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Posts Tagged ‘einsamkeit’

(c) Orion

Ich habe leider keine Informationen zu einer geplanten deutschen Ausgabe gefunden.

Minnesota in den 80ern. Linda ist 14 und lebt mir ihren Eltern an einem See in den Wäldern in einer Hütte, die einmal das Zentrum einer Art Hippie-Community bildete. Nicht nur ihr abgelegener Wohnort macht sie zur Einzelgängerin, an der Schule wird sie schon mal „Freak“ genannt. Als an der gegenüberliegenden Seite des Sees eine kleine Familie einzieht, freundet Linda sich mit der jungen Mutter Patra an und beginnt, den vierjährigen Sohn Paul babyzusitten.

Schon früh in Emily Fridlunds Debütroman erfährt der Leser, dass irgendetwas in Lindas Beziehung zu der Nachbarsfamilie schief gelaufen sein muss. Eine ganze Zeit lang bleibt unklar, was genau passiert ist und was die Ursache dafür war. Es ist von einem Prozess die Rede. Linda berichtet uns als Ich-Erzählerin von den Ereignissen, die etwa 20 Jahre zurückliegen. Zwischendurch springt sie dabei etliche Male in ihre eigene Gegenwart und erzählt von ihrem aktuellen Leben. Und da setzt  mein erster Kritikpunkt an, die in der Gegenwart angesiedelten Passagen empfand ich als unnötig, uninteressant und störend. Mag sein, dass Fridlund herausstellen wollte, dass Linda auch heute noch eine einsame Wölfin ist, dafür hätte aber meiner Meinung nach weniger Text aufgewendet werden müssen. Die einsame Wölfin, die Anschluss an ein Rudel sucht, das ist Linda und sie trifft mit dieser Motivation Entscheidungen, von denen sie im Grunde schon zum jeweiligen Zeitpunkt wusste, dass sie falsch waren. Entsprechend lautet der Untertitel des Buches: „How far would you go to belong“. Etwa in der Hälfte des Buches erfährt der Leser, was in der Familie nicht stimmt. Ich möchte hier nichts dazu sagen, das wäre meiner Ansicht nach ein Spoiler. Ich hatte etwas anderes vermutet. In jedem Fall ist es ein sehr spannendes Thema, das viel Diskussionspotenzial geboten hätte. Ich war nach Abschluss des Buches enttäuscht, dass dieses Potenzial nicht ausgeschöpft wurde. Ich sehe ein, dass Fridlunds zentrales Thema Lindas Einsamkeit war und nicht das, was mit Paul passiert ist. Dennoch hätte ich mir mehr darüber gewünscht und die Enttäuschung besteht nun mal. Mit Lindas Einsamkeit und ihrer Bereitschaft zu ungewöhnlichem Verhalten beschäftigt sich auch ein untergeordneter Handlungsstrang, der sich um eine Mitschülerin und einen Lehrer Lindas dreht. Der Lehrer entpuppt sich als mutmaßlicher Pädophiler, die Mitschülerin als möglicherweise clevere Nutznießerin. Trotzdem sucht Linda den Kontakt mit beiden.

Sehr gelungen an dem Roman ist die Atmosphäre, die Fridlund schafft, ihre Sprache ist gefällig, sodass ich sicher weitere Bücher von der Autorin lesen würde. Dennoch hinterlässt mich das Buch unbefriedigt, da ich mir mehr Fokus auf das erwähnte Thema gewünscht hätte. Natürlich aber muss man Fridlund die Konzentration auf ihren eigenen Schwerpunkt zugestehen, der ja durchaus interessant ist. Daher tue ich mich ein wenig schwer mit der Bewertung des Buches und ziehe nach vielem Überlegen meine „Abwertung“ von 4 auf 3,5 Sterne zurück.

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(c) Vintage Classics

Deutscher Titel: Elf Arten der Einsamkeit

Wie entsteht Einsamkeit in der Gesellschaft? Welche Folgen hat Einsamkeit und wie kann es sein, dass man sich ständig unter Menschen befindet und doch einsam ist? Mit solchen Fragen beschäftigt sich dieser Kurzgeschichtenband des renommierten amerikanischen Autors. Das Buch enthält wie der Titel es vermuten lässt elf Kurzgeschichten, in denen das Thema Einsamkeit im Mittelpunkt steht, sei es Einsamkeit aufgrund eines geringen sozialen Status, einer unklug geschlossenen Ehe, Krankheit oder mangelnden Selbstbewusstseins.

Wer Richard Yates‘ großartigen Roman „Revolutionary Road“ (Zeiten des Aufruhrs) kennt, wird mit hohen Erwartungen an diese Kurzgeschichten herangehen. Tatsächlich können sie weder stilistisch noch inhaltlich an dieses Meisterwerk heranreichen, doch alle Geschichten haben mir auf ihre Weise gefallen und passten hervorragend in das gesellschaftskritische Gesamtkonzept des Bandes. Am besten gefallen hat mir wohl die zweite Geschichte, „The Best of Everything“, die frappierend deutlich zeigt, wie der gesellschaftliche und moralische Druck in den 50er Jahren des letzten Jahrhunderts dazu führte, dass Ehen zwischen gar nicht zueinander passenden Personen geschlossen wurden. Ich denke, mich hat diese Geschichte besonders angesprochen, da es sich um meine Elterngeneration handelt und ich unharmonische, aber, ebenfalls aufgrund der drohenden gesellschaftlichen Missbilligung, nie geschiedene Ehen aus dem Umfeld meiner Eltern kenne. Im Alter raufen sich solche Paare meistens wieder zusammen, in jüngeren Jahren konnte es aber zu einer wirklichen Einsamkeit in der Ehe führen, zumal die Frau zu dieser Zeit in der Regel eine reine Hausfrau war. In anderen Geschichten geht es beispielsweise um gesellschaftlich benachteiligte Kinder und von ihnen überforderte Lehrerinnen, kleine Angestellte, die aufgrund mangelnden Talents in der schon damals aufkeimenden Leistungsgesellschaft zum Scheitern verurteilt sind, oder äußerst fähige, sozial jedoch ungeschickte Offiziere der Armee.

Ein nicht großartiger, aber interessanter und stimmiger, gesellschaftskritischer Kurzgeschichtenband aus den USA der Fifties.

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