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Posts Tagged ‘paralleluniversum’

(c) David Fickling Books

Deutscher Titel: Über den wilden Fluss

Der elfjährige Malcolm wohnt in Oxford direkt am Fluss in dem von seinen Eltern betriebenen Pub. Er ist stolz auf sein Paddelboot, die Belle Sauvage, mit der er auf der Themse unterwegs ist, wenn er nicht im Pub helfen muss oder am gegenüberliegenden Ufer den freundlichen Nonnen in ihrem Kloster hilft. Malcolm beobachtet einige merkwürdige Neuankömmlinge in Oxford, im Pub treffen sich Männer, die Politiker zu schein scheinen, und ein seltsamer Mann mit einer dreibeinigen Hyäne als Daemon schleicht um die Mauern des Klosters. Sie alle scheinen sich für das kleine Baby zu interessieren, um das sich die Nonnen seit Kurzem kümmern und das Malcolm schon liebgewonnen hat. Das Baby namens Lyra.

Beim Tippen des letzten Satzes kamen mir die Tränen. Philip Pullmans „His Dark Materials“-Trilogie zählt zu meinen absoluten Lieblingsbüchern und dass jetzt nach 20 Jahren weitere Bücher erscheinen, die in der wunderbaren Welt (bzw. den Welten) von Lyra spielen, ist für mich wirklich ein emotionales Ereignis.

Und so war es von der ersten Seite an wie Heimkommen. Die Vorgeschichte zu „Der goldene Kompass“ ist weniger komplex als die ursprüngliche Trilogie und führt wenig Neues ein, doch dies bewirkt eben diese Vertrautheit, diese besondere Stimmung. Die Seiten des Buches atmen Lyras Oxford.

Die allgemeine Erwartungshaltung an das Prequel war so hoch, dass ich bewusst versucht habe, meine eigenen Erwartungen niedrig zu halten, das Staunen, das Philip Pullmans Fantasie in His Dark Materials immer wieder auslöste, und die Faszination für die Rolle, die Lyra im Universum spielt, würde ausbleiben, das war mir klar. Und so konnte ich Malcolms Geschichte einfach genießen, mir Zeit lassen, ich musste das Buch nicht verschlingen und das war gut so.

Pullman erschafft erneut liebenswürdige Charaktere, die man im Verlauf des Buches wirklich kennenzulernen scheint. Hannah erinnert definitiv an Mary, doch die übrigen Personen sind völlig eigenständige Figuren. Natürlich kommen auch einige Charaktere aus His Dark Materials vor, etwa Lord Asriel.

Sehr niedlich fand ich Baby-Pantalaimon, der entsprechend seinem Alter genausowenig sprechen kann wie Lyra und Tierbaby-Gestalten annimmt.

Im Buch finden sich zahlreiche Verweise auf Mythen und Märchen, diesen Aspekt fand ich im Prequel sogar stärker betont, insbesondere während Malcoms Reise mit der La Belle Sauvage auf der Themse.

Mir fällt gerade auf, dass ich es mir sehr schwer fällt, hier eine ordentliche Rezension zu schreiben, His Dark Materials hat bei mir eben einen Stellenwert nicht allzu weit unterhalb vom Herr der Ringe 😉

Daher sage ich nur noch: Erwartet kein zweites His Dark Materials, sondern eine Gelegenheit, wieder in Lyras Welt abzutauchen. Für die beiden weiteren Bücher der Trilogie würde ich mir noch Ausflüge in die anderen Parallelwelten erhoffen.

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(c) Hodder

Deutscher Titel: Der Fall Jane Eyre

Wir schreiben das Jahr 1985 in einem etwas anderen London, in dem Literatur eine viel größere Rolle spielt als in unserer Welt und immer noch der Krimkrieg zwischen England und Russland andauert. Das Originalmanuskript von Dickens‘ „Martin Chuzzlewit“ wurde gestohlen. Die Literaturpolizei LiteraTec vermutet niemand anderen hinter dem Diebstahl als den genialen Gauner Acheron Hades. LiteraTec-Detective Thursday Next hat bei dem früheren Professor studiert und wird daher als Expertin für den Fall angeheuert. Als eine Nebenfigur aus „Martin Chuzzlewit“ verschwindet, ahnt sie, was Hades vorhat: Er hat eine Möglichkeit gefunden, in das Skript einzudringen und will den Staat unter Androhung der Ermordung der Hauptfigur erpressen… Nicht auszudenken, was aus dem Roman würde ohne seine Hauptfigur.

Jasper Ffordes Erstling ist vor allem aufgrund seiner Ansiedelung in einer Parallelwelt etwas ganz Besonderes. Jedem literaturaffinen Leser wird allein die Tatsache, dass Literatur und Kunst in dieser Parallelwelt immens wichtig sind, enormes Vergnügen bereiten. Es ist einfach herrlich, dass sich hier nicht Fußball-Hooligans bekriegen, sondern Raphaelisten und Neo-Surrealisten. Und so manches literarische Werk, etwa „Jane Eyre“, das wie der Titel schon sagt eine entscheidende Rolle spielt, oder „Love’s Labour’s Won“ (!) hat ein anderes Ende als bei uns…

Ich verneige mich vor Jasper Fforde. Die Konstruktion dieser Welt ist einfach genial und erlaubt ein Kriminalstück, wie es in einer „normalen“ Welt nicht denkbar wäre. Das auch mich fesseln kann, die herkömmliche Krimis (meistens) langweilig findet. Die ganzen literarischen Anspielungen machen einfach einen Riesenspaß. Auf Seite 286 gibt es beispielsweise einen Detective Inspector Oswald Mandias, was sicherlich auf das berühmte Gedicht „Ozymandias“ von Percy Bysshe Shelley anspielt. Ich muss auch mal im Internet nachforschen, was mir da wohl alles entgangen ist.

Auch Zeitreisen sind in diesem kuriosen Paralleluniversum möglich, was einige sehr komische Folgen hat. Wollt ihr zum Beispiel wissen, woher die Banane kommt? Dann müsst ihr dieses Buch lesen.

Thursday Next ist eine sympathische Heldin, der ich gerne in weitere Bücher folgen werde. Die restlichen Charaktere sind teilweise ein bisschen klischeehaft, etwa der geniale Bösewicht, was aber angesichts der ganzen Literaturbezüge nicht stört, sondern im Gegenteil nur konsequent ist.

Einen kleinen Abzug gibt es von mir für die Liebesgeschichte, die ist schon ein wenig kitschig und für mich stellenweise auch nervig (es geht mal wieder um Vergebung), aber sie drängt sich nicht in den Vordergrund und tut dem Vergnügen, das dieses Buch bereitet, keinen Abbruch.

Herrlich!

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(c) Corgi

Deutscher Titel: Die Insel

Wir befunden uns auf der Erde, aber nicht in unserer Welt, sondern in einer Art Paralleluniversum – es ist alles ein bisschen anders. Und wir befinden uns nicht in der Gegenwart, sondern schätzungsweise im späten 19. Jahrhundert. Im großen südpelargischen Ozean will der Junge Mau seine Initiation bestehen und damit zum Mann werden. Dazu muss er eine Aufgabe auf einer Nachbarinsel erledigen. Doch dann kommt der Tsunami, den Mau auf seinem Kanu übersteht – und Maus Insel, einfach „Nation“ genannt, ist menschenleer, als er zurückkehrt. Angesichts der Katastrophe beginnt Mau, an den Traditionen und dem Glauben seiner Insel zu zweifeln. Zur gleichen Zeit stirbt in England die gesamte Königsfamilie an einer Seuche. Der verbleibende Thronfolger ist Gouverneur einer weiteren Insel im südpelargischen Ozean, und seine Tochter ist auf einem Schiff zu ihm unterwegs. Doch auch das Schiff wird vom Tsunami erwischt. Wo es wohl stranden wird?

Ich spare mir Terry Pratchetts Bücher immer eine Weile auf, da ich Angst habe, dass sie mir ausgehen, bevor er Nachschub liefert 😉 Anlässlich meines Urlaubs hab ich mir nun eines gegönnt, und zwar eines, das nicht zur Scheibenwelt-Reihe gehört. Dennoch ist Pratchetts unverwechselbarer Schreibstil so vertraut, dass ich mich sofort in dem Buch „zu  Hause gefühlt“ habe. Trotz der im Grunde traurigen Vorgeschichte durchzieht Pratchetts Humor das gesamte Buch. Das, was sich bezüglich der Geschichte der Insel gegen Ende herausstellt, ist schlicht genial, sehr Terry Pratchett eben! Ja, das Buch enthält ein gewisses Maß an Religionskritik, doch finde ich diese nicht drastisch, sondern respektvoll, sodass aufgeklärte religiöse Menschen das Buch eigentlich lesen können sollten, ohne zu sehr vor den Kopf gestoßen zu werden – meiner Meinung nach jedenfalls. Ich empfinde das Buch wie so viele Werke von Terry Pratchett als hochintelligenten Aufruf zur Toleranz.

Die Geschichte des Südseejungen Mau und der unverhofft zur Prinzessin gewordenen Daphne hat mir sehr gut gefallen, ich bin rundum glücklich mit diesem Buch!

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