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(c) Penguin

Deutscher Titel: Heimkehren

Erscheinungstermin: 22.08.2017 bei DuMont

Ghana im 18. Jahrhundert. Die Asante-Frau Mamee wurde von den Fante entführt, schafft es jedoch, nach der Geburt ihrer Tochter Effia zu fliehen – ohne diese. Effia wächst im Glauben auf, eine andere, kaltherzige Frau sei ihre Mutter. Diese schafft es, Effia mit dem britischen Gouverneur von Cape Coast zu verheiraten. Sie lebt mit ihm im Cape Coast Castle, in dessen Kellern auch die vielen entführten Menschen untergebracht sind, die als Sklaven nach Amerika verkauft werden sollen. Unterdessen hat die in ihr Dorf zurückgekehrte Mamee den Dorfobersten geheiratet und mit ihm eine Tochter, Esi bekommen. Doch das Schicksal meint es nicht gut mit ihr – sie wird ebenfalls entführt und wartet im Kerker des Cape Coast Castle unter unerträglichen Umständen auf die Überfahrt nach Amerika.

Yaa Gyasis Debütroman wurde im Vorfeld extrem gehypt, gehört aber zu den Büchern, bei denen der Hype absolut gerechtfertigt ist. Sie widmet den Schwestern Effia und Esi, deren Schicksal so unterschiedlich ist und die sich nicht einmal kennen, und jeweils einem Nachkommen über sieben Generationen hinweg je ein Kapitel. Nun ist das Buch nur knappe 300 Seiten lang, sodass man mit jedem der Charaktere jeweils nur etwa 20 Seiten verbringt. Doch diese 20 Seiten sind so intensiv, dass dennoch eine große Nähe des Lesers zum jeweiligen Charakter entsteht. Gyasi schafft es, mit wenigen Worten die Geschichte von zwei Zweigen einer Familie eindringlich zu schildern. Die Kapitel, die in Amerika spielen, sind schwer zu ertragen angesichts der Grausamkeit der Sklaverei und der himmelschreienden Ungerechtigkeit gegenüber der schwarzen Bevölkerung, die sich auch nach dem offiziellen Ende der Sklaverei fortsetzt. Die Autorin zeigt anhand ihrer Charaktere darüber hinaus, wie es dazu kam, dass Afroamerikaner auch heute noch stark benachteiligt sind und den Großteil der Gefängnisbevölkerung der USA darstellen. Gyasis Sprache steht der inhaltlichen Stärke des Buchs in nichts nach:

„Once they were inside, Willie’s eyes met those of the store clerk, and she felt a cold wind travel that sight line, from his eyes to hers, then all the way down to the coalpit of her stomach.“ (S. 206)

Dieser Satz ist auch ein gutes Beispiel für den das Buch durchziehenden Symbolismus, repräsentiert vor allem durch die Elemente (Feuer, Wasser) und die Kohlengruben, in denen viele Schwarze nach ihrer „Befreiung“ als Häftlinge arbeiten mussten.

Der afrikanische Zweig der Familie lebt indessen in Freiheit und privilegiert, jedoch nicht frei von seiner Geschichte, seiner Abstammung von einem britischen Sklavenhändler und in der Folge dem König der Asante, die sich vielfältig auf die Nachfahren von Effia auswirken. In diesen Kapiteln erhalten wir außerdem einen Blick in das afrikanische Leben und die ghanaische Geschichte, die Kriege zwischen den Asante und den Briten sowie die Streitigkeiten zwischen den Stämmen. Ich fühlte mich an die Schauplätze versetzt, meine Entdeckungslust wurde geweckt.

Am Ende läuft alles zusammen – frei von jeglichem Kitsch.

Ein großartiges Buch, mein bisheriges Jahreshighlight, ein für mich persönlich perfektes, wie für mich gemachtes Buch, das aber verdientermaßen allgemein viel Anklang findet und das auch ihr unbedingt lesen solltet.

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(c) Hörbuch Hamburg

Sprecher: Thomas Sarbacher

Dauer: 6 h 16 min

Anfang 1945 ist Deutschlands Niederlage im 2. Weltkrieg absehbar, doch die beiden erst 17-jährigen Melker Walter und Fiete werden für die Waffen-SS zwangsrekrutiert. Walter hat das Glück, einen Führerschein zu haben, und wird daher als Fahrer eingesetzt, Fiete hingegen wird zur Front geschickt. Einmal verletzt davongekommen, ist es für ihn undenkbar, kurz vor Kriegsende noch einmal zur Front zurückkehren zu müssen. Es kommt, wie es kommen muss, Fiete desertiert, wird gefasst und Walter soll zum Erschießungskommando gehören, das seinen Freund hinrichten muss. Es wird ihn für immer prägen.

Ralf Rothmanns Roman über die Grausamkeit des Krieges befasst sich mit einer besonders perfiden Praxis des deutschen Militärs gegen Ende des zweiten Weltkrieges, und zwar der „Verheizung“ der eigenen Jugend für das sinnlose Ankämpfen gegen den sicheren Untergang. Eine Praxis, die – wie ich finde – ganz besonders schwer zu ertragen ist. Ich erinnere mich daran, wie ich das erste Mal den Film „Die Brücke“ von Bernhard Wicki gesehen habe, der diese unsägliche Grausamkeit besonders eindringlich darstellt. Dieser Aspekt ist natürlich nicht der einzige, der schwer zu ertragen ist an dem Buch, die Entsetzlichkeiten des Kampfs, Grausamkeiten gegen die Zivilbevölkerung, die Tatsache, dass die Kameraden ihren eigenen Freund erschießen müssen, das alles macht den Roman zu einer schwer zu schluckenden Lektüre. Die man jedoch gelesen haben sollte, genauso wie man den noch unerträglicheren Roman „Im Westen nichts Neues“ von Erich Maria Remarque gelesen haben sollte, nicht nur, um das Bewusstsein für die Unerbittlichkeit des Krieges zu stärken und dazu beizutragen, weitere Kriege unbedingt zu verhindern, sondern auch, um die vom Krieg traumatisierten und unter den Spätfolgen leidenden Generationen besser zu verstehen. Schließlich führt uns Rothmann auch vor Augen, dass Mitglieder der Waffen-SS keineswegs automatisch Unmenschen waren, oft ließ man ihnen keine Wahl.

Rothmann wählt dabei eine schnörkellose, gut lesbare Sprache, der man sich nicht entziehen kann. Umschlossen wird das Buch von einer Rahmenhandlung, Walter ist inzwischen alt und todkrank, hat jedoch sein ganzes Leben über die Vorfälle im Krieg geschwiegen, wie es so typisch ist für diese Generation. Erst durch alte Bilder erfährt sein Sohn von der Geschichte seines Vaters.

Zum Hörbuch: Thomas Sarbacher liest angenehm, in einem für das Buch angemessenen Ton, solide Leistung.

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