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Posts Tagged ‘jugendroman’

(c) Atom

Deutscher Titel: The Diviners – Aller Anfang ist böse

New York in den 20er Jahren des letzten Jahrhunderts. Die siebzehnjährige Evie O’Neill wird zu ihrem Onkel Will ins Exil geschickt, da sie in ihrer Heimatstadt für einen gesellschaftlichen Eklat gesorgt hat. Dieser Eklat hat mit einer besonderen Fähigkeit Evies zu tun: ein Gegenstand aus dem Besitz einer Person und etwas Konzentration reichen ihr, um in die Gedanken und Erinnerungen der Person einzudringen. Onkel Will wiederum betreibt passenderweise ein Museum für übernatürliche Phänomene und als ein mysteriöser Mord geschieht, soll er die Polizei bei den Ermittlungen unterstützen. Natürlich ist Evie zu neugierig, um die Finger davon zu lassen. Dabei trifft sie im Laufe des Buchs auf weitere Siebzehnjährige mit merkwürdigen Gaben…

Libba Bray legt mit ihrem Jugendroman eine wirklich packende, komplexe Geschichte nicht nur für Teenager vor. Am besten gefallen an dem Buch hat mir die authentische 20er-Jahre-Atmosphäre, die heraufbeschworen wird, unter anderem durch Begriffe, die zur damaligen, von der Prohibition gekennzeichneten Zeit gängig waren. Ich musste das eine oder andere Mal die englische Wikipedia zurate ziehen. Die Untergrundkneipen mit illegalem Ausschank wurden etwa „Speakeasies“ genannt, die Schwarzhändler „Bootlegger“. Libba Bray hat offensichtlich einen enormen Rechercheaufwand betrieben, um die 20er Jahre möglichst glaubhaft darzustellen. Aufgefallen ist mir der trotz der Prohibition doch enorme Alkoholkonsum, insbesondere von Evie, da könnte man fast meinen, es wurde jetzt erst recht gesoffen 😉

Die Charaktere sind in ihrer Tiefe nicht unbedingt das, was den Roman ausmacht, originell und gefällig sind sie aber allemal. Evie als Hauptperson ist mitunter nervig, sie ist ein richtiges Partygirl, aber auch sehr aufgeweckt und mutig.

Das übersinnliche Element wird direkt im ersten Kapitel eingeführt, der Leser weiß im Gegensatz zu den Charakteren direkt Bescheid, wer bzw. was der Mörder ist. Um diese gruselige Gestalt wird jedoch ein regelrechter Mythos aufgezogen, der mich absolut gefesselt hat.

Sprachlich ist der Roman trotz der Spezialbegriffe aus der Prohibitionszeit gut lesbar. Sehr genervt hat mich allerdings Evies ständiger Gebrauch der Verballhornung „pos-i-tutely“.

Gegen Ende des Buchs werden ein Element und eine Entwicklung eingeführt, die mir nicht gefallen haben. Einmal handelt es sich dabei um ein regelrechtes Steampunk-Element, das für meine Begriffe nicht in das Buch passt. Ich hatte bis zu diesem Zeitpunkt die Welt von „The Diviners“ als reale Welt empfunden, in der es eben nur Übersinnliches gibt. Das Steampunk-Element entrückt die Welt noch etwas mehr von der unseren, was für mich nicht stimmig ist. Außerdem entwickelt sich da etwas, das auf eine Dreifach-, eventuell sogar Vierfachbeziehung in der Fortsetzung hindeutet, und das muss ich jetzt wirklich nicht schon wieder in einem Jugendbuch haben.

Ich vergebe dementsprechend vier von fünf Sternen und bin gespannt auf den zweiten Teil.

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(c) Diogenes

Bath, irgendwann im 19. Jahrhundert. Bartholomew Kettle und seine Schwester Hettie sind Mischlinge – ihr Vater ist ein Sídhe, ein Feenwesen, ihre Mutter ein Mensch. Sie leben mit ihrer menschlichen Mutter in einem heruntergekommenen Viertel von Bath, wo die meisten Feenwesen leben, sie stellen die Unterschicht der Gesellschaft dar. Doch Mischlinge werden von beiden Seiten angefeindet. So sehr, dass Bartholomew und Hettie, bei der ihre Feenherkunft besonderes offensichtlich ist, kaum vor die Tür gehen dürfen. „Die Seltsamen“ werden die Mischlinge genannt. Dann werden plötzlich Mischlingskinder sogar ermordet. Eine vornehme Dame in einem pflaumenfarbenen Kleid, die im Viertel auftaucht, scheint etwas damit zu tun zu haben. Unterdessen gerät der Parlamentsabgeordnete Arthur Jelliby in London ungewollt mit dem Justizminister, dem ersten Sídhe in einer solchen Position, aneinander. Auch er scheint irgendwie verwickelt zu sein.

Stefan Bachmann zählt C. S. Lewis und Charles Dickens zu seinen größten literarischen Einflüssen und hat außerdem eine Vorliebe für Steampunk. Alle drei Elemente sind in seinem Debütroman deutlich zu spüren, gleichzeitig hat er eine ganz eigene Welt erschaffen. Denn seine Feenwesen sind keine schönen, ätherischen Kreaturen, sie sind an die keltische Feenwelt angelehnt und ganz unterschiedlich, teilweise böse, und meistens eher hässlich. Sie haben die Welt der Menschen durch ein Portal betreten, das nun geschlossen ist, und es gab erst einmal auch einen Krieg mit den Menschen. Soweit der Fantasy-Aspekt. Die Feenwesen sind, wie bereits in der Kurzbeschreibung erwähnt, am unteren Rande der anschließend entstandenen Gesellschaft angesiedelt, sie leben oft in ärmsten Verhältnissen, so auch Bartholomew und seine Schwester, die ebenfalls offen als eher hässlich beschrieben werden und auch daher ungewöhnliche Helden sind. Darin ist Dickens‘ Einfluss deutlich zu spüren. Die Menschen haben sich außerdem alle möglichen mechanischen Apparaturen ausgedacht, die ihnen die Arbeit abnehmen, Kutschen werden etwa von mechanischen Pferden gezogen. Steampunk pur! Die Geschichte spielt dementsprechend auch im 19. Jahrhundert, aber die Welt ist eine ganz andere. So gibt es in Amerika etwa noch die britischen Kolonien. Das hat mich auch ein wenig an die Parallelwelt im ersten Teil der „His Dark Materials“-Trilogie von Philipp Pullman erinnert.

Gerade dieses Steampunk-Element, das etwas Neues für mich war, hat mich besonders fasziniert. Die Geschichte ist orginell, die Charaktere sind verschroben, aber liebenswürdig, und das Ganze läuft auf einen Showdown hinaus, der in einem teilweisen Cliffhanger endet. Auch sprachlich hat mich das Buch überzeugt, wobei ich immer wieder dachte, dass ich schon gern das Original gelesen hätte. Es hat mich doch ziemlich erstaunt, wie gekonnt Stefan Bachmann in einem so jungen Alter schreiben konnte. Bei der Lesung auf der Frankfurter Buchmesse betonte er, er sei eben kein „Wunderkind“, er habe sich seinen Schreibstil hart erarbeiten müssen. Er muss sehr früh angefangen haben, um dieses Niveau zu erreichen, wirklich toll.

Ich freu mich schon richtig auf den zweiten Teil und eine erneute Reise in diese spannende Welt!

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(c) Katherine Tegen Books

Deutscher Titel: Die Bestimmung – Tödliche Wahrheit

Achtung, Spoiler für alle möglich, die Band 1 (Divergent) noch nicht gelesen haben!

Nach dem Überfall der Erudite-Fraktion auf die Abnegation-Fraktion und dem Tod von Tris‘ Eltern sind Tris und Tobias mit dessen Vater und Tris‘ Bruder Caleb auf der Flucht ins Hauptquartier der Amite. Die Fraktionengesellschaft steht am Abgrund, eine Fraktion hat eine andere überfallen und eine dritte, die Dauntless, ist gespalten in die, die Erudite unterstützen, und jene, die gegen die Vernichtung von Abnegation sind. Wer kann wem vertrauen? Und was ist das Geheimnis, das Marcus verbirgt und dessentwegen die Erudite die Abnegation überhaupt überfallen haben? Hat es etwas mit denen zu tun, die „Divergent“ sind, also für mehrere Fraktionen geeignet?

Der zweite Band der Divergent-Reihe von Veronica Roth unterscheidet sich sehr stark von seinem Vorgänger, denn hier geht es nicht mehr um eine Abweichlerin in einer ungewohnten, aber intakten Gesellschaft, sondern es herrscht Bürgerkrieg. Ich habe es beinahe so empfunden, dass Band 1 uns lediglich in diese Gesellschaft eingeführt und uns die wichtigsten Charaktere vorgestellt hat, während in Band 2 die entscheidenden Dinge passieren. Daran könnt ihr schon erkennen, dass mir Band 2 noch um einiges besser gefallen hat als Band 1. Was auch daran liegt, dass sich hier nicht alles bei den Dauntless abspielt, deren Lebenseinstellung und unsinnige Risikobereitschaft ich nicht teilen kann. Große Teile von Band 1 haben mich deshalb eher befremdet. In „Insurgent“ geht es um alle Fraktionen, und nicht nur um die, sondern auch die Fraktionslosen am unteren Ende der Gesellschaft spielen eine entscheidende Rolle. Das Zusammenspiel bzw. Gegeneinanderarbeiten der einzelnen Fraktionen hat mich begeistert, die Geschichte wird ungemein spannend, auch weil die Fraktionen natürlich nicht vor Verrätern und Spionen sicher sind. Ein wenig genervt hat mich Tris‘ ewige Opferbereitschaft, aber sie bleibt dennoch ein interessanter, starker Charakter. Four alias Tobias gefällt mir in Band 2 besser, er ist mir hier wesentlich sympathischer. Auch bei den Nebencharakteren gibt es spannende Entwicklungen.

Das Beste an dem Buch ist das Ende, dieses gefällt mir ausgenommen gut, auch wenn ich kurz vorher schon geahnt habe, was los ist. In einer Szene gegen Ende wird ein vielsagendes Merkmal von Tris genannt, mehr sei nicht verraten.

Ich habe mitbekommen, dass Teil 3 kontrovers diskutiert wird und bin umso gespannter. Ich hoffe nur, ich werde nicht wie bei anderen Dystopien enttäuscht und man erfährt gar nichts über die Welt jenseits des Zaunes.

Alle Daumen hoch für eine wirklich gelungene Fortsetzung!

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(c) Arena Verlag

Achtung, Spoiler für diejenigen möglich, die „Rubinrot“ noch nicht gelesen haben!

Ein bisschen kurz wird meine Rezension zu diesem Buch ausfallen. Und das nicht, weil es mir nicht gefallen hätte oder es nichts darüber zu sagen gäbe, es ist nur einfach so, dass ich den Eindruck habe, die Trilogie müsste eigentlich ein Buch sein. Denn wie schon Rubinrot endet auch Saphirblau irgendwie mittendrin. Aber ich will ja nicht zu viel verraten. Ich bin wohl einfach seitenstärkere Bücher gewohnt und dann einfach überrascht, wenn nach 400 Seiten schon wieder Schluss ist, obwohl die Geschichte ja noch nicht zu Ende ist 😉

Ich verzichte daher auch auf eine Zusammenfassung des Inhalts, die Geschichte geht genau da weiter, wo Rubinrot aufgehört hat. In lockerleichten, vergnüglichen Schreibstil erfahren wir, wie es mit Gwendolyn und Gideon weitergeht. Das spannendste sind dabei natürlich die Zeitreisen, die wirklich Spaß machen, umso mehr, als Gwendolyn ja gänzlich unvorbereitet ist auf ihre Aufgabe. Für eine weitere Portion Humor sorgt der Wasserspeicher Xemerius, oder besser gesagt dessen Geist, den als solcher natürlich nur Gwendolyn sieht und hört. Das Buch hält, was der Vorgänger verspricht, und hinterlässt große Lust bei mir, den Abschluss der Trilogie, „Smaragdgrün“, auch so schnell wie möglich zu lesen.

Ein schönes Stück humorvoller Jugendliteratur, das wirklich ganz viel Spaß macht.

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