Feeds:
Beiträge
Kommentare

Posts Tagged ‘bildung’

(c) Argon Hörbuch

Sprecher: Ranga Yogeshwar

Dauer: 12 h 17 min

Ranga Yogeshwar ist uns allen als Wissenschaftsjournalist und  -moderator bekannt, der Jung und Alt die Welt erklärt. Als Diplom-Physiker hat er den entsprechenden Hintergrund. Doch nicht nur seine Ausbildung macht ihn zu einem qualifizierten Autor: Als Sohn eines indischen Ingenieurs und einer luxemburgischen Kunsthistorikern ist er in zwei Welten aufgewachsen und bringt eine gehörige Portion Lebenserfahrung und Sachverstand mit. Seine Arbeit fürs Fernsehen und sein Ansehen sorgten dafür, dass er mit seinem Filmteam Zugang zu zahlreichen Einrichtungen erhält, so durfte sein Team als Erstes nach dem Reaktorunglück in Fukushima drehen. Die notwendige Ausrüstung für das Verfassen eines Buchs über die Zukunft bringt er also mit. Darüber hinaus hat Yogeshwar auch einen künstlerlischen Hintergrund: Er selbst und seine Töchter sind am Klavier ausgebildet, seine Frau ist Sopranistin.

In insgesamt elf Kapiteln mit jeweils drei oder vier Unterkapiteln befasst sich Ranga Yogeshwar mit zukunftsrelevanten Themen, etwa der Digitalisierung und gefährlichen Entwicklungen hinsichtlich des Datenschutzes, des Umweltschutzes, der Schulbildung, Energieversorgung, Frauenrechten, der Terrorangst oder der künstlichen Intelligenz. Die Kapitel sind episodenhaft erzählt, häufig beginnen sie mit Erfahrungen Yogeshwars in der Vergangenheit und schließen mit den Schlussfolgerungen und den Konsequenzen für die Zukunft. Manchmal dauert es ein bisschen, bis er zur Relevanz für die Zukunft kommt, dies bleibt jedoch nie aus. Dabei bietet er konkrete Vorschläge zur Verbesserung an, warnt vor Fehlentwicklungen und deren Auswirkungen. Die anekdotenhafte Gestaltung der Kapitel machen das Buch sehr gut lesbar und absolut zugänglich für ein breites Publikum. Ich fand alle angesprochenen Themen wirklich interessant, sehr aufschlussreich unter anderem das Kapitel über die Terrorangst oder das über (Schul-)bildung. Gut gefallen hat mir auch Yogeshwars Ausblick auf die Zukunft des Homo Sapiens. Hier hatte ich den Eindruck, dass seine Ausführungen teilweise auch eine Antwort auf das Buch „Homo Deus“ von Yuval Noah Harari sind. Dieses habe ich zwar noch nicht gelesen, aber bereits am Ende von „Sapiens“ deutet sich an, wie Harari die Zukunft des Menschen sieht, er prognostiziert eine Verschmelzung von Mensch und Technik, die Entstehung des gottgleichen, unsterblichen Menschen. Yogeshwar relativiert diese Prognose, verweist auf negative Seiten der Unsterblichkeit. Ich muss sagen, dass seine Prognose mich ein wenig beruhigt hat, aber ich muss erst einmal Hararis Werk lesen, bevor ich mir eine umfassende Meinung bilden kann. Insgesamt bin ich sehr einverstanden mit so ziemlich allen Aussagen, die Yogeshwar macht, ganz besonders wichtig sind mir hierbei der Umweltschutz und die gefährliche Entwicklung der Weltwirtschaft. Ich kenne Herrn Yogeshwar natürlich nicht persönlich, aber die Lektüre des Buches hat ihn mir umso sympathischer gemacht. Dazu trägt natürlich auch bei, dass er das Hörbuch selbst liest, was er als Medienprofi hervorragend macht. Das Hörbuch ist also absolut empfehlenswert, wobei ich die Anschaffung eines Printexemplars erwäge, um Verschiedenes nachlesen zu können, denn dies ist ein Buch, das lange nachhallt und Augen öffnet. Für mich das Sachbuch des Jahres.

Advertisements

Read Full Post »

(c) Fischer

Übersetzung aus dem Indonesischen: Peter Sternagel

Indonesien in den 1970ern. Der kleine Ikal lebt auf der kleinen Insel Belitung. Die Insel ist reich an Bodenschätzen, doch der gesamte Erlös geht an die Bergbaugesellschaft. Kinder von einfachen Fischern oder Arbeitern, wie Ikal, haben kaum eine Chance auf Bildung. Doch eine junge, idealistische Lehrerin kämpft ums Überleben der kleinen Dorfschule, in die Ikal nun eingeschult werden soll. Mit Bangen warten die Lehrerin und ihre Schützlinge am ersten Schultag darauf, dass ein zehnter ABC-Schütze erscheint. Sonst wird die Schule geschlossen. Und siehe da, Nummer 10 findet sich! Die zehn Schüler, neun Jungs und ein Mädchen, werden von ihrer Lehrerin bald die „Regenbogentruppe“ genannt. Sie alle werden auch in den folgenden Jahren für ihre Schulbildung kämpfen müssen.

Bekanntermaßen war Indonesien das Gastland der letztjährigen Frankfurter Buchmesse. Daher wollte ich natürlich auch ein Buch von einem indonesischen Autor mitnehmen. Von den Büchern, die das Gastland vorstellte, interessierte mich Andrea Hiratas autobiografischer Roman über eine Dorfjugend in Indonesien am meisten.

Es ist eine Freude, Hiratas episodenhafte Geschichte zu lesen. Sein Sprachstil ist sehr schön, mitunter fast blumig, gelegentlich aber auch bissig. Die Kinder werden anhand der verschiedenen Episoden alle wunderbar charakterisiert, sodass der Leser eine echte Verbindung zu den Charakteren herstellen kann. Andrea Hirata erzählt eine Geschichte von Freundschaft, Entschlossenheit und Mut und zeigt, was  man mit diesen Eigenschaften erreichen kann. Wir erfahren, wie Kinder in Entwicklungsländern um ein Recht kämpfen müssen, das für reiche Länder eine Selbstverständlichkeit ist: Bildung. Trotz der wirklich bemerkenswerten Leistungen der Lehrer und Schüler bietet der Roman keine reine Wohlfühlgeschichte: Nicht alles gelingt, das Schicksal spielt mit, tragische Ereignisse vernichten manche Zukunftshoffnung. Stark ist Hiratas mutige Kritik an der Politik, die es zulässt, dass eine eigentlich reiche Insel in keiner Weise von ihrem Reichtum profitiert, und die Armut aufrechterhält, während die Mitarbeiter der staatlichen Bergbaugesellschaft in Saus und Braus leben:

„Das Gedong (hier: Siedlung der Bergbaugesellschaft, Anmerkung der Rezensentin) war das Wahrzeichen Belitungs, gebaut, um den kolonialen Albtraum fortzusetzen. Ziel der Regierung war es, einer Handvoll Leuten Macht und Bildung zu verschaffen und eine Mehrheit zu unterdrücken, sie fügsam zu machen, indem man ihnen das Recht auf Bildung verweigerte.“ (Seite 25)

Wir begleiten die Regenbogentruppe während ihrer gesamten Schulzeit und erfahren auch, was aus den Schülern wurde. Gegen Ende des Buchs schildert Hirata schließlich noch seinen eigenen, bemerkenswerten Werdegang nach dem Ende der Schulzeit. Ein sehr lesenswertes, schön geschriebenes Buch, das ich euch sehr empfehle.

Read Full Post »