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Posts Tagged ‘historischer roman’

(c) Hörbuchnetz

(c) Radioropa

 

Sprecherin: Sabine Swoboda

Dauer: 10 h 43 min, ungekürzt

Pauline Schmitz hat gerade ihre Anstellung als Gouvernante in einem reichen Haus verloren. Der Grund war ihre unfreiwillige Affäre mit dem Hausherrn, die aufflog, als Pauline sich gegen seine Vergewaltigungsversuche wehrt. Wie soll sie als „gefallene Frau“ ohne Zeugnis, obwohl völlig schuldlos, eine neue Anstellung finden? Pauline hat eine ausgezeichnete Erziehung genossen, ist jedoch nach dem Tod ihres Onkels mittellos. Ihr bleibt nichts anderes übrig, als in einer anderen Stadt (Köln) eine Stellung als einfaches Dienstmädchen anzutreten. Im Haus ihrer neuen Herrschaft begegnet sie dem Unternehmer und Witwer Julius Reuther, der dort manchmal zu Gast ist und dem sie aufgrund ihres souveränen Umgangs mit den Kindern ihres Dienstherren gleich auffällt.

Nachdem lange Zeit die meisten historischen Romane sich mit dem Mittelalter oder der frühen Neuzeit beschäftigten, entdecken viele Autoren in den letzten Jahren das 19. und das frühe 20. Jahrhundert und das Thema der Dienerschaft und ihrer Herrschaft. Auch mich interessiert das Thema, nicht zuletzt dank Büchern wie „The House at Riverton“ von Kate Morton oder Serien wie „Downton Abbey“.

„Das Haus in der Löwengasse“ war mein erster Roman von Petra Schier. Mir war klar, dass eine Liebesgeschichte hier eine zentrale Rolle spielen würde, in Verbindung mit einem Frauenschicksal sprach mich das Buch jedoch durchaus an. Petra Schier geht ruppiger mit ihrer Heldin um als viele Autoren, die ihren Heldinnen nicht das Äußerste zumuten, was ich als realistisch empfand. Umso unrealistischer erschien mir zunächst die Liebesgeschichte, doch dann dachte ich nach. Auch in einem meiner Lieblingsklassiker – Jane Eyre – verliebt sich der Dienstherr schließlich in die Gouvernante. (Dass Petra Schiers Geschichte ein wenig an den Klassiker erinnert, ist bei dem Thema wohl unvermeidbar.) Ich habe also versucht, die Liebesgeschichte fair zu beurteilen. Die Aufgaben und das Leben eines Dienstmädchens und einer Gouvernante werden anschaulich beschrieben – wie so oft fand ich diesen Aspekt an dem Buch am interessantesten. Die Intrigen, die um Julius Reuthers Firma gesponnen werden, sind ein wenig vorhersehbar, werden aber ansprechend aufgelöst. Die finalen Passagen des Buchs waren mir ein wenig zu lang.

Das Buch hat mich gut unterhalten, wenn mir auch die Liebesgeschichte wie erwartet zu sehr im Vordergrund stand. Es handelt sich hier sicherlich nicht um große Literatur – den Anspruch hat die Autorin auch sicher nicht – aber das Buch, in diesem Fall das Hörbuch, bietet eine schöne Geschichte mit historischem Hintergrund.

Schön gemacht an dem Hörbuch ist, dass die in der Geschichte gesungenen Lieder tatsächlich gesungen werden. Sabine Swobodas Stimme passt zu der jungen Heldin und sie liest angenehm.

Das ergibt letzten Endes drei von fünf Sternen.

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(c) Serpent's Tail

(c) Serpent’s Tail

Eine deutsche Übersetzung liegt zum Zeitpunkt der Veröffentlichung dieses Artikels nicht vor.

London in den 1890ern. Cora Seaborne ist seit Kurzem verwitwet. Da sie von ihrem Mann unterdrückt wurde, hält sich die Trauer in Grenzen, vielmehr genießt Cora ihre wiedererlangte Freiheit. Als sie von einem Untier hört, das in der Nähe von Colchester sein Unwesen treiben soll, der sogenannten „Essex Serpent“, reist sie mit ihrem elfjährigen Sohn nach Essex, um der  Sache nachzugehen. Im Dorf Aldwinter, das von der Schlange heimgesucht werden soll, freundet sie sich mit der Pfarrersfamilie Ransome an.

Ich ging mit höchsten Erwartungen an dieses Buch heran, denn es ist inhaltlich genau mein Ding und zwei meiner Lieblings-Booktuber kürten den Roman zu ihrem Buch des Jahres 2016. Was mir nicht klar war, ist, wie stark das Buch von seinen Charakteren geprägt ist, die Handlung tritt hinter die Charakterentwicklung zurück. Da mir Bücher, die „plot-driven“ sind, eher liegen, war das Buch schließlich doch kein 5-Sterne-Buch für mich, hat mir aber gut genug gefallen, um 4 Sterne von mir zu erhalten.

Was mir sehr gut gefallen hat, war der das Buch durchziehende Symbolismus, am deutlichsten natürlich verkörpert durch die Essex Serpent, die Essex-Schlange, selbst. Das mysteriöse Wesen scheint das Unglück ins Dorf zu bringen, es steht für den Aberglauben, den dessen Pfarrer Will bekämpft, aber auch Cora Seaborne ist im übertragenen Sinne die Essex-Schlange, denn sie bringt ebenfalls Unruhe in das Dorf und stellt eine Versuchung für Will dar, der seine Frau doch eigentlich liebt, aber in Cora seinen intellektuellen Gegenpart findet.

Auch die Farbe Blau spielt eine wichtige Rolle, Sarah Perry weist im Nachwort darauf hin, dass ihr hierfür das Buch Bluets von Maggie Nelson als Inspiration diente (das werde ich dann wohl auch noch lesen).

Die Auflösung gefällt mir gut, sie ist relativ klar, lässt aber dennoch Raum für eigene Interpretationen.

Insofern handelt es sich um sehr gutes Buch, die Lektüre macht Spaß und wer Bücher liebt, die den Schwerpunkt auf die Charakterzeichnung legen, wird es großartig finden.

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(c) Penguin

(c) Penguin

Deutscher Titel: Im Rausch der Freiheit (?, doof, oder?)

Im frühen siebzehnten Jahrhundert gründen niederländische Siedler an der Südspitze der amerikanischen Insel Manna-Hatta eine Siedlung, die sie „Neu-Amsterdam“ nennen. Etwa 50 Jahre später haben sich Kaufleute dort niedergelassen und einen bescheidenen Wohlstand erwirtschaftet. An diesem Punkt setzt Rutherfurds Geschichte mit der ersten einiger fiktiven Familien ein, anhand derer er die Geschichte der späteren Metropole New York von den Anfängen bis zu den schrecklichen Ereignissen des 11. September 2001 erzählt.

Zugegeben, Edward Rutherfurds Bücher sind keine großartige Literatur. Für Geschichtsfreaks wie mich oder Fans der jeweiligen Städte oder Regionen ist sein Konzept jedoch genial – die Geschichte des Ortes wird verpackt in die Erlebnisse mehrerer Familien über zahlreiche Generationen hinweg erzählt. In kaum einen Roman erhält man so geballte Informationen und wird dabei noch bestens unterhalten. So bin ich Edward Rutherfurd seit meiner Jugend treu und lese alle seine Bücher.

„New York“ gehört zu den Werken, die mir besonders gut gefallen haben. Auch wenn ich kein USA-Fan bin, fasziniert mich doch die Geschichte des Landes. Ich war noch nie in New York, aber die Metropole ist aus TV-Bildern, Büchern und anderen Medien doch so vertraut, dass ihre Entstehungsgeschichte richtig spannend für mich war.

Ein Aspekt, der mir sehr gut gefallen hat, war, dass Rutherfurd viele Ereignisse schildert, die weniger bekannt sind und speziell New York betreffen. So wird zwar der Unabhängigkeitskrieg sehr ausführlich behandelt, weil New York hierfür auch ein wichtiger Schauplatz war, aber den Bürgerkrieg erlebt der Leser in dem Buch eher indirekt: Es werden keine der bekannten Schlachten thematisiert, sondern die Draft Riots von 1863, ein Aufstand gegen die Wehrpflicht, bei dem insbesondere Schwarzen nachgestellt wurde, die man für den Krieg verantwortlich machte. Ein weiteres Beispiel ist das verheerende Feuer in der Triangle Shirtwaist Factory, bei dem 146 Arbeiterinnen und Arbeiter ums Leben kam, unter anderem, weil Türen verschlossen waren, um Arbeiter am Müßiggang zu hindern. So bringt Rutherfurd auch viele soziale Themen ein, der Brand war unter anderem der Anlass für eine Verbesserung der Arbeitsbedingungen in den USA. Weitere Themen sind die High Society von New York, der einem Adelsstand gleichkam, sowie Antisemitismus.

Was mich ein wenig gestört hat, war, dass die Geschichte einiger Familien im Verlauf des Buchs abreißt und nicht mehr weiterverfolgt wird. Insbesondere der schwarzen Familie und den indianischen Nachfahren der ersten Hauptperson hätte mehr Raum gegeben werden können. Auch fand ich es schade, dass nicht wie in den anderen Büchern Rutherfurds ein Stammbaum der Familien angegeben war – zumindest nicht in meinem Arrow Books-Paperback.

Nichtsdestotrotz habe ich die Lektüre von „New York“ fast so genossen wie die von „London“ (aber nur fast!) Ich habe ständig in die Karten geschaut und bei Wikipedia vieles nachgelesen, Bücher, die mich auf diese Art und Weise fesseln, machen mir besonders viel Spaß. Und die letzten 120 Seiten musste ich in einem Rutsch lesen.

Nicht zuletzt hat Rutherfurd noch etwas geschafft: Zum ersten Mal sage auch ich: Ja, ich will New York irgendwann mal sehen.

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(c) Eichborn

(c) Eichborn

Mitte der 70er Jahre ist die Autorin, von der Familie Marie genannt, 16 Jahre alt und schwer verliebt in einen in der Nähe stationierten amerikanischen Soldaten. Ihre Großmutter Apollonia erlebt derweil ihren letzten Sommer – und Annegret aka Marie beginnt, das Leben ihrer Großmutter in einem Notizbuch niederzuschreiben.

Ich hatte zunächst „Armut ist ein brennend Hemd“ der Autorin gelesen, in dem es um ihre Ur-Ur-Ur-Großmutter ging. „Apollonia“ ist anders, da hier nicht nur die Geschichte der Großmutter und des Dorfes im frühen 20. Jahrhundert erzählt wird, sondern auch die des Sommers, in dem die Großmutter starb und Marie 16 Jahre alt war. Das Buch hat einen teilweise episodenhaften Charakter. Auch hier werden Dialoge häufig im Westerwälder Platt wiedergegeben, was jedoch allgemein gut verständlich ist. Auch bei modernen Heimatromanen besteht ja eine gewisse Kitschgefahr, die in diesem Buch jedoch gänzlich umgangen wird. Die Charaktere sind verschrobene Typen, wenig klischeehaft, rau und ehrlich schildert Annegret Held, wie in dem Westerwälder Dorf gelebt wurde. Stärker als in „Armut ist ein brennend Hemd“ blitzt hier des Öfteren der wunderbare Humor der Autorin auf, der mich wiederholt laut auflachen ließ. Sprachlich ist dieses Werk sehr gelungen und wird gleichzeitig dem Dorfcharakter gerecht:

„In der Ecke vom Schesselong steckte noch mein Buch mit den Notizen vom Leben meiner Großmutter, und wenn ich hineinsah, tanzten die Zeilen auf und ab, und was ich geschrieben hatte, gab kein Bild, und die Jahre meiner Oma Apollonia schienen mir so unübersichtlich, dass sie auseinandersprangen wie ihr Schürzenbändel, wenn an der Hüfte der Knopf abging.“ (Seite 24)

Auch der erste und vor allem der zweite Weltkrieg und seine Auswirkungen auf das Dorf werden in dem Buch thematisiert, die Beziehungen zwischen aktiven Parteimitgliedern, Mitläufern und Gegnern des Nazi-Regimes.

„Ein etwas anderer Heimatroman“, so lässt sich „Apollonia“ beschreiben. Definitiv eine Empfehlung.

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(c) Eichborn

Im Westerwald, 1806. Finchen ist elf Jahre alt und die älteste Tochter ihrer großen Familie. Somit ist sie für die Betreuung ihrer jüngeren Geschwister zuständig und harte Arbeit gewohnt. Es herrscht große Armut im Dorf und so sind große Träume sehr bescheiden: ein Paar Schuhe, das wäre das Größte für Finchen. Als Erwachsene hat sie selbst eine große Familie, doch die Zeiten sind schlecht: Die Landwirtschaftstechniken sind noch unausgereift und die Kartoffelfäule sorgt für Hungersnöte mit vielen Toten. Und manch ein Einwohner des Dorfes sieht keinen anderen Ausweg, als manche seiner Kinder gegen Bezahlung fahrenden Händlern mitzugeben, damit sie Geld verdienen können.

Finchen ist keine fiktive Figur, sondern die Ur-Ur-Ur-Großmutter der Autorin Annegret Held. Um ihre Lebensdaten und die ihrer Familie konstruiert Annegret Held eine plausible Lebensgeschichte, die von harter Arbeit und Armut, aber auch Glück angesichts bescheidener Erfolge geprägt ist. Es ist kein Bauernidyll, das wir vorfinden, viele Kinder überleben nicht, der Adel reißt Wälder an sich, die die Dörfler zur Bestreitung ihres Lebensunterhalts dringend brauchen und die, die es ganz übel trifft, sind sogar noch Leibeigene. Eine Frau, die mit 45 stirbt und viele Kinder geboren hat, hat ein schönes Alter erreicht. Man möchte so manchen heutigen Jugendlichen, die bei Primark einen „Haul“ nach dem anderen tätigen, dieses Buch zu lesen geben: So eine Westerwälder Tracht, das war etwas ganz Wertvolles, das man nur zu den größten Anlässen trug, denn sie musste schließlich 30 Jahre halten! Bis zum Tod also. Fine ist ein aufgewecktes Kind, das etwas über die Welt erfahren möchte, aber sie hat keine Chance, denn Bildung für Frauen ist absolut verpönt und Lehrer ein unangesehener Beruf. Die Geschichte von Fines Kindheit und Jugend habe ich aufgesogen wie ein Schwamm, parallel bei Wikipedia recherchiert, „Nervenfieber“, „welche Krankheit ist denn das?“, aha, Typhus, eine gängige Seuche zu dieser Zeit im Westen Deutschlands. Ich habe es schon oft gesagt und sage es wieder: Solche Geschichten fesseln mich am meisten, das Leben einfacher Leute in vergangenen Zeiten. Als Fine älter wird und ihre eigenen Kinder heranwachsen, steht die jüngste Tochter Bettchen im Vordergrund. Dies ist die Zeit der besonders großen Hungersnöte durch die Kartoffelfäule. Viele Kinder gehen wie bereits erwähnt mit fahrenden Händlern auf Reise. Diese Geschichten haben mich nicht ganz so stark gefesselt wie die reine Dorfgeschichte, jedoch fand ich auch diesen Teil des Buchs noch sehr interessant. Finchen ist für mich als Charakter stärker als Bettchen, daran mag meine etwas nachlassende Begeisterung gelesen haben.

Die Sprache des Buchs ist schnörkellos, den Lebensumständen angepasst, Dialoge werden im Westerwälder Dialekt wiedergegeben, der sich jedoch recht einfach liest. Ich hatte hierbei natürlich den Vorteil, als Saarländerin den moselfränkischen Dialekt recht gut zu kennen (den ich selbst allerdings nicht spreche), von dem der Westerwälder Dialekt eine Spielart ist.

An manchen Stellen des Buches blitzt ein trockener Humor auf, der mir sehr gefallen hat.

Fazit: Ein Buch nach meinem Geschmack. Ich freue mich schon darauf, „Apollonia“ zu lesen, einem weiteren Heimatroman der Autorin, in dem es um ihre Großmutter geht.

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(c) Pan Macmillan

Cornwall, 2003. Die Polizistin Sadie nimmt, nachdem sie bei einem Fall einen Fehler begangen hat, bei ihrem Großvater eine Auszeit von ihrem Job. Beim Joggen trifft sie auf ein verlassenes Herrenhaus an einem See und ist direkt fasziniert, denn das Haus scheint sich schon sehr lange in einem Dornröschenschlaf zu befinden. Sie findet heraus, dass die Besitzerin eine alte Krimiautorin ist, deren kleiner Bruder 1933 während eines Festes spurlos verschwand. Die Familie verließ das Haus anschließend. Sadies Spürnase kann nicht anders als zu versuchen herauszufinden, was mit dem kleinen Jungen damals geschah.

Ja, Kate Mortons Romane sind Unterhaltungsliteratur. Aber wenn ich lese, möchte ich schließlich auch gut unterhalten werden. Und ich konnte auch schon mehr mitnehmen aus ihren Büchern. „The House at Riverton“ beispielsweise hat in mir schon vor „Downton Abbey“ das Interesse am frühen 20. Jahrhundert allgemein und an der Beziehung von Dienerschaft und Lordschaft, Upstairs vs. Downstairs eben, speziell geweckt. „The Lake House“ wurde nach genau dem gleichen Rezept geschrieben wie alle bisherigen Bücher von Kate Morton und das hat mich auch nicht gestört, mir gefallen Familiengeheimnisse und die Sprünge zwischen Gegenwart und Vergangenheit. Ich muss allerdings sagen, dass mich „The Lake House“ als erstes von Kate Mortons Büchern etwas enttäuscht zurückgelassen hat. Die Geschichte ist durchaus spannend, hat aber einige Längen. Das war auch bei Mortons letztem Buch „The Secret Keeper“ schon so, doch das schlicht geniale Ende hat dies bei „The Secret Keeper“ mehr als wettgemacht. Bei The Lake House wusste ich leider schon in der Hälfte des Buches, worauf die Auflösung hinauslaufen würde. Dieses Ende allein wäre für mich noch stimmig gewesen, doch Morton setzt leider noch eins drauf. Ich hatte schon befürchtet, dass sie das tun würde, hatte aber noch gehofft. Das Ende ist daher einfach so weit hergeholt, dass ich es nicht mehr ernst nehmen konnte, da ist sie leider in den Kitsch abgedriftet. Mehr als drei Sterne kann ich diesem Buch daher wirklich nicht geben.

Auch die Hauptfigur des Buches, Sadie, ist mir nicht richtig nahegekommen, ihre Entscheidungen konnte ich nie ganz nachvollziehen. Die alte Krimiautorin Alice hingegen war mir sehr sympathisch, jedenfalls als Erwachsene! Interessant ist übrigens, dass das Buch eindeutig auf „Alice im Wunderland“ und die Beziehung von Lewis Caroll zur Real-Life-Alice, Alice Liddell anspielt, im Buch gibt es eine ähnliche Beziehung und ein ähnliches literarisches Werk.

Ich hoffe, dass Kate Morton sich für ihr nächstes Buch genügend Zeit nimmt und Plot-Twists und Auflösung mich wieder ähnlich begeistern können wie in ihren ersten vier Büchern.

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(c) Radioropa Hörbuch

Sprecher: Tobias Dutschke

Dauer: 14 h 54 min

Berlin, 1848. Der junge Hannes lebt im sogenannten Berliner „Feuerland“, dem Industriegebiet in der Oranienburger Vorstadt. Die Zustände dort sind erbärmlich, die Bewohner können sich kaum ernähren, Kinder suchen in der Gosse nach Essbarem oder sterben am Typhus, die Erwachsenen schuften unter unmenschlichen Zuständen in den Fabriken. Doch nicht Hannes. Hannes ist gewieft und verdingt sich damit seinen Lebensunterhalt, dass er wohlhabenden, schaulustigen Bürgern, die sich gerne gruseln möchten, die Armut im Feuerland vorführt. Ganz an die Wahrheit hält er sich dabei nicht. Die Bürgertochter Alice wird von ihren Freundinnen zu einer solchen „Besichtigung“ geschleppt, doch Alice hat einen ebenso wachen Verstand wie Hannes und durchschaut seine Lügen. Dennoch ist Alices Interesse am Feuerland geweckt, sie will helfen. Nach einem weiteren Zusammentreffen mit Hannes entwickelt sich zwischen den beiden eine scheinbar zum Scheitern verurteilte Romanze. Gleichzeitig steigt im Volk die aufrührerische Stimmung und Hannes wird über seinen besten Freund Kutte, der einer der Rädelsführer ist, in die nun beginnende Märzrevolution verwickelt.

Ich weiß zugegebenermaßen nicht allzu viel über Deutschland im 19. Jahrhundert und dieses Hörbuch bot sich an, um auf unterhaltsame Art mehr über die Märzrevolution und die Zustände in den Großstädten zu erfahren. Der Beginn des Romans hat mich überzeugt, ein sehr interessantes Setting zwischen Feuerland (die Rezensentin muss zugeben, dass sie selbst in gewissem Sinne wohl auch eine von den Schaulustigen ist) und Berliner Stadtschloss, wo Alices Vater der Kastellan ist. Mir war schon klar, dass es eine Liebesgeschichte geben würde, aber ich hoffte, dass diese nicht allzu sehr im Vordergrund stehen würde. Neben den fiktiven Charakteren Hannes und Alice werden bald auch einige historische Charaktere eingeführt, etwa der Oberkommandeur der preussischen Truppen Ernst von Pfuel oder der Polizeipräsident Julius von Minutoli. Die facettenreiche Darstellung dieser historischen Persönlichkeiten hat mir sehr gefallen. Leider steht die Liebesgeschichte für meinen Geschmack zeitweise doch etwas zu sehr im Vordergrund, ich halte sie außerdem für äußerst unwahrscheinlich. Die Kampfhandlungen im Rahmen der Revolution scheinen etwas aneinandergereiht, was aber durchaus auch mit ihrem stakkatohaften, unterbrochenen Ablauf zusammenhängt. Gestört hat mich auch die Nebenhandlung um den Spion, dessen Name ich natürlich inzwischen vergessen habe, diese empfand ich als überflüssig. Diese beiden Punkte führen zur Abwertung des Buchs. Ein wenig wettgemacht wurden die Schwächen des Buchs durch den sehr langen, interessanten Anhang mit historischen Erläuterungen. So bekam ich auch die Informationen, die ich normalerweise im Internet recherchiert hätte, gleich in Hörform dazugeliefert. Ich komme damit in meiner Wertung auf knappe 3,5 Sterne.

Zum Hörbuch: Tobias Dutschke macht seine Sache als Sprecher ordentlich, gelegentlich hatte ich allerdings Schwierigkeiten, den Beginn einer neuen Szene und Wechsel des Schauplatzes auszumachen. Sehr schön: Der interessante Anhang wird beim Audio-Download von Audible als PDF mitgeliefert.

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