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Posts Tagged ‘jugendbuch’

(c) Loewe

Die sechzehnjähriger Amy lebt mit ihrer Mutter Alexis im Ruhrgebiet. Da beide gerade die Nase gründlich voll haben, Amy wegen eines erniedrigenden Erlebnisses mit sogenannten Freunden, ihre Mutter wegen der Trennung von ihrem Freund, packen die beiden und machen sich für die Sommerferien auf den Weg auf die Shetlands, woher Alexis stammt. Dort wartet mehr als eine Überraschung auf Amy: Nicht nur bewohnt ihre Großmutter ein Herrenhaus, sondern ihre Familie zeichnet sich auch wie die zweite herrschaftliche Familie der Insel durch eine Besonderheit aus: In jungen Jahren können ihre Mitglieder förmlich in Bücher, d. h. in ihre Geschichte „hineinspringen“.

Welchen Bücherfreak spricht dieses Setting nicht an? Wer möchte nicht einmal mit seinen liebsten Romanhelden sprechen und die schönsten Geschichten live miterleben?

Mechthild Gläser hat sich da ein faszinierendes, aber auch dankbares Thema ausgesucht. Vor allem die erste Hälfte des Buches leidet allerdings an gar zu vielen Logikfehlern. Alexis‘ Gepäck geht während der Überfahrt zur Insel über Bord, aber dennoch packt sie in ihrem Badezimmer im Herrenhaus ihre ganze Naturkosmetik aus? Amy spricht natürlich Englisch mit ihrer Großmutter, auch wenn die Dialoge natürlich auf Deutsch wiedergegeben werden, aber woher nimmt sie im Englischen bitte die Unterscheidung zwischen „du“ und „Sie“, die sie an einer Stelle macht? (Es ist wohl kaum anzunehmen, dass sie es mit dem altertümlichen „thou“ probiert hat…)

Auch für ein Jugendbuch war mir die Geschichte stellenweise nicht durchdacht genug. Dies bessert sich allerdings im Verlauf des Buchs etwas und wenn man diese Fehler beiseite lässt, bekommt man ein schönes, fantasievolles Unterhaltungswerk mit Humor. Herrlich etwa, dass es in der Apotheke der Bücherwelt ein Mittel gegen schwache Verben gibt.

Eine Romanfigur wird in der realen Welt getötet und ein Dieb treibt sein Unheil in der Bücherwelt, wogegen Amy und die beiden anderen jugendlichen Buchspringer Will und Betsy (Betsy ist selbstverständlich eine Zicke) vorgehen möchten. So entwickelt sich die Handlung ein wenig Richtung Krimi.

Das Ende ist insbesondere für ein Jugendbuch angenehm offen gehalten, auch wenn es gegen Ende absehbar war, hatte ich da mit mehr Kitsch gerechnet.

Eine schönes, aber nicht großartiges Jugendbuch mit kleinen Schwächen. 3,5 Sterne.

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(c) Atom

Deutscher Titel: The Diviners – Aller Anfang ist böse

New York in den 20er Jahren des letzten Jahrhunderts. Die siebzehnjährige Evie O’Neill wird zu ihrem Onkel Will ins Exil geschickt, da sie in ihrer Heimatstadt für einen gesellschaftlichen Eklat gesorgt hat. Dieser Eklat hat mit einer besonderen Fähigkeit Evies zu tun: ein Gegenstand aus dem Besitz einer Person und etwas Konzentration reichen ihr, um in die Gedanken und Erinnerungen der Person einzudringen. Onkel Will wiederum betreibt passenderweise ein Museum für übernatürliche Phänomene und als ein mysteriöser Mord geschieht, soll er die Polizei bei den Ermittlungen unterstützen. Natürlich ist Evie zu neugierig, um die Finger davon zu lassen. Dabei trifft sie im Laufe des Buchs auf weitere Siebzehnjährige mit merkwürdigen Gaben…

Libba Bray legt mit ihrem Jugendroman eine wirklich packende, komplexe Geschichte nicht nur für Teenager vor. Am besten gefallen an dem Buch hat mir die authentische 20er-Jahre-Atmosphäre, die heraufbeschworen wird, unter anderem durch Begriffe, die zur damaligen, von der Prohibition gekennzeichneten Zeit gängig waren. Ich musste das eine oder andere Mal die englische Wikipedia zurate ziehen. Die Untergrundkneipen mit illegalem Ausschank wurden etwa „Speakeasies“ genannt, die Schwarzhändler „Bootlegger“. Libba Bray hat offensichtlich einen enormen Rechercheaufwand betrieben, um die 20er Jahre möglichst glaubhaft darzustellen. Aufgefallen ist mir der trotz der Prohibition doch enorme Alkoholkonsum, insbesondere von Evie, da könnte man fast meinen, es wurde jetzt erst recht gesoffen 😉

Die Charaktere sind in ihrer Tiefe nicht unbedingt das, was den Roman ausmacht, originell und gefällig sind sie aber allemal. Evie als Hauptperson ist mitunter nervig, sie ist ein richtiges Partygirl, aber auch sehr aufgeweckt und mutig.

Das übersinnliche Element wird direkt im ersten Kapitel eingeführt, der Leser weiß im Gegensatz zu den Charakteren direkt Bescheid, wer bzw. was der Mörder ist. Um diese gruselige Gestalt wird jedoch ein regelrechter Mythos aufgezogen, der mich absolut gefesselt hat.

Sprachlich ist der Roman trotz der Spezialbegriffe aus der Prohibitionszeit gut lesbar. Sehr genervt hat mich allerdings Evies ständiger Gebrauch der Verballhornung „pos-i-tutely“.

Gegen Ende des Buchs werden ein Element und eine Entwicklung eingeführt, die mir nicht gefallen haben. Einmal handelt es sich dabei um ein regelrechtes Steampunk-Element, das für meine Begriffe nicht in das Buch passt. Ich hatte bis zu diesem Zeitpunkt die Welt von „The Diviners“ als reale Welt empfunden, in der es eben nur Übersinnliches gibt. Das Steampunk-Element entrückt die Welt noch etwas mehr von der unseren, was für mich nicht stimmig ist. Außerdem entwickelt sich da etwas, das auf eine Dreifach-, eventuell sogar Vierfachbeziehung in der Fortsetzung hindeutet, und das muss ich jetzt wirklich nicht schon wieder in einem Jugendbuch haben.

Ich vergebe dementsprechend vier von fünf Sternen und bin gespannt auf den zweiten Teil.

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(c) Diogenes

Bath, irgendwann im 19. Jahrhundert. Bartholomew Kettle und seine Schwester Hettie sind Mischlinge – ihr Vater ist ein Sídhe, ein Feenwesen, ihre Mutter ein Mensch. Sie leben mit ihrer menschlichen Mutter in einem heruntergekommenen Viertel von Bath, wo die meisten Feenwesen leben, sie stellen die Unterschicht der Gesellschaft dar. Doch Mischlinge werden von beiden Seiten angefeindet. So sehr, dass Bartholomew und Hettie, bei der ihre Feenherkunft besonderes offensichtlich ist, kaum vor die Tür gehen dürfen. „Die Seltsamen“ werden die Mischlinge genannt. Dann werden plötzlich Mischlingskinder sogar ermordet. Eine vornehme Dame in einem pflaumenfarbenen Kleid, die im Viertel auftaucht, scheint etwas damit zu tun zu haben. Unterdessen gerät der Parlamentsabgeordnete Arthur Jelliby in London ungewollt mit dem Justizminister, dem ersten Sídhe in einer solchen Position, aneinander. Auch er scheint irgendwie verwickelt zu sein.

Stefan Bachmann zählt C. S. Lewis und Charles Dickens zu seinen größten literarischen Einflüssen und hat außerdem eine Vorliebe für Steampunk. Alle drei Elemente sind in seinem Debütroman deutlich zu spüren, gleichzeitig hat er eine ganz eigene Welt erschaffen. Denn seine Feenwesen sind keine schönen, ätherischen Kreaturen, sie sind an die keltische Feenwelt angelehnt und ganz unterschiedlich, teilweise böse, und meistens eher hässlich. Sie haben die Welt der Menschen durch ein Portal betreten, das nun geschlossen ist, und es gab erst einmal auch einen Krieg mit den Menschen. Soweit der Fantasy-Aspekt. Die Feenwesen sind, wie bereits in der Kurzbeschreibung erwähnt, am unteren Rande der anschließend entstandenen Gesellschaft angesiedelt, sie leben oft in ärmsten Verhältnissen, so auch Bartholomew und seine Schwester, die ebenfalls offen als eher hässlich beschrieben werden und auch daher ungewöhnliche Helden sind. Darin ist Dickens‘ Einfluss deutlich zu spüren. Die Menschen haben sich außerdem alle möglichen mechanischen Apparaturen ausgedacht, die ihnen die Arbeit abnehmen, Kutschen werden etwa von mechanischen Pferden gezogen. Steampunk pur! Die Geschichte spielt dementsprechend auch im 19. Jahrhundert, aber die Welt ist eine ganz andere. So gibt es in Amerika etwa noch die britischen Kolonien. Das hat mich auch ein wenig an die Parallelwelt im ersten Teil der „His Dark Materials“-Trilogie von Philipp Pullman erinnert.

Gerade dieses Steampunk-Element, das etwas Neues für mich war, hat mich besonders fasziniert. Die Geschichte ist orginell, die Charaktere sind verschroben, aber liebenswürdig, und das Ganze läuft auf einen Showdown hinaus, der in einem teilweisen Cliffhanger endet. Auch sprachlich hat mich das Buch überzeugt, wobei ich immer wieder dachte, dass ich schon gern das Original gelesen hätte. Es hat mich doch ziemlich erstaunt, wie gekonnt Stefan Bachmann in einem so jungen Alter schreiben konnte. Bei der Lesung auf der Frankfurter Buchmesse betonte er, er sei eben kein „Wunderkind“, er habe sich seinen Schreibstil hart erarbeiten müssen. Er muss sehr früh angefangen haben, um dieses Niveau zu erreichen, wirklich toll.

Ich freu mich schon richtig auf den zweiten Teil und eine erneute Reise in diese spannende Welt!

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(c) Loewe

An Nicks Londoner Schule geht eine geheimnisvolle CD um. Auch Nicks bester Freund Colin hat diese CD und verhält sich seitdem merkwürdig. Immer mehr Schüler erscheinen zeitweise nicht zum Unterricht. Als Nick endlich auch eine Kopie der CD erhält, weiß er warum: Es handelt sich um ein absolut süchtigmachendes Computerspiel. Und dieses scheint nicht nur genau zu wissen, was er tut, sondern es hat offenbar auch ein Anliegen. Das Spiel spielt stellt seinen Anhängern Aufgaben in der realen Welt und das wird zunehmend gefährlicher…

Endlich habe auch ich einmal dieses Buch gelesen, das schon so viele von euch begeistert hat. Und ich kann es nachvollziehen, es liest sich ganz prima und ist wirklich spannend. Zu Beginn hatte ich ein bisschen Zweifel an der Hauptperson Nick, da ich die Befürchtung hatte, dass er ein Bully ist, sowas kann ich nämlich gar nicht leiden. Doch schnell stellt sich heraus, dass Nick schon in Ordnung ist. In der ersten Hälfte des Buchs möchte man ihm immer wieder sagen: „Lass das Spiel, das ist gefährlich!“ Aber für den Leser ist es wichtig, dass Nick das Spiel richtig kennenlernt, damit klar ist, womit die Schüler es zu tun haben. Wie das Spiel es schafft, dermaßen interaktiv zu sein, ist vollkommen unklar und zeichnet sich erst Richtung Auflösung ab. Ich dachte zwischendurch des Öfteren, dass diese oder jene Sache gar nicht sein kann, aber die vermeintlichen Logiklücken kären sich dann auch mit der Auflösung. Die Spielszenen selbst machen auch richtig Spaß, wobei die ganze Kämpferei ja nix für mich wäre. Aber das sagt sich so leicht, wenn man erst mal in so einem Spiel drin ist, kann man sich dem wahrscheinlich nur schwer entziehen.

Eine kleine Romanze muss es natürlich auch geben, aber die steht angenehmerweise nicht im Vordergrund. Nur an einer Stelle fand ich es dann doch etwas kitschig 😉

Die Auflösung schließlich ist gut durchdacht und hat mir richtig gut gefallen. Ein rundum empfehlenswertes Jugendbuch!

 

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(c) Droemer-Knaur

Deutschland, spätes 21. Jahrhundert. Nachdem in den 10er Jahren ein Virus dafür gesorgt hat, dass Frauen und Männer sich als Feinde sehen und darauf jahrzehntelang Krieg und Zerstörung herrschten, besteht zwischen den Geschlechtern ein wackliger Frieden. Manner sind für die Frauen „Teufel“ sie leben in den Ruinen der Städte, Frauen für die Männer „Hexen“, sie leben auf dem Land und bewirtschaften es. Kinder gibt es nur noch ganz wenige, die bei der sogenannten „Landernte“ entstehen, dabei begibt sich eine Gruppe von Männern in ein Frauendorf, fordert Ernteerträge an und empfängnisbereite Frauen bieten sich widerwillig zum Zeugen von Kindern an. Männliche Kinder werden an die Männer übergeben. Doch der „Großinquisitor“ der Männer will wieder Krieg anzetteln und lässt seine Männer die Frauendörfer brutal überfallen. In die Machenschaften verwickelt werden die junge Kriegerin Juna und der Mönch David.

Ich wollte schon lange mal ein Buch von Thomas Thiemeyer lesen, und da ich Dystopien mag, habe ich mich für dieses Buch entschieden. Ich muss jedoch leider sagen, dass es mich enttäuscht hat. Das World Building ist durchaus ansprechend – ich fand es besonders reizvoll, dass das mal eine in Deutschland angesiedelte Dystopie ist, die in der Umgebung von Köln spielt, – könnte jedoch ausgereifter sein. Die Charaktere habe ich als ziemlich oberflächlich empfunden, ich konnte weder mit Juna noch mit David wirklich etwas anfangen und auch die unvermeidliche Liebesgeschichte hat mich überhaupt nicht angesprochen. Die Idee hinter der Geschichte ist sicher interessant, doch der Plot leider viel zu eingängig und vorhersehbar, teilweise auch schlicht unglaubwürdig. Ich will das Buch jetzt nicht gänzlich schlecht machen, man kann es gut lesen und ich werde wohl auch die Fortsetzung lesen, um zu sehen, wie es mit der Welt weitergeht. Die Charaktere interessieren mich nicht wirklich, sie sind, wie schon gesagt, einfach zu flach.

Auch sprachlich ist das Buch nicht mein Ding, die Sprache ist doch ein bisschen zu einfach, aber da es ein Jugendbuch ist, lasse ich das als abwertendes Kriterium mal aus. Deshalb gut gemeinte drei Sterne von mir. Ich hoffe, Thiemeyers Bücher aus anderen Genres sind überzeugender.

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(c) Arena Verlag

Achtung, Spoiler für alle möglich, die Band 2, „Saphirblau“, noch nicht gelesen haben!

Gwendolyns Herz ist gebrochen, denn es sieht so aus, als hätte Gideon ihr nur was vorgespielt, um sie manipulieren zu können. Und dann soll sie auch noch erneut ins 18. Jahrhundert reisen und den gefährlichen Grafen von Saint-Germain treffen! Alles Mist!

Teil 3 von Kerstin Giers Zeitreisetrilogie knüpft nahtlos an die Ereignisse aus „Saphirblau“ an. Auch wenn der Leser sich denken kann, dass das mit Gideon vielleicht doch nur ein Missverständnis ist, leidet man zunächst mal mit der armen Gwendolyn mit, und man muss auch um sie fürchten, denn, was immer klarer wird, des Rätsels Lösung hat direkt mit Gwendolyns Leben zu tun, das somit natürlich in Gefahr ist.

Kerstin Giers Erzählstil ist wie immer lockerleicht zu lesen und höchst amüsant. Ein Highlight ist sicherlich die Kostümparty bei einer Schulfreundin von Gwendolyn, bei der sich ihre doch so vernünftige und erwachsene Cousine Charlotte mal von einer ganz anderen Seite zeigt 😉 Gideons Bruder Raphael ist eine sympathische Ergänzung der Nebencharaktere, außerdem ist natürlich auch Xemerius wieder mit von der Partie und sorgt für eine Extraportion Humor. Nach und nach entwirren sich die Fäden und ein Mysterium nach dem anderen wird aufgelöst. Sehr schön gemacht finde ich, dass sich wirklich jeder noch so kleine Erzählstrang, etwa der um den Geist James, seinen Abschluss findet. Dass es auch mit dem Butler der Familie etwas auf sich hat, war klar, und gegen Ende konnte ich mir auch denken, was. Das Finale ist wirklich raffiniert ausgeheckt, auch wenn es nicht ganz ohne Kitsch geht.

Ein wirklich schöner Abschluss einer Trilogie, die mir sehr viel Spaß bereitet hat.

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(c) Katherine Tegen Books

Achtung: Spoiler für alle, die Band 2, Insurgent, noch nicht gelesen haben!

Deutscher Titel: Die Bestimmung – Letzte Entscheidung

Ich habe einiges zu diesem Buch zu sagen und will auch gleich vorwarnen, dass ich mich unten, extra gekennzeichnet und abgesetzt, zum Ende äußern werde.

Chicago, in der Zukunft. Nach dem Bürgerkrieg zwischen den Fraktionen haben die Fraktionslosen unter Tobias‘ Mutter Evelyn die Macht übernommen. Das Video, das Tris allen gezeigt hat, und in dem die Einwohner erfahren, dass ihre Stadt und ihre Gesellschaft ein Experiment ist, wird von den Fraktionslosen ignoriert. Ein Übel wurde durch ein anderes ersetzt, Evelyn gibt harsche Befehle und jede Bekundung der Zugehörigkeit zu einer Fraktion wird hart bestraft. Doch einige wollen sich Evelyn wiedersetzen, die Fraktionen wieder einführen und vor allem, dem Wunsch der Frau aus dem Video entsprechen und die Stadt verlassen, um die anderen Menschen zu finden. Sie nennen sich die „Allegiant“. Auch Tris und Tobias möchten zu denen gehören, die die Stadtgrenzen überqueren werden. Und hinter dem Zaun erfahren sie dann die eigentliche Wahrheit…

Ich hatte im Vorfeld mitbekommen, dass viele den dritten Teil der Dystopiereihe stark kritisieren, was mich umso neugieriger gemacht hat, sodass ich das Buch relativ schnell im Anschluss an „Insurgent“ gelesen habe.

Gleich zu Beginn muss der Leser sich an eine neue Perspektive gewöhnen, denn erzählt wird jetzt nicht mehr nur in der Ich-Form aus Tris‘ Perspektive, sondern abwechselnd auch in der Ich-Form aus Tobias‘ Perspektive. Am Anfang der einzelnen Kapitel wird jeweils vermerkt, aus welcher Perspektive das Kapitel erzählt wird. Am Anfang ist dies dennoch etwas verwirrend, aber man gewöhnt sich schnell daran.

Das Glanzstück dieses dritten Teils ist wieder die Entwicklung der Charaktere Tris und Tobias. Diese sind mit viel Tiefgang liebevoll ausgearbeitet und man merkt richtig, das Veronica Roths Herzblut in diesen Charakteren steckt. Tris hat ihre Schuldgefühle überwunden und ihr Bedürfnis, sich selbst unnötig zu opfern, aufgegeben. Sie kommt daher wieder viel positiver, aber nicht weniger engagiert rüber. Die Wahrheit, von der die Allegiant-Mitglieder außerhalb der Stadt erfahren, ist hochinteressant, wird jedoch vom Leser (jedenfalls von mir) nicht gleich im ganzen Ausmaß erfasst, sodass sie sich im Laufe des Buches weiterentwickeln kann. Schnell wird klar, dass dort auch nicht gerade alles im Reinen ist.

Das Ende ist absolut stimmig! Nach der Entwicklung der Charaktere im Buch wäre jedes andere Ende für mich enttäuschend gewesen. Ich bin von diesem dritten Band absolut begeistert und empfinde ihn als äußerst gelungenen Abschluss einer hervorragenden Trilogie. Hut ab vor Veronica Roth!

JETZT KOMMEN SPOILER, SPOILER, SPOILER, SPOILER, SPOILER, SPOILER, SPOILER, SPOILER!!!

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So, das sollte reichen. Sehr viele Leser bewerten „Allegiant“ mit nur einem Stern und äußern sich maßlos enttäuscht, weil Veronica Roth ihre Heldin Tris sterben lässt. Ich bin jedoch – mal ganz abgesehen davon, dass ich das für eine wahnsinnig mutige Entscheidung halte – der Meinung, dass dieses Ende absolut sein musste, um Tris‘ Charakter und ihrer Entwicklung gerecht zu werden. Es zeigt uns, wer ganz genau diese junge Frau ist: eine wahre Heldin. Und, let’s face it, echte Helden überleben selten. Wie viele Widerstandskämpfer im 2. Weltkrieg sind gestorben und wie viele haben überlebt? Das, was Tris zur wahren Heldin macht, ist ihre Bereitschaft, sich selbst für die Menschen, die sie liebt, zu opfern, auch wenn sie von diesen, genauer gesagt von Caleb, zuvor verraten wurde. Tris liebt ihren Bruder, sie vergibt ihm. Im Gegensatz zum zweiten Band ist ihre Opferbereitschaft jedoch nicht aus ihren Schuldgefühlen geboren, sie möchte nicht mehr sterben, weil sie das Gefühl hat, büßen zu müssen, nein, sie will leben und mit Tobias glücklich werden! Doch als es wirklich soweit ist und Caleb in den Tod gehen will, um alles zu retten, lässt Tris ihn nicht. Sie hat nicht vor, zu sterben, sie glaubt, dass sie im Gegensatz zu Caleb eine Chance hat, weil sie das Todesserum überleben kann. Und so kommt es ja dann auch, nur dass sie beim Freisetzen des Erinnerungsserums erschossen wird.

Natürlich habe ich geweint bei Tris‘ Tod, aber das war einfach absolut stimmig! Und so werden die letzten Seiten des Buchs von Tobias erzählt, der auch einen Entwicklungsprozess durchgemacht hat und durch Tris‘ Einfluss und ihren Tod zu dem wird, der er ist. Sehr rührend fand ich die Szene, als Tobias Tris‘ Asche vertreut. Und so schlimm Tris‘ Tod ist, habe ich das Ende als sehr positiv und hoffnungsvoll empfunden, viel positiver als etwa das Ende bei den „Hunger Games“ denn aufgrund von Menschen wie Tobias und Johanna haben die Menschen in Chicago eine Chance, die Vergangenheit und die Diskrimierung der „genetisch Beschädigten“ zu überwinden. Um beim Vergleich mit den Hunger Games zu bleiben, Tris ist auch eine ganz andere Protagonistin, während Katniss instinktiv handelt, agiert Tris sehr überlegt und durchdacht.

Meinen Respekt vor Veronica Roth dafür, dass sie sich und ihrer Geschichte treu geblieben ist, obwohl sie wahrscheinlich wusste, dass es sie einige Fans kosten würde. Ein tolle Autorin!

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