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(c) Harper Audio

Deutscher Titel: Alles Licht, das wir nicht sehen

Sprecherin: Julie Teal

Dauer: 17 h

Zwei Teenager an zwei verschiedenen Orten in einer schlimmen Zeit, dem 2. Weltkrieg. Die blinde Marie-Laure lebt mit ihrem Vater, einem Schlosser, in Paris, muss aber mit ihm nach Saint Malo zu ihrem Großonkel fliehen. Dort baut ihr Vater ihr zur Orientierung ein Modell der Umgebung mit jedem einzelnen Haus, wie sie es auch schon von ihrer Nachbarschaft in Paris hatte. Werner Pfennig wächst mit seiner jüngeren Schwester Jutta in einem Waisenhaus im Ruhrgebiet auf, wo sie eine französische Betreuerin haben. Werner hat eine Gabe für alles Elektronische, insbesondere Radiotechnik, und baut ein kleines Radio, über das er und seine Schwester die an Kinder gerichtete Wissenschaftssendung eines unbekannten Franzosen hören. Lange ist unklar, ob und inwiefern es eine Verbindung zwischen den beiden Jugendlichen gibt.

Erzählt wird der mit dem Pulitzer-Preis ausgezeichnete Roman auf zwei verschiedenen Zeitebenen. Die erste Ebene ist 1944 angesiedelt, Marie-Laure ist während der Belagerung von Saint Malo allein im Haus ihres Großonkels, Werner ist Soldat und mit seiner Kompanie in einem Hotel in derselben Stadt gelandet. Die zweite Ebene setzt in den dreißiger Jahren ein und bewegt sich langsam aber sicher auf die erste Ebene zu.

Der Wechsel zwischen den Zeitebenen ist ein wenig verwirrend, jedoch durch die Jahreszahl zu Beginn der Kapitel gut zu unterscheiden. Der Roman ist nichts für Leser, die eine schnelle Entwicklung mögen, die Geschichte entfaltet sich in einem sehr langsamen Tempo in einer sehr bildhaften Sprache mit vielen Beschreibungen. Obwohl ich nun wahrlich kein Action-Fan bin, muss ich gestehen, dass das Buch auch für mich seine Längen hatte und ich gelegentlich schon dachte, dass es nicht hätte ganz so ausführlich ausfallen müssen. Das ist auch der Grund, warum ich dem Roman nur vier von fünf Sternen geben kann. Andererseits bewirkt die langsame Erzählweise, der epochale Charakter des Buches auch, dass man am Ende des Buches wirklich überwältigt ist, es ist die Art von Buch, wo man am Schluss ein paar Tränchen verdrückt. Die Geschichte selbst ist äußerst komplex und genial konstruiert. Die Verbindung zwischen den Hauptpersonen bleibt lange unklar, der Aha-Effekt, wenn sie deutlich wird, ist jedoch groß. Die Charaktere sind von der Art, dass man mit ihnen mitfiebert. Die Schilderungen von Werners Zeit in der Napola-Schule haben mich besonders mitgenommen, sein bester Freund wird dort misshandelt, ich habe richtig mitgelitten.

Ein lesenswertes Buch mit einer mal ganz anderen Weltkriegsgeschichte.

Zum Hörbuch: Ich habe mich für die von Julie Teal gelesene Ausgabe entschieden, da ich britische Sprecher bevorzuge. Sie macht ihre Sache sehr gut, eine angenehme Sprecherin.

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(c) Macmillan Digital Audio

Verlag: Macmillan Digital Audio

Sprecher: John Lee

Ungekürzt, 30 Stunden, 43 Minuten

Deutscher Titel: Sturz der Titanen

Am Vorabend des 1. Weltkrieges. Schauplätze und Charaktere aus Wales, London, Russland, Deutschland und den USA. In Wales der junge Billy Williams, der mit 13 Jahren zum ersten Mal in die Grube einfährt. Seine Schwester Ethel, hochintelligent, Hausmädchen auf dem Anwesen des Earls Fitzherbert, die den Fehler begeht, sich zu verlieben. Ebendieser Earl Fitzherbert und seine Frau, die russische Prinzessin Bea. Fitz‘ Schwester Maud, die für Frauenrechte kämpft. Der junge, deutsche Diplomat Walter von Ulrich, der alles dafür tut, den Krieg zu verhindern. Der junge Amerikaner Gus Dewar, ein Berater von Präsident Wilson. Grigori Peschkow, ein russischer Arbeiter, und sein immer in Scherereien verwickelter Bruder Lew, die unter dem Zarenregime zu leiden haben.

Um diese Charaktere webt Ken Follett seinen genialen Roman, der gleichzeitig eine Geschichtsstunde über den 1. Weltkrieg und über das Ende der Adelsära ist. Dies soll niemanden abschrecken, der sich vor Geschichte graust, das Buch ist höchst unterhaltsam und spannend, mit vielschichtigen, faszinierenden Charakteren, die man schnell liebgewinnt, mit denen man mitleidet oder sich über die man sich aufregt, die einen ob ihres Talents, sich in Schwierigkeiten zu bringen, verzweifeln lassen. Meine Lieblingsfigur: Ethel Williams, bei der man sich recht schnell denken kann, was ihr zu Beginn passieren wird, deren weitere Entwicklung jedoch völlig unvorhersehbar ist.

Ken Follett lässt seine Charaktere auf die Protagonisten des Weltgeschehens treffen, Winston Churchill, Edward Grey, David Lloyd George, Präsident Wilson, Lenin und sogar das britische Königspaar. So werden wir Zeuge dessen, was sich im Vorfeld des 1. Weltkrieges, der Julikrise, dem Krieg selbst und auch danach abgespielt hat. Folletts Interpretation des Krieges ist dabei höchst modern, die Kriegsschuld wird keineswegs nur den Deutschen und Österreichern zugetragen, wie es lange üblich war. Sehr gut finde ich auch Folletts Vorgehensweise, die realen Charaktere Dinge sagen zu lassen, die sie tatsächlich zu einem Zeitpunkt geäußert haben, nur eben in seine Romansituation eingebaut. Das macht das Buch umso überzeugender.

Das Buch ist das beste, was ich bisher von Ken Follett gelesen habe, eine absolute Empfehlung für alle! Ich freue mich schon sehr auf den zweiten Teil, den ich mir schon heruntergeladen habe.

Zum Sprecher: John Lee vollbringt hier wirklich eine Meisterleistung. Nicht nur sprechen alle Hauptcharaktere mit dem spezifischen Akzent, der ihrer Herkunft entspricht (vor allem bei den Walisern seeehr nett :-)), er gibt bestimmten Personen auch eine ganz individuelle Note, sogar bei absoluten Nebencharakteren. So lässt er etwa Fitz‘ Anwalt absolut snobbish klingen. Auch das Lesetempo ist absolut angenehm. Für den Sprecher gehen ebenso alle Daumen hoch wie für das Buch selbst!

 

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(c) Droemer-Knaur

Deutschland, spätes 21. Jahrhundert. Nachdem in den 10er Jahren ein Virus dafür gesorgt hat, dass Frauen und Männer sich als Feinde sehen und darauf jahrzehntelang Krieg und Zerstörung herrschten, besteht zwischen den Geschlechtern ein wackliger Frieden. Manner sind für die Frauen „Teufel“ sie leben in den Ruinen der Städte, Frauen für die Männer „Hexen“, sie leben auf dem Land und bewirtschaften es. Kinder gibt es nur noch ganz wenige, die bei der sogenannten „Landernte“ entstehen, dabei begibt sich eine Gruppe von Männern in ein Frauendorf, fordert Ernteerträge an und empfängnisbereite Frauen bieten sich widerwillig zum Zeugen von Kindern an. Männliche Kinder werden an die Männer übergeben. Doch der „Großinquisitor“ der Männer will wieder Krieg anzetteln und lässt seine Männer die Frauendörfer brutal überfallen. In die Machenschaften verwickelt werden die junge Kriegerin Juna und der Mönch David.

Ich wollte schon lange mal ein Buch von Thomas Thiemeyer lesen, und da ich Dystopien mag, habe ich mich für dieses Buch entschieden. Ich muss jedoch leider sagen, dass es mich enttäuscht hat. Das World Building ist durchaus ansprechend – ich fand es besonders reizvoll, dass das mal eine in Deutschland angesiedelte Dystopie ist, die in der Umgebung von Köln spielt, – könnte jedoch ausgereifter sein. Die Charaktere habe ich als ziemlich oberflächlich empfunden, ich konnte weder mit Juna noch mit David wirklich etwas anfangen und auch die unvermeidliche Liebesgeschichte hat mich überhaupt nicht angesprochen. Die Idee hinter der Geschichte ist sicher interessant, doch der Plot leider viel zu eingängig und vorhersehbar, teilweise auch schlicht unglaubwürdig. Ich will das Buch jetzt nicht gänzlich schlecht machen, man kann es gut lesen und ich werde wohl auch die Fortsetzung lesen, um zu sehen, wie es mit der Welt weitergeht. Die Charaktere interessieren mich nicht wirklich, sie sind, wie schon gesagt, einfach zu flach.

Auch sprachlich ist das Buch nicht mein Ding, die Sprache ist doch ein bisschen zu einfach, aber da es ein Jugendbuch ist, lasse ich das als abwertendes Kriterium mal aus. Deshalb gut gemeinte drei Sterne von mir. Ich hoffe, Thiemeyers Bücher aus anderen Genres sind überzeugender.

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(c) Bastei Lübbe

Wie auch in „Die Indoeuropäer“  erzählt Reinhard Schmoeckel uns  in diesem Buch von der europäischen Frühgeschichte, indem er an den Anfang jeden Kapitels eine fiktive Episode setzt, gefolgt von dem jeweiligen Bericht über unseren Kenntnisstand. Hierdurch wird Geschichte besonders anschaulich und spannend. Es geht um die Entstehung von Deutschland im ersten Jahrtausend nach Christus. Die Texte sind ganz besonders gut recherchiert und bieten so manche Theorie, die die meisten, auch mich, in Staunen versetzen wird. Beispiele: Litt Siegfried an Ichthyosis und war das die Erklärung für seine „Panzerhaut“? oder „War der vermeintliche Attila der Hunne aus dem Nibelungenlied nicht viel mehr Attala, der Häuptling des germanischen Volkes der Hunen (sehr plausibel!)? Da ich ja aus dem Bereich der Sprach- und Übersetzungswissenschaft komme, fand ich die Beispiele für frühe germanische Sprachen besonders spannend, so konnte ich ein Beispiel für die altsächsische Sprache deutlich besser verstehen als ich in der Regel Alt- oder Mittelhochdeutsch verstehe, da es dem Englischen erstaunlich nahe war. So fand sich darin etwa „forsaco“, ein Wort, das in unserer hochdeutschen Sprache nicht mehr vorhanden ist, aber jeder, der der englischen Sprache mächtig ist, erkennt dahinter das heutige englische Wort „forsake“.Das Einzige, das mir an diesem Buch Probleme bereitet hat, ist die schiere Informationsfülle auf den 900 Seiten, die wohl auch schuld daran war, das ich so lange für dieses Buch gebraucht habe. Man kann einfach nach 50 Seiten nicht mehr viel mehr aufnehmen. Doch gleichzeitig zeigt dies, wie umfassend dieses Buch informiert. Ich kenne persönlich kein Buch, das unterhaltsamer und aufschlussreicher von der Entstehung unseres Landes berichtet. Daher gebe ich diesem Punkt die vollen 5 Sterne, die es verdient.

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