Ausweg: sich als Mann auszugeben und an Bord eines Forschungsschiffes zu gehen.

Als gleich zu Beginn des Erstlings von Liv Winterberg klar wurde, dass dies eine „Frau verkleidet sich als Mann“-Geschichte werden würde, war ich zunächst etwas skeptisch – zumal auf der Enge eines Segelschiffs! Doch schon bald schaffte die Autorin es, mich mit ihrer realistischen Schilderung des Lebens auf einem solchen Schiff im 18. Jahrhundert zu überzeugen. Zumal dieser Teil der Geschichte tatsächlich so passiert ist, denn sie basiert auf dem Leben der französischen Botanikerin Jeanne Baret, wie wir im Nachwort erfahren. In dem Buch findet sich keine Seefahrerromantik, sondern eine wirklich toll recherchierte Darstellung der – selbst bei äußerster Sorgsamkeit des Kapitäns – fürchterlichen Zustände auf einem Schiff. Zahlreiche Verluste waren an der Tagesordnung, sowohl durch Krankheit als auch durch Unfälle. Liv Winterberg beschönigt nichts. Das Buch liest sich sehr gut und ist durchweg kurzweilig. Ich hatte vermutet, dass der Ausgang der Geschichte eingängig und vorhersehbar sein würde – auch hier hat die Autorin mich überraschen können. Einen einzigen Kritikpunkt habe ich anzubringen. Das in einem solchen Buch auch eine Liebesgeschichte zu finden sein würde, war natürlich keine Überraschung und an sich habe ich auch nichts dagegen einzuwenden. Der Teil, der auf Tahiti spielte, war mir jedoch zu kurz und die Liebesgeschichte stand hier für meinen Geschmack zu stark im Vordergrund. Ich hätte gern mehr über Marys Expeditionen und Forschungsarbeit auf der Insel gelesen. Das kommt mir in diesem Teil eindeutig zu kurz.

Nichtsdestotrotz hat Liv Winterberg einen überzeugenden historischen Roman vorgelegt und ich würde gerne mehr von ihr lesen!

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(c) Broadway Books

Deutscher Titel: Der Kastrat

Moses wurde in einem kleinen Dorf in den Alpen als Sohn der tauben Glöcknerin geboren. Als einziger kann er die Lautstärke der Glocken aushalten, sein Gehör ist einzigartig. Und dieses Gehör verhilft ihm zu einer weiteren Gabe: einer einzigartigen Stimme. Nach dramatischen Ereignissen bringen zwei Mönche Moses in das Kloster St. Gallen, wo er zum Star des Chors wird. Welches Schicksal einen kleinen Jungen mit einer solchen Engelsstimme im 18. Jahrhundert erwarten kann, ist nicht schwer zu erraten…

Seitdem ich „Verführung“ von Tanja Kinkel gelesen habe, beschäftigt mich das „Zeitalter der Kastraten“. In diesem Roman von Richard Harvell wird nun eine Geschichte aus der Sicht eines solchen Kastraten geschildert, wenn auch eines eher untypischen. Moses erinnert leicht an die Figur des Jean-Baptiste Grenouille aus „Das Parfum“, wenn auch nur hinsichtlich eines außerordentlich ausgebildeten Sinnes, in diesem Fall das Gehör. Moses ist jedoch ein sympathischer Held, mit dem man mitfühlt und mitleidet. Vor allem das Kapitel über seine Kastration nimmt den Leser natürlich mit. Als er älter wird, verliebt Moses sich dann auch, und zwar in eine Bürgerstochter, mit der er eine besondere Art von Intimität teilt. Etwas verwundert hat mich die Aussage, dass für Kastraten der sexuelle Akt nicht möglich war, da bin ich anders informiert und auch Wikipedia bestätigt meine Information. Im Laufe des Buchs wird dieses immer mehr zu einem reinen Liebesroman, was mich gestört hat, denn ich hatte erwartet, auch etwas über Moses‘ Karriere zu erfahren, die zu Beginn des Buches in einer Art „Vorwort“ seines Adoptivsohnes erwähnt wird. Zudem wird das Buch dann leider auch etwas vorhersehbar, und die finalen Geschehnisse halte ich für schlicht unglaubwürdig.

Ganz wunderbar beschrieben werden jedoch Geräusche allgemein und vor allem die Musik und Moses‘ Gesang. Diese Passagen zu lesen, war wirklich ein Genuss. Ein kleines Detail fand ich witzig: Moses‘ Geliebte heißt mit Nachnamen „Duft“, eine sehr unsympathische Familie hingegen „Riecher“.

Das Buch ist gut geschrieben und unterhaltsam, aber nicht ganz das, was ich erwartet hatte. Wer sich für das Thema interessiert und Liebesgeschichten mag, wird das Buch sicher mögen.

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(c) Virago

Deutscher Titel: Das rote Band

Die 14-jährige Mary lebt mit Mutter, Stiefvater und kleinem Bruder im London der 1760er Jahre in ärmlichen Verhältnissen. Es gibt Familien, denen es noch schlechter geht, doch ihr Leben ist geprägt von Armut und der Sehnsucht nach etwas Besserem. Vor allem schöne Kleider bewundert sie. Sie genießt in einer kirchlichen Einrichtung dennoch eine bescheidene Bildung. Doch dann kommt der Tag, als sie den Straßenhändler mit einem roten Band sieht, wie sie es an einer Prostituierten gesehen hat. Er bietet ihr das Band für das Einzige an, was ein junges Mädchen wie sie anzubieten hat: ihren Körper. Und ehe sie sich versieht, ist es passiert.

Ich liebe historische Romane, die die jeweilige Zeit so zeigen, wie sie war, und das schonungslos. Und so ein Buch ist dieser Roman der mittlerweile durch „Room“, das für den Booker Prize nominiert war, sehr bekannten Autorin Emma Donoghue. Das Leben der armen Bevölkerungsschichten in London zeichnet sie unglaublich lebendig und bunt wie die Kleider der Prostituierten, der sogenannten „Slammerkins“, die in dem Buch das Bild schlechthin für diesen Stand sind. Wer Romantik oder Ähnliches erwartet, ist bei diesem Buch falsch, das kann ich gleich sagen. Aber gerade das gefällt mir an dem Buch so gut: Es wird geschildert, wie gnadenlos diese Zeit war. Mary wäre heutzutage wahrscheinlich jemand, der zumindest eine gute Chance auf Erfolg hat, denn sie ist wahnsinnig ehrgeizig, doch dieser Ehrgeiz konnte in dieser Zeit praktisch nicht befriedigt werden, sodass Mary katastrophale Entscheidungen trifft. Dabei hat sie die Chance auf ein – zumindest halbwegs – besseres Leben, doch ihr Ehrgeiz ist auch hierfür zu groß. Da gleich am Anfang des Buches klar wird, dass sie scheitern wird, verrate ich damit nicht zu viel. Ich habe überlegt, ob das die Spannung im Buch reduziert, doch Marys Schicksal ist weniger der Gegenstand des Buches als die Frage, wie es dazu kommen konnte. Erst im Nachwort der Autorin habe ich erfahren, dass es Mary Saunders wirklich gab, aber nicht viel über sie bekannt ist. Emma Donoghue liefert mit ihrem Roman eine plausible Interpretation der wenigen Fakten über sie, die wir kennen.

Eine absolute Empfehlung! Ich wünsche mir mehr Historisches von Emma Donoghue.

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Deutscher Titel: Die französische Braut

1704. Die junge Elisabeth Savaret soll nach Louisiana auswandern, um dort einen ihr unbekannten Mann zu heiraten. Die Kolonie braucht dringend Frauen für ihre Männer, und Louisiana wird als eine Art Paradies beschrieben. Die Realität sieht natürlich anders aus, die Einwanderer sind bald gezeichnet von Krankheit, Auseinandersetzungen mit den Ureinwohnern, harter Arbeit und anderen Entbehrungen. Dennoch ist Elisabeth zunächst glücklich, denn sie hat sich tatsächlich leidenschaftlich in ihren Mann verliebt. Wie wird sie in dem neuen Land weiterhin zurechtkommen?

Mit diesem Buch habe ich so meine Probleme. Ich habe die ganze Erzählweise als wirr empfunden. Ganz elementare Dinge, etwa, wie sich Elisabeth und ihr späterer Mann verliebt haben, bleiben außen vor und werden nur in lückenhaften Rückblicken angerissen. Der Leser kann gar nicht richtig nachvollziehen, wie es zu dieser Beziehung gekommen ist. Elisabeth ist sicherlich eine sehr interessante Figur aufgrund ihrer schieren Stärke, doch richtig warm werden konnte ich weder mit ihr noch mit der zweiten Hauptfigur Auguste, einem französischen Jungen, der zeitgleich mit Elisabeth in Louisiana ankommt und vom Kommandanten der kleinen französischen Armee bei einem Indianerstamm zurückgelassen wird, damit er ihre Sprache lernt, um später vermitteln zu können. Zu einem späteren Zeitpunkt verweben sich die Geschichten dieser beiden Personen.

Andererseits hat Clare Clark ganz eindeutig großartige Arbeit bei der Recherche geleistet, die politischen Konstellationen zwischen Franzosen, Engländern und den vielen verschiedenen Indianerstämmen werden wirklich gut geschildert. Aber ich hätte gern mehr darüber erfahren, wie das tägliche Leben denn so aussah, Clark beschreibt zwar viele Probleme wie die hohe Kindersterblichkeit und die Überflutungen der kleinen Stadt Mobile in dem sumpfigen Siedlungsgebiet, der richtige Alltag wird jedoch kaum beschrieben. Sprachlich befindet sich das Buch auf durchaus hohem Niveau, dennoch kann ich das Buch nur mit 3 von 5 Sternen bewerten, während der Rahmen stimmt, konnte ich weder mit der Geschichte noch den zugehörigen Charakteren warm werden.

Amazon-Link: http://www.amazon.de/Savage-Lands-Clare-Clark/dp/0099546647/ref=sr_1_2?ie=UTF8&qid=1332948592&sr=8-2

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