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(c) Penguin

Deutscher Titel: Die Gabe, erscheint am 12.03.2018 im Heyne-Verlag

Großbritannien, Jetztzeit. Teenager Roxy ist die Tochter eines Gangsterbosses. Als eine verfeindete Bande ihre Mutter überfällt, verpasst sie einem der Angreifer einen Elektroschock – einfach so, mit der Hand. Sie ist eine der ersten, die diese Fähigkeit aufweist, denn Roxy hat eine „Skein“, ein neues Organ, ein Strang entlang des Schlüsselbeins, der Elektrizität produziert.

Die Vorfälle mit jungen Frauen, die Elektroschocks verabreichen können, nehmen zu, und bald stellen auch viele ältere Frauen fest, dass sie die Fähigkeit haben. Die meisten Männer reagieren alarmiert, denn bald deutet sich an, dass diese neue Fähigkeit und die sich aus ihr ergebende Überlegenheit der Frauen die immer noch stark durch das Patriarchat geprägte Gesellschaft revolutionieren könnte.

Dystopien sind mein Ding, mit einer gut ausgearbeiteten, düsteren Zukunftsvision kommt bei mir schnell Gänsehautfeeling auf. Naomi Aldermans preisgekrönter Roman (er wurde kürzlich völlig zu Recht mit dem Bailey’s Women’s Prize for Fiction ausgezeichnet wurde) schafft dies von der ersten Seite an. Denn Alderman leitet ihr Buch mit einem Geniegriff ein, der bereits andeutet, dass hier aus einer fernen Zukunft heraus rückblickend berichtet wird. Ergänzt wird der Text durch Abbildungen „archäologischer“ Artefakte sowie fiktive Einträge aus Internetforen und Akten.

Der Gänsehautfaktor ist jedoch bei Weitem nicht der einzige Faktor, der dieses Buch zu einem großartigen macht, schließlich ist die Genderdiskussion in aller Munde, es gibt viele Bemühungen, alte Gendernormen aufzubrechen und Chancengleichheit herzustellen, gleichzeitig gibt es Gegenbewegungen, die die Differenzierung der Geschlechter aufrecht erhalten wollen. Es gibt in der feministischen Bewegung auch Behauptungen, die Fragen aufwerfen, etwa, ob eine von Frauen beherrschte Welt wirklich friedlicher und gerechter wäre. Alderman greift diese Frage auf und gibt eine höchstinteressante Antwort.

Naomi Aldermans Geschichte ist großartig konstruiert und liest sich als echter Pageturner. Das Buch hat das Potenzial, mein Buch des Jahres zu werden, ähnlich wie Yaa Gyasis „Homegoing“ ist es wie für mich geschaffen. Aldermans Aussage ist eindeutig: Nur ein Gleichgewicht zwischen den Geschlechtern kann eine wünschenswerte, friedliche Weltordnung schaffen. Sobald ein Geschlecht dominiert, kommt es zu Aggression und Unterdrückung. Offen bleibt die Frage, ob die Menschheit überhaupt in der Lage ist, eine solche Weltordnung herzustellen. Die Tendenz ist eher pessimistisch.

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isbn9781472212771-detail

(c) Tinder Press

Deutscher Titel: Die Erfindung der Flügel

Charleston im frühen 19. Jahrhundert. Die junge Sarah Grimké erhält zu ihrem 12. Geburtstag ihre eigene Sklavin geschenkt: die elfjährige Hettie, genannt „Handful“. Doch Sarah ist sich  schon als Kind sicher, dass sie Sklaverei für falsch hält, und versucht vergebens, das Geschenk abzulehnen oder Handful freizulassen. Handfuls Mutter, die aufrührerische Charlotte, nimmt Sarah das Versprechen ab, irgendwann dafür zu sorgen, dass Handful freikommt. Wird Sarah dieses Versprechen halten können?

Anders als in ihrem ersten Roman „The Secret Life of Bees“ (Die Bienenhüterin) sind die Protagonistinnen des zweiten Romans von Sue Monk Kidd teilweise historisch, in erster Linie Sarah Grimké und ihre Familie. Beim Lesen wusste ich das noch nicht, aber es gefällt mir sehr, wie Sue Monk Kidd den historischen Figuren fiktive Charaktere zur Seite gestellt hat, nämlich die Sklaven, von denen nur die Namen bekannt sind. Die Geschichte wird durchgängig in der ersten Person erzählt, jedoch abwechselnd von Sarah und Handful. Verwirrend ist das in diesem Fall nicht, denn allein schon durch die Sprache ist ersichtlich, wer gerade erzählt. (Wäre interessant, zu sehen, wie das in der Übersetzung umgesetzt wurde.) Diese Erzählweise schafft nicht nur eine besondere Nähe zu den Charakteren sondern bewirkt auch, dass der Leser die Ereignisse sowohl die Sicht der Weißen als auch der Sklaven kennenlernt. Dies ist insbesondere bei den grausamen Bestrafungen der Sklaven wichtig, wenn auch teilweise schwer zu ertragen. Wir werden Zeuge, wie Handful sich zu einer selbstbewussten Persönlichkeit entwickelt, die sich nach außen hin zwar zu fügen scheint, sich jedoch innerlich nicht mit ihrem Sklaventum abfindet. Sarah hingegen macht eine schier unglaubliche Entwicklung durch, die für das stotternde, von der Familie unterbutterte Mädchen besonders bemerkenswert ist.

Dieses Buch hat mich wirklich überzeugt, es bietet höchst interessante, tiefe Charaktere in Kombination mit einer spannenden, erstaunlichen und teilweise historischen Geschichte um Abolutionismus und Emanzipitation.

Alle Daumen hoch!

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(c) Random House Audio

Deutscher Titel: Lady Africa

Sprecherin: Katharine McEwan

Dauer: 12 h 16 min

Kenia zu Beginn des 20. Jahrhunderts. Beryl Clutterbuck ist vier Jahre alt, als sie mit ihren Eltern England verlässt und nach Kenia auswandert. Ihre Mutter hält es auf der noch rudimentären Farm nicht lange aus und verlässt Kenia mit Beryls jüngerem Bruder. Beryl bleibt bei ihrem Vater zurück. Das junge Mädchen wächst in der freien Natur Afrika auf und ihr bester Freund ist ein Junge eines in der Nähe lebenden Jägerstammes. Als Erwachsene wird sie Zeit ihres Lebens mit den Konventionen der Zeit zu kämpfen haben. Denn eines geht für sie über alles: ihre Unabhängigkeit.

Viele von euch kennen das Setting sicherlich aus dem Leinwandepos „Jenseits von Afrika“. Und der Vergleich ist berechtigt, denn Denys Finch-Hatton, der Lebensgefährte von Karen aka Tanja Blixen, spielt auch in Beryls Leben eine große Rolle. Auch mit Karen selbst ist Beryl befreundet. Paula McLain hat es geschafft, die Atmosphäre und den Geist des kolonialen Afrika in meinem Kopfkino wiederzugeben. Ich habe dieses Buch von der ersten Minute an geliebt und jede weitere Minute genossen. Versteht mich nicht falsch, natürlich war die Kolonialzeit ein einziges großes Verbrechen, aber diesem kolonialen „Afrika-Feeling“ kann man sich nur schwer entziehen, zumal die historische Protagonistin keine Berührungsängste mit den Einheimischen und der Natur hat. Paula McLains poetisch-gradlinige Sprache passt ganz wunderbar zu der Stimmung des Buchs, ebenso wie die junge Stimme der Sprecherin Katharine McEwan.

Beryl Markham war eine ganz bemerkenswerte Frau, deren Leben sich wie kaum ein anderes zur Umsetzung als Roman eignet. Zugegebenermaßen wird das Buch auch durch die Auftritte der mir bereits bekannten Karen Blixen und Denys Finch-Hatton und einiger weiterer illustrer Persönlichkeiten der Geschichte umso interessanter. Ich kann es nach diesem Buch kaum erwarten, Markhams Autobiografie, „West with the Night“, und endlich auch einmal „Out of Africa“ von Karen Blixen zu lesen!

Sich selbst treu zu bleiben, das ist die Quintessenz dieser wunderbaren Darstellung von Markhams Leben.

Alle Daumen hoch!

Zum Hörbuch: Ich habe oben schon erwähnt, das Katharine McEwan wunderbar als Sprecherin passt, denn Beryl ist über einen Großteil des Romans, der mit Beryls Atlantiküberquerung endet, sehr jung. Außerdem beherrscht sie mühelos die verschiedenen Dialekte und Akzente der auftretenden Personen.

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