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Faber & Faber

Die deutsche Ausgabe soll 2018 im Seidl-Verlag erscheinen.

Amerika um 1850: Thomas McNulty und John Cole sind noch Teenager, müssen sich jedoch schon allein durchs Leben schlagen. Sie sind nicht nur Freunde, sondern haben ineinander ihren Seelenpartner gefunden. Zunächst nutzen sie ihre Jugend und ihr gutes Aussehen, um im Saloon einer Bergarbeiterstadt in Frauenkleidern mit den Arbeitern zu tanzen, wofür sie vom Saloonbesitzer bezahlt werden. Später treten beide der Armee bei und kämpfen zunächst in den Indianerkriegen und dann im amerikanischen Bürgerkrieg.

Ich möchte zunächst auf den völlig irreführenden Klappentext des Buches eingehen. Dieser erwähnt mit keinem Wort, dass es sich bei diesem Roman um eine schwule Liebesgeschichte handelt, sondern lässt eher vermuten, dass den Leser ein Liebesdreieck erwartet. Ich habe bereits mehrere Videos von Booktubern gesehen, die diese Vermarktung des Romans monieren, was bezweckt der Verlag damit? Da kommt doch der Verdacht auf, dass man keine Leser verprellen will, die ein Problem mit der homosexuellen Ausrichtung des Buchs haben. Nun denn, ich wusste vorher, worum es in dem Buch geht, auch dass Sebastian Barry sein Buch seinem schwulen Sohn gewidmet hat, der wohl schon Erfahrungen mit Homophobie gemacht hat.

Sebastian Barrys wunderbaren Schreibstil hatte ich schon in The Secret Scripture kennengelernt, das mir lediglich inhaltlich nicht so sehr gefallen hat. Days Without End ist ein ganz anderes Buch. Thomas McNulty, der interessanterweise den gleichen Nachnamen wie die Protagonistin aus The Secret Scripture hat und wie diese aus Sligo stammt, ist der Ich-Erzähler, dessen Sprache seinen geringen Bildungsstand widerspiegelt. Dennoch schafft Barry es, ihm wunderschöne Sätze und Formulierungen in den Mund zu legen:

„The men hunched around, talking with the gaiety of souls about to eat plentifully, with the empty dark country about us, and the strange fabric of frost and frozen wind falling on our shoulders, and the great black sky of stars above us like a huge tray of gems and diamonds.“ (Seite 26)

Sprachlich ist das Buch ein Leckerbissen. Thematisch beschäftigt sich das Buch mit der Willkür und der Grausamkeit des Vorgehens der US-Armee gegen die Indianer sowie des Bürgerkriegs, mit der Unabhängigkeit von echter Liebe von Genderidentität und Abstammung. Thomas und John treffen nicht auf Homophobie, sodass Thomas, der irgendwann feststellt, dass er sich in weiblicher Kleidung wohler fühlt, völlig mühelos zwischen verschiedenen „Rollen“ wechselt. Während er in der Armee ist, trägt er ganz selbstverständlich Soldatenkleidung.

„I feel a woman more than I ever felt a man, though I were a fighting man most of my days.“ (Seite 273)

Ich habe Sebastian Barrys Roman auf goodreads 4 Sterne gegeben und frage mich gerade, warum eigentlich nicht 5? Stellenweise fand ich die Schlachtszenen offen gestanden ein bisschen langweilig, ein anderer Leser hat mich jedoch darauf aufmerksam gemacht, dass sich Barrys Schlachtszenen im Gegensatz zu heroisierenden Schilderungen den Schwerpunkt ganz auf die Grausamkeit und die Ungerechtigkeit legen.

Days Without End ist poetisch, ohne kitschig zu werden, die erzählte Geschichte ist spannend und Thomas ist eine starke Identifikationsfigur für den Leser. Ich habe bisher nur 3 Bücher von der diesjährigen Longlist des Man Booker Prize gelesen, von diesen war es stärkste. Ich habe keine Kritikpunkte, die den Abzug eines ganzen Sternes rechtfertigen, es fehlte lediglich noch irgendetwas für absolute Begeisterung. Daher vergebe ich 4,5 Sterne für dieses schöne Buch, das ich auf jeden Fall auf der Shortlist sehe.

 

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