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rtl5245

(c) Whole Story Audiobooks

Deutscher Titel: Sein blutiges Projekt

Sprecher: Crawford Logan, Cameron Mowat

Dauer: 10 h

Zu Beginn seines für den Man Booker Prize 2016 nominierten Buches erklärt uns der Autor selbst, seine Geschichte basiere auf alten Schriftstücken, die den Fall seines Vorfahren dokumentieren, unter anderem einem von diesem selbst verfassten Bericht über sein Leben und die von ihm verübten Morde. Ergänzt würde diese Darstellung durch Augenzeugenberichten, Prozessakten und Einschätzungen von Psychologen. Die Biografie stellt den größten Teil des Buches dar und wird von Cameron Mowat mit schottischem Akzent, jedoch klarer Aussprache gelesen. Die voranstehenden Aussagen der Dorfbewohner, die den Mörder Roderick Macrae kannten, sind in ihrer Wertung seines Charakters sehr unterschiedlich, sodass der Leser gespannt darauf ist, welches Bild seine Eigendarstellung bieten wird. Dies ist auch unter dem Aspekt besonders interessant, dass wir zu diesem Zeitpunkt bereits wissen, dass Roderick Macraes Verteidiger auf Unzurechnungsfähigkeit plädierte.

Der Leser lernt Roddy Macrae als empfindsamen, intelligenten Jungen kennen, dem man ein grausames Verbrechen eigentlich nicht zutrauen kann. Bereits bei der Darstellung seiner Kindheit tritt das spätere primäre Mordopfer Lachlan Mackenzie als Bösewicht auf, der Roddys Familie bei jeder Gelegenheit schikaniert. Am Ende von Roddys Bericht steht schließlich der Dreifachmord, der so eindringlich geschildert wird, dass es mir beim Zuhören tatsächlich ein wenig den Hals zuschnürte. Diese Schilderung ist wirklich meisterhaft.

Auf Roddys Bericht folgen schließlich der Bericht des Psychologen, der von Roddys Anwalt hinzugezogen wurde, sowie das Prozessprotokoll.

Macrae Burnet baut sein ganzes Buch auf, als handele es sich um „True Crime“, als sei all dies wirklich geschehen, was einen raffinierten Schachzug darstellt. Einzig der Zusatz „A Novel“ deutet darauf hin, dass das ganze Werk tatsächlich ein fiktives ist. Ich war während der Lektüre bis zuletzt unsicher, ob es sich um eine wahre Geschichte handelt, und musste erst recherchieren. Sowohl die ungewöhnliche Erzählweise auf Grundlage verschiedener Dokumente sowie die besonders lebhafte Darstellung des Täters und der Morde machen Macraes Roman zu einem Werk, das (vor allem für Nicht-Krimi-Leser wie mich) ganz eindeutig als Perle des Crime-Genres betrachtet werden kann, sofern man den Roman überhaupt in dieses Genre und nicht als genrefreie Literatur oder als historischen Roman einordnen möchte.

Die Zusammensetzung des Buches aus verschiedenen Schriftstücken wird im Hörbuch durch verschiedene Sprecher (u. a. den Autor selbst) hervorragend umgesetzt, vor allem die Besetzung Cameron Mowats als Sprecher für den Bericht Roderick Macraes ist perfekt, seine jugendliche Stimme passt zu dem erst 17-jährigen Roddy und er spricht wie bereits erwähnt im schottischen Akzent. Deutsche Leser, die nicht sehr vertraut mit dem schottischen Tonfall sind, könnten eventuell ein wenig Schwierigkeiten mit dem Verständnis haben, zumal auch einige schottische Wörter verwendet werden und das Glossar erst nach Ende des Berichts vorgelesen wird. Wer unsicher ist, sollte sich eine Hörprobe anhören.

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argoncover

(c) Argon Hörbuch

Sprecher: Christoph Maria Herbst

Dauer: 5 h 16 min

Lord und Lady MacIntosh besitzen ein schönes Anwesen in den schottischen Highlands, auf dem sie auch mehrere Cottages als Ferienhäuschen vermieten. Wie es sich für so ein Anwesen gehört, gibt es dort auch Tiere, Hunde, eine Gans – und eine Kolonie von Pfauen. Nur dass einer dieser Pfauen offenbar verrückt geworden ist und plötzlich alles attackiert, was von blauer Farbe ist. Wie dumm, dass der Wagen der Chefin der Bankertruppe, die sich zu einer Team-Building-Maßnahme im Westflügel des Herrenhauses einquartiert, auch blau ist…

Die bisher vornehmlich als Übersetzerin bekannte Isabel Bogdan legt mit “Der Pfau” einen fulminanten Debütroman vor, der genau das hält, was er verspricht: beste Unterhaltung. In herrlicher Manier nimmt Bogdan typische Ausprägungen der heutigen Gesellschaft aufs Korn, was sich am schönsten an den wunderbar charakterisierten Bankern zeigt, die auf dem Anwesen ihren Arbeitsurlaub machen. Rund um den Pfau und sein Schicksal entstehen schier unglaubliche Irrungen und Verwirrungen, jeder weiß etwas, was der andere nicht weiß, und jeder stellt Theorien über das Verbleiben des wunderlichen Pfaus auf. Auch die Hunde, die nicht begreifen können, warum ihre Menschen sich so merkwürdig verhalten, kommen zu Wort. Das alles ist so komisch, dass der Leser keinen Satz verpassen möchte, denn überall steckt Witz drin. Isabel Bogdan bedient sich dabei einer wunderbar leichten Sprache, die der begnadete Hörbuchsprecher Christoph Maria Herbst genau richtig zu betonen weiß.

Ein rundum gelungenes Hörvergnügen!

 

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(c) Penguin

Eine deutsche Ausgabe gibt es meines Wissens leider nicht.

Im 18. Jahrhundert waren viele schottische „Clan Chiefs“ bereits „anglisiert“, d. h., sie waren in England zur Schule gegangen und hatten sich an den Lebensstil und die englische High Society angepasst. Doch dieser Lebensstil kostete viel Geld. Gleichzeitig kam die Industrialisierung in Gange und den Lairds blieb nicht verborgen, dass man mit Schafen und ihrer Wolle sehr viel mehr Geld verdienen konnte, als die Landbevölkerung dem kargen Land in den Highlands jemals abringen konnte. So kam es dazu, dass immer mehr Chiefs ihre Pächter und Clanangehörigen aus ihrem Land vertrieben, teilweise an noch unwirtlichere Orte an der Küste, wo sie sich als Fischer verdingen sollten, doch größtenteils wurden sie zur Emigration nach Nordamerika oder auch Australien gezwungen. Wer die schottischen Highlands kennt, weiß, was für eine Katastrophe es für einen Highlander sein muss, dieses karge, aber doch wunderschöne und so eigentümliche Land verlassen zu müssen. Und dass sie von ihren eigenen Clan Chiefs vertrieben wurden, teilweise mit einer unglaublichen Grausamkeit und Brutalität, machte das Ganze doppelt schlimm. Das Resultat der Highland Clearances sind die heute größtenteils einsamen und entvölkerten Highlands, die früher wesentlich dichter besiedelt waren.

Mit der Geschichte dieser Episoden, die heute als „Highland Clearances“ bezeichnet werden, beschäftigt sich der 2001 verstorbene englische Journalist und Volkshistoriker John Prebble in seinem gleichnamigen Buch.

Das Buch schlummerte schon seit meinem Austauschstudium in Edinburgh auf meinem SuB. Ich sage euch jetzt nicht, wie lange das her ist, das ist echt peinlich. An der Uni in Edinburgh gab es damals für uns Austauschstudenten auch einen Kurs über schottische Geschichte, den ich belegt habe und in dem ich von den Highland Clearances und auch von diesem Buch erfahren habe. Schottische Geschichte wurde dann während meines Studiums mein Steckenpferd im Bereich Landeskunde, und ich habe auch meine mündliche Diplomprüfung darüber abgelegt.

Ich ging daher natürlich mit großem Interesse an dieses Buch – und fachlich wurde ich auch nicht enttäuscht. Ich muss  jedoch leider sagen, dass sich das Buch nicht wirklich gut liest. Ich habe Ewigkeiten dafür gebraucht, kam einfach nicht voran, und habe mich gefragt, woran das liegt. Mein Schluss war: Dem Buch fehlt es an Struktur. Eine gewisse lockere chronologische Ordnung gibt es durchaus, doch diese wird immer wieder unterbrochen, von einzelnen Ausweisungsszenarien springt Prebble zum Lebenslauf der Verantwortlichen und wirft dabei viele Namen ins Spiel, die es dem Leser sehr schwer machen, sich an späteren Stellen genau daran zu erinnern, wer jetzt dieser Herr und jene Dame war, war es ein Clan Chief oder ein Reporter oder doch einer der Verstoßenen? Es gibt zwar ein Personenverzeichnis, doch es unterbricht auch den Lesefluss, ständig dort nachzusehen. Stellenweise fragte ich mich auch: „Muss ich den Lebenslauf dieses Reporters jetzt wirklich kennen? Erzähl mir doch mehr davon, wie die Vertreibungen ausgesehen haben“. Die geschilderten Vertreibungsepisoden sind natürlich erschütternd. Da hatte ich immer wieder einen Kloß im Hals. Das ist auch das, was bei mir letztendlich hängenbleiben wird von diesem Buch, denn die meisten Namen werde ich bald schon wieder vergessen haben. Bis auf den Duke und die Duchess von Sutherland, deren Rolle bei den Clearances besonders prominent war. Was dem Buch außerdem fehlt, ist ein Glossar bestimmter schottischer Begriffe, die nicht allen Lesern geläufig sein dürften.

Fazit: Ein fachlich sehr gutes, jedoch schwer lesbares Sachbuch, das eine sinnvollere Gliederung hätte vertragen können.

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