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(c) dtv

Übersetzung aus dem Französischen: Elisabeth Edl

In einer Zeitungsausgabe aus dem 2. Weltkrieg stößt der Literat Patrick Modiano auf eine Suchanzeige, die von einem jüdischen Ehepaar in Paris geschaltet wurde. Sie suchten ihre fünfzehnjährige Tochter Dora. Dora Bruder. Wer war Dora Bruder und was ist aus ihr geworden? Modiano, den die Besatzungszeit auch im Zusammenhang mit den Erlebnissen seines eigenen, jüdischen Vaters umtreibt, begibt sich auf die Suche.

Als während der Frankfurter Buchmesse 2014 der Literaturnobelpreis an den französischen Schriftsteller Patrick Modiano vergeben wurde, schaute ich mir am dtv-Stand gleich einmal an, was es so von ihm gibt. Meine Wahl fiel letzten Endes auf dieses Buch, das sich für mich besonders interessant anhörte. Entgangen war mir dabei, dass es sich gar nicht um eine Umsetzung des Themas in Romanform handelt, sondern vielmehr um die Schilderung seiner Spurensuche. Das störte mich jedoch auch nicht, es erschwert höchstens ein wenig die Einordnung des Werkes in eine bestimmte Kategorie.

Schon auf den ersten Seiten fiel mir ein Aspekt auf, der mich etwas verwirrte: Modiano wechselt scheinbar beliebig zwischen verschiedenen Zeitformen, verwendet in einem Satz das Präteritum, wechselt dann plötzlich in das Präsens, dann in das Perfekt. Während der weiteren Lektüre konnte ich mir eine Theorie aufstellen, was Modiano damit bezweckt, denn sein großes Thema ist die Erinnerung. Ich interpretiere den Wechsel zwischen den Zeiten so, dass Modiano aufzeigen möchte, dass die Vergangenheit in der Gegenwart fortbesteht. So unternimmt er beispielsweise viele Spaziergänge in dem Viertel, in dem Dora Bruder wohnte, und erzählt dabei nicht nur, was er über sie herausgefunden hat, sondern auch, wie er selbst das Viertel in Erinnerung hat, welche Erfahrungen seine Familie in dem Viertel gemacht hat und wie er das Viertel heute wahrnimmt.

Modiano bestreitet einen Kampf, den Kampf gegen das Vergessen, jedoch in einer so wunderbaren Sprache, dass das Wort „Kampf“ fehl am Platze scheint:

Ich habe den Eindruck, der einzige zu sein, der die Verbindung herstellt zwischen dem damaligen Paris und dem heutigen, der einzige, der sich an all diese Einzelheiten erinnert. Mitunter wird dieses Band schwächer und läuft Gefahr abzureißen, an anderen Abenden erscheint mir hinter der Stadt von heute in flüchtigen Spiegelbildern jene von gestern.“ (Seite 52)

Und gleich auf der nächsten Seite:

Dieses Gefühl des Unheimlichen gleicht dem, das einen überfällt, wenn man im Traum durch ein unbekanntes Stadtviertel streift. Beim Erwachen wird einem allmählich bewußt, daß die Straßen dieses Viertels von jenen abgepaust waren, die einem im Tageslicht vertraut sind.

Gegen das Vergessen ankämpfen, die Erinnerung aufrechterhalten, das erscheint mir heute wichtiger denn je. Insofern reicht mir dieses eine Buch, um zu begreifen, warum Modiano mit dem Literaturnobelpreis ausgezeichnet wurde. (Trotzdem werde ich natürlich weitere Bücher von ihm lesen.)

In „Dora Bruder“ bietet er ein besonderes, ungewöhnliches Leseerlebnis, das mir sehr gefallen hat.

 

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(c) Vintage Classics

Deutscher Titel: Der Magier

Paris zu Beginn des 20. Jahrhunderts. Der junge Chirurg Arthur Burdon besucht sein Mündel Margaret, die gleichzeitig seine Verlobte ist. Sie wohnt mit ihrer ca. 10 Jahre älteren Freundin Susie Boyd zusammen, die wie sie selbst in Paris Kunst studiert. Es herrscht heile Welt, das Paar ist glücklich, die alleinstehende Susie durch ein Erbe gut versorgt. Auftritt Oliver Haddo, ein weitgereister, arroganter Zeitgenosse, der angeblich magische Kräfte besitzt. Doch inwiefern stellt er eine Bedrohung für das junge Glück dar?

Dieses ist das erste Buch, das ich zusammen mit einer Lesegruppe gelesen habe, und ich habe mich aus diesem Grund, aber auch wegen der spannend klingenden Inhaltsangabe, sehr auf die Lektüre gefreut. Und mir hat das Buch auch am Anfang recht gut gefallen: das Setting in der Bohème-Szene, die Aussicht auf eine unheimlichen Weitergang der Geschichte und eine Identifikationsfigur für mich in Susie Boyd. Auch sprachlich war ich angetan, Maughams Stil ist anspruchsvoll, aber gut lesbar, mit häufig markierter Satzstellung.

Im weiteren Verlauf des Buchs musste ich jedoch häufiger die Stirn runzeln. Über eine in den Augen vieler Leser völlig misslungene Magieszene mit schwülstigen Beschreibungen von Halluzinationen konnte ich hinwegsehen, aber die Entwicklung der Geschichte selbst nimmt nun einen unglücklichen Weg. Zunächst schafft Maugham es zwar, Spannung aufzubauen, doch der folgende Showdown wirkte auf mich eher leicht komisch und das Ende des Romans schlicht und ergreifend banal. Zudem entwickelt Maugham seine Charaktere nicht weiter, sie bleiben sämtlichst flach und auch die zunächst so interessante Susie Boyd verblasst.

Die Plagiatsvorwürfe von Aleister Crowley, auf den Somerset Maugham die Figur des Oliver Haddo basiert, habe ich in dieser Rezension außen vor gelassen. Maugham weist in seinem Vorwort darauf hin, dass Crowley nie so düster und bösartig war wie Haddo in dem Roman, was den Vorwurf einer Abrechnung mit dem Vorbild abmildert.

So lässt dieses Frühwerk von Maugham mich enttäuscht zurück, es konnte meine Erwartungen nicht erfüllen. 2,5 Sterne.

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(c) Edition Ebersbach

Frankreich im 19. Jahrhundert. Die junge Denise kommt mit ihren beiden jüngeren Brüdern in Paris an, nachdem die Eltern verstorben sind, um bei ihrem Onkel zu leben. Doch der Besitzer eines Bekleidungsgeschäfts lehnt dies ab. Was nun? Gegenüber befindet sich etwas ganz Neues: Ein großes Kaufhaus! Dieses wird von allen Einzehändlern leidenschaftlich gehasst, da es das Überleben der kleinen Geschäfte bedroht. Doch für Denise ist das „Paradies der Damen“ eine Chance und sie bewirbt sich um eine Stelle als Verkäuferin. Wird die schüchterne junge Frau sich in dem großen Betrieb durchsetzen können?

Auf dieses Buch bin ich durch die BBC-Serie „The Paradise“ gekommen, die auf dem Buch basiert, den Schauplatz aber nach England verlegt. Auch inhaltlich wurde einiges im Vergleich zu der Vorlage geändert – aber an dieser Stelle soll es ja um das Buch gehen.

Die zentrale Figur des Romans, Denise, ist eine äußerst liebenswürdige Person, die jeden Leser sofort für sich gewinnen wird. Ein bisschen naiv und wenig durchsetzungsfähig ist sie zunächst, und der Leser durchleidet mit ihr so einiges. Während des Buches macht sie dann eine Entwicklung durch, die man zunächst kaum für möglich hält, bleibt dabei aber immer sie selbst. Die zweite Hauptfigur, der Kaufhausbesitzer Mouret, ist ein bisschen zwielichtig: ein Frauenheld, ein Dandy, für den seine Affären eine Selbstverständlichkeit sind, aber auch ein geborener Geschäftsmann mit vielen positiven Seiten ist.

Unabhängig von den Charakteren bietet das Buch einen schillernden Einblick in den Beginn einer neuen Ära des Geschäftswesens: Mode von der Stange, Preiskampf und Wettbewerb statt kleiner, spezialisierter Einzelhändler. Sehr interessant ist Denises Einstellung dem gegenüber: Dass sie realisiert, dass es sich hierbei um einen unausweichlichen Prozess handelt, der für die Kunden auch positive Aspekte hat, zeigt, dass sie keineswegs ein unwissendes junges Dummchen ist sondern im Gegenteil ein sehr großes Auffassungsvermögen hat. Herrlich beschrieben auch die obere Gesellschaftsschicht, die Scheinheiligkeit der reichen oder auch nicht mehr reichen Damen. Das Buch bietet also nicht nur einen spannenden Einblick in die Entstehung der Kaufhäuser, sondern ist auch ein Gesellschaftsroman.

Und nicht zuletzt: Das Buch ist herrlich romantisch. Ja, ihr habt richtig gelesen, herrlich romantisch! Bei einer Liebesgeschichte wie in diesem Buch werde auch ich durchaus mal schwach 😉 Geholfen hat natürlich, dass ich auch die Serie so schön fand (die DVD ist eben angekommen…).

Auf Wikipedia habe ich erfahren, dass das Buch zu einer ganzen Reihe von Émile Zola gehört, nämlich zum Zyklus der Rougon-Macquart. Nachdem mir dieses Buch  so gut gefallen hat, werde ich sicher noch mehr davon lesen.

Ein Klassiker, den ich wärmstens empfehlen kann.

 

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(c) Piper Verlag

(c) Piper Verlag

Verlag: Piper

Cyrille Blake ist eine junge, erfolgreiche Neuropsychiaterin und glücklich mit dem Nobelpreiskandidaten Benoit Blake verheiratet. Ihr Leben läuft in geordneten Bahnen – bis jener junge Patient auftaucht, der behauptet, sie zu kennen, und auch entsprechende Details aus ihrem Leben parat hat. Cyrille, ist schockiert, warum kann sie sich nicht erinnern, was ist mit ihr los? Bei der Suche nach der Antwort stößt sie auf Unglaubliches…

Vorab muss ich sagen, hätte ich gewusst, inwiefern sich die Probleme der Psychopathen in diesem Buch äußern, hätte ich es nicht gekauft, denn ich kann es auch in fiktiven Geschichten nicht ertragen, wenn Tieren Leid zugefügt wird. Ich weiß, dass ich da überempfindlich bin, aber ich hab mir gesagt, ok, die Stellen hast du jetzt hinter dir, lies weiter. Und ich hab es nicht bereut. Der Schreibstil der Autorin ist zunächst etwas ungelenk, wobei ich nicht weiß, ob das an der Übersetzung liegt. Da sich dies im Laufe des Buches jedoch gibt, vermute ich eher, dass die gestelzte Sprache am Anfang ein Stilmittel ist, um die Änderung der Situation der Hauptperson zu unterstreichen: Zunächst scheint in ihrem Leben alles perfekt, doch dann gerät alles immer mehr aus den Fugen. Aus demselben Grund konnte ich mit der Hauptperson Cyrille zunächst nicht recht warm werden, doch auch das bessert sich im Laufe des Buchs. Mit Nino und Tony schafft Sender außerdem noch nette Nebencharaktere, die die Geschichte etwas auflockern.

Das, was in dem Buch entschlüsselt wird, ist spannend und schlüssig, gegen Ende wird das Buch durchaus zum Pageturner, den man nur noch schwer aus der Hand legen kann. Welche Personen tatsächlich was auf dem Kerbholz haben, bleibt lange unklar. Schauplätze sind Paris und Thailand, vor allem die Beschreibungen von Thailand bzw. Bangkok scheinen authentisch, ich vermute, die Autorin kennt das Land tatsächlich ziemlich gut.

Ein unterhaltsamer, solider Medizinthriller.

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