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Posts Tagged ‘dystopie’

(c) btb

Übersetzung aus dem Norwegischen: Ursel Allenstein

England, 1852: William hat zu Gunsten seiner großen Familie auf eine große Karriere als Biologe verzichtet und verkauft stattdessen Saatgut. Als sein Mentor ihm sein eigenes Versagen vorführt, verfällt er in Lethargie. Bis er eine Idee hat, die ihn wieder aus dem Bett holt: ein neuartiger Bienenstock.

Ohio, USA, 2007: Georges Familie betätigt sich seit Generationen hauptberuflich als Imker und diese Tradition soll nach seinem Willen fortgeführt werden. Doch sein Sohn Tom scheint andere Interessen verfolgen zu wollen. Derweilen erreichen den Bienenfarmer immer mehr Gerüchte von der seltsamen Erscheinung „Colony Collapse Disorder“: Farmer weiter südlich in den USA finden ihre Bienenstöcke plötzlich fast leer vor – frei sowohl von lebenden als auch von toten Bienen.

Sichuan, China, 2098:

Tao ist eine von unzähligen Bestäuberinnen, die in mühevoller Handarbeit die Arbeit der ausgestorbenen Bienen verrichten. Dennoch reicht die Ernte jährlich kaum zum Überleben. In anderen Regionen wie Europa ist die Lage noch schlimmer. Tao hat mit ihren Mann einen dreijährigen Sohn und erhofft sich für ihn eine weiterführende Ausbildung, damit er nicht wie die anderen Kinder mit acht Jahren mit der Arbeit als Bestäuber beginnen muss. Doch dann stößt der Familie ein Unglück zu, das ihr Leben über den Haufen wirft.

Maja Lundes Roman erzählt jeweils einen entscheidenden Abschnitt im Leben dieser drei Familien, deren Leben sich mehr oder weniger um Bienen dreht – oder eben um deren Fehlen. Lunde wechselt dabei in mit dem Namen des jeweiligen Protagonisten betitelten Kapiteln zwischen den drei Schauplätzen bzw. Zeitstellungen. Der Sprachstil ist recht einfach, was in Kombination mit den kurz gehaltenen Kapiteln für hohe Spannung und ein hohes Lesetempo sorgt.

In einigen Rezensionen wurde geäußert, dass Maja Lunde sich stärker auf die Geschichte der Familien konzentriere als erwartet. Das habe ich nicht so empfunden, ich behaupte, die Bienen sind vielmehr der eigentliche Protagonist des Romans, auch wenn es scheinbar nur indirekt um sie geht. Ich konnte keine Seite des dystopischen Zukunftsszenarios ohne Bienen, das für mich den stärksten der Handlungsstränge darstellt, lesen, ohne daran denken zu müssen, wie wahrscheinlich es ist, dass der Kollaps der Bienenpopulationen tatsächlich eintritt. Und darin liegt auch die eigentliche Motivation, die ich hinter diesem Buch sehe: uns wachzurütteln und vor Augen zu führen, wie es der Welt ergehen kann, wenn wir es nicht schaffen, das Insektensterben aufzuhalten, und die Bienenhaltung in der traditionellen Form infrage zu stellen. Jeder hat wohl schon einmal etwas vom Bienensterben gehört, aber wie viele (außer Imkern und anderen Experten) haben sich deshalb ernsthafte Gedanken gemacht oder sogar etwas dagegen getan? Auch ich war mir des Problems bewusst, wir hatten sogar einen Fall von Colony Collapse Disorder (CCD) in der Familie, die Stieftochter meiner Schwester ist Gärtnerin und hatte im Garten meiner Schwester einen Stock aufgestellt. Eines Tages war er leer. Richtig aufgerüttelt hat mich erst dieses schöne Buch, dem ich möglichst viele Leser wünsche. Ich weiß nicht, ob wir das Bienensterben noch aufhalten können. Ich für meinen Teil habe vor, zum nächsten geeigneten Zeitpunkt bei Wildbiene + Partner ein Beehome zu bestellen und einen kleinen Beitrag zur Verbreitung der Mauerbiene zu leisten.

Ich bedanke mich beim Random House-Bloggerportal für die Bereitstellung des Rezensionsexemplars.

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(c) Penguin

Deutscher Titel: Die Gabe, erscheint am 12.03.2018 im Heyne-Verlag

Großbritannien, Jetztzeit. Teenager Roxy ist die Tochter eines Gangsterbosses. Als eine verfeindete Bande ihre Mutter überfällt, verpasst sie einem der Angreifer einen Elektroschock – einfach so, mit der Hand. Sie ist eine der ersten, die diese Fähigkeit aufweist, denn Roxy hat eine „Skein“, ein neues Organ, ein Strang entlang des Schlüsselbeins, der Elektrizität produziert.

Die Vorfälle mit jungen Frauen, die Elektroschocks verabreichen können, nehmen zu, und bald stellen auch viele ältere Frauen fest, dass sie die Fähigkeit haben. Die meisten Männer reagieren alarmiert, denn bald deutet sich an, dass diese neue Fähigkeit und die sich aus ihr ergebende Überlegenheit der Frauen die immer noch stark durch das Patriarchat geprägte Gesellschaft revolutionieren könnte.

Dystopien sind mein Ding, mit einer gut ausgearbeiteten, düsteren Zukunftsvision kommt bei mir schnell Gänsehautfeeling auf. Naomi Aldermans preisgekrönter Roman (er wurde kürzlich völlig zu Recht mit dem Bailey’s Women’s Prize for Fiction ausgezeichnet wurde) schafft dies von der ersten Seite an. Denn Alderman leitet ihr Buch mit einem Geniegriff ein, der bereits andeutet, dass hier aus einer fernen Zukunft heraus rückblickend berichtet wird. Ergänzt wird der Text durch Abbildungen „archäologischer“ Artefakte sowie fiktive Einträge aus Internetforen und Akten.

Der Gänsehautfaktor ist jedoch bei Weitem nicht der einzige Faktor, der dieses Buch zu einem großartigen macht, schließlich ist die Genderdiskussion in aller Munde, es gibt viele Bemühungen, alte Gendernormen aufzubrechen und Chancengleichheit herzustellen, gleichzeitig gibt es Gegenbewegungen, die die Differenzierung der Geschlechter aufrecht erhalten wollen. Es gibt in der feministischen Bewegung auch Behauptungen, die Fragen aufwerfen, etwa, ob eine von Frauen beherrschte Welt wirklich friedlicher und gerechter wäre. Alderman greift diese Frage auf und gibt eine höchstinteressante Antwort.

Naomi Aldermans Geschichte ist großartig konstruiert und liest sich als echter Pageturner. Das Buch hat das Potenzial, mein Buch des Jahres zu werden, ähnlich wie Yaa Gyasis „Homegoing“ ist es wie für mich geschaffen. Aldermans Aussage ist eindeutig: Nur ein Gleichgewicht zwischen den Geschlechtern kann eine wünschenswerte, friedliche Weltordnung schaffen. Sobald ein Geschlecht dominiert, kommt es zu Aggression und Unterdrückung. Offen bleibt die Frage, ob die Menschheit überhaupt in der Lage ist, eine solche Weltordnung herzustellen. Die Tendenz ist eher pessimistisch.

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(c) Ullstein

(c) Ullstein

Ein Paar fährt gemeinsam mit der Cousine der Frau in ein Jagdhaus in den Bergen. Das Paar möchte am Anreisetag noch ins Dorf und lässt die Cousine, unsere namenlose Protagonistin, allein mit dem Jagdhund Luchs zurück. Seltsamerweise kehrt das Paar abends nicht zurück. Am nächsten Morgen macht sich die Protagonistin auf den Weg ins Dorf, um zu erfahren, was passiert ist. Da stößt sie plötzlich gegen eine unsichtbare Barriere. Die Frau ist verwirrt, was ist denn das? Die wenigen Menschen, die sie auf der anderen Seite der unsichtbaren Wand erkennen kann, sind völlig bewegungslos, mitten in der Bewegung erstarrt. Die Wand scheint den Berg weitläufig abzusperren. Die Frau muss sich nun darauf einstellen, allein mit dem Hund zurechtzukommen.

Die Prämisse ist faszinierend. Woher kommt diese Wand, was ist passiert, sind die Menschen auf der anderen Seite wirklich tot? Handelt es sich um ein regionales Phänomen oder gibt es überhaupt noch Leben außerhalb der Wand? Und auf der Seite der Protagonistin? Die meisten dieser Fragen werden für die Leserin ebenso im Dunkeln bleiben wie für die Protagonistin.

Diese rechnet zunächst zwar noch mit Rettung, akzeptiert jedoch erstaunlich schnell, dass sie vorerst isoliert ist. Schnell beginnt sie, sich im Jagdhaus einzurichten. Mit Bewunderung verfolgt die Leserin, wie gut sie klarkommt – es sind zwar noch viele Vorräte im Haus vorhanden, doch die sind endlich. Ein Kartoffelacker und ein Bohnenfeld werden angelegt – und die Protagonistin geht gezwungenermaßen auf die Jagd. Sie tötet die Tiere nicht gern, akzeptiert jedoch, dass ihr keine andere Wahl bleibt. Sie muss ja außerdem den Hund versorgen. Bald gesellen sich noch eine Katze und eine Kuh zu der Protagonistin, die ebenfalls auf ihrer Seite der Wand gestrandet sind. Zu den Tieren entwickelt sie eine enge emotionale Bindung, gerade zwischen ihr und Luchs entsteht eine ursprünglich wirkende Symbiose, beide sind voneinander abhängig. Man gewinnt den Eindruck, dass die Protagonistin gar nicht so unglücklich mit der Situation ist. Auch an ihren Gedankengängen ist zu erkennen, dass das naturverbundene Leben ihr viel echter erscheint, die schnelllebige Zivilisation wird immer unwirklicher für sie und bald akzeptiert sie auch, dass sie nicht mehr existiert. Sie denkt zwar manchmal an ihre Töchter, scheint jedoch nicht wirklich andere Menschen zu brauchen, die Tiere genügen ihr. Ich fühlte mich der Protagonistin bei der Lektüre sehr nahe. Ich will nicht andeuten, dass auch ich gut auf andere Menschen verzichten könnte, doch als Introvertierte, die sich oft wünscht, nur den Kater um sich herum zu haben, und Abende allein mit einem Buch unendlich genießt, kann ich ihre Haltung zumindest nachvollziehen. Gerade ihre Liebe zu den Tieren ist für mich absolut verständlich.

Keinesfalls sollte jedoch der Eindruck entstehen, dass das einfache Leben ohne die Errungenschaften der Zivilisation hier verklärt oder gar glorifiziert wird. Es passieren immer wieder schlimme Dinge, gegen die die Protagonistin gar nichts ausrichten kann, etwa der Tod einiger Nachkommen der Katze oder Krankheiten, die sie niederwerfen und die sie nur mit Not übersteht. Es wird ganz deutlich, dass ein solches Leben zeitlich begrenzt ist.

Auch eine feministische Lesart ist möglich und hinter der Wand wird das Geschlecht der Überlebenden irrelevant:

„Mein Körper, gescheiter als ich, hatte sich angepaßt und die Beschwerden meiner Weiblichkeit auf ein Mindestmaß eingeschränkt. Ich konnte ruhig vergessen, daß ich eine Frau war. Manchmal war ich ein Kind, das Erdbeeren suchte, dann wieder ein junger Mann, der Holz zersägte, …, ein sehr altes, geschlechtsloses Wesen.“ (Seite 82)

Marlen Haushofer hat mit ihrem bekanntesten Roman eine reizvolle Dystopie erschaffen, die viel Interpretationsspielraum lässt und die Leserin nachdenklich zurücklässt. Ein Werk, das lange nachhallt.

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(c) argon hörbuch

(c) argon hörbuch

Sprecher: Stefan Kaminski

Dauer: 5h 44 min, ungekürzt

Der Arzt Garin strandet auf dem Weg in das Dorf Dolgoje in einer Kutschenstation, denn dort gibt es angesichts des wütenden Schneesturms keine Pferde zum Wechseln. Garin reagiert wütend, wird er doch dringend in Dolgoje erwartet, wo eine seltsame „Pest“ ausgebrochen ist und der Impfstoff, den er mit sich führt, dringend benötigt wird. In seiner Not wendet er sich an den Brotkutscher Kosma, genannt „der Krächz“. Dieser willigt ein, ihn mit seinem von 50 Kleinpferden gezogenes Schneemobil in das Dorf zu bringen.

Während der ersten Lese- bzw. Hörminuten wähnt sich der Leser bzw. Hörer in einer Szenerie aus dem Russland des 19. Jahrhunderts. Spätestens, als von winzigen Pferden die Rede ist, die ein Schneemobil ziehen, und von weiteren seltsamen Kreaturen und Technologien, wird jedoch klar: Wir befinden uns in einer Dystopie. Welchen Zeitraum wir uns vorzustellen haben und wie es zu dem offensichtlichen Rückschritt der Menschheit kam, wird nicht erklärt, doch der Autor wartet im Verlauf des Buchs immer wieder mit wirklich originellen Ideen für die Entwicklung alternativer Technologien auf, die für mich angesichts der erzeugten Atmosphäre gleichzeitig den größten Unterhaltungswert und die größte Stärke des Romans darstellen. Das Buch liest bzw. hört sich kurzweilig, die Sprache ist gehoben, sehr angenehm. Spannung wird durch die ganze Situation erzeugt: Wird es dem Doktor und dem Krächz gelingen, nach Dolgoje zu gelangen? Welchen Seltsamheiten werden die unterwegs noch begegnen? Und was ist das für eine geheimnisvolle Krankheit, die etwas Merkwürdiges mit den Menschen zu machen scheint?

Die Hauptprotagonisten sind sehr unterschiedliche Typen, der Doktor pflichtbewusst, aber leicht auffahrend, Kosma aka Krächz bemüht, bescheiden und vor allem auf das Wohlergehen seiner Pferdchen bedacht, was ihn zu der sympathischeren der beiden Figuren macht. Wir erfahren über beide verschiedene Einzelheiten aus ihrer Vergangenheit, ohne dabei über ihren gesamten Lebensweg informiert zu werden.

Das Ende empfand ich als etwas unbefriedigend, ich hätte gerne noch mehr erfahren, mehr Auflösungen für Aspekte der Geschichte erhalten, es ist jedoch absolut stimmig.

Ich habe russische Literatur bisher sträflich vernachlässigt in meinem Leseleben, dieses originelle Buch mit seiner schönen Sprache hat mir sehr viel Lust auf mehr gemacht.

Ich brauche kaum zu erwähnen, dass Stefan Kaminski seinen Job großartig macht, er ist der talentierteste Hörbuchsprecher, den ich kenne.

 

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(c) Droemer-Knaur

Deutschland, spätes 21. Jahrhundert. Nachdem in den 10er Jahren ein Virus dafür gesorgt hat, dass Frauen und Männer sich als Feinde sehen und darauf jahrzehntelang Krieg und Zerstörung herrschten, besteht zwischen den Geschlechtern ein wackliger Frieden. Manner sind für die Frauen „Teufel“ sie leben in den Ruinen der Städte, Frauen für die Männer „Hexen“, sie leben auf dem Land und bewirtschaften es. Kinder gibt es nur noch ganz wenige, die bei der sogenannten „Landernte“ entstehen, dabei begibt sich eine Gruppe von Männern in ein Frauendorf, fordert Ernteerträge an und empfängnisbereite Frauen bieten sich widerwillig zum Zeugen von Kindern an. Männliche Kinder werden an die Männer übergeben. Doch der „Großinquisitor“ der Männer will wieder Krieg anzetteln und lässt seine Männer die Frauendörfer brutal überfallen. In die Machenschaften verwickelt werden die junge Kriegerin Juna und der Mönch David.

Ich wollte schon lange mal ein Buch von Thomas Thiemeyer lesen, und da ich Dystopien mag, habe ich mich für dieses Buch entschieden. Ich muss jedoch leider sagen, dass es mich enttäuscht hat. Das World Building ist durchaus ansprechend – ich fand es besonders reizvoll, dass das mal eine in Deutschland angesiedelte Dystopie ist, die in der Umgebung von Köln spielt, – könnte jedoch ausgereifter sein. Die Charaktere habe ich als ziemlich oberflächlich empfunden, ich konnte weder mit Juna noch mit David wirklich etwas anfangen und auch die unvermeidliche Liebesgeschichte hat mich überhaupt nicht angesprochen. Die Idee hinter der Geschichte ist sicher interessant, doch der Plot leider viel zu eingängig und vorhersehbar, teilweise auch schlicht unglaubwürdig. Ich will das Buch jetzt nicht gänzlich schlecht machen, man kann es gut lesen und ich werde wohl auch die Fortsetzung lesen, um zu sehen, wie es mit der Welt weitergeht. Die Charaktere interessieren mich nicht wirklich, sie sind, wie schon gesagt, einfach zu flach.

Auch sprachlich ist das Buch nicht mein Ding, die Sprache ist doch ein bisschen zu einfach, aber da es ein Jugendbuch ist, lasse ich das als abwertendes Kriterium mal aus. Deshalb gut gemeinte drei Sterne von mir. Ich hoffe, Thiemeyers Bücher aus anderen Genres sind überzeugender.

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(c) Droemer Knaur

Achtung, Spoiler möglich für diejenigen, die Band 1 nicht gelesen haben!

Matt, Ambre und Tobias haben die Gemeinschaft der Pans auf der Carmichael Insel in Richtung Blinder Wald verlassen. Südlich des Waldes, im Reich der Zyniks, wollen sie mehr über die geheimnisvolle Königin Malronce herausfinden – und sie wollen erfahren, warum diese steckbrieflich nach Matt suchen lässt. In der veränderten Welt lauern natürlich viele noch unbekannte Gefahren. Und der seltsame Torvarderon verfolgt Matt noch immer. Was wird die drei Jugendlichen erwarten?

Band 2 von Maxime Chattams Alterra-Reihe ist ein noch größeres Feuerwerk der Fantasie als Band 1. Der Blinde Wald und vor allem das Große Nest – einfach fantastisch im wahrsten Sinne des Wortes. Thematisiert wird auch das große Dilemma, mit dem sich alle Pans früher oder später auseinandersetzen müssen: Was passiert, wenn sie erwachsen werden? Werden sie dann auch zu Zyniks? Die Beschreibungen der neuen Welt, die sich nach dem großen Sturm entwickelt hat, trägt Steampunk-Elemente (ja, ich weiß, per Definition passt das eigentlich nicht, aber so haben insbesondere die technischen Gerätschaften auf mich gewirkt), was ich in einer Dystopie sehr interessant finde. Das gilt insbesondere für die Städte der Zyniks, Babylon und Henok. Ein bisschen Schwierigkeiten hatte ich damit, dass sich diese nach dem Sturm so schnell in diesem Maße entwickelt haben sollen. Ich empfinde dies als unrealistisch, kann aber darüber hinwegsehen. Stellenweise ist das Buch auch ein bisschen sehr dramatisch, aber damit wird nun mal die Spannung erzeugt. Das Ende ist dann ein klassischer Cliffhanger, der mich sicher bald zu Band 3 greifen lassen wird. Schade, dass ich den nicht mehr in der schönen Hardcoverausgabe bekommen werde, sondern ab Band 3 zu den E-Books greifen muss.

 

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(c) Katherine Tegen Books

Achtung: Spoiler für alle, die Band 2, Insurgent, noch nicht gelesen haben!

Deutscher Titel: Die Bestimmung – Letzte Entscheidung

Ich habe einiges zu diesem Buch zu sagen und will auch gleich vorwarnen, dass ich mich unten, extra gekennzeichnet und abgesetzt, zum Ende äußern werde.

Chicago, in der Zukunft. Nach dem Bürgerkrieg zwischen den Fraktionen haben die Fraktionslosen unter Tobias‘ Mutter Evelyn die Macht übernommen. Das Video, das Tris allen gezeigt hat, und in dem die Einwohner erfahren, dass ihre Stadt und ihre Gesellschaft ein Experiment ist, wird von den Fraktionslosen ignoriert. Ein Übel wurde durch ein anderes ersetzt, Evelyn gibt harsche Befehle und jede Bekundung der Zugehörigkeit zu einer Fraktion wird hart bestraft. Doch einige wollen sich Evelyn wiedersetzen, die Fraktionen wieder einführen und vor allem, dem Wunsch der Frau aus dem Video entsprechen und die Stadt verlassen, um die anderen Menschen zu finden. Sie nennen sich die „Allegiant“. Auch Tris und Tobias möchten zu denen gehören, die die Stadtgrenzen überqueren werden. Und hinter dem Zaun erfahren sie dann die eigentliche Wahrheit…

Ich hatte im Vorfeld mitbekommen, dass viele den dritten Teil der Dystopiereihe stark kritisieren, was mich umso neugieriger gemacht hat, sodass ich das Buch relativ schnell im Anschluss an „Insurgent“ gelesen habe.

Gleich zu Beginn muss der Leser sich an eine neue Perspektive gewöhnen, denn erzählt wird jetzt nicht mehr nur in der Ich-Form aus Tris‘ Perspektive, sondern abwechselnd auch in der Ich-Form aus Tobias‘ Perspektive. Am Anfang der einzelnen Kapitel wird jeweils vermerkt, aus welcher Perspektive das Kapitel erzählt wird. Am Anfang ist dies dennoch etwas verwirrend, aber man gewöhnt sich schnell daran.

Das Glanzstück dieses dritten Teils ist wieder die Entwicklung der Charaktere Tris und Tobias. Diese sind mit viel Tiefgang liebevoll ausgearbeitet und man merkt richtig, das Veronica Roths Herzblut in diesen Charakteren steckt. Tris hat ihre Schuldgefühle überwunden und ihr Bedürfnis, sich selbst unnötig zu opfern, aufgegeben. Sie kommt daher wieder viel positiver, aber nicht weniger engagiert rüber. Die Wahrheit, von der die Allegiant-Mitglieder außerhalb der Stadt erfahren, ist hochinteressant, wird jedoch vom Leser (jedenfalls von mir) nicht gleich im ganzen Ausmaß erfasst, sodass sie sich im Laufe des Buches weiterentwickeln kann. Schnell wird klar, dass dort auch nicht gerade alles im Reinen ist.

Das Ende ist absolut stimmig! Nach der Entwicklung der Charaktere im Buch wäre jedes andere Ende für mich enttäuschend gewesen. Ich bin von diesem dritten Band absolut begeistert und empfinde ihn als äußerst gelungenen Abschluss einer hervorragenden Trilogie. Hut ab vor Veronica Roth!

JETZT KOMMEN SPOILER, SPOILER, SPOILER, SPOILER, SPOILER, SPOILER, SPOILER, SPOILER!!!

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So, das sollte reichen. Sehr viele Leser bewerten „Allegiant“ mit nur einem Stern und äußern sich maßlos enttäuscht, weil Veronica Roth ihre Heldin Tris sterben lässt. Ich bin jedoch – mal ganz abgesehen davon, dass ich das für eine wahnsinnig mutige Entscheidung halte – der Meinung, dass dieses Ende absolut sein musste, um Tris‘ Charakter und ihrer Entwicklung gerecht zu werden. Es zeigt uns, wer ganz genau diese junge Frau ist: eine wahre Heldin. Und, let’s face it, echte Helden überleben selten. Wie viele Widerstandskämpfer im 2. Weltkrieg sind gestorben und wie viele haben überlebt? Das, was Tris zur wahren Heldin macht, ist ihre Bereitschaft, sich selbst für die Menschen, die sie liebt, zu opfern, auch wenn sie von diesen, genauer gesagt von Caleb, zuvor verraten wurde. Tris liebt ihren Bruder, sie vergibt ihm. Im Gegensatz zum zweiten Band ist ihre Opferbereitschaft jedoch nicht aus ihren Schuldgefühlen geboren, sie möchte nicht mehr sterben, weil sie das Gefühl hat, büßen zu müssen, nein, sie will leben und mit Tobias glücklich werden! Doch als es wirklich soweit ist und Caleb in den Tod gehen will, um alles zu retten, lässt Tris ihn nicht. Sie hat nicht vor, zu sterben, sie glaubt, dass sie im Gegensatz zu Caleb eine Chance hat, weil sie das Todesserum überleben kann. Und so kommt es ja dann auch, nur dass sie beim Freisetzen des Erinnerungsserums erschossen wird.

Natürlich habe ich geweint bei Tris‘ Tod, aber das war einfach absolut stimmig! Und so werden die letzten Seiten des Buchs von Tobias erzählt, der auch einen Entwicklungsprozess durchgemacht hat und durch Tris‘ Einfluss und ihren Tod zu dem wird, der er ist. Sehr rührend fand ich die Szene, als Tobias Tris‘ Asche vertreut. Und so schlimm Tris‘ Tod ist, habe ich das Ende als sehr positiv und hoffnungsvoll empfunden, viel positiver als etwa das Ende bei den „Hunger Games“ denn aufgrund von Menschen wie Tobias und Johanna haben die Menschen in Chicago eine Chance, die Vergangenheit und die Diskrimierung der „genetisch Beschädigten“ zu überwinden. Um beim Vergleich mit den Hunger Games zu bleiben, Tris ist auch eine ganz andere Protagonistin, während Katniss instinktiv handelt, agiert Tris sehr überlegt und durchdacht.

Meinen Respekt vor Veronica Roth dafür, dass sie sich und ihrer Geschichte treu geblieben ist, obwohl sie wahrscheinlich wusste, dass es sie einige Fans kosten würde. Ein tolle Autorin!

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