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Posts Tagged ‘frankfurter buchmesse’

Vorbemerkung: Die Bilder sind mit Ausnahme der Cover meine eigenen. Durch Klicken auf die Buchcover gelangt ihr zur jeweiligen Verlagsseite.

Ich hatte es schon geahnt – der Samstag würde alles toppen, was ich bisher an Gedränge auf der Buchmesse erlebt hatte. Spottet jeder Beschreibung. Die Rolltreppen mussten zeitweise geschlossen werden. Nun denn, ich bin ja inzwischen messeerprobt und weiß, wie man sich durchkämpft 😉

Ich wollte mir unbedingt etwas ansehen, was ich in den letzten Jahren irgendwie nie geschafft hatte – die Antiquariatsmesse. Dort war es auch viel weniger voll. Bevor man diesen Abzweiger in Halle 4.1 betritt, wird man darauf hingewiesen, dass beim Verlassen die Tasche durchgeschaut wird. Warum das nötig war, sollte ich gleich verstehen. Das teuerste Exponat, das ich gefunden habe, sollte schlappe 25.000 Euro kosten. Och jo. Ich weiß leider nicht mehr, was das war, aber es war aus dem Mittelalter.

Hier ein paar Eindrücke:

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Todesmutig wagte ich mich dann schließlich dann doch in Halle 3.0, wo ich mich bis zum Spiegel-Stand durchkämpfte. In 20 Minuten sollte dort Mario Adorf interviewt werden. Ich arbeitete mich langsam vor und schaffte es, nach Ende des davorigen Interviews einen Sitzplatz in der zweiten Reihe zu ergattern. Der Herr Adorf ist halt sehr beliebt 😉 Natürlich hat auch er ein Buch geschrieben, sonst wäre er ja nicht auf der Messe. Der Titel ist auch hier Programm: „Schauen Sie mal böse – Geschichten aus meinem Schauspielerleben“. Im Interview erzählte Adorf unter anderem von seinen Gesangseinlagen im Luftschutzkeller im Krieg (da musste ich ein wenig an die Bücherdiebin denken). Ich brauche kaum zu sagen, dass Mario Adorf sehr viel Spannendes zu erzählen hat. Angesichts meiner ausufernden Wunschliste, weiß ich noch nicht, ob ich es daraufstelle, interessant ist es aber bestimmt.

Mario Adorf im Gespräch mit Susanne Bayer (stellvertr. Chefredakteurin Spiegel)

Mario Adorf im Gespräch mit Susanne Bayer (stellvertr. Chefredakteurin Spiegel)

Mario Adorf

Mario Adorf

(c) Kiepenheuer & Witsch

 

Nach Ende des Interviews blieb ich grad sitzen, denn in 20 Minuten stand das nächste Interview beim Spiegel an, und zwar mit Feridun Zaimoglu, dem Autor von „Siebentürmeviertel“, das auf der Longlist für den deutschen Buchpreis stand. Ich hatte schon erwähnt, dass ich das Interview mit ihm bei 3sat am Donnerstag nicht ganz mitbekommen hatte. Interessanterweise ist der Protagonist von Zaimoglus Roman ein deutscher Junge, der mit seinem Vater vor den Nazis nach Istanbul flüchtet. (Tatsächlich sind mehrere hundert Verfolgte damals von Deutschland in die Türkei geflohen, siehe diesen Wikipedia-Artikel.) Eine Emigration also, die das Gegenstück zur Emigration der Eltern des Autors nach Deutschland darstellt. Er meinte im Interview, sein Vater könne „sein“ Viertel, das Siebentürmeviertel eben, in seinen Beschreibungen wiedererkennen. Das Buch erzählt grob zusammengefasst, wie der Protagonist in dem „Multikulti“-Viertel nach vielen Widrigkeiten seine neue Heimat findet. Ich freue mich schon darauf, es zu lesen, zumal KiWi da mal wieder ein auch optisch wunderhübsches Buch zustande gebracht hat.

Feridun Zaimoglu im Interview

Feridun Zaimoglu (rechts) im Interview

 

(c) Kiepenheuer & Witsch

 

Ich ging nun eine Kleinigkeit essen und dann zum Lesezelt, wo ich meinen letzten geplanten Termin für dieses Jahr hatte. Dort sollte die Chefredakteurin der „Brigitte“, die passenderweise Brigitte Huber heißt, Jenny Erpenbeck interviewen. Ihren Namen kennt ihr ja ganz bestimmt, denn ihr Roman „Gehen, ging, gegangen“ wurde (auch von mir) als Favorit für den Deutschen Buchpreis gehandelt. Natürlich aufgrund seines Themas, in ihrem Roman lässt Jenny Erpenbeck nämlich einen emeritierten Professor auf afrikanische Flüchtlinge in Berlin treffen. Erpenbeck hat für diesen Roman selbst viele Gespräche mit Flüchtlingen geführt, aus manchen ergaben sich Freundschaften, die bis heute bestehen. Ein topaktuelles Buch also, das sicher einen wichtigen Teil zur Debatte beitragen kann.

Jenny Erpenbeck im Gespräch mit Brigitte Huber

Jenny Erpenbeck im Gespräch mit Brigitte Huber

(c) Knaus

Mittlerweile war es 15:30 und da ich schon eine Verspätungsmeldung von der Bahn für meinen Zug bekommen hatte, beschloss ich, einen Zug früher zu fahren, was dann auch geraaade so geklappt hat. Das waren also meine Abenteuer auf der diesjährigen Frankfurter Buchmesse. Ich hoffe, die Artikel waren nicht zu lang und haben euch etwas gefallen. Ich hoffe sehr, dass ich auch nächstes Jahr wieder an der Buchmesse teilnehmen kann!

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Vorbemerkung: Die Bilder sind mit Ausnahme der Cover meine eigenen. Durch Klicken auf die Buchcover gelangt ihr zur jeweiligen Verlagsseite.

Ich kann vorwegnehmen, dass der Freitag mein Highlight-Tag der Buchmesse war 🙂

Zuerst schaute ich mir ein wenig Halle 3.1 an, begab mich aber schon mal in die Nähe des Droemer-Knaur-Standes, wo um 11 Uhr Tanja Kinkel im Gespräch mit Margarete von Schwarzkopf ihr neues Buch „Schlaf der Vernunft“ vorstellen sollte.

„Schlaf der Vernunft“ ist der zweite Gegenwartsroman der Autorin und beschäftigt sich mit der Frage, wie eine junge Frau durch die RAF radikalisiert und zur Mörderin werden konnte und wie ihre Tochter damit umgehen kann. Tanja Kinkel wurde in ihrer Kindheit mit dem Thema RAF konfrontiert, denn ein Freund ihres Vaters war Staatssekretär des Justizministeriums und konnte ohne Personenschutz nicht einmal ihre Familie besuchen. Sie erzählte einiges über ihre Recherchen und die Hintergründe, die Funktion des historischen Romans, die Aufarbeitung der Geschichte und konnte mir das Buch so richtig schmackhaft machen. Terrorismus ist ja leider in unserer Gegenwart wieder ein wichtiges Thema.

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Tanja Kinkel im Gespräch mit Margarete von Schwarzkopf

Zu meiner Freude konnte ich das Buch dann auch gleich kaufen, obwohl es erst am 2. November erscheint. Natürlich habe ich es auch signieren lassen 🙂

Tanja Kinkel

Tanja Kinkel

(c) Droemer

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Im Anschluss ging es zum Stand des Spiegel, wo Klaus von Dohnanyi über das Buch „Mir hat Gott keinen Panzer ums Herz gegeben“: Briefe aus Militärgefängnis und Gestapohaft 1943-1945″ berichten sollte. Die Texte stammen von Dohnanyis Vater Hans von Dohnanyi, der als Widerstandskämpfer im KZ Sachsenhausen ermordet wurde. Klaus von Dohnanyi erklärte unter anderem, warum er so lange mit der Veröffentlichung dieser Briefe gewartet habe. Sein Vater sei nämlich in diesen Briefen gar nicht so sehr in seiner Eigenschaft als Widerstandskämpfer zu erkennen. Das liegt natürlich daran, dass die Briefe zensiert wurden. Dennoch sind sie mit Sicherheit ein wichtiges Zeitzeugnis eines Mannes, der für uns heute ein Held ist. Ich sage „für uns heute“, denn von Dohnanyi erzählte auch, dass dies in der Nachkriegszeit und darüber hinaus gar nicht so selbstverständlich war, sein Vater sei von vielen als Verräter angesehen worden. Das ist aus heutiger Sicht natürlich empörend. Hierdurch wird einem wieder mal bewusst, wie lange der Nationalsozialismus noch in der Gesellschaft nachwirkte, was nun wiederum einen Zusammenhang zu Tanja Kinkels Buch herstellt, denn die mangelnde Aufarbeitung der Nazizeit war natürlich ein Thema der 68er-Generation.

Klaus von Dohnanyi im Gespräch mit Martin Doerry

Klaus von Dohnanyi im Gespräch mit Martin Doerry

(c) Deutsche Verlagsanstalt

Zum Abschluss des Gesprächs stellte Martin Doerry noch das von ihm und Spiegel-Kollegin Susanne Beyer herausgegebene Buch „“Mich hat Auschwitz nie verlassen“: Überlebende des Konzentrationslagers berichten„“ vor, dessen Titel selbsterklärend ist. Ich finde es sehr wichtig, dass die Erinnerungen der letzten noch lebenden Überlebenden in Buchform festgehalten werden, denn bald wird es keine lebenden Zeitzeugen mehr geben.

(c) Deutsche Verlagsanstalt

Ich ging nun zuerst etwas essen und dann zum Stand von Carlsen, wo Wolf-Rüdiger Marunde, mein Lieblingscartoonist, signierte. Ich konnte dort auch sein neuestes Buch kaufen. Die Schlange war nicht lange, aber es dauerte trotzdem, denn Marunde nahm sich richtig viel Zeit für die einzelnen Fans, was ich ganz klasse fand. Und auch ich habe meine eigene Marunde-Zeichnung bekommen! 🙂

Wolf-Rüdiger Marunde beim Signieren

Wolf-Rüdiger Marunde beim Signieren

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(c) Carlsen/Wolf-Rüdiger Marunde

Als Nächstes machte ich mich auf Richtung Halle 4.1., wo im Orbanism Space zwei Bloggertreffen nacheinander stattfinden sollten. Dort hatte ich mich mit Ulrike von Literatur im Internet verabredet, die im Übrigen ein sehr interessantes Interview mit Norman Ohler, dem Autor des Sachbuchs „Der totale Rausch“, geführt hatte. In dem Buch geht es um das unglaubliche Ausmaß des Drogenkonsums unter Hitler und durch Hitler selbst. Das Buch klingt sehr spannend und ist prompt auf meiner Wunschliste gelandet. Ulrikes Interview findet ihr hier. Es war richtig klasse, mal die Person hinter dem Blog kennenzulernen 🙂 Auch andere bekannte Gesichter habe ich gesehen, z. B. die Tintenelfe. Ich könnte mich im Nachhinein in den Allerwertesten beißen, dass ich meine Schüchternheit nicht besser überwunden und nicht mehr Leute angesprochen habe… Ich hoffe auf nächstes Jahr 😉 Während das erste Treffen von der Bloggerin Simone Dalbert mitorganisiert wurde, wurde das zweite Bloggertreffen von Suhrkamp, Hanser und S. Fischer ausgerichtet. Vertreter der Verlage diskutierten über Literaturblogs. Ich muss gestehen, dass ich zu diesem Zeitpunkt mein Nachmittagstief hatte und der recht theoretischen Diskussion nicht mehr ganz folgen konnte, deshalb bin ich nicht bis zum Ende geblieben. Ich freue mich aber riesig, dass so viele zu beiden Treffen gekommen sind und dass Bücherblogs inzwischen ernster genommen werden.

Treffen der Literaturblogger im Organism Space

Treffen der Literaturblogger im Organism Space

Zum Abschluss des Tages wollte ich mir endlich den Indonesien-Pavillon genauer ansehen, außerdem sollte dort um 17 Uhr eine Happy Hour stattfinden. Ich fand die Gestaltung des Ehrengast-Pavillons einfach wunderschön, es war zwar wie im Vorjahr etwas dunkel, doch sehr atmosphärisch.

Im Indonesien-Pavillion

Im Indonesien-Pavillon

Auf dem Büchertisch vor dem Pavillon entdeckte ich dann gleich das Buch, das ich mir als „Ehrengastbuch“ ausgesucht hatte, „Die Regenbogentruppe“ von Andrea Hirata. In dem Buch geht es um die Dorfjugend auf einer kleinen Insel und ihre ideologische Lehrerin. Ich hab also gleich zugeschlagen.

(c) Fischer

Anhand von Körben mit Figuren des indonesischen Schattenspiels und Bamus-Schlaginstrumenten konnte der Besucher sich diese Aspekte der indonesischen Kultur veranschaulichen.

Figuren des traditionellen Schattenspiels

Figuren des traditionellen Schattenspiels

Bambusinstrumente

Bambusinstrumente

Außerdem hatte der Ehrengast schmale Tische mit allerlei Gewürzen der indonesischen Küche aufgestellt, an denen man schnuppern konnte.

Gewürze!

Gewürze!

Zum Schnuppern! (nur nicht am Sternanis, igitt!)

Zum Schnuppern! (nur nicht am Sternanis, igitt!)

Schließlich trat noch eine indonesische Musikgruppe auf, die auf traditionellen Musikinstrumenten spielte, was mir so gut gefiel, dass ich mir gleich die CD gekauft habe. Nun begann auch die Happy Hour und ich traf mich mit Anette, Julia und Ina von Katze mit Buch. Nachdem die drei weitermussten zur Verleihung des Jugendbuchpreises ließ ich mir noch ein Glas Wein einschenken und blieb bis zum Ende der Musikaufführung. Das war ein perfekter Abschluss für einen rundum gelungenen Tag auf der Buchmesse!

Happy Hour im Indonesien-Pavillion

Happy Hour im Indonesien-Pavillon

Musikgruppe Talago Buni

Musikgruppe Talago Buni

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Vorbemerkung: Die Bilder sind mit Ausnahme der Cover meine eigenen.

Früh um sieben Uhr ging es für mich am Donnerstag los – mit dem RE nach Frankfurt. Nachdem ich meinen Koffer und die Jacke abgegeben hatte, traf ich mich direkt mit Anette von Katze mit Buch. Ist eine schöne kleine Tradition geworden, dass wir uns jedes Jahr auf der Messe treffen 🙂

Gemeinsam besuchten wird den Illumat, ein Kabuff, wo man Ideen oder Wünsche auf einen Zettel schreiben und einwerfen kann. Wenig später erhält man eine passende Zeichnung. Aus Zeitgründen habe ich aber keine Wünsche abgegeben. Nachdem wir uns für die abendliche Party bei Beltz verabredet hatten, machte ich mich auf zur ARD-Bühne. Mit wem lässt sich die Buchmesse schon besser einläuten als mit Denis Scheck? 😉

Zuerst einmal gab es ein paar Verrisse, u. a. von „Mädchen für alles“ von Charlotte Roche und „Passagier 23“ von Sebastian Fitzek. Aus beiden Büchern las Scheck ein paar Sätze vor. Sicher kann man ein Buch nicht anhand weniger Sätze beurteilen, aber diese waren so übel, dass ich Schecks Meinung nachvollziehen kann…

Nach einer Tirade über die ihm verhassten Regionalkrimis empfahl er schließlich eine Ausnahme, und zwar die Bücher von Jörg Maurer. Erstaunt notierte ich mir den Namen. Wer jetzt glaubte, dass Denis Scheck lieber Bücher verreißt als empfiehlt, irrte sich, ab diesem Zeitpunkt kamen nur noch Empfehlungen, die ich mir leider nicht aufgeschrieben habe. Der neue Frantzen war auf jeden Fall darunter, doch nach einer Besprechung im alternativen literarischen Quartett denke ich, dass dieses Buch eher nichts für mich ist.

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druckfrisch mit Denis Scheck

Ich nutzte ein halbes Stündchen Pause, um im Restaurant desselben Gebäudes ein indonesisches Gericht zu probieren. Hab letztes Jahr ja auch ein finnisches Gericht probiert 🙂 Es gab einen Gemüseeintopf mit Reis:

Und der war echt lecker, aber auch echt scharf! Feuerspuckend verließ ich das Gebäude.

Als Nächstes ging es in Halle 4 zur 3sat-Bühne, wo Feridun Zaimoglu interviewt wurde, dessen Roman „Siebentürmeviertel“ auf der Longlist für den Deutschen Buchpreis stand. Ein Buch, das ich unbedingt noch lesen möchte! Ich war spät dran und habe den Anfang verpasst, daher mehr zu diesem Buch im Samstagsbericht, denn am Samstag war ich bei einem weiteren Interview mit dem Autor. Auf der 3sat-Bühne hatte die liebe Ulrike von Literatur im Internet mir netterweise einen Platz freigehalten. Da ich spät dran war und sie bald zu einem anderen Termin weitermusste, konnten wir nicht viel sprechen, verabredeten uns aber für das Bloggertreffen am nächsten Tag.

Nach diesem Interview hetzte ich gleich zurück zur ARD-Bühne, da ich das Interview mit Helge Schneider noch mitbekommen wollte. Helge Schneider ist bekannt für seine improvisierten Geschichten, die er während seiner Konzerte zum Besten gibt und die einen Hintergrund für seine Lieder bilden. Daraus hat er nun ein Buch gemacht, und zwar „Orang Utan Klaus“. Eine Geschichte daraus las er auch vor und brachte das Publikum umgehend zum Lachen, nicht nur aufgrund der abgefahrenen Geschichte selbst, sondern auch weil er zwischendurch selber immer lachen musste. Das Buch werde ich mir sicher anschauen.

„Helge Schneider liest aus „Orang Utan Klaus“

(c) Kiepenheuer & Witsch

Hatte ich nicht gesagt, dass ich mir dieses Mal nicht so viele Termine vorgenommen habe wie letztes Jahr? Irgendwie, also, hm. War jetzt doch ziemlich viel 😉

Denn nun ging es zum Spiegel, wo Volker Weidermann den frisch gekürten Gewinner des Deutschen Buchpreises, Frank Witzel, interviewte. Es ging natürlich um den (gewaltigen) Siegertitel:

Die Erfindung der Roten Armee Fraktion durch einen manisch depressiven Teenager im Sommer 1969

(c) Matthes & Seitz Berlin

Nicht die einzige Neuerscheinung dieses Jahr, die sich mit der RAF beschäftigt. Ich fand den Autor im Interview sehr sympathisch, mit seiner Antwort auf die Frage, was ihn am meisten überrascht habe in Bezug auf den Buchpreis, sorgte er für ein paar Lacher: Dass er eine Anfrage aus Saudi-Arabien bezüglich der Rechte an dem Buch erhalten habe. Er äußerte auch ein paar Gedanken zur aktuellen gesellschaftlichen Lage: Dass eine Zeitung das Foto des kleinen ertrunkenen Jungen aus Syrien mit „Sein Schmerz (des Vaters), unsere Trauer“ überschrieben hat, habe ihn wütend gemacht. Denn es ist natürlich die Trauer des Vaters, er hat sein Kind verloren, nicht die Öffentlichkeit. Witzels Aussage, man solle doch etwas mehr über die gewählte Sprache reflektieren, erntete den Applaus der Zuschauer.

Ich muss dennoch gestehen, dass ich nicht sicher bin, ob das 800-Seiten-Werk des Autors etwas für mich ist. Nicht wegen der 800 Seiten, sondern aufgrund des gewählten Stils, der offenbar ohne einen Plot auskommt. Ich werde bei Gelegenheit mal reinlesen.

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Volker Weidermann im Gespräch mit Frank Witzel

Mein nächster Termin führte mich zu meinem einzigen Besuch dieses Jahr beim Blauen Sofa des ZDF. Dort hatte sich nämlich Starautorin Isabel Allende angekündigt. Erwartungsgemäß war der Andrang riesig. Zugegebenermaßen habe ich das Geisterhaus bis heute nicht gelesen. Denn ich habe es einmal auf Spanisch versucht und das ging aufgrund der vielen, vielen unbekannten Adjektive leider gar nicht. Ich habe kapituliert und werde es mir mal auf Deutsch besorgen. Auch Allendes neuen Roman fand ich vom Thema her ansprechend, denn es handelt sich um ein Familienschicksal auf zwei Zeitebenen, eine Herangehensweise, die ich an sich mag, langsam aber ein wenig zu ausgelutscht erscheint. Denis Scheck hat das Buch verrissen, ich werde es wahrscheinlich dennoch lesen, denn wir sind nicht immer einer Meinung 😉

(c) Suhrkamp

Allende erzählte einiges über ihre Flucht, zuerst nach Venezuela, dann in die USA, ihr dortiges Leben, ihre Kinder und Enkelkinder. Auch äußerte sie einige Gedanken über die Liebe im Alter, die sie für absolut möglich hält. Sie sei ja selbst im fortgeschrittenen Alter, da müsse man noch hoffen können. Die Interviewerin bemerkte, dass ihre neueren Bücher viel amerikanischer seien als noch das „Geisterhaus“, was die Autorin bestätigte. Ein Wunder ist das nun auch nicht, schließlich lebt sie seit Langem dort.

Gefragtes Fotomotiv: Isabel Allende

Gefragtes Fotomotiv: Isabel Allende

Nun hieß es nur noch „auf zur Beltz-Party“. Nach einigem Gesuche im Gedränke fand ich Anette, Julia und Ina, oder besser gesagt, Anette fand mich. Es gab eine nette Auswahl an Bieren und Wein und ein paar leckere Häppchen. Gegen 18:30 kam dann der Gong und mein erster Messetag war vorbei.

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Beltz-Party

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Der letzte Tag der Buchmesse war eher kurz für mich, da ich auch keine große Lust auf die Menschenmengen hatte. Nachdem ich meinen Koffer abgegeben hatte, ging ich schnurstracks zum Stand von C. Bertelsmann, denn ich wollte „Die neuen Leiden des alten M.“ kaufen, um es mir anschließend bei Harald Martensteins Morgenmesse signieren zu lassen. Deshalb ging es nun zum Zeit-Stand. Einige der Kolumnen hatte ich schon am Freitag gehört, doch schon aufgrund Martensteins herrlicher Art, die Kolumnen vorzulesen, macht es immer wieder Spaß. Und mein Autogramm habe ich natürlich auch bekommen 🙂

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Harald Martenstein signierte mir „Die neuen Leiden des alten M.“

Kleine Randnotiz: Ich habe inzwischen eine Rentenlotterie, die mich zwei Jahre lang 42 Euro pro Monat gekostet hat und gar nichts eingebracht hat, gekündigt und stattdessen die „Zeit“ abonniert…

Nach der Morgenmesse schaute ich mich in Halle 3 um, um zu sehen, ob es irgendwelche Rabatte gab. Außer bei den Kalendern (wo ich gleich ordentlich zugeschlagen habe), war da jedoch Fehlanzeige. Ich habe mir dann nur noch am Stand von Kiepenheuer & Witsch eine Ausgabe von „Pfaueninsel“ geholt und dabei noch eine signierte Ausgabe von Frank Schätzings „Der Schwarm“ entdeckt. Da ich das noch nicht hatte und es auch mal lesen wollte, habe ich zugeschlagen.

Meine signierte Ausgabe von "Der Schwarm"

Meine signierte Ausgabe von „Der Schwarm“

Ich ging dann noch rüber in Halle 4.0, um zu sehen, ob es bei der Papeterie vielleicht nette Angebote gab, war jedoch vom Angebot eher enttäuscht. Da ich inzwischen Heißhunger hatte, gönnte ich mir anschließend im finnischen Restaurant doch noch den überteuerten, aber leckeren Waldpilzkuchen. Das finnische Bier war aus 😉

Mein letzter Termin war dann noch mal eine Veranstaltung mit Harald Martenstein auf der ARD-Bühne, der auch noch einmal Spaß gemacht hat.

Harald Martenstein auf der ARD-Bühne

Harald Martenstein auf der ARD-Bühne

Ich bin dann noch mal zurück in Halle 3, wo Norbert Blüm an mir vorbeilief. Gleich mal getestet, ob ich größer bin als er, aber nö, so groß wie ich ist er dann doch 😉 Nachdem ich mich mit Anna-Lisa und Kathrin, mit denen ich nach Hause fahren wollte, kurzgeschlossen hatte, trafen wir uns noch auf einem Happen in einem der Selbstbedienungsrestaurants der Messe (ja, ich bin unersättlich). Da Anna-Lisa und Kathrin beide krank waren und ich auch nichts mehr vorhatte, gingen wir anschließend nur noch meinen Koffer holen und haben dann den Bus zum Parkhaus genommen.

Das war also meine Buchmesse 2014, es hat wieder unendlich viel Spaß gemacht und ich hoffe sehr, dass ich nächstes Jahr auch wieder dabei sein kann!

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Zuerst noch einmal der Hinweis: Alle Fotos wurden von mir aufgenommen, Coverabbildungen stammen wie immer von der Verlagswebsite und sind mit dieser verlinkt.

Am Buchmessensamstag freute ich mich ganz besonders auf eine meiner Lieblingsautorinnen – Tanja Kinkel. Wie schon im letzten Jahr sollte Margarete von Schwarzkopf ein Interview mit ihr am Droemer-Knaur-Stand führen.

Ich begab mich natürlich frühzeitig zum Stand, da ich einen Sitzplatz ergattern wollte. Es fand noch ein anderes Interview mit dem Autorenduo Volker Klüpfel und Michael Kobr statt. Als Krimimeistensverweigererin waren mir die beiden nicht bekannt, anderen offenbar jedoch schon, denn der Andrang war groß. Nach Ende dieses Interviews hatte ich jedoch keine Probleme, mir den gewünschten Sitzplatz zu erobern.

Auf dem Ankündigungsbildschirm wurde Malala Yousafzai gratuliert, die am Vortag gemeinsam mit Kaylash Satyarthi mit dem Friedensnobelpreis ausgezeichnet wurde, eine Wahl, über die auch ich mich sehr gefreut hat. Eine bemerkenswerte junge Frau, die sicherlich noch viel bewegen wird.

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(c) Droemer-Knaur

 

Dr. Tanja Kinkel betrat den Stand in einem genauso hübschen Kleid wie letztes Jahr. Das Interview befasste sich natürlich mit ihrem neuen Bestseller „Manduchai“, den ich euch wärmstens ans Herz legen kann (hier meine Rezension). Tanja Kinkel erzählte unter anderem von ihrer Recherchearbeit, zu der auch eine mehrwöchige Reise in die Mongolei gehörte. Auf ihrem Facebook-Profil findet ihr unter „Fotos –> Alben“ auch ein paar Alben mit tollen Fotos von dieser Reise. Tanja Kinkel nannte auch Beispiele für Erfahrungen von dieser Reise, die direkt in das Buch eingeflossen sind, so etwa, dass die mongolischen Nomaden kleinen Kindern häufig Glöckchen in die Kleider einnähen, um sie vor Geiern zu schützen, ein wirklich schönes Detail.

Leider verriet die Autorin noch nicht, was das Thema ihres nächsten Buchs sein wird. Ich bin auf jeden Fall sehr gespannt! 🙂

Tanja Kinkel und Margarete von Schwarzkopf

Tanja Kinkel und Margarete von Schwarzkopf

(c) Droemer-Knaur

Natürlich wollte ich „Manduchai“ auch signieren lassen, dazu mussten wir an eine andere Stelle des Stands. Es gab eine echte Autogrammschlacht 😉

Meine Tanja-Kinkel-Autogrammausbeute

Meine Tanja-Kinkel-Autogrammausbeute

Anschließend traf ich mich auf der Agora mit Kathrin und Anna-Lisa, die am Samstagmorgen zur Buchmesse angereist waren, zum Essen. Wir holten uns etwas am asiatischen Stand, mein vegetarisches Nudelgericht war recht lecker, das von Kathrin und Anna-Lisa leider nicht. Nach dem Essen trennten wir uns wieder, da ich in Halle 4.1 auch bei dem zweiten Termin von Tanja Kinkel bei Dotbooks, ihrem E-Book-Verlag, dabei sein wollte, bei dem als nette Zugabe auch ein Glas Prosecco gab 🙂 Bei diesem Interview ging es natürlich um die Bücher von Tanja Kinkel, die bisher bei Dotbooks erschienen sind oder demnächst erscheinen, darunter mein Lieblingsbuch von ihr, „Die Söhne der Wölfin„. Im Rahmen ihrer Unterstützung des E-Book-Verlags hat Tanja Kinkel auch ein Genre wiederbelebt, das heute kaum noch eine Rolle spielt: das der Novelle. Drei Novellen von ihr sind bisher bei Dotbooks erschienen, „Der Meister von Caravaggio“, „Reise für Zwei“ und „Feueratem“, was zugleich das erste Fantasy-Werk der Autorin ist. Ich finde das sehr interessant und werde diese Werke natürlich auch lesen, das erste hab ich bereits auf meinem E-Reader.

Am Stand von Dotbooks gab es auch hübsche Postkarten und ich nutzte die Gelegenheit, mir eine „Söhne der Wölfin“-Postkarte signieren zu lassen 🙂

Tanja Kinkel bei Dotbooks

Tanja Kinkel bei Dotbooks

Nach diesem Termin wollte ich mir das Bloggertreffen von Lovelybooks anschauen, doch das sah leider nicht besonders interessant aus, es schien nur aus einer langen Schlange von Bloggern zu bestehen, die für irgendwelche Giveaways anstanden. Nö, danke. Ein paar Stände weiter im Paschen Literatursalon sollte jedoch eine Lesung mit der amerikanischen Autorin Libba Bray stattfinden, deren neues Buch „Diviners“ mich wirklich interessiert. Ich hatte diesen Termin gar nicht auf dem Plan, nutzte aber die Gelgenheit, da noch ein Sitzplatz in der ersten Reihe frei war. Ich war zu diesem Zeitpunkt zugegebenermaßen schon so müde, dass ich mich gar nicht richtig auf die Lesung konzentrieren konnte, Libba Bray war im Interview jedoch sehr sympathisch und ich möchte das Buch auf jeden Fall lesen. Ich überlegte, ob ich das Buch kaufen und signieren lassen soll, entschied aber, dass ich es doch lieber im Original lesen möchte.

Libba Bray im Gespräch

Libba Bray im Gespräch

(c) dtv

Da ich sehr müde war und keine wichtigen Termine mehr auf dem Plan hatte, fuhr ich anschließend gleich zurück zu meiner Schwester, um mich ein bisschen hinzulegen und mich für den letzten Tag der Buchmesse auszuruhen.

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Zuerst noch einmal der Hinweis: Alle Fotos wurden von mir aufgenommen, Coverabbildungen stammen wie immer von der Verlagswebsite und sind mit dieser verlinkt.

Nach dem anstrengenden Donnerstag ließ ich den Freitag etwas ruhiger angehen. Gegen 10 fand ich mich wieder beim Zeit-Stand ein, um auf Martensteins Morgenmesse zu warten. Diese gehörte schon im Vorjahr zu meinen Messehighlights. Nur, dass ich dieses Jahr noch mehr lachen musste 😉 Der Mann hat so einen wunderbaren Humor und hält uns den Spiegel vor, wie dies früher nur Loriot konnte, wenn auch auf andere Art und Weise. Vor allem seine Kolumne über das „Prokrastinieren“ ist einfach herrlich!

Harald Martenstein hält die Morgenmesse

Harald Martenstein hält die Morgenmesse

 

Als Nächstes ging ich zum Stand des Deutschlandradios, um mir die Aufzeichnung der Sendung „Büchermarkt“ mit Denis Scheck, Hajo Steinert und Hubert Winkels anzusehen. Dort ging es höchst intellektuell zu 😉 Die Sprache kam unter anderem auf den Tage vorher (an meinem Geburtstag!) verstorbenen Siegfried Lenz. Denis Scheck überraschte mich mit seiner Aussage zu „Deutschstunde“: In den 60er Jahren hätte man doch nicht mehr so langweilig schreiben dürfen! Das grenzt ja an Majestätsbeleidigung! Wobei ich zugeben muss, ähm, so toll und wichtig ich das Thema, den Konflikt und die Aussage des Buchs fand, ein büschen langweilig war es stellenweise tatsächlich (weshalb ich damals auch nur 4 von 5 Sternen vergeben habe). Da hat er schon nicht ganz unrecht. Er betonte aber zugleich, dass andere Werke von Siegfried Lenz in dieser Beziehung besser seien. Das ermutigt mich, mich mal an weitere Siegfried Lenz-Bücher zu wagen. Die Lyrik war auch ein Thema. Ich muss gestehen, dass die moderne Lyrik nicht so mein Ding ist. Sorry. Zu diesem Thema kann ich daher auch nicht wirklich etwas sagen.

"Büchermarkt" mit dem "Kölner Literaturdreigestirn"

„Büchermarkt“ mit dem „Kölner Literaturdreigestirn“

Eine kleine Überraschung gab es dann noch: Unter dem Publikum befand sich auch der diesjährige Preisträger des Georg-Büchner-Preises, Jürgen Becker.

Jürgen Becker

Jürgen Becker

 

Nach Ende dieser Veranstaltung wechselte ich in Halle 4.1, wo im Paschen Literatursalon eine weitere Lesung mit Thomas Hettche stattfinden sollte. Ich wollte dort vor allem hin, weil ich das Buch gern gekauft und signieren lassen hätte. Es hat sich durchaus gelohnt, denn die Lesung war länger als die bei der Zeit und schlug mich noch mehr in den Bann. Leider wurde ich dann jedoch enttäuscht: Thomas Hettche signierte zwar, aber es gab das Buch nicht zu kaufen 😦 Menno, KiWi, hättet ihr das nicht organisieren können? Schade drum, aber was solls.

Thomas Hettche im Paschen Literatursalon

Thomas Hettche im Paschen Literatursalon

Nun kam ein Termin, auf den ich mich besonders freute: Herbert Feuerstein sollte bei der Süddeutschen seine Autobiografie „Die neun Leben des Herrn F.“ vorstellen. Und ganz pünktlich ging es dann auch los. Herbert Feuerstein zeigte sich, wie wir ihn kennen: witzig und schlagfertig von der ersten Sekunde an. Er erzählte von seiner Arbeit als Redakteur für Todesanzeigen in New York, seiner Zeit beim MAD Magazin und natürlich auch seinen Erlebnissen bei der Zusammenarbeit mit Harald Schmidt. Was mich wirklich interessieren würde, sind seine gesammelten Antworten auf Leserbriefe des MAD Magazin, die müssen legendär sein. Mal sehen, ob die sich irgendwo finden lassen (falls das jemand weiß?). Die Autobiografie kommt auf jeden Fall auch auf meine Wunschliste!

Herbert Feuerstein bei der Süddeutschen

Herbert Feuerstein bei der Süddeutschen

 

(c) Ullstein Buchverlage

Damit war mein Programm für diesen Tag durch. Ich bin noch ein wenig durch die Hallen geschlendert, unter anderem auch durch die Gourmet Gallery, wo es dann noch eine nette Überraschung gab. Ich bekam zwei Ausgaben des „Super Schoppen Shopper“ von Cordula Eich geschenkt. Inzwischen habe ich zwar festgestellt, dass es sich um die Vorjahresausgabe handelt (;-)), aber ich kann trotzdem noch was damit anfangen: Meine Schwester, der ich das zweite Exemplar vermacht habe, war gleich samstags damit einkaufen und hat einen superleckeren Wein für 5 Euro gekauft, der darin empfohlen wurde. Ich habe diese Woche auch zwei Flaschen eines Weins aus dem Buch gekauft, bin mal gespannt.

Das war mein Messefreitag, morgen geht’s weiter mit dem Samstag!

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Zuerst noch einmal der Hinweis: Alle Fotos wurden von mir aufgenommen, Coverabbildungen stammen wie immer von der Verlagswebsite und sind mit dieser verlinkt.

Ich habe im letzten Artikel gelogen! Ich bin ja mittwochs gar nicht von 3.1 direkt zu meiner Schwester, sondern noch mal zurück in den Finnland-Pavillon zur Happy Hour! Hatte ich total vergessen. Vielleicht ist der Alkohol schuld. Dort gab es nämlich 3 Getränke zum Probieren, einmal finnischen Gin mit Grapefruit, lecker, finnischen Wodka, der war für Wodka-Verhältnisse auch lecker, dann finnischen Wodka mit Lakritze, nicht so lecker.

Aber jetzt zum Donnerstag. Morgens zog es mich gleich wieder in den Finnland-Pavillon. Dort stand ein „Kalevala-Frühstück“ an. Mir war nicht ganz klar, was das sein würde, nur, dass die Kalevala das finnische Nationalepos ist. Aber es klang nach einer guten Gelegenheit, Anette und Ina von Katze mit Buch zu treffen. Ich hab mich gefreut, die beiden wiederzusehen! Es stellte sich heraus, dass die Veranstaltung von zwei Designerinnen abgehalten wurde, die neue Wege, die Kalevala darzustellen, erforschten. Eine tat dies in Zeitungs- bzw. Magazinform, die andere in Form einer Data Visualization, was ich besonders interessant fand. Sie hatte für jeden Charakter aus dem Epos negative und positive Textstellen in einer Art Diagramm mit Ausschlägen nach links und nach rechts dargestellt und ein 3-D-Modell daraus erschaffen. Sehr ungewöhnlich, aber auch sehr originell.

Die beiden Designerinnen mit einer Abbildung aus der Kalevala

Die beiden Designerinnen mit einer Abbildung aus der Kalevala

Das Data-Visualization-Modell der Kalevala

Das Data-Visualization-Modell der Kalevala

Wir trennten uns anschließend, da ich mir nun ausgiebig Halle 3.0 anschauen wollte. Die meisten Verlage waren an derselben Stelle zu finden wie im Vorjahr. Ich finde es etwas ärgerlich, dass das Konzept nächstes Jahr geändert wird, jetzt hab ich mich grad gut ausgekannt! Menno!

Wie auch im Vorjahr gab es Verluste unter den Autoren zu beklagen, natürlich ganz aktuell Siegfried Lenz oder eben auch Peter Scholl-Latour

Wie auch im Vorjahr gab es Verluste unter den Autoren zu beklagen, natürlich ganz aktuell Siegfried Lenz oder eben auch Peter Scholl-Latour

Um halb 12 ging es zur ARD-Bühne, wo Denis Scheck mit „Best of Druckfrisch“ auftrat. Ich habe Denis Scheck bisher noch nicht live erlebt, hatte aber einige Vorbehalte, da ich schon gelesen hatte, dass er doch sehr auf hohe Literatur schaut, die mir manchmal ehrlich gesagt zu viel ist. Doch er präsentierte sich sehr lustig und sympathisch und ich war überrascht, dass er äußerte, er sei aufgrund der Brisanz des Themas sehr froh, dass sich „Der Circle“ von Dave Eggers in den Bestsellerlisten finde, auch wenn es keine sprachlich gute Literatur sei. Für Heiterkeit sorgte Scheck, indem er eine Passage aus einem Buch von Ruth-Maria Kubitscheck vorlas, ach herrje… Ich möchte mich hier nicht darüber auslassen, aber es war wirklich peinlich-komisch.

Denis Scheck

Denis Scheck

Ach ja, vor dem Auftritt von Denis Scheck bekam ich noch etwa die Hälfte des Interviews mit dem Schauspieler Adnan Maral (bekannt aus „Türkisch für Anfänger“) mit, der auch ein Buch geschrieben hat. Ich bin es ja eigentlich leid, dass offenbar alle meinen, sie müssten Bücher schreiben (Jeannette Biedermann?! Im Ernst?!). Aber ich muss zugeben, das klang recht interessant. Muss ich mir mal genauer anschauen.

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Adnan Maral im Interview

(c) Blanvalet

 

Nun zog es mich ins Lesezelt, wo Stefan Bachmann aus seinem Buch „Die Wedernoch“ lesen sollte. Ich habe noch nichts von ihm gelesen, hatte den ersten Teil der Reihe, „Die Seltsamen“ jedoch schon eine Weile auf dem Schirm. Interessant auch, dass ein so junger Autor mit einem Fantasy-Roman bei Diogenes erscheint!

Der 21-Jährige Amerikaner lebt schon längere Zeit in Zürich, wo er am Konservatorium Orgel und Komposition studiert. Er hat außerdem nie eine normale Schule besucht, sondern wurde per „Homeschooling“ zusammen mit seinen vier Geschwistern von der Mutter unterrichtet. Was für ein ungewöhnlicher Werdegang!

Da er fließend Deutsch spricht, las er auch in Deutsch, was ihm nicht ganz leicht viel, aber dennoch problemlos funktionierte. Die Passage, die er las, hat mich wirklich neugierig gemacht!

Stefan Bachmann im Gespräch

Stefan Bachmann im Gespräch

Auf die Frage, was er von dem Begriff „Wunderkind“ halte, antwortete er ganz bestimmt. Wunderkinder seien etwas ganz anderes als er. Er habe sich das Schreiben auch erst einmal erarbeiten müssen, die ersten Versuche seien furchtbar gewesen 😉 Ein bescheidener, sympathischer junger Mann. Obwohl ich die Bücher eigentlich im Original lesen wollte, konnte ich nicht widerstehen und hab mir „Die Wedernoch“ gekauft und signieren lassen.

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(c) Diogenes

Ich machte mich nun auf zum Blauen Sofa, denn dort stand ein Termin an, auf den ich mich sehr gefreut hatte: Hape Kerkeling sollte sein neues Buch „Der Junge muss an die frische Luft“ vorstellen. Ich sicherte mir einen guten Platz, von dem aus man gut fotografieren konnte. Doch dann die erste Enttäuschung der Messe: Hape Kerkeling hatte kurzfristig abgesagt 😦 Wie schade! Ich nehme ihm das natürlich nicht übel, wahrscheinlich hatte er gute Gründe. Etwas geärgert habe ich mich jedoch, dass er später noch am Piper-Stand war, was im Veranstaltungskalender nicht angekündigt war, weshalb ich natürlich auch nicht dort war. Nun ja, das Buch werde ich natürlich trotzdem lesen.

(c) Piper

Da dieser Termin nun also flachfiel, begab ich mich schleunigst zum Stand der Süddeutschen Zeitung, wo Reinhold Messner seinerseits sein neues Buch vorstellte. Ich war ein bisschen überrascht von dem Interview, Messner zeigte sich recht versöhnlich und betonte, dass er keineswegs dagegen sei, dass viele Menschen Mount Everest und co. besteigen. Dies sei nur eben kein Alpinismus mehr, sondern Tourismus. Ich selbst störe mich da ja ehrlich gesagt schon dran. Ich käme nie auf die Idee, einen solchen Berg besteigen zu müssen. Hey, ich war im Sommer auf der 2002 m hohen Krinnenspitze, das war super und reicht vollkommen! Ich mag jedoch Messners Einsatz für den Umweltschutz und finde auch sein Museumskonzept sehr interessant. Er gab sich im Interview sympathisch und humorvoll.

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Reinhold Messner bei der Süddeutschen

(c) Malik

Zu diesem Zeitpunkt, gegen 14.30 Uhr, wurde mir bewusst, dass inzwischen der diesjährige Literaturnobelpreisträger bekannt gegeben worden sein müsste. Dummerweise streikte meine Internetverbindung, sodass ich es erst abends auf der Beltz-Party rausfand: Patrick Modiano. Äh, wer? Sorry, Bildungslücke, ich kannte ihn leider gar nicht. Das sollte sich aber ändern! Komischerweise war am Stand seines deutschen Verlags Hanser kein Buch von ihm zu finden. Oder ich war zu blind. Jedenfalls entdeckte ich dann doch noch Bücher von ihm beim dtv. Das Thema seiner Bücher ist ja der Zweite Weltkrieg, daher für mich definitiv interessant. Solange er nicht schreibt wie Claude Simon, ein anderer französischer Nobelpreisträger. Ich habe mir ein paar Bücher angesehen und werde mir dieses hier auf die Liste setzen:

(c) dtv

Ich war nun ziemlich platt, wollte aber unbedingt bis 18.30 Uhr bleiben, weil ich auf der Beltz-Party Anette, Julia und Ina von Katze mit Buch noch einmal treffen wollte. Was tut man in einer solchen Situation? Man setzt sich an den Zeit-Stand und hört sich Interviews an. Dort kriegt man dann auch noch was zu trinken, ich habe auf Nachfrage, nachdem meine Tischnachbarin dasselbe getan hatte, sogar einen Prosecco bekommen 😉

Das erste Interview, das ich mir ansah, war mit Karen Köhler, deren Debüt „Wir haben Raketen geangelt“, eine Sammlung von Erzählungen, in Literaturkreisen für Aufsehen gesorgt hat. Die junge Autorin kam sehr sympathisch rüber und war ständig am Lachen 🙂 Sie las dann auch eine der Erzählungen vor. Ich dachte zuerst, oje, das ist nichts für mich, dann hat mich aber die Geschichte, als sie sich mir erschloss, doch sehr berührt. Ich lese an sich nicht so gerne Erzählungen oder Kurzgeschichten, und der Stil ist mir auch etwas zu lyrisch. Mal sehen, aber ich bin schon versucht, das Buch trotzdem mal zu lesen. Ganz nette Randnotiz: Karen Köhler war als Schauspielerin am Saarländischen Staatstheater engagiert.

Karen Köhner liest aus "Wir haben Raketen geangelt"

Karen Köhler liest aus „Wir haben Raketen geangelt“

(c) Hanser Verlag

Anschließend stand die Lesung bzw. das Interview mit Thomas Hettche an, dessen Buch „Pfaueninsel“ für den Deutschen Buchpreis nominiert war. Da das Buch ein historisches Thema hat, das Leben einer kleinwüchsigen Frau zu Beginn des 19. Jahrhunderts auf der Pfaueninsel in Berlin und der Wandel der Zeit, dessen Zeuge sie wurde, interessiert mich dieses Buch von denen auf der Shortlist mit Abstand am meisten. Und als Thomas Hettche dann begann, aus seinem Werk zu lesen, wurde mir klar, warum es nominiert war: wegen seiner einzigartig schönen Sprache! Natürlich nicht nur, aber das Buch ist wirklich so schön geschrieben! (Ich habe inzwischen angefangen, es zu lesen.) Das könnte einer meiner Lieblinge des Jahres werden. Übrigens, Kiepenheuer & Witsch hat einen unglaublich hübschen Netzauftritt für das Buch geschaffen, solltet ihr euch mal ansehen: http://www.pfaueninsel-roman.de/ Wie überhaupt auch die Aufmachung des Buches äußerst gelungen ist.

Thomas Hettche liest aus "Pfaueninsel"

Thomas Hettche liest aus „Pfaueninsel“

(c) Kiepenheuer & Witsch

Inzwischen war es 17 Uhr und beinahe Zeit für die Beltz-Party. Dort traf ich dann wie schon erwähnt die drei Mädels von Katze mit Buch und es gab natürlich Getränke und leckere Schnittchen. Leider hab ich dabei irgendwie das Fotografieren versäumt, es waren aber auch alle nach dem langen Messetag schon etwas müde. Die Party war ein gelungener Abschluss für einen wunderbaren Messetag!

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