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Posts Tagged ‘Humor’

(c) Vintage Canada

In deutscher Sprache unter dem Titel „Die Penelopiade“ erschienen beim dtv, antiquarisch erhältlich

Wir alle kennen die Geschichte von Odysseus, der zunächst 10 Jahre lang auf Seiten der Athener in Troja kämpfte und die geniale Idee mit dem Trojanischen Pferd hatte und anschließend 10 Jahre lang verirrt durchs Mittelmeer kreuzte, bis er den Weg nach Ithaka und zu seiner Frau Penelope wiederfand, die ihm über all die Jahre treu blieb und sich entschlossener Avancen zahlreicher Heiratskandidaten erwehren musste. Doch die Odyssee wird aus Odysseus‘ Sicht geschildert, wie war das für Penelope, 20 Jahre lang auf den Ehemann zu warten und von Freiern belagert zu werden? Wie nahm sie die kaum noch für möglich gehaltene Rückkehr des Gatten wahr?

Ich sage es euch gleich, mir hat lange kein Buch solches Vergnügen bereitet wie dieses geniale Retelling. Penelope berichtet in der ersten Person von ihrem Leben, mit bissigem Humor und Feminismus. Gleich zu Beginn ruft sie ihre Geschlechtsgenossinnen auf, es ihr nicht gleichzutun, dass es nicht wert ist, zum Rollenmodell zu werden:

„And what did I amount to, once the official version gained ground? An edifying legend. A stick used to beat other women with. Why couldn’t they be as considerate, as trustworthy, as all-suffering as I had been? That was the line they took, the singers, the yarn-spinners. Don’t follow my example, I want to scream in your ears – yes, yours! But when I try to scream, I sound like an owl.“ (Seite 2)

Penelope erzählt die Ereignisse ab dem Zeitpunkt ihrer Kindheit im Rückblick, längst befindet sie sich in der Unterwelt, von wo aus sie auch Einblicke in unsere Gegenwart hat. Moderne Retellings interessieren mich nicht, aber dieser Blickwinkel ist einmalig. Unterbrochen wird Penelopes Prosa von in Versform verfassten Chorgesängen der 12 Mägde, die Odysseus nach seiner Rückkehr hinrichten ließ, da sie sich Penelopes Freiern hingegeben hatten. Ich bin nun wahrlich keine Lyrik-Expertin, tue mich eher schwer damit, aber diese Lyrik! Das konnte mich erreichen, die Sprache ist einfach wunderbar!

Ich erwähnte schon den bissigen Humor, dieser durchzieht das gesamte Buch (auch die Lyrikteile) und hat mir besonders gut gefallen. Sowohl Männer als auch Frauen bekommen dabei ihr Fett weg, etwa die Schwiegermutter Antikleia oder die selbstsüchtige Cousine Helena.

Margaret Atwoods Penelopiade ist in meinen Augen ein Meisterwerk, ich fand das Buch schlicht großartig. Bereits Atwoods Roman „Alias Grace“ konnte mich ja absolut überzeugen, damit ist Margaret Atwood wohl auf dem Weg, meine Lieblingsautorin zu werden. Als Nächstes werde ich „The Handmaid’s Tale“ lesen, ich freue mich sehr darauf.

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(c) Penguin Random House

(c) Penguin Random House

 

Dauer: 5 h 10 min

Sprecherinnen: Carrie Fisher, Billie Lourd

Am 27. Dezember des vergangenen Jahres verstarb viel zu früh die Schauspielerin, Autorin und Feministin Carrie Fisher, die viele Millionen Menschen auf der ganzen Welt in erster Linie als Prinzessin Leia aus den ursprünglichen Star Wars-Filmen kannten. Erst 2016 hatte sie das Buch „The Princess Diarist“ (deutsch: Das Tagebuch der Prinzessin Leia, Erscheinungstermin: 3. März 2017) veröffentlicht, in dem sie von ihren ersten Schritten im Show Business und vor allem über die Zeit des Drehs des ersten Star Wars-Films (Episode IV – A New Hope/Eine neue Hoffnung) berichtet. Unter anderem spricht sie in dem Buch erstmalig über ihre Affäre mit Co-Star Harrison Ford während dieses Drehs.

Ich habe dieses Werk als Hörbuch gehört und kann die inhaltliche Rezension nicht von Carrie Fishers Lesung ihres eigenen Buches trennen. Warum? Carrie Fisher liest das Buch, als ob sie dem Hörer persönlich gegenüber säße – voller Humor, voller Emotion und mit vollem Stimmeinsatz. Dies macht Fishers Geschichten aus ihrer Jugend besonders mitreißend. Das Hörbuch sei daher dringend empfohlen.

Wir wissen ja, wie geistreich und humorvoll Carrie Fisher war, herrlich sind vor allem ihre Wortspiele und ihre Selbstironie, die das ganze Buch durchzieht. Sie spricht mit Ausnahme dessen, was wirklich privat bleiben sollte, sehr offen, auch über ihre Affäre mit Harrison Ford. An diesen richtet sie keinerlei Vorwurf, vielmehr war der doch recht verliebten Carrie von Anfang an klar, dass es bei einer zeitlich begrenzten Affäre (Carrison) bleiben würde. Da Fisher selbst ein Scheidungskind war, lag ihr eigentlich nichts ferner, als eine Affäre mit einem verheirateten Mann zu beginnen, doch manchmal nehmen die Dinge einfach ihren Lauf. Fisher ergänzt ihre Erzählung durch Einträge aus einem Tagebuch, das sie zur Zeit des Drehs führte und vor einiger Zeit wiederfand. Diese Tagebucheinträge waren es, die mich ganz besonders beeindruckten (gelesen werden diese übrigens nicht von Fisher, sondern von ihrer Tochter Billie Lourd). Was Carrie Fisher schon im Alter von 19 Jahren zu Papier brachte, ist in höchstem Maße poetisch, philosophisch und melancholisch und lässt durchblicken, was für ein großer Intellekt sich hinter der High-School-Abbrecherin verbarg.

Was mir nicht so gut gefiel, waren die Kapitel, in denen Fisher von den zahlreichen Autogrammstunden berichtet. Sie übernimmt dabei stellenweise die Stimme des Fans und gibt Beispiele dafür wieder, was die Fans ihr so alles erzählten. Diese Abschnitte sind meiner Meinung nach zu lang geraten, sie könnten deutlich gekürzt werden, ohne dass die Pointe verloren ginge.

Nicht zuletzt ist das Buch auch eine Liebeserklärung an Star Wars und Fishers ikonische Rolle als Leia, die nach eigener Aussage nicht mehr wirklich von ihrer eigenen Person zu trennen ist.

Eine Empfehlung für alle, die die unvergessliche Carrie Fisher schätzten.

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(c) Hodder

Deutscher Titel: Der Fall Jane Eyre

Wir schreiben das Jahr 1985 in einem etwas anderen London, in dem Literatur eine viel größere Rolle spielt als in unserer Welt und immer noch der Krimkrieg zwischen England und Russland andauert. Das Originalmanuskript von Dickens‘ „Martin Chuzzlewit“ wurde gestohlen. Die Literaturpolizei LiteraTec vermutet niemand anderen hinter dem Diebstahl als den genialen Gauner Acheron Hades. LiteraTec-Detective Thursday Next hat bei dem früheren Professor studiert und wird daher als Expertin für den Fall angeheuert. Als eine Nebenfigur aus „Martin Chuzzlewit“ verschwindet, ahnt sie, was Hades vorhat: Er hat eine Möglichkeit gefunden, in das Skript einzudringen und will den Staat unter Androhung der Ermordung der Hauptfigur erpressen… Nicht auszudenken, was aus dem Roman würde ohne seine Hauptfigur.

Jasper Ffordes Erstling ist vor allem aufgrund seiner Ansiedelung in einer Parallelwelt etwas ganz Besonderes. Jedem literaturaffinen Leser wird allein die Tatsache, dass Literatur und Kunst in dieser Parallelwelt immens wichtig sind, enormes Vergnügen bereiten. Es ist einfach herrlich, dass sich hier nicht Fußball-Hooligans bekriegen, sondern Raphaelisten und Neo-Surrealisten. Und so manches literarische Werk, etwa „Jane Eyre“, das wie der Titel schon sagt eine entscheidende Rolle spielt, oder „Love’s Labour’s Won“ (!) hat ein anderes Ende als bei uns…

Ich verneige mich vor Jasper Fforde. Die Konstruktion dieser Welt ist einfach genial und erlaubt ein Kriminalstück, wie es in einer „normalen“ Welt nicht denkbar wäre. Das auch mich fesseln kann, die herkömmliche Krimis (meistens) langweilig findet. Die ganzen literarischen Anspielungen machen einfach einen Riesenspaß. Auf Seite 286 gibt es beispielsweise einen Detective Inspector Oswald Mandias, was sicherlich auf das berühmte Gedicht „Ozymandias“ von Percy Bysshe Shelley anspielt. Ich muss auch mal im Internet nachforschen, was mir da wohl alles entgangen ist.

Auch Zeitreisen sind in diesem kuriosen Paralleluniversum möglich, was einige sehr komische Folgen hat. Wollt ihr zum Beispiel wissen, woher die Banane kommt? Dann müsst ihr dieses Buch lesen.

Thursday Next ist eine sympathische Heldin, der ich gerne in weitere Bücher folgen werde. Die restlichen Charaktere sind teilweise ein bisschen klischeehaft, etwa der geniale Bösewicht, was aber angesichts der ganzen Literaturbezüge nicht stört, sondern im Gegenteil nur konsequent ist.

Einen kleinen Abzug gibt es von mir für die Liebesgeschichte, die ist schon ein wenig kitschig und für mich stellenweise auch nervig (es geht mal wieder um Vergebung), aber sie drängt sich nicht in den Vordergrund und tut dem Vergnügen, das dieses Buch bereitet, keinen Abbruch.

Herrlich!

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argoncover

(c) Argon Hörbuch

Sprecher: Christoph Maria Herbst

Dauer: 5 h 16 min

Lord und Lady MacIntosh besitzen ein schönes Anwesen in den schottischen Highlands, auf dem sie auch mehrere Cottages als Ferienhäuschen vermieten. Wie es sich für so ein Anwesen gehört, gibt es dort auch Tiere, Hunde, eine Gans – und eine Kolonie von Pfauen. Nur dass einer dieser Pfauen offenbar verrückt geworden ist und plötzlich alles attackiert, was von blauer Farbe ist. Wie dumm, dass der Wagen der Chefin der Bankertruppe, die sich zu einer Team-Building-Maßnahme im Westflügel des Herrenhauses einquartiert, auch blau ist…

Die bisher vornehmlich als Übersetzerin bekannte Isabel Bogdan legt mit “Der Pfau” einen fulminanten Debütroman vor, der genau das hält, was er verspricht: beste Unterhaltung. In herrlicher Manier nimmt Bogdan typische Ausprägungen der heutigen Gesellschaft aufs Korn, was sich am schönsten an den wunderbar charakterisierten Bankern zeigt, die auf dem Anwesen ihren Arbeitsurlaub machen. Rund um den Pfau und sein Schicksal entstehen schier unglaubliche Irrungen und Verwirrungen, jeder weiß etwas, was der andere nicht weiß, und jeder stellt Theorien über das Verbleiben des wunderlichen Pfaus auf. Auch die Hunde, die nicht begreifen können, warum ihre Menschen sich so merkwürdig verhalten, kommen zu Wort. Das alles ist so komisch, dass der Leser keinen Satz verpassen möchte, denn überall steckt Witz drin. Isabel Bogdan bedient sich dabei einer wunderbar leichten Sprache, die der begnadete Hörbuchsprecher Christoph Maria Herbst genau richtig zu betonen weiß.

Ein rundum gelungenes Hörvergnügen!

 

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(c) Hörbuch Hamburg

(c) Hörbuch Hamburg

(c) Hörbuch Hamburg

Vor der Wohnungstür des Kleinkünstlers Marc-Uwe Kling steht eines Tages ein sprechendes Känguru und möchte sich ein paar Dinge leihen, um Pfannkuchen machen zu können. Da sich schnell herausstellt, dass es dafür alles von Marc-Uwe braucht, inklusive Küche, zieht es gleich ganz mit ein. Das Känguru entpuppt sich als Kommunist, Schnorrer, Schnapspralinenliebhaber und Bud Spencer-Fan. Wie passend, dass Marc-Uwe Terence Hill-Fan ist! Das Zusammenleben der beiden ist chaotisch und haarsträubende Situationen sind vorprogrammiert.

Ich habe bisher bei noch keinem Hörbuch so viel gelacht wie bei Marc-Uwe Klings Känguru-Trilogie. Das Känguru ist so herrlich unverschämt, anarchistisch, bekloppt, dass der Hörer seine wahre Freude hat. Kling bedient sich neben der Situationskomik vor allem des absurden Humors – was ich ganz besonders liebe. Während es im ersten Teil noch hauptsächlich um das Zusammenleben der beiden ungewöhnlichen Wohnungsgenossen geht, treten im zweiten Teil auch weitere Personen auf, insbesondere die Mitglieder des vom Känguru gegründeten asozialen Netzwerks und der Pinguin – Nachbar von Marc-Uwe und dem Känguru und dessen Antagonist! Im dritten Teil schließlich bereisen Marc-Uwe und das Känguru auf die Welt auf der Suche nach dem Pinguin und seinen Machenschaften.

Die Meinungen darüber, welcher Teil denn nun der beste ist und welche Teile schwächer sind, sind geteilt. Mir persönlich haben der zweite und dritte Teil sogar noch besser gefallen als der schon geniale erste. Ich würde ganz unbedingt die Hörbücher empfehlen, es handelt sich um Live-Mitschnitte von Lesungen des Autors, dessen Interpretation wesentlich zur Humorwirkung der Bücher beiträgt. Einige Mittel der Humorerzeugung setzt Kling wiederholt an den passenden Stellen ein, es entstehen viele Running Gags, die das Ganze umso komischer machen, etwa die den falschen Urhebern zugeschriebenen Zitate. Auch Unstimmigkeiten im ersten oder zweiten Teil werden in den Folgebänden konsequent humoristisch verpackt.

Ein rundum gelungenes Hörvergnügen!

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(c) dtv

Übersetzung aus dem Englischen: Ulrich Enderwitz

Als junger Ethnologe unterrichtet Nigel Barley an einer britischen Universität, bis ihm ein Kollege die entscheidende Frage stellt: „Warum machst Du dann nicht Feldforschung“? Schließlich sind die Feldforscher doch die Obergurus der Ethnologie! Kaum ist die Entscheidung gefällt und das zu untersuchende Volk, die Dowayo im nördlichen Kamerun, ausgewählt, holt die Bürokratie Barley wieder auf den Boden der Tatsachen und jegliche Ethnologenromantik ist schnell dahin. Wie wird es ihm in Afrika ergehen?

Bei der Lektüre dieses humorvollen Buches stellte ich mir schon des Öfteren die Frage, ob Nigel Barley sich damit nicht unter manchen Kollegen unbeliebt gemacht hat. Sein grundehrlicher Bericht entzaubert die Vorstellungen, die Fachfremde von der Feldforschung haben mögen – und sorgt beim Leser für viele Lacher. Etwa bei der Schilderung seines Abschieds von den Dorfbewohnern:

„Es war mir eine gewisse Genugtuung, daß, als ich von den Dowayos wieder Abschied nahm, der Häuptling des Dorfes, in dem ich mich aufgehalten hatte, erklärte, er würde mich liebend gern zu meinem Dorf in England zurückbegleiten, wenn er nicht Angst vor einem Land hätte, in dem es immer kalt sei, in dem reißende Tiere von der Art der europäischen Hunde in der Missionsstation lebten und in dem es, wie bekannt, Menschenfresser gebe.“ (Seite 20)

Auch Sprachschwierigkeiten sorgen für viele komische Situationen.

Barley schildert episodenhaft – mit offensichtlichem Erzähltalent – seinen ersten Aufenthalt bei den Dowayos, samt aller haarsträubenden Erlebnisse. Dabei geht er jedoch gegenüber allen Beteiligten auch sehr fair vor, so räumt er bei aller Kritik an der Missionstätigkeit der Kirchen beispielsweise ein, dass viele auch wirklich Gutes leisten, das nichts mit dem Versuch einer religiösen Bekehrung zu tun hat.

Aufgefallen ist mir, dass dem Lektorat ein paar Fehler entgangen sind, einen davon erkannte ich als typischen „Satzumbaufehler“, der häufig beim Übersetzen entsteht. Es sind jedoch wirklich nur ganz wenige Vorkommnisse, die man verschmerzen kann.

Eine vergnügliche, ansprechende Lektüre, die ich gerne weiterempfehle.

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