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(c) Macmillan

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„Little Bighorn“ und „Wounded Knee“ sind Begriffe, die die meisten von uns im Zusammenhang mit den nordamerikanischen Ureinwohnern sicherlich schon einmal gehört haben. Wer sich schon einmal ein bisschen näher mit ihnen befasst hat, weiß wahrscheinlich, dass die Schlacht am Little Bighorn die größte Niederlage der US-Armee unter General Custer im Kampf gegen die Indianer war. Und Wounded Knee? Dort haben die amerikanischen Soldaten eines der Massaker gegen die Indianer verübt. Wer den Film „Little Big Man“ mit Dustin Hoffmann gesehen hat, hat vielleicht eine genauere Vorstellung von den Grausamkeiten. Und wer es genau wissen will, liest „Bury My Heart at Wounded Knee“, deutsch „Begrabt mein Herz an der Biegung des Flusses“.

Dee Brown hatte selbst kein indianisches Blut, freundete sich jedoch schon in seiner Jugend mit Indianern an. In diesem seinem bekanntesten Buch schildert er den letzten Widerstand verschiedener Indianerstämme gegen die US-Gewalt aus Sicht der Ureinwohner. Letztlich sollte jeder Widerstand niedergeschlagen und alle überlebenden Indianer in Reservate gesteckt werden – häufig fernab ihres ursprünglichen Stammesgebiets. Die vernichtenden Auswirkungen auf den Geist, das Gemüt der Ureinwohner wird in dem Buch deutlich spürbar.

Was mich wohl an Dee Browns Schilderungen am meisten schockiert hat, war, mit welcher Selbstverständlichkeit die Soldaten Massaker an den Indianern verübten, oft, ohne provoziert worden zu sein. Ein ums andere Mal wurde den Indianern versprochen, dass ihnen nichts geschehen würde, wurden entsprechende Verträge geschlossen, und ein ums andere Mal wurden die Versprechen und die Verträge gebrochen und die Indianer niedergemetzelt. Die Indianer signalisierten häufig umsonst ihre friedvollen Absichten. Beim Sand-Creek-Massaker sandten sie den Soldaten ein kleines Mädchen mit einer weißen Fahne entgegen – niemand glaubte, dass die Soldaten ein kleines Mädchen töten würden. Doch genau das passierte. Die Berichte von den Massakern sind kaum zu ertragen.

Es gab Vorwürfe, Dee Browns Sichtweise sei einseitig indianisch, mit dem Hinweis, die Indianer hätten auch untereinander Grausamkeiten verübt. Dies verschweigt Brown jedoch nicht, stellenweise erwähnt er solche Kämpfe, aber sie sind nicht Thema dieses Buchs. Sie sind wohl kaum eine Rechtfertigung für die verübten Gräueltaten an den Indianern. Sicher töteten die Indianer auch Weiße, aber sie kämpften ums pure Überleben ihrer Kultur. Sie waren größtenteils gewillt, die Weißen in ihrem Land zu akzeptieren, sie wollten nur in ihren Gebieten weiterleben.

Dee Browns Buch ist die Dokumentation dieses Kampfes, den die Indianer nur verlieren konnten. Viele wurden ermordet, obwohl sie sich ergeben hatten. Insofern war die massenhafte Tötung der Indianer nichts anderes als ein Genozid.

Nachbemerkung: Meine eindeutige Stellungnahme für die Seite der Indianer soll selbstverständlich keinen Angriff gegen heutige US-Bürger darstellen!

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(c) Penguin

(c) Penguin

Deutscher Titel: Im Rausch der Freiheit (?, doof, oder?)

Im frühen siebzehnten Jahrhundert gründen niederländische Siedler an der Südspitze der amerikanischen Insel Manna-Hatta eine Siedlung, die sie „Neu-Amsterdam“ nennen. Etwa 50 Jahre später haben sich Kaufleute dort niedergelassen und einen bescheidenen Wohlstand erwirtschaftet. An diesem Punkt setzt Rutherfurds Geschichte mit der ersten einiger fiktiven Familien ein, anhand derer er die Geschichte der späteren Metropole New York von den Anfängen bis zu den schrecklichen Ereignissen des 11. September 2001 erzählt.

Zugegeben, Edward Rutherfurds Bücher sind keine großartige Literatur. Für Geschichtsfreaks wie mich oder Fans der jeweiligen Städte oder Regionen ist sein Konzept jedoch genial – die Geschichte des Ortes wird verpackt in die Erlebnisse mehrerer Familien über zahlreiche Generationen hinweg erzählt. In kaum einen Roman erhält man so geballte Informationen und wird dabei noch bestens unterhalten. So bin ich Edward Rutherfurd seit meiner Jugend treu und lese alle seine Bücher.

„New York“ gehört zu den Werken, die mir besonders gut gefallen haben. Auch wenn ich kein USA-Fan bin, fasziniert mich doch die Geschichte des Landes. Ich war noch nie in New York, aber die Metropole ist aus TV-Bildern, Büchern und anderen Medien doch so vertraut, dass ihre Entstehungsgeschichte richtig spannend für mich war.

Ein Aspekt, der mir sehr gut gefallen hat, war, dass Rutherfurd viele Ereignisse schildert, die weniger bekannt sind und speziell New York betreffen. So wird zwar der Unabhängigkeitskrieg sehr ausführlich behandelt, weil New York hierfür auch ein wichtiger Schauplatz war, aber den Bürgerkrieg erlebt der Leser in dem Buch eher indirekt: Es werden keine der bekannten Schlachten thematisiert, sondern die Draft Riots von 1863, ein Aufstand gegen die Wehrpflicht, bei dem insbesondere Schwarzen nachgestellt wurde, die man für den Krieg verantwortlich machte. Ein weiteres Beispiel ist das verheerende Feuer in der Triangle Shirtwaist Factory, bei dem 146 Arbeiterinnen und Arbeiter ums Leben kam, unter anderem, weil Türen verschlossen waren, um Arbeiter am Müßiggang zu hindern. So bringt Rutherfurd auch viele soziale Themen ein, der Brand war unter anderem der Anlass für eine Verbesserung der Arbeitsbedingungen in den USA. Weitere Themen sind die High Society von New York, der einem Adelsstand gleichkam, sowie Antisemitismus.

Was mich ein wenig gestört hat, war, dass die Geschichte einiger Familien im Verlauf des Buchs abreißt und nicht mehr weiterverfolgt wird. Insbesondere der schwarzen Familie und den indianischen Nachfahren der ersten Hauptperson hätte mehr Raum gegeben werden können. Auch fand ich es schade, dass nicht wie in den anderen Büchern Rutherfurds ein Stammbaum der Familien angegeben war – zumindest nicht in meinem Arrow Books-Paperback.

Nichtsdestotrotz habe ich die Lektüre von „New York“ fast so genossen wie die von „London“ (aber nur fast!) Ich habe ständig in die Karten geschaut und bei Wikipedia vieles nachgelesen, Bücher, die mich auf diese Art und Weise fesseln, machen mir besonders viel Spaß. Und die letzten 120 Seiten musste ich in einem Rutsch lesen.

Nicht zuletzt hat Rutherfurd noch etwas geschafft: Zum ersten Mal sage auch ich: Ja, ich will New York irgendwann mal sehen.

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(c) Audible Studios

Deutscher Titel: Tinkers

Sprecher: Christian Rummel

Dauer: 4 h, 55 min

Ein alter Mann liegt im Sterben, in seinem Zuhause, umgeben von seiner Familie. In seinen letzten Tagen kommen viele Erinnerungen hoch, an seine Jugend, sein Leben und an seinen epilepsiekranken Vater, der noch mit dem Pferd und Wagen als fahrender Händler durch Neuengland zog.

Ich sage es gleich vorweg: Ich hätte dieses Buch nicht als Hörbuch hören dürfen. Nicht, weil der Sprecher so schlecht wäre, sondern weil die Sprache so komplex ist. Die rein erzählerischen Passagen konnte ich gut verfolgen, es ist die Geschichte zweier Leben, von Vater und Sohn, von Glück und Entbehrungen und von der eigenen Sterblichkeit. Eine Geschichte aus dem Leben, wie sie mir gefällt. Dabei verfällt Paul Harding jedoch immer wieder in poetische Beschreibungen von Situationen, die in der Hörversion trotz guter Leistung des Sprechers kaum zu erfassen sind – ich ertappte mich immer wieder dabei, wie ich mehr oder weniger abschaltete. Rübergekommen ist dabei die wirklich wunderschöne Sprache Hardings, den Sinn zu erfassen war mir jedoch kaum möglich. Dennoch habe ich nach einer Weile begriffen, dass es dabei um die besondere Wahrnehmung und den besonderen Bewusstheitszustand ging, den Howard, den Vater der Hauptfigur, vor seinen epileptischen Anfällen ereilt. Insbesondere in diesem Zusammenhang sind die entsprechenden Passagen wirklich einzigartig.

Ich muss mir vornehmen, dieses Buch irgendwann noch einmal in der Printform zu lesen, um es richtig nachvollziehen und wertschätzen zu können. In jedem Fall ist dies kein einfach zu lesendes Buch, es verlangt dem Leser sehr viel ab und kann nicht schnell durchgelesen werden. Mit der Bewertung tue ich mich an dieser Stelle natürlich schwer, ich vergebe 4 Sterne, die bei erneuter Lektüre durchaus noch Potenzial nach oben haben.

Der Sprecher Christian Rummel macht seine Sache wie schon erwähnt gut, hat allerdings einen starken amerikanischen Akzent. Gelegentlich hatte ich Schwierigkeiten, neue Abschnitte zu erkennen.

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(c) Vintage Classics

Deutscher Titel: Elf Arten der Einsamkeit

Wie entsteht Einsamkeit in der Gesellschaft? Welche Folgen hat Einsamkeit und wie kann es sein, dass man sich ständig unter Menschen befindet und doch einsam ist? Mit solchen Fragen beschäftigt sich dieser Kurzgeschichtenband des renommierten amerikanischen Autors. Das Buch enthält wie der Titel es vermuten lässt elf Kurzgeschichten, in denen das Thema Einsamkeit im Mittelpunkt steht, sei es Einsamkeit aufgrund eines geringen sozialen Status, einer unklug geschlossenen Ehe, Krankheit oder mangelnden Selbstbewusstseins.

Wer Richard Yates‘ großartigen Roman „Revolutionary Road“ (Zeiten des Aufruhrs) kennt, wird mit hohen Erwartungen an diese Kurzgeschichten herangehen. Tatsächlich können sie weder stilistisch noch inhaltlich an dieses Meisterwerk heranreichen, doch alle Geschichten haben mir auf ihre Weise gefallen und passten hervorragend in das gesellschaftskritische Gesamtkonzept des Bandes. Am besten gefallen hat mir wohl die zweite Geschichte, „The Best of Everything“, die frappierend deutlich zeigt, wie der gesellschaftliche und moralische Druck in den 50er Jahren des letzten Jahrhunderts dazu führte, dass Ehen zwischen gar nicht zueinander passenden Personen geschlossen wurden. Ich denke, mich hat diese Geschichte besonders angesprochen, da es sich um meine Elterngeneration handelt und ich unharmonische, aber, ebenfalls aufgrund der drohenden gesellschaftlichen Missbilligung, nie geschiedene Ehen aus dem Umfeld meiner Eltern kenne. Im Alter raufen sich solche Paare meistens wieder zusammen, in jüngeren Jahren konnte es aber zu einer wirklichen Einsamkeit in der Ehe führen, zumal die Frau zu dieser Zeit in der Regel eine reine Hausfrau war. In anderen Geschichten geht es beispielsweise um gesellschaftlich benachteiligte Kinder und von ihnen überforderte Lehrerinnen, kleine Angestellte, die aufgrund mangelnden Talents in der schon damals aufkeimenden Leistungsgesellschaft zum Scheitern verurteilt sind, oder äußerst fähige, sozial jedoch ungeschickte Offiziere der Armee.

Ein nicht großartiger, aber interessanter und stimmiger, gesellschaftskritischer Kurzgeschichtenband aus den USA der Fifties.

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(c) Vintage

Deutscher Titel: Zeiten des Aufruhrs

Ein New Yorker Vorort in den 50ern des letzten Jahrhunderts. Frank und April Wheeler scheinen zunächst ein ganz typisches amerikanisches Vorstadtpaar mit Kindern, ein Mädchen, ein Junge. Frank arbeitet in der Marketingabteilung eines Unternehmens, in dem schon sein Vater gearbeitet hatte, die ausgebildete Schauspielerin April ist Hausfrau. Beide sehen sich jedoch deplaziert in der spießigen Umgebung. Sie sehen sich als Intellektuelle, verachten das sie umgebende Kleinbürgertum, was sie zu gewaltigen Snobs macht, selbst den vermeintlich besten Freunden, den Campbells, gegenüber. Nach einem fürchterlich misslungenen Auftritt in einer fürchterlichen Aufführung eines Theaterstücks auf der Vorortbühne reift in April eine Idee: Amerika verlassen, nach Europa gehen und Frank die Möglichkeit geben, sein ganzes intellektuelles Potenzial auszuschöpfen. Recht früh ahnt der Leser, dass etwas schief laufen wird mit diesem Plan, sich gar eine Katastrophe anbahnt. Denn je näher die Auswanderung rückt, desto mehr häufen sich die Konflikte zwischen den Eheleuten.

Richard Yates erzählt in seinem phänomenalen Debütroman die Geschichte eines amerikanischen Paares, zweier Individuen, jedoch mit eindeutiger Bezugnahme auf die Gesellschaft, die die beiden hervorgebracht hat. Sie sehen sich als Intellektuelle, werden jedoch beide diesem Image nicht gerecht, und zwar weniger, weil sie ein bürgerliches Leben führen, das ihnen selbst als stinklangweilig und oberflächlich erscheint (wie man beispielsweise an den verächtlichen Worten erkennt, mit dem Frank seinen eigenen Job beschreibt), sondern vielmehr, weil sie beide gar nicht die Kraft und den Elan mitbringen, dieses Selbstbild zu erfüllen. Nach außen hin gibt Frank den geistreichen Intellektuellen, doch tatsächlich kann er sich nicht eingestehen, dass er sich in seinem Job und mit seinem Leben gar nicht so unwohl fühlt. Dies wird erst deutlich, als es um die Emigration und einen wichtigen Hinderungsgrund für diese geht.

Beide Hauptcharaktere sind eher unsympathisch, dies gilt besondere für Frank, den man ohne Zögern als Arschloch bezeichnen, stellenweise jedoch aufgrund seiner uneingestandenen Unsicherheit auch bemitleiden kann. Mein einziger Kritikpunkt über große Strecken des Romans war die etwas flach bleibende Charakterisierung von April, es wird nämlich alles größtenteils aus Franks Sicht erzählt. Doch dabei hat Richard Yates sich etwas gedacht, denn erst, als April gegen Ende des Buchs eine fatale Entscheidung trifft, erfahren wir mehr über ihr Innenleben. Etwa zur Hälfte des Buchs führt Yates außerdem in John Givings einen schier genialen Charakter ein, den hochintelligenten, aber verhaltensgestörten Sohn eines Nachbarpaares. Dieser durchschaut Frank und April vom ersten Moment an, und als er offen ausspricht, was er denkt, eskaliert die Situation…

All dies erzählt uns Richard Yates in einer sehr angenehm zu lesenden, schnörkellosen Sprache, die mir von Anfang an sehr gut gefallen hat. Ein komplexer, fesselnder Roman und ein echtes Lesehighlight.

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Da die Verlagswebsite momentan überarbeitet wird, habe ich leider kein Bild.

Das Buch ist offenbar bisher nicht in deutscher Sprache erschienen

Meredith erfährt, dass ihr Cousin gestorben ist und somit das alte Familienanwesen „Eden“ und die zugehörige Farm verkauft werden sollen. An Merediths Reaktion ist gleich zu erkennen – in dieser Familie ist etwas schiefgelaufen. Sie entschließt sich dennoch, die alten Geister zu konfrontieren und zur Farm zu reisen, um die Sachen ihrer Eltern durchzugehen. Dabei erinnert sie sich an die Geschichte der Familie, die ihr größtenteils die Matriarchin der Familie, ihre Großmutter Lavinia erzählt hat.

Wer mich kennt, weiß, dass ich nichts so sehr liebe wie Familiengeschichten, die ein Geheimnis, einen Konflikt in der Vergangenheit bergen. Daher konnte ich bei diesem Erstlingswerk der britischen Autorin nicht widerstehen. Lavinia, die zentrale Figur neben der Erzählerin Meredith, ist eine faszinierende Persönlichkeit. Man weiß von Anfang an, dass sie kein Engel war, nein, sie ist beinahe verhasst bei ihren Nachkommen. Dennoch kann man als Leser nicht umhin, gelegentlich auch Sympathien für sie zu entwickeln. Solche zwiespältigen Charaktere mag ich sehr gern. Die Geschichte der Familie ist tragisch, ein wenig wie der Aufstieg und der Fall der Buddenbrooks. Was zum endgültigen Zerwürfnis, auch zwischen Meredith und ihren Schwestern geführt hat, erfahren wir erst am Schluss, man kann es sich jedoch schon eine Weile vorher ungefähr denken. Es gibt keinen atemberaubenden Twist, wie etwa in den Büchern von Kate Morton, dennoch habe ich diese Familiengeschichte gerne gelesen und hoffe, dass wir noch mehr von Nelle Davy hören werden und dass sich vielleicht auch ein deutscher Verlag findet.

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(c) Lake Union Publishing

Eine deutsche Ausgabe scheint es leider nicht zu geben.

Irgendwann im 19. Jahrhundert erreichen die Brüder Jacob und Noah Ingledew die beinahe menschenleere Ozarks-Region in Arkansas. Beinahe menschenleer, denn der Indianer Fanshaw, der die englische Sprache spricht, lebt dort mit seiner Frau in einem Haus, das der Autor als „bigeminal“ (etwa: „paarig“) bezeichnet. Jacob und Noah bauen eine Blockhütte und Jacob freundet sich mit Fanshaw an. Dies stellt die „Gründung“ des Ortes „Stay More“ dar, um den sich alles in diesem sehr humorvollen historischen Roman dreht. Schon die Entstehung des Namens „Stay More“ ist einfach zum Schießen.

Was soll ich sagen? Ich habe eine Schwäche für Autoren, die mit viel Humor an ein bestimmtes Genre herangehen. Terry Pratchett ist nicht umsonst mein Lieblingsautor. Und wie ihr wisst, liebe ich Familienromane. Donald Harington erzählt uns auf urkomische Art die Geschichte des Aufstiegs und des Niedergangs des Ortes Stay More und der „Stay Morons“, insbesondere der Gründerfamilie Ingledew, über 6 Generationen hinweg. Der etwas ungewöhnliche Titel des Buchs verweist auf eines der Themen, das sich durch das ganze Buch zieht, die „Zweigeteiltheit“ (Bigeminality) aller Dinge, insbesondere der Behausungen der Ingledews. Jedes Kapitel beginnt daher mit der Zeichnung eines dieser Häuser.

Die Stay Morons kann man als typische Hillbillys bezeichnen, die aber gleichzeitig eine gewisse Genialität, eine „Bauernschläue“ mitbringen. So philosophiert Jacob etwa mit Fanshaw über Gott und die Welt. Zwischenzeitlich wird Jacob sogar Gouverneur von Arkansas!

Der Humor kommt an keiner Stelle des Buchs zu kurz, egal, welche Katastrophen und Beschwernisse die Stay Morons heimsuchen. Eines dieser Beschwernisse ist eine mysteriöse Krankheit, die Harington als „the frakes“ bezeichnet: Sobald ein männlicher Bewohner zu hart gearbeitet hat, befällt ihn ein Ausschlag an einer besonders fiesen Stelle, und wenn dieser abgeheilt ist, verfällt der Ärmste für längere Zeit in Lethargie und hält sich selbst und das ganze Leben für nutzlos.

So begleiten wir die Ingledews durch die gesamte Lebenszeit des Ortes Stay More, von der Gründung, den ersten zusätzlichen Siedlern, der Einrichtung eines Ladens, einer Mühle und einer Bank, durch den amerikanischen Bürgerkrieg und zwei Weltkriege, vom ersten Automobil, das für den verhassten FORT SCHRITT steht, bis hin zum Niedergang des Ortes und dem allerletzten Ingledew. Manche Ereignisse, und zwar die skurrilsten, sind laut dem Nachwort des Autors sogar tatsächlich historisch. Das letzte Kapitel schließlich war für mich ein Geniestreich.

„The Architecture of the Arkansas Ozarks“ ist ein echter Geheimtipp. Ich würde fast so weit gehen, den 2009 leider verstorbenen Donald Harington als einen Terry Pratchett des Familienromans zu bezeichnen. Die Lektüre dieses Buchs hat mir einen Riesenspaß bereitet.

 

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