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Posts Tagged ‘man booker prize’

Gestern Morgen um 11 Uhr deutscher Zeit war es endlich so weit: Die diesjährige Shortlist für den Man Booker Prize wurde bekanntgegeben. Und nicht nur ich war überrascht 😉

Folgende Bücher wurden nominiert:

4 3 2 1 von Paul Auster

History of Wolves von Emily Fridlund – Rezension

Exit West von Mohsin Hamid – Rezension

Elmet von Fiona Mozley – inzwischen gelesen, Rezension

Lincoln in the Bardo von George Saunders – Rezension

Autumn von Ali Smith

Wie ihr seht, habe ich die Hälfte der Shortlist bereits gelesen, ginge es nur um diese 3 Bücher, würde ich Lincoln in the Bardo nun doch als Sieger sehen. Auf jeden Fall lesen möchte ich noch Elmet von Fiona Mozley, bei 4 3 2 1 bin ich aufgrund des Umfangs noch nicht sicher. Sehr viele wünschen sich, dass Ali Smith den Preis gewinnt, aber ich muss gestehen, dass mich das Buch inhaltlich wirklich gar nicht interessiert. Außerdem mag ich Bücher mit nur wenig Plot nicht. Ich glaube daher eher nicht, dass ich das Buch lesen werde, auch wenn ich damit den favorisierten Titel auslasse.

Sehr überrascht war ich, dass sowohl Emily Fridlund als auch Fiona Mozley als Debütantinnen auf der Shortlist gelandet sind. Zumal „History of Wolves“ von einigen als das schwächste der nominierten Bücher gesehen wurde. Das Buch hat mich nicht umgehauen, aber ich stelle fest, dass es mich von den bisher gelesenen nominierten Titeln im Nachhinein am meisten beschäftigt, die Psychologie der Protagonistin ist doch recht interessant. Ich freue mich daher für Emily Fridlund. Enttäuscht hingegen bin ich, dass Days Without End nicht berücksichtigt wurde. Die Sprache des Buchs ist so einmalig – gleichzeitig roh und wunderschön – meiner Meinung nach hätte es dafür auf die Liste gehört. Exit West mochte ich im Endeffekt lieber als The Underground Railroad, dessen Umsetzung nicht ganz so gelungen ist, daher bin ich mit dieser Nominierung auch einverstanden.

Wie gefällt euch die Shortlist? Habt ihr schon was davon gelesen oder plant ihr, die Titel zu lesen? Welches Buch seht ihr als Siegertitel?

Am 17.10. erfahren wir dann, wer es geschafft hat.

Noch ein Wort zum Deutschen Buchpreis

Vielleicht wundern sich einige von euch, dass ich mich so ausführlich mit dem Booker Prize beschäftige, aber kein Wort über den Deutschen Buchpreis verliere. Das liegt einfach daran, dass mir die diesjährige Longlist überhaupt nicht gefällt. Es standen gerade 3 Bücher darauf, die mich interessierten, Evangelio und Das Floß der Medusa wollte ich ohnehin lesen, Katie habe ich mir dann noch auf die Liste gesetzt. Auf der Shortlist steht somit nur ein Buch, das mich interessiert, und anders als beim Booker Prize ist es hier so, dass die übrigen Bücher mich wirklich üüüberhaupt nicht interessieren. Sorry 🙂

 

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Penguin Audio

Deutscher Titel: ebenfalls „Swing Time“

Sprecherin: Pippa Bennett-Warner

Dauer: 13 h 44 min

London in den 80ern. Unsere namenlose Protagonistin und ihre beste Freundin Tracey wachsen in einem ärmlichen Londoner Viertel auf, haben aber beide zwar arme, jedoch ganz unterschiedliche Familien. Die Mutter der Protagonistin ist ehrgeizig (sie bildet sich mithilfe der Open University weiter), marxistisch, betont ihre afrikanisch-exotische Schönheit ganz bewusst nicht und wirkt umso eindrucksvoller. Ihr Mann ist im Gegensatz dazu ein Familienmensch, der vor allem gerne für seine Tochter da ist. Traceys weiße Mutter ist liederlich, schmeißt nicht vorhandenes Geld hinaus und ist stolz auf ihre hübsche und talentierte Tochter, sieht in ihr die Chance auf Verwirklichung ihrer Träume. Traceys Vater kümmert sich die meiste Zeit nicht um die Familie und ist angeblich Background-Tänzer bei Michael Jackson. Die beiden Mädchen verbindet vor allem ihre Liebe zum Tanz und der Tanzschule, die sie gemeinsam besuchen. Doch während unsere Protagonistin im Laufe der Zeit erkennen muss, dass Tracey die talentiertere der beiden ist, entwickelt diese zugleich Verhaltensweisen, die ein ungutes Gefühl hinsichtlich ihrer Zukunft hinterlassen.

Mit dieser Inhaltsangabe habe ich mich schwer getan, was daran liegt, dass sie unvollständig ist. Denn während der ganze erste Teil des Romans sich ganz um die Freundschaft und die Entwicklung der Mädchen vor schwierigem sozialen Hintergrund dreht, kommt später plötzlich ein Cut: Die Protagonistin ist erwachsen, arbeitet für einen Madonna-verschnittigen Superstar und Tracey … ja, wo ist Tracey?

Die Geschichte um die beiden Mädchen sog mich problemlos in ihren Bann. Da war viel Potenzial für interessante Entwicklungen: die der Mädchen voneinander weg und der Einfluss ihrer familiären Hintergründe hierauf. Das, was die beiden vereint, der Tanz, hätte auch Möglichkeiten geboten. Leider schöpft Zadie Smith diese nicht aus, sondern baut einen zweiten Handlungsstrang um die Arbeit der Ich-Erzählerin für den Popstar Aimee auf. Und der ist, das muss ich so krass sagen, absolut langweilig, vor allem, solange er sich auf London und Amerika beschränkt. Als Aimee eine Mädchenschule in Afrika bauen lässt und die Ich-Erzählerin sich darum kümmern muss, wird es wieder etwas interessanter, doch auch hier werden Potenziale nicht ausgenutzt, können auch nicht richtig genutzt werden, denn der Leser fragt sich immer wieder, „Ja, aber wie ging das damals weiter mit Tracey?“ Nach einem ganzen Stück, das sich nur um Aimee dreht, springt Smith dann zwischendurch immer wieder zurück in die Jugend der Mädchen, um deren Entwicklung bis zum aktuellen Stand fertigzuerzählen. Ich habe keine Probleme mit Zeitsprüngen, wenn sie gut gemacht sind. Waren sie hier leider nicht. Mir ist klar, wieso Smith dieses Plot-Device einsetzt und was die ganze Afrika-Geschichte bezweckt, die Kritik an der sogenannten „Vanity Charity“ ist deutlich, hinterfragt die Motive der Stars und deckt auf, dass die Hilfsprojekte häufig wenig Effekt haben. Doch erzählerisch gut umgesetzt ist dies leider nicht. Zu stark hallen die guten ersten Kapitel nach, davon will man als Leser mehr, bekommt aber in der Folge nur noch Fetzen davon.

Zadie Smith kann schreiben, hat interessante Themen, doch sie hätte sich in diesem Buch auf eine Sache konzentrieren sollen. Sie wollte da wohl einfach zu viel. Auch das Ende des Buches wirkt eher frustrierend, da es eben mehr mit dem Aimee-Handlungsstrang zu tun hat als mit der Freundschaftsgeschichte.

Pippa-Bennett Warner hat eine angenehme Stimme und macht ihre Sache gut, zeichnet sich aber auch nicht durch irgendwelche Besonderheiten aus.

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Ich war noch nie so gespannt auf die Bekanntgabe der Longlist für den Man Booker Prize wie in diesem Jahr. Ich kenne einige der Bücher, die als Kandidaten gehandelt wurden, einige andere habe ich auf meiner Wunschliste.

Heute Morgen war es endlich soweit: Den Kater füttern und Frühstück vorbereiten hatte Vorrang. Dann endlich erlaubte ich mir, die Website zu öffnen und – erst einmal ein kleines bisschen Enttäuschung. Ich hätte so gerne Homegoing von Yaa Gyasi auf der Liste gesehen, es wurde jedoch nicht berücksichtigt. Gleichzeitig aber Freude darüber, das einige Titel von meiner Wunschliste nominiert sind. Hier die komplette Longlist:

4 3 2 1 von Paul Auster
Days Without End von Sebastian Barry
History of Wolves von Emily Fridlund
Exit West von Mohsin Hamid
Solar Bones von Mike McCormack
Reservoir 13 von Jon McGregor

Elmet von Fiona Mozley
The Ministry Of Utmost Happiness von Arundhati Roy
Lincoln in the Bardo von George Saunders
Home Fire von Kamila Shamsie
Autumn von Ali Smith
Swing Time von Zadie Smith
The Underground Railroad von Colson Whitehead

Die fett markierten Titel hatte ich bereits auf meiner Wunschliste. Da wir in der saarländischen goodreads-Gruppe eine Man Booker Challenge gestartet haben, habe ich mir gleich heute Morgen den Rest der Liste angesehen und die markierten Titel um drei ergänzt, sodass ich vorhabe, vor der Bekanntgabe des Siegertitels am 17.10. folgende Bücher zu lesen:

4 3 2 1 von Paul Auster

Days Without End von Sebastian Barry

History of Wolves von Emily Fridlund

Exit West von Mohsin Hamid

Lincoln in the Bardo von George Saunders

Swing Time von Zadie Smith

The Underground Railroad von Colson Whitehead

Die restlichen Kandidaten interessieren mich weniger, wobei ich mir bei Autumn von Ali Smith noch nicht sicher bin.

Lincoln in the Bardo, The Underground Railroad und History of Wolves habe ich mir bereits auf den Kindle geladen. Days Without End habe ich als Printexemplar bestellt, denn dieses ist günstiger als das E-Book und außerdem ganz hübsch anzusehen. Von Barrys „The Secret Scripture“ war ich ja eher enttäuscht, aber dass er wunderschön schreibt, steht fest. Exit West und Swing Time möchte ich als Hörbuch hören. Exit West ist das Buch, das für mich ein bisschen aus der Reihe fällt und sich inhaltlich außerhalb meiner Comfort Zone befindet, aber ich vermute, es ist ein wichtiges Buch und will es daher nicht auslassen. 4 3 2 1 ist dick. Seeehr dick. Daher lass ich das erst mal außen vor. Ob ich es schaffe, das vor Oktober zu lesen, weiß ich nicht. Käme allerdings auch als Hörbuch infrage, Paul Auster liest es selbst. Ich möchte ja aber auch noch vor dem Herbst unbedingt die His Dark Materials-Reihe in Hörbuchform abschließen. Es wird Zeit, den Beruf der Vollzeitleserin einzuführen!

Mir machen die Buchpreise im Moment wirklich sehr viel Spaß, vor allem der Bailey’s und der Booker Prize, da englischsprachige Literatur mein Steckenpferd ist. Auch die Longlist des Bailey’s habe ich nicht aus dem Auge verloren, Barkskins von Annie Proulx liegt auf meinem SuB.

Was haltet ihr von Buchpreisen? Manche orientieren sich ja gar nicht daran, aber ich finde, sie machen einfach Spaß 🙂

Und was haltet ihr von der Longlist? Kennt ihr welche vor den Büchern oder wollt ihr welche davon lesen?

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(c) Aufbau

Die Koreanerin Yong-Hye hat einen Albtraum, der sie dazu veranlasst, ab sofort kein Fleisch und auch keine anderen tierischen Produkte mehr zu verzehren. Der Vegetarismus ist in Korea noch nicht sehr verbreitet und Yong-Hye stößt daher allerseits auf Unverständnis, wovon sie sich allerdings nicht beirren lässt. Wir erfahren nacheinander aus der Perspektive ihres Mannes, ihres Schwagers und ihrer Schwester, wie Yong-Hyes neuer Lebensstil sich auf sie selbst und ihre Beziehungen auswirkt.

Vorab: Dies ist ein ungewöhnlicher Roman. Ich bin beim Lesen nicht allzu oft in unserer Gegenwart unterwegs, aber nachdem Han Kang mit ihrem ursprünglich bereits 2007 erschienenen Erstling im vergangenen Jahr den Man Booker International Prize gewonnen hatte, hörte ich so viel Interessantes und Gutes über das Buch, dass es prompt auch auf meiner Leseliste landete.

Ungewöhnlich ist unter anderem die Erzählperspektive, denn wir hören nur an sehr wenigen Stellen direkt die Stimme der Protagonistin, alles Weitere wird von ihren Verwandten erzählt. Yong-Hyes Mann hat offensichtlich Minderwertigkeitskomplexe, weswegen er eine Frau wie Yong-Hye wollte: mäßig attraktiv und auch sonst vollkommen durchschnittlich, sodass es ihm keine Mühe bereitet, sie zu dominieren. Dies ändert sich nach Yong-Hyes Albtraum, nicht nur, dass sie plötzlich kein Fleisch mehr essen will, sie beginnt auch, sich nachlässig zu kleiden, blamiert ihn mit ihrem neuen Verhalten bei einem Geschäftsessen.

Die beiden weiteren Charaktere, aus deren Sicht die Geschichte erzählt wird, reagieren unterschiedlich auf Yong-Hyes Veränderung, an dieser Stelle möchte ich jedoch nicht zu viel verraten. Insbesondere die Reaktion des Schwagers fand ich sehr interessant.

Wichtig ist jedoch festzustellen: Dies ist kein Buch über Vegetarismus. Yong-Hyes Entwicklung endet auch nicht mit diesem, sie führt ihn weiter bis zu einem Punkt, an dem ihr Leben in Gefahr gerät. Angesichts der noch stark patriarchalisch geprägten Gesellschaft in Korea und der Dominanz ihres Mannes und ihres Vaters kann Yong-Hyes Vegetarismus als Ausbruch aus dieser Gesellschaft verstanden werden, sie lehnt sich gegen die Konventionen auf, lehnt sie ab, befreit sich.

Das Buch wird auch als Buch über Geisteskrankheiten bezeichnet, doch ist Yong-Hye wirklich geisteskrank? Angesichts ihres späteren, selbstzerstörerischen Verhaltens ist das wohl nicht ganz von der Hand zu weisen. Doch gleichzeitig ist ihr Handeln ein Akt der Befreiung.

Eine eindeutige Leseempfehlung von mir.

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rtl5245

(c) Whole Story Audiobooks

Deutscher Titel: Sein blutiges Projekt

Sprecher: Crawford Logan, Cameron Mowat

Dauer: 10 h

Zu Beginn seines für den Man Booker Prize 2016 nominierten Buches erklärt uns der Autor selbst, seine Geschichte basiere auf alten Schriftstücken, die den Fall seines Vorfahren dokumentieren, unter anderem einem von diesem selbst verfassten Bericht über sein Leben und die von ihm verübten Morde. Ergänzt würde diese Darstellung durch Augenzeugenberichten, Prozessakten und Einschätzungen von Psychologen. Die Biografie stellt den größten Teil des Buches dar und wird von Cameron Mowat mit schottischem Akzent, jedoch klarer Aussprache gelesen. Die voranstehenden Aussagen der Dorfbewohner, die den Mörder Roderick Macrae kannten, sind in ihrer Wertung seines Charakters sehr unterschiedlich, sodass der Leser gespannt darauf ist, welches Bild seine Eigendarstellung bieten wird. Dies ist auch unter dem Aspekt besonders interessant, dass wir zu diesem Zeitpunkt bereits wissen, dass Roderick Macraes Verteidiger auf Unzurechnungsfähigkeit plädierte.

Der Leser lernt Roddy Macrae als empfindsamen, intelligenten Jungen kennen, dem man ein grausames Verbrechen eigentlich nicht zutrauen kann. Bereits bei der Darstellung seiner Kindheit tritt das spätere primäre Mordopfer Lachlan Mackenzie als Bösewicht auf, der Roddys Familie bei jeder Gelegenheit schikaniert. Am Ende von Roddys Bericht steht schließlich der Dreifachmord, der so eindringlich geschildert wird, dass es mir beim Zuhören tatsächlich ein wenig den Hals zuschnürte. Diese Schilderung ist wirklich meisterhaft.

Auf Roddys Bericht folgen schließlich der Bericht des Psychologen, der von Roddys Anwalt hinzugezogen wurde, sowie das Prozessprotokoll.

Macrae Burnet baut sein ganzes Buch auf, als handele es sich um „True Crime“, als sei all dies wirklich geschehen, was einen raffinierten Schachzug darstellt. Einzig der Zusatz „A Novel“ deutet darauf hin, dass das ganze Werk tatsächlich ein fiktives ist. Ich war während der Lektüre bis zuletzt unsicher, ob es sich um eine wahre Geschichte handelt, und musste erst recherchieren. Sowohl die ungewöhnliche Erzählweise auf Grundlage verschiedener Dokumente sowie die besonders lebhafte Darstellung des Täters und der Morde machen Macraes Roman zu einem Werk, das (vor allem für Nicht-Krimi-Leser wie mich) ganz eindeutig als Perle des Crime-Genres betrachtet werden kann, sofern man den Roman überhaupt in dieses Genre und nicht als genrefreie Literatur oder als historischen Roman einordnen möchte.

Die Zusammensetzung des Buches aus verschiedenen Schriftstücken wird im Hörbuch durch verschiedene Sprecher (u. a. den Autor selbst) hervorragend umgesetzt, vor allem die Besetzung Cameron Mowats als Sprecher für den Bericht Roderick Macraes ist perfekt, seine jugendliche Stimme passt zu dem erst 17-jährigen Roddy und er spricht wie bereits erwähnt im schottischen Akzent. Deutsche Leser, die nicht sehr vertraut mit dem schottischen Tonfall sind, könnten eventuell ein wenig Schwierigkeiten mit dem Verständnis haben, zumal auch einige schottische Wörter verwendet werden und das Glossar erst nach Ende des Berichts vorgelesen wird. Wer unsicher ist, sollte sich eine Hörprobe anhören.

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